ftnffrfet Neueste Nachts cksteu-
Sonnfag. 12 Januar 1619.
Letzte Ze-eschen
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Neues aus Kassel
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We LeÄMullUM MM iZisil«.
'n ums Leben kamen. Die AM der Verwunde, en ist so groß, das, die Hilfsstellen dauernd mit »er Neueinlieferuna »u tun haben.
Der Vortragsabend, den der Bürger» 6nnb.tmt Donnerstag im Murhardsoal veran» Lastete, brachte einen Vortrag von Dr. Hör»
auf Kommando
zwei italienische
Di« «orgiga Dam »«straff»».
Morgen vormittag 10,30 Uhr findet begann4» lich ein großer DemonstrationSzua vom Friedrichsplatz auS durch die Straßen statt, um zu zeigen, daß di« Kasse'er Bevölkerung mit den Maßnahmen der fetziaen Regierung zum Aweck der Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordmmg einverstanden ist. Nicht nur d'e Arbeite'schabt, auch das Bürgertum ist mrfgesordert Wörde", sich an dem Umzug ,u beteiligen, ferner tritt die StadtweLr vollzählig an. Dass lbe g'lt von dem überwiegenden Teil der Kasseler Garnison. Tiefe nimmt regimenterweise, unter Vorantrktt der ReginrentSmusik und unter Anleauna gleichmäßigen Anzugs nach nftbe. rer Vereinbarung innerhalb der Regimenter an dem Umzüge teil. In ein'r B«rannIna*nna des Garnisonkommandos heißt eS. daß die Teilnahme der Offiziere uni Au?dn,ck bringen würde, daß auch sie entschlossen sind. M für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung voll und ganz einzusetzen.
Spartak«» im Schlesische« Bahnhof.
Berlin, 11. Januar. (Drahtbericht.) Der Schlesische Bahnhof, von dem de» Wriezener Bahnsteig in die Hände der Regie» runas-trnppen gelangt war, ist wieder ganz in den Händen von Spartakus. Ein erfolgreicher Angriff der Regierungstruvvcn scheint nur noch möglich, wenn die Zerstörung der enorme Werte darstellenden Bahnhofsanlagen von der Regierung zugelassen wird. Trotzdem haben die letzten zwei Tage unvcr- lennbar einen Still st and der Eroberungen von Spartakus gebrachl. Die allgemeine Erwartung aus einen endgül igen Sieg der Regierung ist jedenfalls durch die Sage seit Donnerstag mittag wohlbegründet.
BerstLrkiittg für die Stegiermtf.
Berlin, 11. Januar. (Drahtbericht.) Von sozialistischer Seite wird mitgctettt: Die planmäßigen Operationen der Regie- rungStruppen gehen weiter. Ver. stärkungen treffen von allen Seiten ein. Die Kieler Matrosen sind zuverlässig. In der letzten Nacht sind auch Transporte aus Hannover eingetroffen. Wie in einer Ansprache im Werbe- lokal am Kurfürstendamm gestern abend bekannt gegeben wurde, sind insgesamt noch zwanzigtausend Mann im Anmarsch auf Berlin, um die Macht der Regierung zu verstärken. Ein« Entscheidung der schweren Kämpfe in der Re'chS- hauptstadt ist deshalb kaum vor einigen Tagen zu erwarten. Im Tiergarten und an der Stadtbahn fanden gestern abend wieder Fcuer- aefechte mit Spartakusgruppen statt.
Kriegsgefangene a»f und bieten ihre Mätze an. Nou den D e u t s ch e n hatte sich niemand oerübrt...!
Grab imb Wiege. In her ersten Iaßr^S» woch« kvom 29. Dezember 1918 bis 4. Januar 19191 starben noch den Mitt«'l"n-'e" des städtischen Statistischen Amte« in Kastel 47 Verso'»»-» kdarunter 17 durch akute Kranfhesten der At- rmrnasoraane und S Kinder im fiten LcbeuS- iahre). In der vorb-reebenden Woche wurden 37 Kinder lebend geboren.
Sport und Spiel. Morgen nachmitta» findet an der FDankr>"rter"rafte das mit Svan n'ma erwartete Treff»»» Fuf>ballv»r<-in gegen Spo>-tverein R>stbe"di^mo!d statt. De» d»r guten s-istuna beider Geaner ist scharfer Kamrbs in Aussicht. Normi^aas sw'e'en di» »weiten und dritten Mannschaften a»'f den Plätzen der aena"men Vereine. — A"t be»« Eintra^tplatz en'Nlsäugt nachmittags Boll'vielverein sti die Mstndrner Svielvereinilmng. Be'be Mrnn - schäften sind g'rt in Form. Hemrannie 1 und Spoichfr-uude 1 ngchmitt. o’*t st>ef gn -ia^katz
-l. B,i-stecke-nsgnnnetn als Arbe'tslofe-'be - schästt-nrn". Die Dernobilmachung bringt es mit sich, daß manche nnfere» zn»ückaek»b»t^. Natrrfgnd^'ertrMger nicht sokom die aewdßnte Arh'it cn'tuechmen Konen ttrtb sich d"ber be- Trüb'n, aoderweirfg vorsidem>ebend Betchäkti - gnug zu suchen, ilnsere großen V'chenwiMu' bieten in den nächsten Wochen noch durch das Sammeln von Bicheckern eine B-fchäkt'auna, die sich bet der au^naemöhnkich großen Buchen, last recht einteSallch gestalten kann. Der Samnt- ler. der die Bucheckern bei der öffentlichen An»
Dl« russischen Mkvisnen.
Haag, 11. Januar, (Draht bericht) Der russische Derichtersittter eines Rotterdamer Blattes berichtet ,er habe während seiner letz en Aufenthaltes in Petersburg erfahren, daß im Juli Mit einem Chauffeur zwanzig Millionen Rubel nach Deutschland geschickt worden seien. — In der Reichskanzlei wurde gestern ein r u s s i s ch e r bolschewistischer Agitator als Gefangener eingeliefert.
gen Arbeiten bekannt. DaS mue W rk bewies einen starken EllettiziSmuS, aoer .vuug persönliche Eigenart. Durch das an sich klangschöne, auch klangreizende und raffiniert instrumentierte Werk begrüßte man die Genie ein'S Wagner und Strauß, die. mehr oder weniger engagiert, der Arbeit Gevatter standen und dem Komponisten zu einem Lufer'ich starken Ersel « Verhalfen. LaugS nahm sich der »Semele" mit aller Liebe arf und erwarb sich mit der Wiedergabe der Mozart-Sinfonie (E-Dur) und Dvoraks .Scherzo capricaoso" (op. 66) wiederum den vollen Dank, den man ihm als dem tiefschürfenden, künstlerisch feingeistigen Leiter dieser Konzerte unbedingt zollen muH. P.B.8.
LokalnachrlchSsn vsm
LeßenSm'ttelve'teilung in der 3. und 4. Woche. D>e bereits begonnenn Verteilungen werden fortgesetzt. Neu nach bem Rmmnern - au stuf: % Pfund 61 raufen, y4 Bürnd Schd'a» tenmagen. In allen Geschäften: i Pf>. Marmelade, '/- Pstnrd Honig. % Pfund Zucker. Die Mengen sind w'«d»r für 14 Tage bestimmt, ebenfalls dir aus dem Anzeigenteil zu ersehenden, die aeit Zickatzkarten mtsaryeben werden Ars die Flekscherfatzkarte gibt eS V> P?d. Graupen. Bei den Schwerarbeitern wird die Verteilung von Kartosfclqrieß fortgesetzt. Bei dieser Gelegenheit sei wieder gemahnt: Spart Kartoffeln! Nur äußerste Sparsamkeit schützt vor Mangel! Mehr als sieben Pfund für den Kopf des Haushaltes dürfen in der Woche ni** verbra»»cktt werden.
-4- Kastel im Städtetag. Auf dem gestern in Frankfurt a. M. tagenden 9. Städtetage wurde Oberbürgermeister Koch in den Bor. stand gewählt.
-r- Für eine Wiedereröffnung des Postamt^ an der Hnlländischensttaße Die Firmen d'S Viertels am Holländischen Tor beteten eine Eingabe an b’e Posib-börde vor das während des Krieges ges*'o^eue Postamt an der Holländischen Straße toterer zu eröffnen. < Die Eingabe, die bereits zahlreich» Nn«erschristen get"ndeu b"t. kann nicht tatkräftig aemm unterst"'tzt werden
— Abschuß kranker trwSvo-ffSTi[^c- G, gn» geuer ’n daß KorvSsanrm-'lager. Alle in Re- serve-VereinSlamretten uisw. »intern estrcchicn stanken und verwundeten, transvortflhia'u rr'egsgesouaenen Amerikaner. Engländer, Franzosen, Belgier. Italiener, Portt-giesen un> Serben sind «weckS Abschub in die Heimat dem STotK'fananelhrgrr für den Bereich des 11. Armeekorps d m Kriegsgefangenenlager Göttingen uuvwzLgkich zuzuNhren. D'« nicht tranSvorrfSbigen KriegSaefangenen sind der Inspektion der KriegSgefangenenlLger bei 11. Armeekorps umgebend iramenttich zu melden.
-> Liefert da« H«reSgui ab! Durch Berau- bung von HeereSlägern und unrechtmö^iae Verättßernng sind arohr Menoen Unito-rmstoff gMize Uniformen. Mäntel. Stiefel, Wäsche usw in den Besitz Privater übergegangen. Heber diele nnrechtmäßia erworbenen BetteidunqS - stücke der HeereSverwalttwo sagt das Ne!*Sver- wervm»Samt in einem Inserat: .Sie f*ä»»!)en den Träger und den deutschen Nam-n." Dem kann nur be’fietreten »erben. Die Ablieferung bei den zuständigen Behörden ist daher Ehrensache.
-r- Sollen wir vo" den sileinden lernen? Man schreibt uns: Ein siberfsillter Strgtzenbabnwa- «en. der durch d>» untere Köntgstr lährt. A» der Haltestelle Iöaersira^e st-igt ein kriegSbe» schädigter Soldat mtf. Millbsam bewegt ’n sich durch den Wagen. Da svr'nngn — wie
9. Jahrgang. — Nr. 8t
Mwr AMWr RschrkMe«.
Rnfforderrrng zmn Rücktritt der Regierung. Der Zentralrat der Marine erläßt einen Auf- ntf, i« der er die fetzigen RegierunaSn-änn^r SckE'idemann, Ebert NoSke, LandSberg un- Eickchoru auffardert, ihr Amt- ni»d?r;ulegen imd anderen Männern Platz zu machen.
Der Arbeiwrrat ber be-iff *en W'fsen und Mnu>t'onSfabriken erläßt eine Erklärung, die den Willen kunsgcht, über d-ie Köpfe ' ihrer Iübrer hinweg siw auSzusöhnen. damit wieder 9M)e werde. Er fordert den Rüchstitt bi'fcr Isihrer und droht andernfalls an. daß die Ar- bester am Montag die Arbeit geschlossen wieder mrfnehmkn.
Schauspiele.
4. Abonnements-Konzert.
Die Solistin dieses vierter» Konzerts, Frau Eahnblev-Hincken, — sie sang hier z':m ersten Male, — war mir eine Altbekannte; aber Jahre liegen da;wi>sel«n, Fahre, die der Frische der Stimme, ein-S Hellen, nicht allzugroßen, aber twafähigen Sopran?, vielleicht ewas Abbruch taten, die aber der Techni' und Ter»*»’et. nerlichuvg die Reist und $oCent«ttfl brack len. Heute stehl de Sängerin, die perlendgeiSsten Kolorattneu bewiesen es, über a"em Technisch :n und dos klmschtvingende Piano zeuzte vo.i selten r StimirfirTtur. Sie ernte'e mit HayduS »Auf starkem Fittich" und den Siebent von Strauß. P fitz ne r und Hum.'erdinck starken, vervienter Beifall. Auch Josef Frischen, dessen sinfonische Dichtung .Semele" zur Ur- aufjühruna kam, war mit aus seinen dis Herl-
Zm BLrzerrmtv.
Gestern abend sprach im »Biirgerbund* Pfarrer v. Bernhrrd DörrieS aus Hannover-Kleefeld. Kraftvoll, enthusiastisch, glühend, inhaltreich und nachdrücklich legte er seine Auffassung vom Christentum dar, das unser Menschentum in Größe und Freiheit, in T'efe und SebenSstärke, in unerhörter Tatfrcude b s aufs höchste steigern mfine. Christentum, so meinte der Redner, heißt Leben und fein Ziel, ewiges Leben. Religion soll Privatsache sein. DaS »st wahr. Aber Religion ist auch» Gemeinschafts- sache durch und durch». Religiöses Leben muß - so bewußt wie möglich werden. Der Rel csious- unterricht macht die Schule erst zur Erzieh'tnge!- anstalt im hohen Sinne. Vom Lehrer der in Freiheit unterrichten müsse, forderte der Redner, daß dieser mitten im Strome des religiösen LebenL tzrhe. Unser Velk werde die ganze Größe und Tiefe dieser Frage des Religionsunterrichtes für die kommend» Na»W--ak- verfammlnng erfassen. N cht nur ein Wahe. recht, sondern eine Wahlpflicht fei aus»» >ben. Sie muß dienen, dem Volke den ReligiouS- unterricktt zu erhakten. In der Aussprache '"egte «. a. Lehrer Wann er dar. daß die Kasseler L»h- rerf(6<rft einmütig den Relig'onsunterricht, wenn auch mit einfch'neide"den Reformen, fordere. und Lehrer Blume betörte, die de tfch- nationgke Partei erhoffe von einer relmiö'en und sittlichen Wieder-»ebu»t unfe^eS VvlkeS alles. Studienrat Ehringbaus bew'es auf einen Angriff bin. daß in der deutfchen Lehrerschaft in der Frage des Reli^ionSunterrichtrs verschiedene Strömungen herrschten. Die Kaseler Lekperschaft meine er damit nicht.
necke über. ,M ona rchi e, Aristokratie, Demokratie" Redner ging von der ari- stoiclischen Staaisverfaffung aus, um bann die einzelnen Verfassunpsfonncn als Zeiterschei- nungen zu kennzeichnen. Die verschiedenen Arten der Monarchie und der Repi bM wurden behandelt und in ihrer Eigenart 6eleud;4et. An dien geschichtliche Begründung der demokratischen Gedanken knüpfte Redner eine Kritik der Demokratie überhaupt, besonders des Mehr- heits- und Gleichheitsprinzips. Die Erfahrung lehre, daß eine auS den verschiedensten Elementen zusammengesetzte Masse nicht tmftanoe fti, durch die zahlenmäßige Mehrheit da« Beste zur Durchkührvng zu bringen und daß demgemäß Gegingiwichle unbedingt nötig seien. Die Mächte, die imstande fe*nen, diese Gegeagr- wicht» im eirczelnen Menschen zu- schaffen, seien Familie, K'rchc und Schule. Ihre Ausgabe sei -S, sittk'ch vellwerttge Persönkichkeistn z», bilden. Rt>" so könne Deutschland die Gefahren d'r Gegenwart überwinden.
Vie „AnabhLngfKeu".
Nunmehr ist as.ch die Kanvidatenliste der U. S. P. erschienen, di» entgegen alt»n Erwar - ttmgen nicht den h»sh-rigeii Re-'ck-S'agSobge- ordneten für den Wahlkreis Kassel Melsungen, Hüttmann an der Spitze hat, sondern ven Frankfurter D i ß m a n n. HLtttnann erscheint »rst an vierter Stelle. Wie au? ^eTltten übe» Hüttmann8 Reden in Melsungen und Span - atnberg heworgeht, soll Hüttmann dort erklärt haben: Wenn die Nationalversammlung eine hsiraerliche Mehrheit ergibt, dann wird das Volk zu kämpfen wissen...!
®rol)e*6e Gefahren.
Köln, 11- Januar. (Drahtbericht.) Na» bet „Kölnischen Zeitung" meldet ein Londoner Blatt, daß die innere Lage Deutschlands in 6er Nationalversammlung aus die Weise grrrgelf werden müsse, welche die Hoffnung auf ein Fortbestehen Dentfchlands eröffne und im Interesse seiner Nachbarn liege. Nach einem andern Blatt darf man es Deutschland nicht gestatten, seine Hilf«gnel. len zu vernichten, da diese von Deutsch-- land zu cnttkfitenben Entschädigungen d enen sollen. Sollte eine derartige Absicht begehen, fe müsse di« Entente ein» Warnung erteilen und neue Bürgschaften fordern.
Adfi-ckt«n dar Ententr.
Genf. 11. Januar. kDrähtbericht.) Ein Pa rifer Blatt meldet: Die Aussicht auf eine Fort, fehlt na des Kriege« ist in de», letzten Tagen ernstlich gestiegen. Wir denken nicht daran, die Nrrhandkungen mit dem deutschen Oberkommando obzubrechen, aber wir sind entschlossen. den geringsten Berfnch TeuifchlondS. sich mit dem russischen Bolschewismus zu verbinden, mit der Wiederaufnahme deSKampseSzu beantworten.
Englischs Arhsitsrbelvsgnng.
Essen, 11. Januar. (Drahtbericht.) Die ..Nheinksch-Meftfälifche Zeitung" meldet au« Amsterdam: Unter den englisckien Arbeitern ist eine Verminderung ber GSHrung festzustellen. Zehntaufend ScknffSarbeiter werden di« Arbeit wieder aufnehmen, dag'gen ist setzt eine starke Lohnbewegung unter den Merk- arbeitrrn wahrzunehmen. ES wird eine Lahn- erhöhuna von 30 Prozent gefordert.
SSilfe* M«b dsr Vrlksrb«?rd.
Zürich. 11. Januar. (Drahtbericht ) Rach ber „Weiten Züricher Zeitung" meldet das fstd» renbe Ma länder Blatt auS London: Die Auf» wssung bei Präsidenten Wilson, datz Sie Diskussionen über di« Ersindnn-- be« Völkerbundes sofort bei Beginn der Fns- denSkonterenz anstatt am Schluß der Sitzung zu besprechen feien, ist durchgedrungen. D'e Arbeiten werden mit dem Studium eine« Vrvse!» tee für die Bildung einer L ga bet Rationen vorläufig auf provisorischer Bast« beginnen.
nahmest'lle aferibt, erhält für das Kilogiamm etwa Mark 1.65 Dammellohn und außerdem noch einen Oelbezugsschein auf 60 Gramm Oel. Das Buchekern'anmuckn ist nicht nur eine lohnende Beschäftigung. eS geftatret obendrein den eigenen Haushalt mit Fett (ohne Anrechnung auf die Fettkar»») zu versorgen.
Brrwendung von Feldpost-Drucksachen. Vordrucke für die Feldpost, Postkarten sowohl wie Briefumschläge und Kartenbriefe, sind tn broßen Mengen vorhanden, ohne daß sie alle ihrem eigentlichen Zwecke zugeführt werden können. Um diese großen Vorräte nutzbar zu machen, hat das ReichS-Postamr aus eine Anfrage zugelassen. daß diefe Drucksachen auch sonst für den inneren deutschen Verkehr verwendet werden können. Dorausfetzung ist dabei lediglich, daß der Aufdruck »Feldpost- und die sonstigen nicht zutreffenden vorgedruckten Angaben für die Feldaufschrift vor der Einlieferung gestrichen werden.
-t- Der Tod in der 5?ntba. Heute früh wurde von der Au- auS b. obachtet, wie eine »n- sck.»inend »em Zigeunerstande anaehS- renbe Frauensperson von ber Drahtbrücke in die Fulda sprang tmb ittrtcTging. Bald darauf wurde eine weibliche Leiche Geländer, bte aber schon länger im Wa "er gelegen hrben muß. Die Tote, rn; Dunfclbionoine. hat e einen schwarzen Mantel an. trug ein goldenes Medaillon und einen Silberring mit bunten Steinen.
■-r- Allerlei vom Tage. Der für die Bür- gerschule 16 vom 1. Oktober 1918 ab nett ernannt» Rektor Luttermann, bisher Mit- tekfchullehrer an der Luisensckule wurde nach erfolgte» Rückkehr aus dem Felde von St dt- schulivfpektor Beese in Gegenwart des Schuh- ksllegii'ms ht fein neues Amt eingeführt. — Um mehrfach enifiandene Zweifel zu beheben, hat der Demobilmachungsausfckmß eine Bekanntmachung erlassen, nach der die Anordnung vorn 11. Dezember 1918 bett. Entlafsung von Kriegsbefckädigten ar:ch aus sol- dw Fälle Anwendung findet, in denen b-ent KriegSbefchädigten zwar vor dem 11. Dez mb er gekündigt worden ist die tatsächliche Enf aflung aber erst nach diesem Zeitpun't eintreten würde. — Heute erschien eine Bekanntmachung ber setzt geklen»en Höch st preise für Grünkohl und Nüßchen. — In der vorletzten Nacht wurde aus einer Speisewirtsckiaft in der H o l- ländischen Straße und zwar durch dar vergittert« Hosfeusier die Margarin-menge et» stöhlen, die für die Wirtschaft bestimmt war. — Heute vormittag wurde in der S o l l S n d i- schen Straße ein Pferd totgefahren.
-T- Veranstaltungen am Sonntag. Massenkundgebung, 10'4 Uhr F»ie^»'ch?vlatz. — Bürgerbund: »Was gebt in Berlin vor?" VcreinShauS, 8 Uhr. — Zentrum: Frauen» verfaMmlima Murhardfaal, 4 Uhr. Deutsch» demokratische Partei: Frauenversamu,- lung 10% Uhr, StoVHalle. — U. S. P. Stadt- Halle, z Ubr. — Staat!. Schauspiele: .Pension Scheller-, 2 Uhr — »Rose' k Vatter-, 61/, Uhr. — Residenzztheater: »Famili« Hänncmann*. — Seife rläle: »Der kuftig« Sattfba*. Hagenbeck, Leisiersche Wie'e. — Montag: Staat!. Schauspiele: »Troubadour*, 7)4 Nh". — Deutschnationale Pes? Spartet: Wühlewersommlung, Stabte Halle, 8 Mr
-i- Wie wird da« SonntagsWetter? Der amtliche Wetterbericht sagt für morgen, Sonntag folgende Witterung vorauS: McW tribbe und neblig, an vielen Orten Stiebet- schläge, Temperatur wenig geändert.
Eine sozsalbemokratische Frmmnverfmmnfnng.
Im überfüllten Stodtpark Saal sprach Frau Dr. Q u a r ck - Frankfurt zu den von bet Sozialdemokratie einber.ifcnen Frauen. Im Iaht: 1918 — so führte die Nednetin auS — waren allein tn den Fabriken 4,2 Mill'onen Frauen tätig. Ihnen ggenttber standen 4,1 Millionen Männer. Ddnnoch gaben die bürgerlichen Parteien den Frauen »richt di» dadurch gewonnenen Rechte. Nun. da die Frauen wühlen und gewählt werden dürfen, müssen sie eine Mach! im Staate werden. Dazu gehört engster Zn- samrnen/chluß in DerufSorgrnisaltonen. Auf dem Gel'ieie der Jugenderziehung, auf dem d:r Sck?»tt°, überall müssen die Frauen — bte aus d m Bolle — Mitwirken, vor allem aber gilt e3 für sie, sich politisch zu bilden. Die einzige Partei. b»e stets für die S rmmberechtigung der Frau elntrfl*. war die Sozialdemokratie. Dann sprach Dr. Mat Q u a r ck. ber fetzt im Großen Ha»rptmraittier tätii ist. Er forderte Arbeit, ird»t Pulfche, wie es bedauerlicherweise in Bulin der Fall ist. Sonst wurde das Wort nicht verlangt. Zum Schluß appellierte noch ein Redner an die Fronen, an der Sonntagsdem n- ftration für die Regierung Ebert-Scheidmmnn teilzunehmen.
Die Zett der Frage,».
War sagen Die zu Berlin... Was meinen Sie, wen man wählen soll... kommt es überhaupt zur Wcchl...? Aus dem Morgenwege zur Arbeit bilden diese Fragen den Hauptteil der Unterhaltung: der Briefträger fragt, wenn er die Post bringt, am Fernsprecher schleichen sie sich in kurze geschäftliche Erörterungen und ziehen sie in die Länge, und dann erst auf der Plattform bet St. — Wagen der Straßenbahn, m den Versammlungen seihst, auf dem Heimweg durch die nur spärlich beleuchteten Straßen, in denen sich die Züge auS der einen mit denen aus den anderen Versammlungen kreuzen, im CasS, im Kino, im Theater!
Uno dann zuhause! Früher tou>b? erst nach den Todesanzeigen, nach der Geschichte und dem Le'öeiMnittelaufrus gefragt, wenn vie Zeitung kam: ictz: fnitzen sich die Frauen und die Männer auf die DeMncr Rackwichten, aus die VersammlungHberiehte und fragen, was man tarnäalich hundertmal hört und beantworten soll: Wie ist es... was foll werden... Glaubst btt, daß...
Ich werde mir einen Phonographen zulegen, der die Antworten herunterleiert und im übrigen froh fern, wenn die Wahlen, die ersten wenigstens, unter Dach Und Fach sind. Wenn nur alles klappt, wenn nicht... ach du liebe Güte, da habe ich mich selbst gefragt...f H.
Kassel im Wahlkamps.
TUnkbombeti in einer Zeittrumsverfammimrg.
Das haben wir denn doch noch nrht in diesem wildrsteu oller WahlkäEe erlebt, daß .. Stinkbomben gelegt worden sind! G.ft'tn aber toar c« der Fall Der große Stadlhallm - faat war vevkommen überfüllt, seihst in den Gängen biänaten fid» die Menick>en und la'tsch- ten den AnSführungen des Schriftleiters Rittet an; München-Gladbach, der das Programm des Zentrums entwickelte. Dabei griff er besonders den Imperialismus, den M.ki arismus und dcn Mammonismns scharf an, erörterte Kultur-" und wirtschaftsvolitifch» Fragen und betonte: Wenn die Sozialdemokratie in b.t Na- tionalvcrsamnckung die Mehrheit erhält, wird sie kaum in der Lage sein, den erlernen Sirö - nrungen von links wirksam entgegen zu treten. Auch die Debatte gestM'te sitz äußerst lebhaft, namentlich durch die Aussührungen einiger So, zwldemokraten und eines Israeliten, der V.t« wahimng dagegen einlegte, vaß immer einige Juden betauSgegriffen und dem gesamten Judentum an die Rcckfchöße gehängt wÄroen. Wie das Zenttnm fordere auch das Ju'ocntum da« staatschüraetliche Recht eigenen Ressg onS- unterrichts. Ein ans Berlin gekommener Pfar. ter Dr. Nautzr teilte ferner mit, daß in Senin die Protestanten mit den Katholiken gemeinsam im Wahttamps filt Vie christliche Kirche zu'am - mengehen. Als fchließkich der Referent das Schlußwort hatte, ging der Tanz los: Den Leuten begannen plötzlich dien Augen zu tränen, und es war vor Gestank nicht aus zuchalten! Bald wurde Vas Räts>1 gelöst: Eine Att S t l n k b o in h e n, die am S-al' eingang links von der Bühne un er die Stühle gelegt worden waren, stellte dieses moderne »DersammLungs-SPrengmittel* dar. Dennoch gelang es der Leitung, Vie Versammluna zu- fcutPnenzul'alien und den Abend selbst zu einem Vchkg nr Abschluß zu bringen.