Kasseler Neueste Nachrichten
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Kummet 25. Fernsprecher 951 und 952. Mittwoch, 1. Januar 1919. Fernsprecher 951 «nd 952. 9. Jahrgang.
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gnfertionepreffe; Die fiebengefpaltete Zeile kür einheimische Geschäfte »0 Dig, für aus. wärkige Anzeigen 35 Pf, Reklamezeiie für einheimische Geschäfte 75 Pf, für auswärtige Geschäfte 1 Mk Einfache Beilagen kür die Oefamtauflage werden mit 5 Mark pro Dankend be- rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Residenz und der Umgebung und die Kasseler Neuesten Nachrichten ein vorzüglicher JnsertionSorgan. Für die Ausnahme von Anzeigen an bestimmteü Tagen ober Plätzen wird z. Zr. keine Gewähr geleistet. SefchäktSstelle. Höln.Str.5
Ser Ambe vAÄksMM.
Si«c Wirtschaftliche Betrachtung.
Mit schweren Sorgen treten die deutschen Wirtschaftsweise in das neue Fahr. Ein dunkler Vorhang breitet sich über die .Zukunft des deutschen Wirtschaftslebens, über die Zukunft des deutschen Volkes aus. Und dennoch: Die Arbeitsenergie unserer Industriellen. unserer Techniker und unserer LanLelstreibeuden ist auch in diesen schicksalsschweren Tagen nicht ganz verschwunden. Der Uut ernehmimgspeist ist in diesem Zusammenbruch alles dessen, was bisher die Krundlaaen des deutschen Wirt- schastslebens ausmachte. erhalten geblieben. Mögen auch viele den Mut haben sinken lassen, die Mehrheit unserer Industriellen und unserer Handelstreibenden bekennt sich zu dem stolzen Worte, das Walter Rathenau vor kurzem in der Generalversammlung der A. E. G. aesprochen hat: .Wir glauben an das neu« Reich. Wir sind bereit, mit allen ordnenden Kräften mit- zuarbeiten am Reu-Aufbau." Dem Wiederaufbau des deutschen Wirtschaftslebens gelten an der Schwelle des neuen Jahres die Gedanken aller derer, denen wirtschaftliche und industrielle Betätiauna mehr bedeutet, als Geldverdienen, die Gedanken aller derer, die darin schöpf e-rische Arbeit zum Woble der Allgemein beit sehen. Das deutsche Unternehmertum wird in dieser Zeit mit Ver- leumdunaen und gehässigen Verdächtigungen überhäuft. Aber selbst seine erbittersten Feinde waaen es Nicht, dieses schöpferische Unternehmertum als entbehrlich für den Wiederaufbau hinzilstellen. Und einer der besten Kenner der deutschen Wirtschaft. Professor Mar W e b.e r- Heidelbera. bat kürzlich auf dem deutschen Kon- areß das Wort aesvrochen: .Es bat noch keinen Zeitpunkt innerhalb unserer Geschichte gegeben, wo die organisatorische Arbeitsleistung des Unternehmertums notwendiger war, als jetzt."
Freilich: Das deutsch« Unternehmertum wird umlernen müssen. Es wird sich mehr als bisher von sozialem Geiste durchdringen lassen müssen. Es wird vor allem darauf hinarbeiten müssen, das Interesse des Arbeiters an seiner Arbeit zu erhöhen, ihn nicht als eine bezahlte Maschine anzusehen. Es wird auch den Standpunkt aufgeben müssen, den industrielles Scharfmachertum in die Worte gekleidet bat: Wir wollen Herren im eigenen Hause fein. Der Produktionsprozess seht sich aus Arbeit und Kapital zusammen, der Arbeiter muß deshalb als gleichberechtigter Faktor auf allen den Gebieten angesehen werden, die ausserhalb der technischen und kaufmännischen Leitung liegen. Dadurch wird man sein Interesse an der Arbeit erhöhen und ein Einblick in die Kompliziertheit des modernen Produktionsprozesses wird ihm die Achtung vor der Leistung des Technikers, vor der Leistung des kaufmännischen Leiters und des Exporteurs beibringen, die ihm jetzt zum Schaden des Ganzen fast immer fehlt. Der Wiederaufbau wird schwer fein. Um so schwerer, da das Ende des Krieges gleichzeitig eine Wirtschafts- Verwirrung schlimmster Art gebracht hat. Unsere Wirtschaft arbeitet zurzeit mit Verlust. Die Mehrzahl der Arbeiter betrachtet die Revolution als willkommenen Anlass zur Ertrotzung massloser Lohnerhöhungen. Dadurch. und durch die Transport- und Rohstoff- krisis haben sich die Produktionskosten ungeheuer erhöht. In einem Augenblick, wo man sich in allen Ländern zu einem Abbau der Preise anschickt, müssen bei uns die Kohlen- und Rohstofsi.reife und damit fast aller Fabrikate wesentlich in die Höh- gesetzt werden. Wie eine Schraube ohne Ende steigen die Preise und damit die Kosten der Lebenshaltung. Obwohl Kaufnachfrage vorhanden ist. scheut sich jeder, Aufträge zu erteilen, weil er die hoben Preise fürchtet: vielfach werden Aufträge rückgängig gemacht. Auch das neutrale Ausland stoppt plötzlich, von Mißtrauen gegen Deutfchland erfüllt, mit den Aufträgen, dasselbe neutrale Ausland, das während des Krieges um Erlangung deutscher Waren förmlich antichambriert hat. Diese Abneigung gegen Erteilung neuer Aufträge, im Bunde mit den Streiks, wirken im Sinne einer starken Vroduktionseinschränkung, die wieder ihrerseits den Mangel an Rohstoffen, vor allem an Kohle verschärfen.
In den Großstädten sammelt sich ein Heer von Arbeitslosen, während im Kohlenbergbau und auf dem flachen Lande ein Mangel an Arbeitern herrscht. Dabei sind an und für sich alle Voraussetzungen für einen, wenn auch langsamen Wiederaufbau gegeben. Arbeit Wäre in Hülle und Fülle vorhanden, man denke mur an die Milliardenaufträge der 'Eisenbahnverwaltungen und der Wasserbauverwaltung. Ueberall fehlt es an Maschinen und Werkzeugen, deren Beschaffung wahrend des Krieges zurückgestellt werden mußte, überall müssen Reparaturen an den heißgelaufenen Maschinen vorgenommen werden. Eine große Anzahl von Unterneh- rnunaen hat bereits seit Monaten weitsichtige Vorarbeiten für die Umwandlung der Betriebe in die Friedensarbrit voraenommen. Diejent- gen Unternehmungen, die wie die Baumwollspinnereien und die Fabriken der Lurusstoffe und Teppiche, jetzt Roh- wffe aus den Heeresvorräten überwiesen er
halten. sind einigermaßen befriedigend beschäftigt. Bedeutende Aufträge harren auch auf den Handelsschiffswerften der Ausführung. Die chemische Großindustrie hat die Herstellung von Teerfarben wieder aufge- riommen. wobei daran zu erinnern ist, dass auf wer Jahresversammlung der englischen Kat- tnndrucker erklärt wurde, die englischen Fabriken und die Schweiz könnten selbst zu Rekord- Preisen bei weitem nicht die notwendigen Mengen liefern. Das Newporter Journal of Com- merce hatte aber gelegentlich der chemischen Ausstellung in Rewhork erklärt, man werde trotz allem Patriotismus die alten Farben, mit denen man 40 Jahre gearbeitet habe, wieder mit Freuden begrüßen. Unser innerer Markt zeigt trotz der Unsicherheit der äugen-' blicklicheü Verhältnisse eine erstaunliche Aufnahmefähigkeit. Wenn wir erst wirklich Frieden haben werden, wenn Rübe und Ordnung im Lande wieder hergestellt fein wird, wenn Amerika feine Versprechungen über einen Völkerverband für die Verteilung der Rohstoffe wahr gemacht haben wird, dann wird auch die Anpassungsfähigkeit des deutschen Arbeitsgei-- stes wieder trotz allen Schwierigkeiten ein Betätigungsfeld finden. Das Industrieland Deutschland muß wieder in den Sattel gesetzt werden. Wenn Deutschland erst wieder von den ernsten Klängen der Arbeit widerhallen wird, werden die Gespenster der Hoffnungslosigkeit und der Arbeitsnnlust aus dem hellen Lichte des neuen Tages der Deutschen wieder verschwinden. G. H.
Posener Sturmtage.
Umfangreiche Deutschcnhetzc.
(Drahrbcricht.)
Berlin, 31. Dezember.
Von einem Soidaien, der gestern nachmittag in Pose n geweilt hat, werden dem Lokalan - zeiger Einzelheiten über die Sturmtage mitgeteilt. Als am Freitag nachmittag das 6. Grenadier reg iment «mSgetebe» wtette, drang der polnische A.- und S.-Rat auf sofortige Entwaffnung. Die Truppen tor fierten sich. Sie zogen mit Musik zur Kaserne. Als sie später unter Beteiligung der deutschen Zivilbevölkerung einen Umzug veranstalteten, versuchten sie zunächst gütlich, die an mehreren Häusern gehißten amerikanischen Fahnen ein- z u z i e h e n. Als dies nichts half, wurden sie heruntergeholt. Nun begann polnr- scherseits die Schießerei. Die jungen Burschen, die teilweise noch im Knalenalter stehen, sind mit Gewehren und Handgranaten ausgerüstet und führen auch Maschinengewehre mit sich. Da sie von ihren Waffen aus- gibig Gebrauch machten, wurden alsbald unsere Maschinengewehre alarmiert, worauf die Polen Handgranaten warfen. Durch Trompe- tensilmale riefen sie die Bevölkerung zusammen. Sie hatten bereits einige Abende Probealarm gemacht. Nun kamen aus allen Ecken uns Enden Bewaffnete hervor und schossen auf die deutschen Soldaten, die sick» mir mi+ H - de inzwischen eingetroffenen Maschinengewehre bi' Angreifer vom Leibe haften konnten. Ms die deutschen Soldaten danach zum Angriff über- gingen und das Schloß zuröckerot: .
wurden sie ans dessen Fenstern m-i Schsib's- und Handgranaten empfmmen. Es gelan" ihnen aber, die Strafen zu säubern und leidliche Ruhe hermstellen. Am Sonnabend versuchten die Polen die Kaserne der 6er zu stürmen, jedoch tier.ec6fiA Da ' sie sämtliche Staats-rebäude und sperrten alle Strassen ab. Jeder deutsch- Soldat ttnrne mit Rissen: „Hände hoch!" empfangen beraubt und mißhandelt. Ebenso ergina es den deuffch- fvrechenden Zivilisten, die sich auf der Straße blicken ließen und den deutschen Kaufleuten, bereit Läden in großer Zahl a u s - geplündert wurden. Am Sonntag befand sich das Schloß noch in polnischen Händen. Die Deutschen sind in verzweifelter Stimmung. Hilfe tut dringend not.
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Zu allen schon begangenen Fehlern bürfcit wir unter keinen Umständen bett begehen, daß wir die polnischen Ansprüche uns gegenüber als etwa irgendwie Berechtigtes auch w-r in Gedanken aufkommen lassen. Wir müssen gegen solche Auffassung so scharf es angebt kämpfen und solange es noch nicht zu spät ist. Unsere klare Losung muß sein: Hände weg vom deut- chcu Land im Osten!
Leber zweihundert Tot«.
Berlin, 31. Dezember. (Drahtberichts. Das „Berl. Tageblatt" berichtet über die Vorgänge in Posen: Am Sonnabend vormittag fuhren aus dem Wilhelmsplair vier Lastwagen mit Gewehren auf. Mit diesen Gewehren wurden Lehr- funnett und Schulknaben von 15—17 Jahren ausgerüstet, hie durch die Stadt zogen und Deutsche, zumeist Frauen, mißkmn'elren und beraubten. In der Nähe der jüdischen Synagoge entlud sich das Gewehr etr rs polnischen Gymnasiasten, worauf es hieß, die Juden hätten aus der Sznagoo» anf die Polen geschossen. Darauf begann ein Trommelfeuer gegen die Synagoge, in der die jüdischen Einwohner zum Gebet versammelt waren. Später
stürmten Tausende bewassucter Polen das A r ti l l e r i ed e p o t und verteilten Handgra nttten und Munition unter die Menge. Darauf wurde der Hmrptbahrrhof genommen und auch die Bahnlinien bis zur Grenze der Provinz Posen besetzt. Sonntag früh wurde den in Pofen garnisonicrenden Regimentern ein Ultimatum bis zum Mittag gestellt. Ais um diese Zeit die Uebergabe noch nicht erfolgt war, wurde die Fliegerkaserne und die Kaserne der sächsischen Jäger umstellt •tmb unter Geschutzfeucr genommen. Dis znm Abend war über den Ansgana des Gefechtes noch nichts Näheres bekannt. Allgemein hat man den Eindruck, daß es Padercwski selbst ist, der mit Unterstützung polnischer Legi- wnsssfitterc die Angriff- leitet und die bewaffneten Bürger zu Ausschreitungen aufstachelt. Die Zahl der Todesopfer wird bisber mit zweihundert angegeben. Wie das Blatt ferner meldet, wurden das Infanterieregiment 49 und das Dragonerregiment 12 in Gnefen überwältigt, das Stadthaus und das Reg-e- rungSgebäude von den Polen besetz: und die dorttgen Beamten entfernt. In Posen wurden evangelische Geistliche, dir treu zum Deutschtum hielten, verhaftet und eskortiert.
Blutiger Krawall in Allenfiein.
Berlin, 31. Dezember. (Drahtberichy. Aus Allenstein wird dem „Lokalanzeiger" über einen blutigen Zusammenstoß berichtet: Montag sollte das in Allensteiu garnisoniercnde AMllerieregiment mit einer Deputation des A.- und S.-Rates hinter der roten Fahne einziehen. Die Truppen weigerten sich und zerrissen die rote Fahne und verbrannten sie. Der A- ttnb S.-Rat ließ darauf Truppen ausmarschieren und nach uockpEger Aufforderung, hinter der roten Fahne einzuziehen, Feuer auf das Artillerieregime nr ins Gewehren und Maschinengewehren eröffnen. Drei Offiziere wurden getötet und eine Anzahl verwundet.
Feste Hand gegen die Polen.
Berlin, 31. Dezember. (Drahtbericht) lieber das militärische Programm der neuen Regierung äußerte sich Ro-ske laut Deutscher Allgemeiner Zeitung und bezeichnete als feine nächste Ausgabe, gegen die von Osten drohenden Gefahren mit allen verfügbaren Mitteln einen ft a rf e n Schutz zu schaffen. Die Reichslei - tung denke nickt Daran, die lieber griffe der Pole.i auf deutschem Gebiet weiter ruhig mit anzufehcn. Eine feste Hand werde sich dort in allernächster Zeit bemerkbar machen.
Sie «neu Stenern.
Steuerpläne der Regierung.
(Drahtb-richt.)
Berlin, 31. Dezember.
Der Weltkrieg hat Vom deutschen Volke ungeheure Lasten auferlegt. Sie können nur getragen werden, wenn sie gerecht verteilt werden. Deshalb sind Vermögen und Einkommen in jeher Form erheblich schärfer als bisher heranznziehen. Ein durchgreifender Ausbau der diretten Steuern muss die Grundlage des neuen Steuerwesens bilden und ungesäumt in Angriff genommen werden. Zu diesem Zweck bat der Rat der Volksboauftvagteu im Einvernehmen trat dem Staatssekretär des Reichs - schatzamies Folgendes beschlossen: 1. Zunächst sollen die Kriegsgewinne einbezogen werden und zwar in der Form a) einer außerordent - licken Kriegsabgabe für das Rechnungsjahr 1919, durch die die durch Gesetz vom 26. Juli 1918 eingemhrte Abgabe vom Mehreinkommen und vom Vermögen bei Einzelpersonen auf ein weiteres Jahr erstreckt und die Erhebung der Abgabe vom Mehrgewinn der Gesellschaften für das fünfte Krieasgefchäsrsjahr fortgesetzt wirb, nachdem durch Verordnung vom 15. November 1918 bereits die Bildung einer Kriegssteuerrück- lage in Höhe von 80 v. H. des Mehrgewinnes — gegenüber bisher 60 v. H. — vorgeschrieben worden ist. b) einer außer ordentlichen Abgabe vom Vermögensznwachs, durch die die währens her gesamten Dauer des Kneaes entstandene Vermögensvermehruna dergestalt ersaßt werden soll, daß sie unter Scho - nung kleiner Bettäge in vollem Umfange wieder der Allgemeinheit zugeführt wird. Die bereits auf Grund des Kriogssteuergesetzes vom 21. Juni 1916 gezahlte Steuer wird augereck- net. 2. Von dem nach Einziehung der .Kriegsgewinne verbliebenen Vermögen soll eine grosse allgemeine Vermögensabgabe erhoben werden, die in starker Progression austeiqt, jedoch die Grenze der Volkswirtschaft licken Leifiungsfähs-g kett nicht überschreitet. Familienstand, Alter u. Erwerbsfähigkeit des Steuerpflichtigen berück- sicktigt und zum mindesten in der Art ihrer Erhebung den verschiedenen Gattungen der Vermögenslage Rechnung tragen wird. Dir Ver- milagiwe muß auf einen bestimmten Stichtag abgestellt werden. Nm jedoch die hiermit verbundenen unvevmeidlichen Zufälligkeiten aus- zuHleichen, insbesondere auch das sich noch nachträglich bilde''>e neue Vermögen in entsprechender Weise y belasten, soll im Anschluss an die Vermögensabgabe ein Ausbau der Besttzftcuern erfolgen. 3. Die hoben Ei »kommen sollen
stärker belastet werden, indem eine Reichsem- kommensteuer mit weitergesührter Progressipn mindestens für diese Emkommensteuersiufen eiiweführt wird. -1. Die einzelnen Einkommen- guelten sollen in erweitertem Umfange der Be - fteuerung erschlossen und dem Reich 'zugänglich gemacht werden. Eine Kapitalsertragssteuer soll die Erträgnisse des Kapitals (Kupons, Dividenden, Hypothekenzinsen nfro.) eine Be- triebsertraMwuer die einen gewissen Mindest- betrag übersteigenden Gewinne geschäftlicher Unfern c6mungeit erfassen. 5. Die Erbschaft s st e ue r soll unter Weiterführmig der Progression stark erhöht werden. Sie soll auf Abkömmlinge und Ehegatten ausgedehnt werden. Für die Höhe des Abgwbesatzes soll nicht nur der Betrag der Erbschaft, sondern auch die Vermögenslage des Erben berücksichtigt werden. 6. Eine besondere Abaa'beordnung soll dafür sorgen, dass die zu erlassenden Gesetze auch wirklich gleichmäßig und gerecht ausgefiihrt werden. Die Veranlagung soll überall in die Hand finanztechnisch besonders vorgcbildetcr Personen gelegt werden. Soweit nicht schon die neu zu belebende Stenermonal zu einer wahr-, heitsgemäßen Einschätzung führt, soll sie durch staatliche Zwangsmittel unbedingt geflckei ■ werden.
Die Neichsregicrung: Ebert, Scheidemann. . Der Staatssekretär des ReichZschatzamkesss Schiffer.
Sie schlefische Frage.
Zusagen der Regierung.
(Drahtbericht.)
Breslau, 31. Dezember.
Die Pressestelle des Volksrates zu Breslau, Zcntralrat für die Provinz Schlesien, teilt mit: Die in den letzten Wochen hervorgetretenen separatistischen Bestrebungen in Schlesien und besonders in Oberschlesien hatten Veranlassung gegeben, für heute den Br-wi» - 'al-VotM-",sfckmß. 'ür Schlesien im Breslauer Rathauic zusanimcnzurusen. c*‘ der Sitzung präsidierte der preußifcke Minister Hirsch. Ihx wohnten ferner Volksbeauftragter Landsberg, Vertreter aller Regierungsbehörden mit Oberpräsident Dr. v. Günther an der Spitze, ferner Vertreter aller politischen Parteien, des Zentralrates ttnb ber Militärbehörden sowie ber oberschlosischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerkreise bei. Die Versammlung berührte in ber Hauptsache bic tschechische unb bic oberschlesische Frage. Hinsichtlich ber tschechischen Frage würbe scst- gestellt. daß Grund zur Sorge für die schlesische Grenzbevölkerung zur Zeit nicht vorliegt, zu» mal die Rcicksregierung entschlossen fei, mit allen Machtmitteln Angriffen cntgegenzutreten, die unter Verletzung des Waffenstillstandes von Nackbarnattonen ’ auf deutsches Gebiet gemacht wurden. In ber oberscklesischen Frage wurde nach eingehenden vielstündigen Verhandlungen. in denen alle Gründe besprochen wurden, die für eine Lostrennung Schlesiens und Ober- fcklesicns vom Reiche überhaupt in Bettacht kommen könnten, die nachstehende
Entschließung
nahezu einstimmig gefaßt:
1.) Alsbaldige Besetzung leite nber Stellen und politischer Beamtenstellen mit Männern, bie Verständnis für die Besonderheiten ber Verhältnisse Ob erschiessens haben unb Vertrauen bei ber Bevölkerung genießen, unter weitestgehender Heranziehung katholischer. polnisch sprechender Männer wird zugesagt. 20 Das Verhältnis von Kirche unb Staat in religiöser, wirtsckaftlicher und politischer Beziehung kann nur unter Wahrung aller berechtigten Wünsche Oberschlesiens auf gefetzlichem Wege unb nach Benehmen mit ben Kirchenbehörben geänbert werben. Die Erteilung bes Religionsunterrichts in öffentlichen und privaten Schulen bars gleichfalls nur unter Wahrung aller berechtigten L-ünsche Ober- schiessens auf gesetzlichem Wege geregelt werben. Dabei wirb bie Regierung mit aller Mackt eintreten für bie Freiheit ber Religionsausübung, für ben Religionsunterricht in der Muttersprache in der Sckmle und für die Unversehrtheit des kirchlichen Vermögens. 3.) Eine eigene Delegatur des fürstbischöflichen Stuhles für Oberschlesien mit dem Sitz im Jn- busttiebezirk wirb bei ben kirchlichen Stellen erbeten werben. 43 Vor bem Erlass von Anordnungen. bic wichtige oberschlesische Interessen berühren, hat die Zentralrcgicrung mit ben zuständigen schlesischen Behörden Fühlung zu nehmen. 5.) (Sin besanderer Kommissar für Oberschlefien wird beim Ober- präsideuten und beim Zcntralrat für Schlesien zur ständigen Vertretung der Wünsche Ober- schlesiens bestellt werden.
Minister Hirsch fasste bann die Stellung ber Regierung zusammen: Ick glaube, bie Debatte hat erwiesen, daß die Versammlung in üiw- wältiaender Mehrheit ben Gedanken ber Errichtung einer besonderen Republik Oberschlesien ablehnt, ferner daß sie mit der gleichen Mehrheit auch ben GedaEn einer Republik Schlesien ablehnt. Es ist gebeten worben, bass bie Regierung ber Provinz Schlesien ben erforderlichen Schutz angebeihen lassen soll. Ick kann namens der Regierung