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Meier Nmste NachWm

Hessische Abendzeitung

Nummer 35.

Fernsprecher 951 und 952.

Dienstag, 14. Januar 1919.

Fernsprecher951 und 952.

V. Jahrgang.

Vorläufige Waffenruhe in Berlin.

Sollte matt in Reichs-Regiermrgskretsen sich zu dem pfälzisch-hessischen Projekte nur deswe­gen bekennen, um annähernd gleich große Staaten zu bilden, so dürste als Ergänzung des gesamthessischen Landes sich wohl das mit- telmainische Gebiet um Aschaffenburg, ehema­liger kurmainzischer Besitz, das Gebiet zwischen Rhön und Odenwald, dazu besser eignen, denn dies gravitiert einmal wirtschaftlich mehr ngch Hessen. namentlich auch gegen Hanau und Frankfurt hin. als gegen Würzburg, und ist außerdem stammlich den hessischen Rachbarge­bieten näher stehend, wie es zugleich in seinen Bahnlinien eine äußerst wertvolle Ergänzung des hessischen Bahnnetzes bedeutete. Eine Entscheidung aber über solchen Anschluß kön­nen und dürfen nur die Bewohner dieser Ge­biete selbst fassen. Heute sollte nur einmal auf die schwache Stelle des Regierungsentwurfes, soweit er Hessen betraf, hingewiesen werden.

Sie Niederlage der Spartakist««.

Berlin. 12. Januar. lDrabtbericht). In der letzten Nacht sind die im Zeitungsviertel von den SKanakisten besetzen Gebäude, darun­ter das WoMche Telegraphmbüro, das Mosse- unti Ullsteinhaus geräumt worden., Die Svar- takisten sind »kme Kampf unter Hrnterla^ung von Waffen und Munition freigelafsen worden, ^tc Gebäude sind von den Re-sterungstrupven besetzt worden. Auch das Polizeipräsidium isst genommen worden und tourd- von den Reme- rrmastrupven besetzt. Im Osten der Städt sind in der Nacht viele Plünderungen und Diebstähle voraekommen. Seitens der Regiernngstrunpen werden starke Patron 'n, auch Kavallerie, durch die Stadt oesandt, um weitere Diebstähle »u verhindern. Diese Streifen weroen auch in der folgenden Rächt fortgesetzt werden.

MlzSeffeu?

Von

Bruno Jacob-Kassel.

Der »BorwtrnS' vom 2. Januar und nach tbm die .Deutsche Zeitung- vom gleichen Tage veröffentlichten einen Aufsatz Prof. Dr. W. Vo­gels, in dem Einzelheiten über den Entwurf einer Verfassung für das neue Deutschland, so wie et voraussichtlich der National-Versamm- lung vorgelegt werden wird, ausgeführt waren. Wichtig ist an dem genannten Entwürfe in erster Linie, daß er den Gedanken. Preußen, das durch seine Gestaltung ein für die übrigen Bundesstaaten zu gefährliches UÜbergewicht e- saß, in seine organischen Teile aufzulösen, rest­los durchführt. Die Föderalisierung Deutsch­lands darf man wohl mit Recht als eine nun­mehr zweifelsfreie Tatsache ansehen, und wenn man audj anerkennen kann und muß, daß Preu­ßen, das monarchische Preußen der Zeit seit dem Ende des 17. Jahrhunderts bis zu den Tagen der Gründung des deutschen Reiches seine historische Aufgabe hatte, so darf man doch nicht verkennen, daß es diese erfüllt hat und nunmehr auch der Natur feinen Tribut zollt, indem er sich auflöst. d. h. in Wahrheit in Deutschland aufgebt.

Die für uns wichtige hessische Frage, so­weit man sie überhaupt eine Frage nennen darf, tritt aber damit auch «och in ein neues Licht. Sie ist nicht mehr ein pium desiderium, sondern eine Realität, mit der sich der Politi­ker jetzt ernstlich ebenso zu befassen hat, wie mit dem Schicksale der übrigen Teile der ehemali­gen preußischen Monarchie. Unter Punkt 9 der gedachten Entwurfes und seines Kommen­tars steht aber: .Pfalz-Hessen, das bisherige Großherzogtum Hessen, die preußische Provinz Hessen-Nassau, die bäuerische Rbeinpfalz und die altpfälzischen Teile Nordbadens. 33 000 Quadratkilometer. 5 Millionen Einwohner, Hauptstadt: Frankfurt a. M.' Um zunächst gleich diesen letzten Punkt vorweg zu nehmen, der gewiß bei besorgten Lokalpatrioten Anstoß erregt, sowobl in Kassel als in Darmstadt, fei gesagt, daß Kassel in einer Periode von 58 Jahren bewiesen hat, daß es auch ohne Hof denn nur dieser bedingt das gesellschaftliche und geschäftliche Leben einer Residenz, sofern ihr nicht als Stadt noch andere Wurzeln der Kraft vorhanden sind. zu leben imstande ist. Und Darmstadt, ob als Hauptstadt Hes­sen-Darmstadts oder nicht, wird ohne Hof doch nur eine Vorstadt Frankfurts sein, sofern nicht die Bürgerschaft das kunstgewerbliche Erbe Ernst Ludwigs aufzunehmen im Stande ist. Kassel aber, und das sei hier gleich bemerkt, würde auch in dem neuen Gesamthessen Be­zirksh auvtstadt. Sitz der Eisenbahn- und Ober­pofkd Sektion bleiben, sowie der Gerichte und bet Katasterbehörden. allein vielleicht würde das Oberpräsidium fortfallen. Aber selbst wenn größere Verluste zu befürchten wären, so wäre doch das keineswegs ein Grund, dem Gesamtbeffen und feiner Entwick­lung im Wege zu stehen. Aber abgesehen da­von, daß die Hauptstadt-Frage noch gar nicht akut ist. muß doch der Entwurf als zu weit gehend abgelehnt werden.

Will sich die bayerische Pfalz von Bayern lösen. und es ist wohl hinlänglich bekannt, daß zwisch-m dem Bayer und dem Pfälzer knn gutes Verhältnis bestand, so könnte immer­hin der Anschluß der bäuerischen Pfalz an Hes­sen erwogen werden, weil dadurch der Zusam­menhalt von Rheinhessen mit dem übrigen hes­sischen Lande an Stärke gewönne, eine felbstän- »iqe Pfalz aber auf die südlichen Randgebiete Wbeinüessens kraft der Stammesverwandtst*>aft mziehend wirken könnte. Man würde also aus Ovvortnuitätsaründen ldenen sich vielleicht noch ein Hinweis auf einstige hessen-darmstäd- 'kfch-hananische Beziehungen hinsichtlich Pirma- tws gesellten'» diese Lösung annehmen müssen, llnvers aber liegt es mit den alten kurpfälzi- itf-en Teilen Rordbadens, der Gegend um Mannheim und Heidelberg. Es Wäre ein Um Xl6d für uns. Teile des badischen Landes, das Lh als lebensfähiger Staat erwiesen, jetzt ab- ketßen zu wollen, genau so wie Württemberg »et ihm zuaedachten größeren Hälfte des badi­schen Landes, das nicht nur der Schwarrwald- kücken sondern auch aroße Stanmnesnnterschw- »e von Schwaben scheiden, nicht froh würde. Hat sich Württemberg unlängst entschieden ch- *en von Bayern ausgehende Vereimaunas- WÜnsche geäußert, so wird es auch selbst die (6m zuaedachte unwürdige Rolle als Aunens- nifi ablehnen, wi« wir Hessen dresen Gedan'en gleichfalls auf das Allerentschiedenste zurück- weisen müssen. - Nicht etwa w-tl wtr das ;fälzische Land und feine Bewohner mcht schätz­en sondern gerade, weil wir n«ht neue Gäb- unasstoffe. neue Eiterherde m Deutschland Kassen wollen und bSdetv DeÄve^en darf richt Baden zerrissen. be#wpnt! Hrstzn nicht eile badii^ien Landes anne6mett.-

Die Zahl der Opfer.

Berlin, 13. Januar. (Dradtbericht).

Meldungen, bett« Richt'Äett sich noch nicht fest- wird die Gesamtzahl der Toten

Jas letzt« Bollwerk.

Der Schlesische Bahnhof erstürmt. (Drahtbericht.).

Berlin, 13. Januar.

Sonntag Mittag ist das letzte Bollwerk der Dpartakusleute, der Schlesische Bahnhof von Truppen des dritten Garderegiments er­stürmt worden. Die Spartakisten hatten den Bahnhof besonders stark befestigt. Ueberall waren Maschinengewehre eingebaut. Sonntag früh zehn Uhr waren die Regierungstruppev sturmbereit. Gewebrfeuer leitete den Kamp? ein. Immer größeren Umsang nahm das Feuer an. Plötzlich verstummte es. Gardepio­niere des 3. Garderegiments gingen mss lau­tem Hurra vor. Ihnen schlossen sitz Matrosen und eine große Anzahl Bürger an. Run wurde auch das Feuer vom Bahnhof her mächtiger Plötzlich aber schwiei es. Die Spartakisten er­kannten, daß ihre Sache verloren war. Sie suchten ihr Heil in der Flucht. DieZahlder Gefangenen beträgt dreihundert, darunter befinden sich sehr viele Frauen. Im ganzen hatten hier die Spartakuslente sechs Tote und etwa dreißig Verwundete.

Schiotzerei lm F»t'edrichstra««nviorL»k.

Berlin, 13. Januar. (Dra' bericht'». Am gestrigen Mittag kam es in der Friedrich­straße zu einer lebhaften Schieß et ei. In den Dachluken und auf den Dächern einzel­ner Häuser hatten sich Spartakusleute ver­schanzt und warfen von dort aus ihre .Handgra­naten hinunter. Die Regierunostruppen gr f fen sofort ein und es entspann sich ein lebüaf tes Feuregefecht, bis die Spartakusleute überwältigt waren. Nachmittags um fünf Uhr fand auch Unter den Linden ein Feuer - gefecht statt Spartakusanhäna er batten sich in der russischen Botschaft Unter den Linden festgesetzt und schossen von dort aus, als der Demonstrattonszug der unabhängigen So - zialdemvkvaten vorübengezogeu war, fortgesetzt «us den Fenstern. Auch dieser unertoarteten Schießerei wurde durch schleunigst herangew - gene Regiernngsttuppen ein Ende gemacht. ®e aen Abend fielen wi»der vereinzelte Schüsse tn der Friedrichstraße. Be^on>ers am Gendar - 'uenmarlt wurde es lebhaft. Offenbar hal­ten sich auf den Dächern einzelner Häufet im­mer noch Svattaknslsute auf, die die Einwoh­ner und Passanten durch ihre sinnlose Schieße­rei zu beunruhigen suchen. Die Friedrichstraße im» ein Teil der Leivttaerstraße lag in völ­liger Dunkelheit. Der Straßenbabnverkechr toar gesperrt oder vielfach umgeleitet.

in den bisherigen Straßenkämpfen auf 400 und die der Verletzten aus 1000 angegeben. In der Wilhelm und Beselersttaße wurden gestern ohne jeden Grund 10 regierungs­treue Matrosen von Spartakisten erschossen.

Kundgebung für die Regierung.

Berlin, 13. Januar. (Drahtbericht). Am Tage der Befreiung Berlins vog der Gewaltherrschaft des Spartakus riefen die Mehrheitsfozialisten zu einer gewaltigen Kundgebung für die Regierung Ebert- Scheidemann auf. In zwanzig der größten Säle Großberlins fanden gestern Mittag Mas- senverfammlnuFen statt, in denen übereinstim­mend den Spartakisten die Schuld an den Zu - ständen in Berlin zngesprochen wurde. Nach den Versammlungen, die sämtlich außerordent­lich stark besucht waren, rückten die Vrrsamm - lnngSterlnehmer geschlossen nach den verschiede­nen Plätzen der Stadt, wo große Vertrau- enskundgebungen für die Regierung und gegen die Radikal isten zustande kmnen. An die­sen Demonstrattonen beteiligten sich auch weite Kreise des Berliner Bürgertums.

DSberitz hinter Sbert-Lcheidrmann.

Berlin, 13. Januar. lDrahtbericht). Aus Döberitz wird der T. U. gemeldet: In oer letzten Zeit sind wiederholt Notizen in den Zei­tungen erschienen, die geeignet warm, ein völlig falsches Bild von der Lage auf dem Truppen - Übungsplatz zu geben. Der 9. Januar brachte in dieser Beziehung völlige Klarheit. An diesem Tage ist nämlich der bisherige Soldatenrat des Truppenübungsplatzes Döberitz zurückzetre- teu und es erfolgten Neuwahlen für die Ver­einigten Soldatenräte des Truppenübungs­platzes Döberitz. Das Ergebnis dieser Wahlen war, daß von den Truppen des Truppen­übungsplatzes 75 Mehrheitssozialisten 8 unabhängige Sozialdemokraten 'und 8 D emokraten gewählt wurden. Dem entsprechend fetzt sich nun auch der Soldatenrat zusammen, dem 5 Mehrheitsfozialisten und ein unabhängiger Sozialdemokrat angehören, da die Dimwkraten das ihnen an gebotene Mandat zugunsten der Mehrheitsfozialisten ablehnten. In der Abendfrtzung dieses neuen Soldatenra­tes wurde dann der Beschluß gefaßt, daß sich der Trupvenübungsplatz Döberitz mit Mate­rial und Mannschaften erneut hinter die Regie' rung Ebert-Scheidemann stelle und bereit ist, diese Regierung diitch Waffen und Hilfsmann- fchaften in jeder Beziehung und nach jeder Richtung hin Unterstützuna zuteil werden zu lassen. Infolge dieses Beschlusses sind nach Berlin bereits Mannschaften und Hilfsmaterial gibgeaangen. Weitere Hilfe wird entsprechend den Anforderungen, die von Seiten der Regie­rung gestellt werden, erfolgen.

Liebknecht und Luxemburg geflohen?

Berlin, 13. Januar. (Drahtbericht). Nach übereinstimmenden Meldunaen, deren Richtig­keit allerdings noch nicht feststgestellt werden konnte, sind die beiden Haupfführer der Spar­takisten Liebknecht und Rosa Luxem­burg zur Zeit unauffindbar. Eichhorn hat, wie der Vorwärts berichtet, vor einigen Tagen ihnen einen Reisepaß nach Däne­mark ausgestellt. Ledebour und Lewin wurden bei den gestrigen Kämpfen verhaftet.

Sie FrieSeaskrnfereu,.

Beginn am 20. Januar.

(Drahtbericht.)

Amsterdam, 13. Januar.

Dem .Allgemeen Handelsblad' zufolge wird die erste vvrbereitendeZ ufammenkunft in Paris heute ftattfinben. Nach dem gleichen Blatt wird die Konferenz bis zum 20. Januar verlängert werden. Dann wird Porncar.- die Konferenz willkommen heißen, die darauf mit ihren eigentlichen Arbeiten beginnen wird. Ein Pariser Statt meldet: Die Friedens­konferenz wird offiziell am 20. Januar mit ihren Arbeiten beginnen. Nach vorheriger Annahme des Grundsatzes des V ö kerbun - des in Anwesenheit Fachs und der Bevoll­mächtigten der fünf Großmächte, zu denen wahrscheinlich diejenigen Belgiens hinzutreten werden, wird sie sich der Erörterung der Frte- densbedrngmvgen für Deutsch and zuwen- den und die Denkschrift prüfen, die sür Frmtt- reich das Saarbecken beansprucht und dre In­ternationalisierung der Rheinschiffahrt nut be­sonderen Vorrechten für die Anwohner des Rheinstromes vorsteht.

SemLnstrationssonntab

Umzug »nach dis Kasseler «tratzen; für die Regierung Ebert - Scheidemann.

Kassel, 13. Januar.

Wenn Straßenumzüge den richtigen Maß­stab für Kräfteverteilungen abgeben, dann ist es gewiß, daß die Spartakusleute, die auch hier Anhänger haben, im Betätigungsfalle auf feine Macht rechnen können, und wenn rückblik- kend auf die gestrige Massenbewegung gesehen wird, so gibt es eigentlich nur eine Vergleichs Möglichkeit: Die Tausendjahrfeier! Schon in früher Morgenstunde war Kassel auf den Bei­nen. Da sammelten sich die einzelnen Korpo rationeu, die an der angekündigten Demonstra­tion teilnehmen wollten. Schon vor 11 Uhr hatten über 50 MO Mann (und Frauen f). zum groben Teil Angehörige der Kasseler Garnison, den Friedrich splay besetzt. Vier Redner sprühen zu gleicher Zeit.' Vom Balkon des Residenzschlosses redete der frühere Reichstags- obgeordnete Thoene. Er erklärte, daß Spar­takus Deutschland in einen Trümmerhaufen verwandeln könnte, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt. Was in Berlin geschieht, ist ein Verbrechen am ganzen Volke. Vom Altan des Nachbarschlosses herab sprach Dr. MaZ Qttarck aus Frankfurt a. M. und ließ die so zialistische Republik, das zukünftige Deutsch, land, hochleben: vor der Vandesbibliothek re dete Schriftleiter Hauschildt. Was die Spartakusleute jetzt vollführten sei Heller Wahnsinn. Genug der Opfer! Zu lange schon haben Ebert und Scheidemann Langmut geübt (Zurufe von den Soldaten: Leider!). Me Re­gierung Ebert-Scheidemanu muß harr toerociL Und dann sprach hier als Vertreter des Bür­gertums Stadtverordneter Rechnungsrat Hoffmann. Seine Rede klang in einem .Hoch auf das neue deutsche Vaterland aus Noch weiter, vor der Kriegsschule, sprach Unter, off!zier Brand. Hier machte sich vereinzelter Widerspruch laut, der aber bald verebbte. Von allen vier Rednern wurde gleichzeitig und bei einmütiger Zustimmung folgende Ent- schlietzung vorgelegt und durch Handerhe­ben einstimmig angenommen:

Die auf dem FriedrichSplatze zu Kassel ver- saimnelten 50 000 Frauen und Männer, rin schließlich der gesamten Kasseler Garnison, be­kennen sich freudig zu dem dieser Taue von der Regierung Ebert-Scheideinann v«öffrntlichten Aufruf, laut welchem am 19. JaMpr 1919 das deutsche Boll durch Vornahme b Wahlen zur Nationalversammlung die freie Entscheidung über sein eigenes Schicksal herbeiführen soll. Die Gleickcherechtigung Aller im Staate, bw Mitbestimmung aller Parteien in den Parla­menten gemäß der Stärke ihrer Wählerschaft, die Sicherung aller Vorbedingungen für die endliche Abschließung des Frie­dens. das ist die Forderung des Tages. Die Diktatur, die S chreckensherr- s«hast einer Minderheit, aus wel- chen Elementen immer sie sich bil° bet. lehnen wir entschieden ab. Des­halb begtckßen wir es lebhaft, daß die Regie­rung Ebert Scheidemann mit fester Hand zufaßt um jeden Verächter der persönlichen Freiheit und jeden Störer der öffentlichen Si­cherheit unschädlich zu machen. Die versammelte Bevölkerung Kassels ist entschlossen, sich für Freiheit und Ordnung einmütig hinter die Re­gierung Ebert-Scheidemanu zu stellen.

Dann setzte sich der lange, lange Zug tn Be­wegung. Voran Berittene, bann drei Mitglie­der des Arbeiterradfahrerbundes auf ihren Rädern und mit ihrer Standarte, eine Gruppe Feldgraue im Stahlhelm und dann nach einer Gruppe Offiziere die 83er. teilweise auch m Stahlhelm. Weiter folgten die Übrigen Kasse­ler Truppenteile, darunter Maschinengewehre die Angehörigen des Bekleidungsamtes, un langen Zuge die Stadtwehr ldabei konnte erstmalig ihre imponierende Stärke gesehen werdens), die Sanitätskolonnen, mit ihrer alten Fahne auch die Buchdrucker, ein Rauch­klub, der Deutsche Eisenbahnerverband. di< Angehörigen von Weamann und En., die Ar beiterturner. die Henschelaner lihre Fahne vor­an!, und bann ein ergreifender Anblick auf Wagen die Kriegsbeschädigten mit ihren Krücken! Im Zuge waren zahl­reiche Schilder tote »Es lebe Eberi-Lchetde. mann'. .Für die Nationalverzammlung' .Ebert-Scheidemann. werdet hart!'. .Alles ar­beiten, niemand faulenzen', -Gsinche Pflichten, gleiche Rechte'. .Weltfrieden und Wettfreude! Die originellste Tafel besagte: -Laßt euch nicht Verkohlen, wählt-Philipp!" So gina es durch die Straßen: hier und da wurden, teils mehr, teils weniger stürmisch Hochrufe auf die Regier ntna Ebert-Scheidemann ausgebracht. Dre Martinskircheutünne waren dicht besetzt, eben­so die Anlagen an der Lutherkirche. Am Fried