Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 30
S. Jahrgang.
Fernsprecher 851 und 952.
Fernsprecher 951 «nd 952.
Sie Berliner S.-Me für die Regierung
Dt« «affeiet Reaefttn Rachrtchrm etfdeinen»ächknruch sechsmal an» paar «»end«, »er Xbetmcmenttortl« be tilgt monatl 1JO Start bei tretet BufUluni tat Ham« Befteaungea »erben jeder,eU oen der «etchLNSslelle aber den Selen «ntgegengenammen. 1 ruderet, •erlag un» WebottUni Gchtachthefslrete 98/30. Für unverlangt emgelanble Beiträge kann »te Nedaktten eine Berentroortung ober Gewühr in keinem Fal« übernehmen. etüdjLhlmig des 8e,ag<geibe8 aber Inf »rücSe roegen etwaiger nicht er»nung«mä|tgat Lieferung ausgeschlossen/
Gegen ein Panz,rauto»»bil.
Berlin, 7. Januar. (Srafctberidrt.) Nach dem Ausaana der Demonstration auf der Wilbelm- straste kam eS gestern in den späten Rachmittaasstunden zu einem ernsten Straßenkampf »wischen Spartakusanhängern un- PollSsolda- ten. Durch die Menschenmenge bahnte sich ein schwer bewaffnetes Panzerautomobil, das von Spartakusleuten bealeitet wurde, den Wea »um Reichskanzlerbaus. Die Besatzung des ReichSkanzlerbauses griff den Pan- »erwägen mit fünf Granaten an. Auf Seiten der Svartakusleute soll es viele Tote gegeben haben. Die Besatzung des Reichskanzlerhauses hat dagegen nur einen Manu verloren. Weitere Einzelheiten konnten biS jetzt noch nicht festgestellt werden.
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Mit »ttrLSrischsn Machtmitteln.
Berlin, «. Januar. (Drahtbe-richi). Heute mittag fanp in bet Reichskanzlei ein «riegSrat der BollS leailftraateu statt unter Beteiliauna
Dies« außerordentliche Lage machte auch außerordentliche Vollmachten für die Reichsleirunq notwendig. DieS kommt in der folgenden Meldung zum Ausdruck:
Berlin. 7. Januar. (Drahtbertcht.) Wie wir erfahren, haben sich gestern abend bi« Solds» tenrLte aller Berliner Garnif»- neu auf Seite« der Regierung gestellt. Bon auswärtigen Garnisonen sind von Brandenburg. Frankfurt a. O. und Küftrin in der Rächt gleiche Kundgebungen an die Regierung abgegange«. Bottskommiffar Roske hat im Auftrage der Reaieruna Noch gestern abend die Alarmbereitschaft au bü ganze Garnison Großverlins befohlen.
Der Dampf am Kanzlerpalai«.
Berlin. 7. Januar. (Drahtbericht.) Leber die Kämpfe, die sich in de« Abe«dstnud«n vor dem RetchskanzlerpalaiS »wischen Spartakus- anhängern und Sichmheitssoldaten abgespielt haben, berichtet der „Täglichen Rundschau" ei« Augenzeuge folgende Einzelheiten. Die Spar- takusleute marschierte« in de« Abendstunden gegen die Reichskanzlei vor. Die Metzen dabei auf eine dünne Postenkette. Die Spartakus- leute brachten daraufhin eine weih« Fahne hervor und wollte« mit dieser Postenkette verhandeln. ES wurde von ihnen der Postenkette erklärt. daß es gar keinen Zweck hätte, sich weiter zu verteidigen. Die Reichskanzlei sei vollkom-
geben. Die Bosten vor der Reichskanzlei er- klärten, daß sie erst mit ihrer rückwärtigen Verbindung Fühlung nehmen müßten. Kaum aber hatten sich die Posten umgedreht, als sofort von den SvartakuSleute« geschossen wurde. Ein DicherheitSsoldat wurde durch zwei Schüsse in den Kopf und in die Brust sofort aetStet. Bier andere wurden leicht verletzt. In demselben Augenblick setzte« sich die vor dem PalgtS des Prinzen Leopold aufgestellten Maschinengewehre gegen die Spartakusleute in Tätigkeit. Die Svarta- kiden mußten das Feld räumen. Di« haben ihren Angriff nach verläßlichen Berechnungen mit mehr als zwanzig Toten bezahlen müssen. Die genaue Zahl der Toten und Verwundeten konnte nicht festgestellt werden.
Erstürmte Waffrndepst«.
Berlin. 7. Januar. (Dvahtbericht.) Bei den Dtraßenkämpfen vor der Reichskanzlei in dieser Nackt hat es nach neueren Meldungen zwanzig Tote und mehr als vierzig Verwundete gegeben. Die ReichSkanz. lei. das ReichStelegraphenamt und das Fernsprechamt waren heMe früh noch im Besitz der Regierung. Für heute erwartet man entscheidende Kämpfe. Die Spartakiden erstürmten mehrere Waffendepots.
Mittwoch, 8. Januar 1919.
Geteilte Meinung der Truppen.
Berlin. 7. Januar. (Drahtbericht.) Leber die Kämpfe, die in Berlin am Montag während des späten Nachmittags ftattgesmrden haben. läßt sich, wie die Telegraphen-Union er-- fährt, ein abschließendes Urteil noch nicht ab- geben. Bei den Kämpfen vor dem Kriegs- Ministerium bat eine Einigung zwischen den Kämpfenden dahin stattgefunden, daß das Kriegsministerimn paritätisch besetzt wurde, während die Kämpfe an anderen Stellen unentschieden geblieben sind. Di« Pioniere und die Besatzung des ReichSkanzlerpalaiS «nd des KriegSministcriums stehen auf Seiten der Reaieruna, während bei den anderen Trudln, wie gemeldet wird, wenig Neigung bestehen soll, aktiv an der Austragung der Streftigkei- ten teilzunehmrn. Es wird beabsichtigt, sich weiter neutral zu haften. Auch di« Ma- trosendiuiriou t** bü Absicht haben.
-er Terror in Berlin.
Ei« Entschluß der Regierung.
Dir Regierung Ebert-Scheid em nun, bereu bisheriges Verhalten in der Angelegen - hsrt Eichhorn uwd überhaupt Spartakus ge» genüber jedes Kraftbewußtsein vermissen ließ, die diel kostbare Zeit ntti Beratungen und P» p irren en Entschließungen versäumte, scheint setzt endlich den Mut zur Tat gefunden M haben. Rach den Wirren am Sonntag, die sich gestern nur noch in weit schlimmerem Maße tote» verholten, konnte sie ja nicht gut anders handeln, als sie es tat. Rur: wir fürchten, vaß »er Wille, Len Straßenterror »u brechen, bereits reichlich spät sich zum Handeln aufrafft. Bel dem jetzt vorliegenden Entschluß Ebert- Scheidemann, mit allen zu Gebote stehenden militärischen Machtmitteln einzu. greisen ist nicht zu übersehen, daß di« an sich schon aufs äußerst« zugesprtzte Lage in Berlin einer gewaltsamen Lösung zutreibt. Liebknecht und Radek Hetzen unentwegt; Eichhorn läßt allen Einfluß auf die Massen der Arbeitslosen und anderer Elemente spielen. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod.
Das Zerrbild der Republik.
(Drahtbericht.)
Zürich, 7. Januar.
Der Pariser Vertreter der „Neuen Züricher Zeitung", Dr. Max Müller, hatte mit dem italienisl^n Ministerpräsidenten B i v i o n i eine Unterredung, in deren Verlauf dieser et. klärte, er zeige sich hinsichtlich einer deutsckMN Republik sehr skeptisch. Wenn man eine Republik gründen wolle, brmiche man republikanisch« Erziehung. Was Deutschland jetzt bietet, das sei da« Zerrbild der Republik. Di« Alliierten hätte« keine Ursache Deutschland an- der« zu behandeln, als wenn Wilhelm II. noch auf dem Throne säße. Die Entwicklung für einen Völkerbund, wie ihn Deutschland versiehe, Um» unter den heutigen Verhältnisse« nicht ie
DaS Berliner TollhauS.
Berlin, 7. Januar. (Drahtbericht.) $al Organ der Regierung, die .Deutsche Mgemei- ne Zeitung*, weiß zu melden, daß man nicht nur die großen Berliner Verlage und de« .Vorwärts" besetzt hat, sondern daß man heute früh um sechs Uhr sogar in P r i v a t h ä u s e r eingedrungen sei und dort groben Unfug verübt habe. Auch die Äsivatwoh- nmrg des neuen Polizeipräsidenten Eugen Ernst sei gestürmt u. besetzt worden. In dieser seien Maschinengewehre aufgestellt worden. DieSVar- takusleute u. Unabhängigen wurden in der Um. gebung deS Alexanderplatzes in Bewaffnete und Unbewaffnete geschißen. Nur diejeniaen, die Karabiner, Gewehre, Handgranaten, Maschinengewehre oder MunitionSkästen bei sich führten, dursten durch die Königstraße nach dem Aleranderplatz ziehen. Die wenigen Berliner Blätter, die erschienen sind, beschränke« sich in der Hauptsache auf eine allgemeine Schis, derung der Vorgänge. Die Deutsche Allgemeine Zeitung und die Tägl. Rundschau nehme« kritisch Stellung. Letztere spricht von dem .großen Tollhaus an der Spree". Berlin werde jeden Tag mebr das JrrenhauS Deutschlands. Die Deutsche Allgemeine Zeitung hebt ganz richtig hervor, daß wir in Tagen der Entscheidung leben. Alles müsse seine Zeit haben; dem Terror solle nicht mehr ruhig zuge- seben werden. Die Zeit der Verhandlungen und Demonstrationen müsse vorbei sein. Gegen Machtmittel müßten Machtmittel gesetzt werden. Sinter der Regierung stehe di« Masse und daS habe die heutige Kundgebung erneut bewiesen. Aber di« Regierung must« nun auch ernstlich wollen.
Sfoiani über Deutsch!lmd.
der Mitglieder des Zentralrates der und S.- Räte Deutschlands. Die Regierung beschloß, so- fort mit allen ihr zu Gebote stehenden militärischen Machtmitteln einzugrek- fen und dem Treiben der Dpartakusleute ein Ende zu machen. Zum Oberkommandierenden der Reaierungstruppen wurde der BolkSbeauf- ttafite RoSke ernannt. Die regierungstreuen Truppe« werden mittels Lastauws von allen Stadtteilen in das Stadtinnere befSrdert. wo sie in der RSHe der Reichskanzlei gesammelt werden. Im Innern der Stadt ist den Passanten die Weisung erteilt, so schnell wie möglich die Straßen zn verlasse«. Alle Fenster müssen geschloffen sein. Die Regierung hat es ab gelehnt, mit de« SpartakuSleute« zu verhandeln. Die beide« Parteien sieben sich in der Wilhelmstraße in hundert Meter Ent. fernung kampfbereit gegenüber. Rach dem Acht. uhr-Abendblatt dürste es zn neuen blutigen folgenschweren Zusammenstößen komme«.
granaten in Tätigkeit. — Zu einem anderen Zusammenstoß kam es am frühen Mittag am Kaiserchof, bei dem scharfe Schüsse fielen. Hierbei gab es einen Toten und acht Verwundete. — Nach dem Ausgang der Demonstrationen in der WAHelmsttaße, Wer die wir berichteten, kmr es »u einem Kampf zwischen Spartakus und Frontsoldaten. Durch die Menge bahnte sich ein schwer bewaffnetes Panzerautomobil das bon Spartakusleuten geleitet wurde, Den Weg zum ReichskanzlerhauS. Die Besatzung des ReichSkanzlerhauseS griff das Panzevautomobil mit Handgranaten an. Auf Seiten der Spartakusleute soll es zahl- reiche Tote gegeben haben. Die Besatzung des Reichskanzlerhauses hat dagegen nur einen Mann verloren. Emzelheiten sind noch nicht festgestellt. — Ferner kam eä an der Kanzlerecke zu einer kurzen Schießerei, wo sich bewaffnete Spartakusanhänger versammelt hatten.
»er Hexenkessel.
•ie Berliner Unruhen.
Berlin ist in diesen Tagen zu einem wahren Hexenkessel politischer Leidenschaften ge- kiotbcn. in dem es brodelt und kocht. Die Urregung, die die Breiten Massen ergriffen hat, ist eine fieberhafte und treibt ihre gärenden Blafen an die Oberfläche. Di« Ereignisse haben sich so zugespitzt, daß man den gestrigen Tag wohl als den Wendepunv in der Geschichte der bisherigen deutschen Revolutionen hezeich- nen darf. Als die Regierung auf dar freveb- hafte Treiben des Berliner Polizeipräsidenten Eichhorn damit reagierte, daß sie seine Ent- kaffung verfügte, war eS klar, daß sich aus einer derart zugespitzten Lage schwere Unruhen und Kämpfe entwickeln mußten. Wie es der Regierung unter Scheidemann davon gelegen sein mußte, ihre Macht und ihr Ansehen. daS durch allzu langes, schwachmütiges Zaudern auf den Nullpunkt gesunken war, wieder zu festigen und dementsprechend durch- greifende Beschlüsse »u fassen, so lag andererseits dem Polizeipräsidenten daran, sich weiter in feinet Stellung zu erhallen, di« er dazu benutzte. Waffen aus den industriellen Großbetrieben zu beziehen und weiter an das Heer der Arbeitslosen oder andere mehr oster minder katMnarlsche Eristenzen »u verteile«. So spitzte sich der Kampf hn wesentlichen »u auf einen solchen zwischen Spartakus und der Regierung "'Ebart-DL-ivemann. «Se «wgai*««, »*• dar gestrige Tag brachte, deuten daraus hi«, daß die Kraftprobe »wische« der Regierung und der Sttaßmherrschaft nun restlos und Endgültig auSgekämpst werden soll und muß; denn es liegt auf der Hand, daß eine Nationalversammlung nur dann möglich werden wind, wenn eben die irttye Regierung sich mit aller Macht, und eventuell gestützt auf die Gewalt, behauptet. Allem Anscheine nach ist sie dazu entschlossen; dabei aber dars nicht verkannt werden, daß der Erfolg ihres Kampfes davon abhSngt, daß st« mtn auch wirklich durchzugreifen in der Lage ist. Sin üareS Bild läßt sich hierüber noch nicht neben; denn die GpartakuSdemoustvationen haben starke Zugkraft und erhalten namentlich iu$ den Großbetriebe«, die vollständig ruhen, und aus den Fabriken ihren Zufluß. Dem gegenüber stehen aber auch wieder andere Werke, darunter die von Siemens, die sich für Ebert-Scheibemann entschlossen haben: und wie in der industMllen Bevölkerung, so wird auch in den Kreisen der Soldaten die Stimmung wohl eine geteilte fein: Die Einen — ttnb offenbar die Minderheit — für Liebknecht, die Anderen, die große Mehrzahl, für die jetzige Regierung, die sie decken will. Wie der Kamps im einzelnen auSgshen wird, darüber liegen bisher abschließende Meldungen noch nicht vor, doch wir wollen hoffen, daß er im Interesse bc8 gesamten Vaterlandes für Evert-Scheide- tttann siegreich sein wird. p- s-
Aufruf <m die A.» «ab S.-R3te.
Berlin. 6. Januar. (Drahtbericht). In einem Aufruf bet deutschen sozialistischen Republik seitens dsS Zentralrats heißt «S u. a.: Das verbrecherische, alle Errungenschaften der Revolution gefährdende Treiben bewaffneter Bande« hat uns genötigt, der Reichsleitung außerordentliche Vollmachten zu csi»Hew. fcrttnit fet Berlin -ndlich stf»
Ordnung uttb »re me*tewtjett#«t, aw unter dem freiheitlichsten Regime erst recht notwendig »st, wiederhergestellt werden kann. Alle Meinungsverschiedenheiten im einzelnen müssen jetzt zu- rücknestellt werden hinter daS Ziel, die schwer erkämpften Bollsfreiheiten zu schützen, den Fr «den nach innen tmb außen zu sichern und damit das ganze werktätige Boll vor neuen furchtbarem Unglück zu bewahre«.
d^ le<n Q Haltung zu bewahren. Unter Bewegung beteiligten Arbeiter« berrscht eme zuversichtliche Stimmung Tb! aleub die heutigen Käuchfe eine Reihe von Toten und Verwundeten gefordert haben.
^ivtiieve gegen Garde.
DeE", ?. Januar. (Drahtbericht.) «ufo renb mit Einbruch ber Dunkelheit im Innern eine verhältnismäßig Ruhe eintrat, kam es i« der Köpernckerstraße zwischen de» dort liegenden Pionieren »AdA
* ‘ro *¥*.C”1 ÄU l?uß zu einem lebhafte« Maschinengewehr- und Handgranatengefecht. Der Kampf ging in bei Hauptsache um das in der Köpenickerstraße ge- Brovuinchepot. Die Pioniere stehe» aus Seiten der Regierung, während das Gar- deregiment zu Fuss zu den Anhängern der Spartakusleute zählt. Nach den Berichte« von Augenzeugen ist dies der lebhafteste Straßenkampf in Berlin gewesen, ben die Tag« der Revolution bisher hervorbrachte«.
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Eichhorn gibt toetter Waffen ani,
Berlin. 7. Januar. (Drahtbericht.) Heut« morgen in ber fünften Morgenstunde hat tut Mar »all und im P-lizeipräsidin« dw weitere AnSgabe vo« Waffen unp Munition an da» Proletariat durch ben Poll, ^de^denten Eichhorn stattgefunden. Vor dem Pollzeiprästbium wurde von SpartakuS- leuten mitaeteUt daß bis gestern abend rund 10 000 Gewehre an Spartakus auSgegeben sind.
Ebert un> Schetdemann reden.
Berlin, «. Januar. (D«chthericht). Kurz nach 1 Uhr erschien Ebert an einem Parterre- fenfter der Reichskanzlei, von der Menge lu- belnd begrüßt. Er sagte, die Regierung habe die Freiheit geschaffen und wolle das Selbstbe - stimnumgsrccht des Dolles unter allen Umstän- den durchsetzen. Sie habe sich deshalb für. Die Nationalversammlung eingesetzt und werde ihre Durchführung erreichen. Die Beseitigung der Nationalversammlung sei aber das Ziel der unabhängigen Sozialdemokraten, die diese Wahl mit Gewalt verhindern wollten. Wenn sie eS wünschen, steht eben Gewalt gegen Gewalt. Stürmisch forderte die Menge bann Scheidemann, der dann auch am Fenster erschien. »Vor einer halben Stunde", so sagte Scheidemann, chaden die Unn'^'angtgen und Spartakusleute den Tod von ELc>:t und mir be schlossen. Dor einer Stunde fuhr ein Wagen über die Linden mit einem Galgen, an dem »wei Puppen hingen, die Edert und mich auf- gebängt darstellen. (Lebhafte Pfuirufe unter- brachen den Redner.) Solche Bedrohungen sind unS gleichgültig. Sie lassen uns kalt. Wir haben am 9. November die deutsche Republik aus- gerufen. Wir sind für das gleiche Recht aller eingetreten. Wir haben die Parität gefordert. 3:3 das'war ent Fehler. (Lebhafte Bravorufe). .Tic Mitarbeit der drei unabhängigen Sozral- demokraten hat sich als schädlich erwtefen. Heute sind wir ftei. WaS braucht das deutsche Doll Ober jetzt? Friede und Broti Es gibt uns aber kein Mensch Fried« und Brot, wenn wir nicht diese SpartakuSschweinerei beseitigen. $8tr sind dann dem Hunger pr-lSge- geben und die Kriegsjahre werden dann noch übertroffen werden. Wir haben gegen jeDe Diktatur gekämpft, wie auch gegen die Dllwtur deS Kaisers. Wir tobten aber keine Diktatur Liebknechts und Rosa Suxenburgs. (Lebhaftes Bravo bei den Zuhörern. Ueberall werden Rufe lagt: Waffen, Waffen! Wir wollen uns nickt iriÄerfartätfc&en lassen!) S>« sollen uns uÄssen Mafien haben. Mciben Sie treu bei der Sache. Wir werden unsere Pflicht bis zum letzten tun. Schwören Sie (otc Menge bleibt etoa eine Minute lang mit abgenommener Kopfbedeckung stehen). Geben Sie diesem Schwur Ausdruck in brat Rus: ES lebe die deutsche Republik!" (Brausender Beffall.)
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Schwere Straßenkävrpfe.
Berlin. 6. Januar. (Trahthertcht). Den aanzen Tag fiter waren Straßenkämpfe zu Per- zeichnen. So war daS Gebäude deS WTB Schauplatz eines Kampfes zwischen Spartaft- den und reaientnßärrcuen Trappen. Bon beiden Seiten traten Maschinen zew eh re und Hand.