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Nr. 175.

Zweites Blatt.Donnerstag, den 31. Juli 1902.

11. Jahrgang.

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für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umqebung.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei (gegr 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

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Dec I. August steht vor dec Thür. Da richten wir denn an unsere bis- hermen Freunde und Leser die dringende Bitte, das Abonnement auf die Gietzener Neueste Nachrichten" möglichst sofort zu erneuern, damit in dec Zustellung des Blattes jede unangenehme Unterbrechung vermieden wird.

In Folge neuer Anordnungen ist es jedem Abonnenten, der die Zeitung durch die Poft bezieht, möglich gemacht, die Bestellung durch den Briefträger be­sorgen zu lassen, so daß dec Gang auf das Postamt gespart wird. Es liegt daher im eigenen Interesse unserer Abonnenten, von dieser dankenswerten Einrichtung der Post Gebrauch zu machen.

Wir richten an alle Leser und Gönner unseres Blattes die Bitte, nicht nur selbst die »Gießener Neueste Nachrichten" weiter zu bestellen, sondern auch allenthalben für die weitere Verbreitung derselben eintreten zu wollen und uns durch Empfehlung und durch Angabe von geeigneten Adressen behufs Versendung von Probenummern in der Gewinnung neuer Abonnenten zu unterstützen.

Die »Gießener Neueste Nachrichten" werden, wie bisher, über ade poli­tischen Ereignisse schnell, zuversichtlich und eingehend berichten und in Leit- und sonstigen Artikeln die auswärtigen und die inneren Ereignisse in für Jedermann verständlicher Weise beleuchten. Daß sie dabei ihr Augemeck foct- dauernd darauf richten werden, die Interessen dec schaffenden Stände, insbesondere der Landwirtschaft und des Handwerks in ernstester Weise zu wahren und zu fördern, bedarf nach der bisherigen Tradition der »Gießener Neuste Nachrichten" keines besonderen Hervochebens.

Besonderes Gewicht wird ferner auf die Reichhaltigkeit deS provinzialen und lokalen Teftes gelegt.

Für Unterhaltung und Be ehrung bieten die »Gießener Neueste Nach­richten" im feuilletonistischen Teile, namentlich aber in dec

* *Oberbessischen famitienzeituna" * *

anerkannt reichhaltiges und interessantes Material.

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Die Seifenblasen.

sowie die

Oberb. Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- u. Gartenbau, welche wöchenUin erscheinen.

Die große Verbreitung, sowie das fortwährende Steigen der' Aboa- nentenzahl derGießener Neueste Nachrichten" in ganz Oderh,ffe» und den KreisenWetzlar und Marburg sowie vor Allem in der Stadt Gießen und nächster Umgebung selbst sichert den Annoncen den besten Erfolg.

Probeuummern stehen zu jeder Zeit zur Verfügung.

Redaktion und Verlag derGießener Neueste Nachrichten".

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Rcsocwvorschlag für ok Versorgung der Militär-Anwärter.

AuS Militäranwärter-Kreisen wird demB. Lokal-Anz. folgendes geschrieben:

Nach Wbieqtung der 12 jährigen Dienstzeit gelangt der Unteroffizier in den Besitz des ZlvlwersorgungSscheines und tritt fooann in das Verhältnis als Militär-Anwärter Nur in Ausnahmefällen und durch besonders glückliche Umstände gelingt es aber Anwärtern, bald nach absolvierter Dienst­zeit in den Zwttdünst überzutreten ; die große Mehrzahl ist gezwungen, im Verlaus weiterer Dienstjahre den Erfolg der Bemühungen um eine Stelle im Zivildienst abzuwarlen.

Ein Test der Anwärter Reflektanten aus Unter- beamten- und ähnliche Stellen gelangt im allgemeinen nach einem bis zwei, oft aber auch erst nach mehreren Jahren zur Einberufung und Anstellung, der andere Teil Reflek­tanten auf Kanzlei- und Bureaubcamtcnstellen muß zirka 24 Jahre auf diese Einberufung warten. Nach darge- thanec Befähigung schließt sich an die Probe- rc. Zett eine 34 jährige, ja oft 6- und mehrjährige Diätarzeit an und erst im Anschluß an diese erfolgt die definitive, mit Pensions­berechtigung verbundene Anstellung. Der Anwärter hat dem­nach beim Eintritt in die unterste Stufe der Gehaltsskala seiner Stelle durchschnittlich das 40. Lebensjahr erreicht, ein Alter, in welchem der Zivilanwärter meistens die auf 21 bis 24 Jahre berechnete Skala fast durchschnitten hat.

Es besteht also nur für einen Teil der Militäranwärter die Wahrscheinlichkeit, die oberste Gehaltsstufe zu erreichen oder gar einige Jahre im Genuß derselben thätig zu fein ©lese offenbar ungünstigen Verhältnisse resultiren aus der großen Überzahl der Militäranwärter gegenüber der Sahl bet lhnen vordehaltenen Stellen. Eme günstigere Gestaltung des Verhältnisses durch Einstellung einer entsprechend höheren 3^1 von Beamten bei den Zivilbehörden ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten, und es erübrigt nur, Umschau nach anderer Gelegenheit zur Unterbringung versorgungSbetecktiater Militär-Anwärter zu halten. Diese bietet fid) meines Er­achtens innerhalb der Heeres-Verwaltungselbst.

Ich deute hierbei an die große Zahl vorhandener Bataillons-, Regiments-, Brigade-, Divisions-, Jnspek- tions- rc. Schreiber, Bezirksfeldwebel-Stellen, welche die Truppentheile gegenwärtig mit in Ableistung ihrer zwölfjährigen Dienstzeit begriffenen Unteroffizieren be­setzen. Der Dienst in diesen Stellungen ist lediglich Bureaudienst. Er beansprucht bautechnische Kenntnisse, Gewissenhaftigkeit und geistige Fähigkeiten in demselben Maße, wie die verwandten Stellungen im Kanzlei- und Bureaudienst der Civilbehörden. Genannte Stellen würden sich hiernach als durchaus zur Umwandlung in solche für civilversorgungsbecechtigte Militäranwärter eignen. Die betreffenden Inhaber würden dem Dienst­range nach zwischen den oberen und unteren Militärbe- mten rangiren und als Dienstkleidung eine diesem lenstrange entsprechende Uniform tragen. Ein Ein­

kommen, mit ca. 1400 Mk. beginnend und nach 21 Dienstjahren bis auf ca. 2100 Mk. steigend, bildet un­gefähr den Durchschnitt desjenigen der oberen und unteren Militär-Beamten und würde, trotzdem es nicht unerheblich hinter demjenigen dec in den Civildienstüber- tretenden Militäcanwärtec Zurückbleibt, hinreichen, um dem Unteroffizier die Erlangung einer solchen Stelle begehrenswert erscheinen zu lassen.

Schwierigkeiten bietet voraussichtlich Zunächst die Bereitstellung dec erforderlichen Mittel, deren Höhe^bei einer rund 1000 betragenden Zahl in Betracht kommen­der Unteroffiziere auf ca. eine Million Mark zu schätzen sein wird. Aber auch diese Schwierigkeit wird der Dringlichkeit des Bedürfnisses, mit der Zeit; weichen müssen.

Hus dessen und Naebbargebieten.

Hochstapelei in der Maske eines Offiziers. Der be- rüchtigste Hochstapler, frühere Drogist Carl Bordato ist in Wiesbaden und Umgegend wohlbekannt, hat er doch vor nicht langer Zeit hier und in Biebrich viele Leute gebrandschatzt. Der Mann, der erst vor einem Jahre wegen zahlreicher Schwindeleien zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus, 1800 Mk. Geld­strafe, Ehrverlust, Polizeiaufsicht und wegen wider­rechtlichen Tragens einer Uniform zu vier Wochen Haft verurteilt wurde, stand dieser Tage wieder vor der zweiten Ferienstrafkammer am Landgericht ll zu Berlin, um sich wegen einer Reihe weiterer Schwindeleien zu verantworten, die er in Bad Nauheim, in Frank­furt a M., in Gießen und in Darmstadt verübt hat, außerdem auch wegen eines Diebstahls. Auf seinen Beutezügen trug ec eine Offniersuniform. In dieser erschien ec in Pensionen und Chambcegarnies, mietete füc lieh oder einen angeblichen befreundeten Offizier zwei bis drei Zimmer mit Burschengelaß und verstand es dabei, den Vermietern unter irgend einem Vorwande erhebliche Vorschüsse abzuschwindeln, worauf er sich nicht mehr sehen ließ. In Spandau ist er schließlich abgefaßt worden. Für die erschwindelten Vorschüsse hat er stets gefälschte Checks oder Wechsel hinterlegt. Endlich hat er verschiedene Schneidermeister um graue Offiziermäntel teils geprellt, teils zu prellen gesucht. Unter den zur Anklage stehenden fünf Fällen befanden sich zwei, in denen er den Gastwirt Thiel in Bad Nauheim und den Kaufmann Schäfer in Frank­furt a. M. den Einen um 1200 Mark, den Anderen um 100 Mark unter dem falschen Vorgeben be­schwindelt hat, daß er ein Patent zur Erzeugung eines besonders wirksamen kalten Wasserstrahles (?) besitze und ausnutzen wolle. Den ihm zur Last gelegten Diebstahl hat ec in dec Weise begangen, daß ec einem Studenten, der ihn na^ einer fidelen Kneiperei mit auf seineBude" nahm, beim Weggange einen

seidenen Regenschirm stahl. Nach erfolgter Beweisauf­nahme, die der Staatskasse viel Kosten gemacht hat, da die Zeugen aus Nauheim, Frankfurt, Darmstadt persönlich vor Gericht erscheinen mußten, wurde der Angeklagte zu sechs Monaten Zuchthaus, 450 Mark Geldstrafe und zwei Jahren Ehrverlust verurteilt.

Vermischtes.

* Berlin, 30. Juli. Dec sozialdemokratische Stadt­verordnete Wehl in Spandau und dessen Schwager wurden verhaftet. Wehl, der eine Gastwirtschaft be- sitzt und in finanzielle Bedrängnisgeraten war, ftH angeblich mit seinem Schwager Urkundenfälschung begangen haben.

* Berlin, 30. Juli. Der Magistrats-Hilfsarbeiter Ulbrich, der s. Z. die städtische Sparkasse um 16000 Mark betrogen hat, hat sich freiwillig der Behörde g e st e l l t.

Hamburg, 30. Juli. Bis fitzt find von dem SchiffS- unglück 14 Wittwen mit Kindern und 50 Vollwaisen zu unterstützen. Das Komitee braucht 150,000 Mk. um die Hinterbliebenen davor zu bewahren, der Armen-Verwaltung zur Last zu fallen.

* Leipzig, 30. Juti. Die Staatsanwaltschaft hat auf die Einlegung der Revision gegen das Urteil deS Leipziger Schwurgerichts vom 23. Juli gegen die Direktoren uib Aufsichtsräte der Leipziger Bank verzichtet. DaS Urteil gegen Dr. Gmtzsch und die Auffichtsräte ist somit rechtS- klästig geworden.

Rudolstadt, 29. Juli. Die hiesige Strafkammer ver­urteilte heute den sehr angesehenen Inhaber der fürstlichen Hofwagenbauerei Jahn wegen 78 Wechselfälschungen zu 3 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust.

* Lemberg, 29. Juli. Die Meldungen über die so« den streikenden Feldarbeitern verübten Gewaltthaten, Plünderungen und Brandstiftungen lauten höchst ernst, Die Streikenden versuchen, die Brücken über die Flüsse zu zerstören. Die Verhängung des Standrechter steht nahe bevor.

* Der fiskalische Hund. Zum zweiten Male be­schäftigte den Bezirksausschuß in Trier eine Angelegenheit, die auch für weitere Kreise von Interesse sein dürste. I» Kreise Bitburg sind nach der dort bestehenden Hundesteuer- Ordnung nur diejenigen Hunde steuerfrei, welche zur Be­wachung einzelner Gehöfte und zu gewerblichen Zwecken un­entbehrlich sind. Der ElsenbahnstationSvorsteher Wirtz ru Erdors-Bitburg unterhält nun auf Kosten der Eisenbahnver­waltung einen Hund zur Bewachung der Stationskaffe und der auf dem Bahnhof lagernden Güter, wofür er eine Hunde- st-u-r von 5 Mk. entrichten soll. Hiergegen erhob er in Gemeinschaft mit der Saarbrücker Eisenbahndirektion Klage im Verwaltungsstreitversahren mit dem Anträge aus Be- &J^'. Der Bezirk, au, schuß wie- die ffl,X mk^ "b, daß der Bahnhof nicht als

Gehost und die dort liegenden Warenvorräte nicht al.