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Kasseler Abendzeitung

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Mumrner 27.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonnabend, 4. Januar 1919.

Fernsprecher 951 und 952.

9. Jahrgang.

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Toller noch M toll. Liebknecht nicht radikal genug!

Es verlohnt sich schon, noch einmal auf die sogenannte Reichskonferenz des Spar- takusbundes zirrückzukornmen. Sie hat während der letzten Tage des vergangenen Wahres stattgefunden und brachte das erhei­ternde Sckcmfpiel einer Uebertrumpfung Lieb­knechts. Spartakus will cs noch toller treiben alS der rote Karl. Es handelte sich bei den Be­sprechungen wenn man dergleichen Wahn- sinnsousbrüche Besprechungen nennen kann irm die Frage, ob Spartakus sich an den Wah­len zur Nationalversammlung beteiligen solle, oder ob er sich die Zeit damit vertreiben wolle, die Wähler mit Schießaewebrcn m be­unruhigen. Liebknecht war für eine Beteili­gung an der Wahl. Die weitaus meisten s"i- ncr Radau-enoffen aber waren grundsätzlich daaeaen. Sie ziehen es vor, die Straße ,itm Schlachtfeld zu machen und rechnen dabei auf die Waffenbrüderschaft der Prolcta- 'icr des gefamten Univerfums. zunächst auf die der Fran rosen nnd der Engländer. So Tra* sich denn Liebknecht eine Niederlage geholt. Auch 5 er ist noch nicht radikal genug für die Horde,

die sich r"Bmt. von den Führern emanzipiert zu sein. Es muß eben doch schwer halten, be- rnfsmößigen Länmnachern und Tumultuanten ein Führer zu sein. Armer Karl und bekla­genswerte Rosai

Dabei meint Liebknecht es keineswegs ganz ernsi. wenn er sich an der Wahl zur Natio-al- i Versammlung beteiligen und sich in die Ver-

, sgrmnb'ng selbst hineinwählen lasten will. Er

/ ' ift offenherzig gew'g gewesen, um zu sagen, wi-> er sich seinen Aufenthalt in der National- l'v versamml'ing vorstellt. Er will dort nämlich

fn viel Klamauk machen, daß dem Präsiden­ten schließlich nichts anderes übrig bleibt, als den Abgeordneten Liebknecht durch vier kräf­tige Diener aus dem Saal transportieren zu foffen. Don solchem Herausschmiß verspricht sich Herr Liebknecht eine große agitato­risch e W i r k u n g. Mit solchen Hansnarren muß man in Deutschland Politik machen! Solche Leute finden Nachlauf intb unter diesem Anhang gibt es noch so tmp so viele, denen der Hanswurst nicht energisch genug ist. Itub das alles zu einer .Leit, da in England die Kbakiwablen zu einem glatten ni->derschmet- ternden Sieg des Fmperiakismus ge­führt haben. Drüben triumphiert Llovd Ge­orge. der uns einen Frieden diktieren will daß uns auf Fahrzehnte, wenn nicht auf Jahrhun­derte bincms der Wiederaufbau des Reichs un­möglich gemacht werde und bei uns tobt eine irregeleitete Minderheit und bringt ihr armseli­ges Gehirn zum Platzen mit Wahnvorstellungen und lächerlichen Begierden, wie man cs nur noch immer toller und toller treiben könne.

Daß mit solcher Krankheit, mit solchem Veitstanz aufgeräumt werden muß, daß es ge­genüber Spartakus kein Erbarmen geben darf, daß die Anführer diefes Banditismus entwe­der ins Zuchthaus oder ins Tollhaus einge- fperrt werden müssen. das muß nun endlich von der Regierung wie vom gefamten deut­schen Volke erkannt werden, muß nun endlich Tatsache werden. Milde wäre hier Verbre­chen au der Nation. Gewiß hat alles, was Menschenantlitz trägt, im d-mokratifchen Staat gleiches Recht. Aber wir können leider nicht mehr fesistellen, ob sich hinter den Narremnas- ken der Spartakiden noch Menfckenantlitz ver­birgt. Und mtn noch eine Frage. Ans der Konferenz dc? Spartakusbundes fprach Herr Radek, Mitglied der rufsifchen Sowjettegie- rung. Diefem Herrn ist das Ueberfchreiten der b-utscken Grenze verboten gewefen. Nur mit einem gefälfchten Patz kann er nach Deutfch- lan.d gekommen fein. Warum ist er da nicht schon längst verhaftet worden?

Fs!g«n dell Berliner Bolschewismus.

Genf. 3. Januar. (Drahtbericht.) Ein Pariser Blatt meldete Pichon gab im Heer cs- ausfchuß auf eine Anfrage bekannt, die An- wefcnheit von Bertretcru per BolsÄe- widi in Berlin und Deutschland mache Frankreich die völlige Demobilisie­rung feines Leeres unmöglich. Tie An­wesenheit der Rusten in Bersin bedeute die Androhung eines neuen Krieges, den die Bolfckewicke auf deutschem Boden ge­gen die Alliierten führen möchten.

Genf. 3. Sanitär. (Trahtbericht.) Pariser Blätter melden aus den besetzten Gebie­te«: Die Sicherheit der besetzten Gebiete ist neuerdings durch bolschewi- ftrsche Elemente bedroht. Sm S««r- gediet ist iufslgedrffcn der BclaeriurursLU-

stand verschärft worden und die Einsetzung von Kriegsgerichten zur Aburteilung bolschewisti- tocr Agitatoren angeordnet.

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Genf. 3. j Samtar. (Drabtbericht.l Aus Newvork wird gemeldet: Die Demobilisie­rung des amerikanischen HeereS be­ginnt nach einer Erklärung bet militärischen Departements erst in der ersten Märzwoche. Die Gründe liegen in de« ungeklärten poli­tischen und Machtverhältnissen der ehemaligen Mittelländer Europas.

MMnhaste Borte.

Brockdorff- Rantzau über den Frieden.

(Drahiberichr.)

Berlin. 3. Januar.

Der Staatssekretär deS Auswärtigen Amtes Vroüdorsf-Rantzau hat ngch UebernalMe seines Amtes einen Mitarbeiten vom WTB heute empfangen und diesem auf seine Fragen über Nichtlinien, die er in der Politik zu verfolgen beabsichtige, nachstehende Erklärung abgegeben: Mein Bestreben wird fein, Wahrheit und Offenheit dem eigenen Volke wie dem Aus­land gegenüber. Tas deutsche Boll soll im Un­glück seine innere Größe und Würde bewahren, Selbsterniedri-nmg wie Ueberheb- ung vermeiden. Zn meinem Teil hierzu bcizn- tragen, bin ich entschlossen. Den Frieden will ich verhandeln und schließen als einen Frie­dendes Rechts. Einen Frieden der Gewalt, der Vernichtung und Verfllavung lehne ich ob. Mancher unserer Gegner verdächtigt die Revo­lution als den Versuch Deutschland«, sich den aus der Annahme des Wilsonschen Programms folgenden Verpflichtungen zu entziehen. Diese Vebauptmrg ist ebenso unwahr wie der Glaube irrig ist. das Teutfchland der Ncvoiution werde sich demütig den Forderungen der reuten Ge­walt beugen. Solange ich an dieser Stelle stehc. wird dafür gesorgt, daß Deutsch­land seine Zusagen gewissenhaft einlöft, aber nicht um die Breite eines Haa­res über das hinausgeht, was es als Recht an­erkannt hat. Ein Grundrecht der Böller ist daS Recht der Selbstbestimmung. Unsere Gegner haben es nicht nur anerkannt, sondern zmn Kampfruf gemacht. Deutschland erkennt es gleichfalls an. fordert es aber auch für sich. Wenn der Grundsatz gelten soll: Der Balkan den Balkanvölkern, so wird es heiße« «küsse«: Deutschland den Deutschen!

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N«sierungs.D«rLnderunge».

Berti«, 3. Januar. (Drahtbericht.) Wie das Berliner Tageblatt" hört ist in der Frage, ob Mtglieder der mmSHSngkge« sozialdemokrati­schen Partei auf den Ministerposten Preußens verbleiben oder nicht, bereits eine grund- fätzliche Entscheidung gefallen. Es wurde vereinbart, daß die Schwierigkeiten zwischen den unabhängigen Parteien kein Hin­dernis für das Verbleiben der einzelnen Mi­nister im Amte bilden sollen. Mau will von Zeit zu Zeit prüfen, welche Persönlichkeiten unter den gegenwärtigen Verhältnissen im Amte verbleiben könnten und welche mit Rück­sicht auf die allgemeine Laar ausscheiden müß­ten. Ueber einzelne Mitglieder der preußischen Regierung ist bereits entschieden, so dürfte als erster Adolf Hoffmann zum Austritt ans der Regierung! gezwungen sein

Nach anderer Auffassung ist die Hoffnung auf Hoffmanns Austritt verfrüht. Wie der Germania" mitgeteilt wird, besteht vorläufig keine Aussicht, daß Adolf Hoffmann von seinem Amte aföKultusminister" zurücktritt. Er soll sich mit Händen und Füßen an seinen Ministersessel klammern. Die demokratische Morgenpost" schreibt: Der Gedanke, daß Adolf Hoffmann allein auf Schule und Kirche losge­lassen werden könnte, macht uns schaudern.

9tt Nachfolger des Kriegsminister«.

Berlin, 3. Sanuar. (Drahtbericht.) Der Kriegsminister S ch e Ü ch bat den von ihm erbe­tenen Abschied jetzt erhalten. Zu seinem Nachfolger ist, wie derBerliner Lokalanzeiger" hört, der württembergische Oberst Rein­hardt ernannt worden. Reinhardt war vor dem Kriege dem württembergifchen Kriegsmini­ster inm zucieteilt. Zn Begistu des Krieges wurde er in den großen Generalstab versetzt. Zuletzt war er Ebes des Stabes eines Armee­oberkommandos und wurde int Laufe dieses Sabres zu feinem jetzigen Dienstgrad befördert. Bei Beginn der Demobilmachung übernahm er das neue DemohÄmachimgsdepartement im preußischen Kriegsministerium, und wie ver­lautet. hat er den gestrigen Beratungen des Ka­binetts. die sich aus die Ost fragen bezogen, schon beigewobnt.

Berlin, 3. Sanitär. (Drahtbericht.) Dem bisherigen Ebes des Admiralstabes der Marine Admiral Scheer ist der nachgefuchie Abschied mit der gesetzlichen Pension bewilligt worden.

Krisen klimm«« g in B raunschweig.

Braunschweig, 3. Januar. (Trcchtbcricht.) Sn der gesjrizen öffentlichen Sitzung des Ä-

und S.-Ratos, in dem die Unabhängigen die Mehrheit haben, kam es zu einer ungewöhnlich erregten Debatte und zu einer Reglernngs-- krisc. Eine von dem Volkskommissar für In­neres und Finanzen ausgearbeitete Denkschrift über das Arbefts- und. RegierungsProgranim fand scharfen Widerspruch und wurde mit 24 gegen 20 Stimmen als unzeitgemäß abgelehnt und daher eine neue gemeinsame Denkschrift des Präsidenten nnd der sonstigen Bollskom- missare gefordert. Die fünf Volks kommis- fare erblickten in diefem Beschluß ein Mitz- trauensvotum und erfförten sofort ihren Rücktritt mit der Begründung, daß die bis­herige Wirrschast nicht fo weiter g^hou könne.

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Sn drr Pslm-Srwnlt.

Posen in den Händen der Pole«.

(Drahtbencht.)

Berlin, 3. Januar.

Nach Meldungen ans Schneidemühl find Dremefsen, Rogowa und Wrefche« in der Provinz Pose« den Pole« i« die Hände gefallen. Dreiviertel des Regie­rungsbezirks Posen ift in der Gewalt der Po­len, die sich aus den besetzte« Depots mit W a f- fe« und Munition reichlich versehen haben. Die Stadt Nakal fiel geftern, wie von verschiedenen Seiten berichtet wird, scmg- und klanglos in polnische Hand.

ZurLckzsehung des HeimatschnheS.

Berlin, 3. Januar. (Drahtbericht.) Das Berliner Tageblatt" erfährt von eingeweihten polnischen und deutschen Kreisen: Der Bent- 1 scheuer A> And .GsAdät teilt Mit: Zwischen den Berliner Regierungsvertretern und den politi­schen Abordnungen wurde in Posen eine Ver­einbarung getroffen, wonach die Trup­pen des Heimatschutzes aus der gesam­ten Provinz Posen zurückgezogen wer­den sollen. Das fünfte Armeekorps und Teile des zweiten Armeekorps sollen ansgehoben wer- den und an ihre Stelle ein partätischer Sicherheitsdienst aus polnischen und deutschen Soldaten, die in der Provinz Posen beheimatet find, gebildet werden.

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Wie derLokalanzeiger" ans Danzig erfährt, würd ' dort aus einer vieltausendköpfigen Ver- saimn. ..ng heraus ein Vokksrat zur Abwehr gegen die polnische Gefahr gegründet und die Bildung einer militärischen Wehr­gruppe beschlossen.

DasBerk. Tageblatt" erfährt aus Posen: Das polnische Provinzialkomitee proklamiert Wahlenchaltung fiir die bevorstehenden Wahlen zur doufichen Nafionaldersammlmrg.

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VerhsfteL und ersch offen.

Pofen, 3. Januar. (Drahtbericht.) Bon der Presscabtcilung des obersten Vollsrates geht uns folgende Mitteilung zu: Der vom Solda- ienrot beauftragte Letter des Sicherheitsdien­stes in Posen Polizeipräsident Blan- kertz ist gcstern als erster von den an den Ausschrc itimgen in Posen Mitschuldigen im Polizechräsidium verhaftet worden. Auf dem Wcgc nach Fort Grotman floh Blankertz und ist trotz dreimaligen Anrufs nicht stehen geblichen, woraufhiit er von einem Soldaten des Sicherheitsdicnstes erschossen wurde.

M§ den Mell-Getzreten.

Ruhe in tzberschlefien.

(Dvahtbcricht.)

Oppeln, 3. Sairnat.

Gestern batten n«r noch zwei Gruben von 63 im oderschlesischen Kohlenrevier ihre Arbeit noch itichr wieder aufgenorn- m c n. Es waren dies zwei Gruben im Ryb- nilcr Bezirk. Die Zahl der Ansftändischen be - trägt noch 2600. Die Forderungen der Arbeiter waren Sofortige Auszahlung von 800 Mk. al» einmalige Tenevungszitlage, sowie eine weitere Erhöhung der Löhne. Beide Forderungen wur­den nach dem Berliner Tageblatt bewilligt.

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Die Laze im Ruhs-Revisr.

Berlin, 3 Januar. (Drahtbcricht). Zur Beilegnngdes Streiks im Ruhrge­biet wird in derDeutschen Allgemeinen Zei­tung" von einem Teilnehmer an der Mülheimer Konferenz mügeteift: Die Streikenden scheuten keine Gewalt. Es kam sogar zu Schießereien. Die Streikenden haben jetzt die Arbeit wieder ausgenommen und bereits Sonntags sind die Reparttirheuer und Montags die gesamte Be­legschaft vollständig eingefahren. Es ist noch nicht abzusehen, ob die Vereinbarung fid1 lokalisieren läßt, und nicht gleichartige Forde­rungen iu anderen Gebieten ves Industrielle ziikcs nach sich ziehen wird.

Kandidat Koch.

Oberbürgermeister Kochs Programmrede. Die «estrige Stadthallen - Versammlung.

Kassel. 8. Januar.

Die zweite Massenversammlung und eine solche war es in der Tat in der Stadthalle gehörte der Deutschen Demokratischen Partei. Wieder reichte der große Festsaal nicht aus, die herbeigesttömten Massen aufzu- nehmen. Schon eine halbe Stunde vor Be­ginn der Versammlung mußte der Theaterfaal; hinzugenommen werden. Um 8 Uhr erklang! die Orgel: .Deutschland Über alles ..." Dai erhoben sich die Tausende und sangen ehr-j furchtsvoll das Sieb, das, wie der Oberbürger­meister später sagte, von einem der lautersten und beste« Demokraten. Hoffmann von Fal» ler.lebe«. gedichtet wnrde. Oberbürgermeister^ Koch selbst wurde mit einem sich immer wie»c der erneuernden Beifall begrüßt, der einer Ovatton ähnelte. Von vornherein erklärte er,, keine Kandidatenrede alten Stils mit viel Ver-' svrcchungen, Angriffen auf Andersdenkendei oder perfönkichen Verunglimpfungen der Ge». genkandidate« zu halten; dazu sind die Beiten) auch zu ernst. Dann legte der Ob er bür-', germeister ein bestimmtes und klares Be»; kenntnis zur Demokratie, zur Bolks-i Herrschaft, ab, er erinnerte an den Leidensweg,! den er persönlich zwei Jahre lang im preußi­schen Herrenhouse um das Wahlrecht ging und Meiste kur, den Bolschewismus: Das beste; Argument ist die freie Rede, nicht das Mafchi- nengewehr! Die Sozialdemokratie hat nicht allein die Kraft, mft dem Bolschewismus fer­tig zu werden: das Bürgertum im weitesten Sinne des Wortes muß mitmachen. Beson­ders betonte et: .Ich halte es für ganz unmög­lich. daß uiir in der Rationakverfanmiftma eine Mehrheit bekommen, die gegen die Sozialde- mofratte gerichtet ist. Wir müssen die alte So- zialdemokratte, in der der ehrliche Wille be- steht, mitzuarbeite«. mit in der Regierung ha­ben. Mitregieren ja. Alleinherrfchast wäre da», größte Unglück, das sich denken läßt, denn z«ri Mleinherrfchaft ist die Sozialdemokratie nicht in der Lage." Jetzt mutz der

Aambf ««ch nach rnchts geführt, werden.Wer früher glaubte, dem Volke b?rg gleiche Wahlrecht verweigern zu fön» , neu, der kann heute nicht in die Deutsche De-/ mokratifche Partei ausgenommen werden. Wer so lange blind war, kann nicht plötzlich sehend; geworden fein, auch der nicht, der sich gegen gerechte Steuerpolittk, namentlich gegen die Erbschastssteuer gewehrt hat." (Zwifchenrufe: Lattmann!) Weiter erklärte der Oberbürger- meifter. er stehe in der liberalen Bewegung we­der rechts noch links, fondern in der Mitte; Kassel war (fchon vor ihm) die erste deutfch« Stadt, die Frauen in die Armenpflege auf­nahm. Heute stehen wir vor ganz anderen Aufgaben, bei denen die Frau als fachverftän-! dige Beraterin dringend notwendig ift Was die auswärtige Politik angeht, fo hat das; deutsche Volk in erster Linie ein Anrecht dar­auf, daß in unparteilicher Untersuchung zwi­schen den Völkern festgestellt wird, wo die Schuld am Kriege liegt, wir haben aber keine Veranlaflung. vor unseren Feinden auf1 die Knie zu sinken und zu fagen: »Vater, ich habe gesündigt." (Beifall!) Die Reichs- c i n b e i t müssen wir erhalten und stärken, die Eisenbahnen, die Wasserstraßen, deren Ausbau wir erhoffen, die Schule, all das muß Reichs­sache sein. Notwendig ist bei aller zenttalw Gewalt eine ausgeprägte Selbstverwal­tung. Sn diesem Worte werden sich auch die Gegensätze zwischen der Selbständigkeit Hessens «nd der Zugehörigkeit zmn Reich«' aufbösen. Schließlich bat der Redner, mit dem SchlagwortTrennung Zwischen Kirche und Staat" keinen neuen Religionskampf herauf­zubeschwören. Der Vorwurf kann nicht erhoben werden, daß die Demokratische Partei kirchen- seindffch sei. Was die Frage der Sozalisicrung angeht, so steht der Redner auf dem Stand­punkt, daß

bie Eigenwirtschaft, die Privattvirifchast. der Gntndsatz unseres Wirtschaftslebens fein und bleiben muß. Wir wollen die Henne nicht fchlachtcn. die goldene Eier legt, aber andercrfeits dafür forgen, daß sie dic goldenen Eier nickt für sich behält, daß die Gesamtheit fo viel als möglich davon be­kommt. Bedauerlich ist, daß der RufHeraus aus der Großstadt auf das Land" vor taube Obren kommt. Wir muffen Sicd eluugs - Politik großen Stils betreiben und den Bauernbesitz stärken, das Hand­werk kräftigen und die P r i v a t a n g e ste l l - t en. die wie kein anderer Stand unter dem Kriege gelitten haben. Die Kriegsan­leihen antasten. hieße BolkSbe- trug! Die Ausführungen des Oberbürger­meisters fanden lebhaften Beifall, dagegen wurde eine große Lobrede von Fran Wert- . heim auf den Oberbürgermeisrer von der 23er- sammlungsstimmung cibgelchnt. Tic Rednerin A wandte sich gegen diezweierlei Moral" und tzi trat für eine gesunde Fruhche eilt, dic vomM Staate zu unterstützen sei. Sn der folgenden freien Aussprache traten u. a. mehrere sozial