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Nr. 175.
Erstes Blatt
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(«r°tiSbki,-gkn : cb-rh-Mche F-mI,««»»-"«-« "»«l'ch) cderhk, sisch- Z-iischrikt für l»««M»k«<lMft, Cb# n«b «Sartrnban, sowie bic (fliest»«« Seifenblase« wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Donnerstag, den 31. Juli 1902.
Gießener
11. Jahrgang.
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für Oberhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung
Druck uno Verlag der Gießener VerlagSdruckerE, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei, igegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein. Gießen
Die Polen und der Kaiserbesuch in Po,en
Kaiser Wilhelm hat bekanntlich gelegentlich der diesjährigen Kaisermanöver, die zwischen dem 3. (brandenburgischen) und dem 5. (posenschen) Armeekorps vor sich gehen werden, seinen Besuch in der Stadt Posen ansagen lassen. Es geht nun das allerdings der Bestätigung bedürfende Gerücht, ein polnischer Kammerherr habe es dem Kaiser durch einen der Minister nahe legen lassen, den geplanten Besuch in Posen bis zum nächsten Jahre verschieben zu wollen, ohne daß indessen hierbei nähere Aufklärungen über dies doch so auffällige Ansinnen gegeben worden wären. Wenn man Berliner Blättermeldungen glauben dürfte, so wären infolge dieser angeblichen Bitte oder auch Warnung von polnischer Seite bereits einschneidende Abänderungen in dem Ursprung* lichen Programm für den Kaiserbesuch in Posen verfügt worden, wonach nur ein rein militärischer Empfang des Monarchen unter Ausfall des beabsichtigten Auszuges der Ehrenjungsrauen, der Schulkinder, der feierlichen Begrüßung des Kaisers durch die Posener städtischen Behörden usw. statt- finden würde, ja es wird sogar davon gesäbelt, daß sich dec Einzug des Monarchen in die Hauptstadt Posens zu einem solchen wie in eine eroberte feindliche Stadt gestalten solle. Es mag nun zunächst dahin gestellt bleiben, wie es sich mit
Weiteres zugibt, daß in weiteren Kreisen der preußisch en | Polen durch die unausgesetzten deutschfeindlichen Hetzereien und Wühlereien politischer Agitatoren, wie der polnischen Presse, eine gewisse Erregung hecvocgerufen worden ist, so ist hiermit doch noch keineswegs gesagt, daß sich dieselbe gegen den Träger der obersten Staatsgewalt kehren könnte. Die Neigung zum politischen Meuchelmord liegt dem polnischen Volkscharakter im Allgemeinen fern, so heißblütig auch das polnische Temperament werden kann, und es ist daher kaum anzunehmen,
worden. Bisher waren Orden in Amerika nicht an der Tagesordnung.
dem behaupteten Schritte deS polnischen Kammerherrn verhält; selbst wenn er aber wirklich gethan worden sein sollte, so würde er sicher kaum einen Einfluß auf die Dispositionen bes Kaisers auSzuüben vermögen. Die Bestimmungen für die Kaisermanöver im Osten deS Reiches stehen unerschütterlich fest und hiermit auch das Erscheinen des Kaisers in der Stadt Pojen, das höchstens durch ganz unvorhergesehene Ereignijje oder durch eine plötzliche Erkrankung des Monarchen in Frage gestellt werden könnte. Sollte jedoch das Ansinnen an den Kalj.r, er möge seinen Besuch in Posen um ein Jahr verschieben, durch Befürchtungen deutschfeindlicher Demonstrationen der polnischen ^eübiferung während der Anwesenheit des Kaisers oder gar polnischer Rüpeleien, vielleicht selbst Attentatsversuche gegen die Person des Landesherrn veranlaßt worden sein, jo würde man die echte, furchtlose Natur deS hohen Herrn schlecht kennen, wenn man anneynun wollte, er würde aus solchen Erwägungen den angekündigten Aufenthalt in Posen verschieben. Das Leben jedes Monarchen steht in Gottes Hand, auch die weitgehendsten persönlichen Slcherheitèmaßregkln für ihn werden niemals eine genügende Bürgschaft abgeben, daß er nun durchaus gefeit gegen etwaige verbrecherische Anschläge seitens elender Mordbuben sei, und dies gilt natürlich auch für Kaiser Wilhelm.
, . tëinfttoeilen möchte indessen zu bezweifeln sein, ob
La Hilf inirfliip Kaiser Wilhelm in Posen irgend etwas für IJv uns »eine Person zu fürchten hätte^ Auch wenn man ohne
Bilbao 20 ®e*
>en in Barcelona sechs Jahren in Rauben sich um itt derselben ein indte hielten die verwenden.
t Ihrer ersten Winten mich au! oer zweite W habe.
In eigener Sache Kichter.^
Roman von L. HaidHei m.
(9iadbbrucf verboten.) (Fortsetzung.)
Ä Alle spater wehte vom Turme des Schlosses Klaino Eingangsthor standen rechts und m s die tief schwarz gekleideten Wappenherolde, Trauerflore ver- bJc Hohen Kaudelaber von meisterhafter alter Schmiede- Ichwarzer Teppich bedeckte die Stufen der Freitreppe.
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Es t*»Ä »Art. Ä® (^TitllW'1 r^ Sprengels unter Assistenz und im Beisech pÄer Geiü Ä , eine Totenmesse abhielt, der Tust unzähliger
Z«k LzZ) rahliger Wachskerzen erfüllte die Luft und legte sich schwer auf rtll/lllnlV m k^ust der Anwesenden. Zu Häupten des unter Fransen unb st I ^olmwedeln fast ganz verschwindenden Sarges ragte wieder
flHlllv jenes kostbare hohe Kreuz von Ebenholz mit dem Christuâild IIIII W o Elfenbein, das «chon .eit zwei Jahrhunderten kostbares ' gräfl-cben Familie war; hier in Klaino, wo es
gehaltene Gewächshäuser gab, wie überhaupt alles voll- wmmen im herrschaftlichen Stil und aufs beste gehalten war man die schönsten Palmen und Lorbeerbäume zur Um- i^niung des Sarges verwendet, und das flackernde Licht der Z pyen, silbernen Armleuchter wiegelte sich in der shwerer Silben â^^l der wavpengeschmückten Sargdecke, so weit man vor - Etwas davon sehen konnte.
Omen des Hauses stauben zu Häupten am Arme der Gnkel des Getchiedcuen und hörten mit erucken Mienen auf ^.?â^?^ub Rede des Geistlichen, der sich ehrlich bemühte dem vortreffliches nachzurühmeu, wie man irgend ver- Aber wie das w richtig heißt: „Wenn ich mit niät^t^G^^ ^dele und hätte der Liebe
^euz iiexO Hörer' b^ ^^muhen ohne Erfolg, kalt und stumm jedes /Ind dann reihten sich die Trauergäste 311m Zuge nach dem Mamoleum; die nach alter Sitte mittelalterlich fosiümier^
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daß sich die Stimmung, welche in der polnischen Bevölkerung Preußens durch das staatsfeindliche Treiben gewissenloser Demagogen und nationaler Fanatiker allmählich erzeugt worden ist, vielleicht in einem Anschläge auf den Kaiser Luft machen könnte. Sollte jedoch etwa geplant sein, so eine Act polnischen Putsches während des Aufenthaltes des Monarchen in Posen ins Weck zu setzen, so müßten sich doch die Anstiftec eines solchen thörichten Streiches selber über ein derartiges unsinniges Unterfangen klar sein. Die Stadt Posen und ihre Umgebung werden zur Zeit des Kaiserbesuches über und über mit Militär angefüllt sein, so daß eine versuchte deutschfeindliche Demonstration im Nu erstickt wäre, deren Urheber hätten dann einfach noch die gesetzlichen Folgen eines solchen leichtsinnigen Vorgehens zu tragen. Es ist deshalb nicht einleuchtend, warum unser Kaiser dem projektirten Besuch in Posen wieder aufschieben tollte, und ebensowenig ließe sich einsehen, wie so Abänderungen in den Einzelheiten des Kaiserbesuches, wie die behaupteten, zu rechtfertigen wären. Die Stadt Posen wird ja nicht nur von Polen, sondern auch von Deutschen bewohnt, und zwar mindestens zur Hälfte, und letztere haben gewiß allen Anspruch darauf, daß in den den Festsetzungen für den Empfang des Kaisers, bei denen doch gerade das deutsche Element in Mitwirkung kommen soll, keinerlei Abänderungen getroffen werden, die als Furcht vor dem Polenthum ausgelegt werden könnten.
— Zu der viel erörterten Stolper Rede deS Landwictschaftsministers von Podbielski, die von vielen Blättern abgeleugnet wird, werden noch einige Einzelheiten bekannt. So berichtet man, daß der Minister am Eingang seiner Rede bemerkt habe: „Wir lind ja hier unter uns, da kann ich mich also etwas freier aussprechen." Auf den darauf folgenden vielfachen Ruf: „Thür zu!" wurden die Thüren zuge- S0^; r ^u$ na$ der „Voss. Ztg." fragte Herr von Podbielski zunächst: „Sind wir unter uns?" Der Vorsitzende Oberst v. Mitzlaff prüfte nochmals die Tafelrunde und als er jeden gewogen und keinen zu leicht befunden hatte, antwortete er: „Jch'bitte, Excellenz, Zu 'reden." Und dann hat Excellenz geredet und zwar von dem nach dem Staate schreien, vom alten 3opf, vom Schweinevieh, von den Fußstapfen der Sozialdemokratie und vom Pfifferling der Regierung.
Staatssekretär Tirpitz wird im Gefolge des Kaisers die Reise nach Reval mitmachen. Auf - dieser Fahrt wird außer dem Kreuzer Prinz Heinrich auch der Kreuzer Nymphe die Kaiseryacht Hohenzollern begleiten.
Politische Nachrichten.
Zur Amecikareise des Prinzen Heinrich. Anläßlich des Besuches des Prinzen Heinrich in den Vereinigten Staaten sind eine Reihe amerikanischer Staatsangehöriger mit Ordens-Auszeichnungen bedacht worden. Ferner sind aus dem gleichen Anlaß an hohe Wücdentcägen, Beamte, Offiziere und viele Bürger dec Vereinigten Staaten Zuwendungen in Gestalt von Wertgeschenken, Bildnissen und Geschenken gemacht
— Das Gesamiwahlresultat im 3. Nassauischen Wahlkreis (früher von Lieber vertreten), ist: Dr. Dahlen (Ctr.) 10,631, Krawinkel (nttb.) 3755, Brand (B. d. L.) 3454 und Vetters (Soz.) 652 Stimmen.
— Posen, 30. Juli. Der OberregierungSrat Ges ch in Posen wird demnächst in das Finanzministerium berufen werden. Gesch ist derjenige Beamte, auf dessen dem Finanzministerium gemachte Mitteilung der frühere Provinzialsteuer-Dicektor Löhning daS gegen ihn eingeschlagene Verfahren zurückfübrt.
— Mit begreiflicher Schadenfreude stellen die polnischen Blätter den zunehmenden Lehrermangel in den östlichen Provinzen fest. DaS „deutsche" Nachrichtenbureau, das einen solchen Schmerzensschrci jetzt eben.wieder verbreitet, veraißt nicht, hinzuzufügen, daß polnischen Anwärtern leider der Eintritt in die Seminare verweigert werde. In der That, darob grämen sich die Polen nicht wenig. Sie sind entschlossen, den deutschen Lehrern in den Ostmarken soviel Schwierigkeiten zu bereiten, daß diese samt und sonders davon gehen. Der Feldzug gegen die deutschen Lehrer ist planmäßig organisiert worden. Die polnischen Blätter wimmeln geradezu von Angriffen gegen die Lehrer, ohne daß man in Erfahrung gebracht §ätte^>af^Jbi^3e£örbH^
dem Finanzministerium
Trager des Sarges bic ganze Pracht, welche aufgewendet worden, dem toten Herrn die letzte Ehre zu erweisen, die feierliche Weihe der Kirche, dargeboten durch die vornehmsten Geistlichen der Provinz, die gaiye Reihe der ersten Männer und großen Herren des Landes, alles, alles blieb nur ein leeres Schaugepränge, von dem sich manche der Anwesenden bewußt waren, der alte Graf Ebern hatte nichtachtend und höhnisch zu diesem Prunk gelacht.
Das Wetter hatte sich beruhigt; her Fimmel sich aufgehellt.
Ties nach Westen zu schwcbie Die dünne Mondsichel, einzelne Sterne leuchteten und durch die Wipfel der Bäume wehte leise klagend der Wind. So schritt man durch den Park Zu beiden Seiten des Weges standen Fackelträger, auf den weiten Rasenflächen brannten Pechflammen in riesigen Töpfen, die voran- febreitenbe Militärmnsik spielte den Bcethovenschen Trauermarsch ergrciseud schön und jetzt, bei dem flackernden, wechselnden Licht ergriffen doch tiefe Schauer die kalten Herzen.
Es . lag eine gespenstische Stille auf diesem Zuge, der so phantastisch durch die Nacht dahin glitt, als zögen die feierlichen Klänge ihn seinem letzten Ziele zu.
Welche Gedanken mochten sich regen in den Herzen derer, die ein Recht gehabt hätten auf die Liebe und Treue des Toicn r
So würde wohl ein großer Teil der Herren denken, frisierten die dem Zuge folgeuben „Unterthanen".
In einem Wäldchen von Tannen und edlen Koniferen lag oie Familiengruft; bei Tageslicht ein Plav voll der Poeüe der Trauer, in dieser Nachtstunde unbeschreiblich düster und beängstigend, durch die schauerliche Einsamkeit.
Eine halbe Stunde später war alles vorüber und während die Familie sich auf dem kürzesten Wege nach dem Schiene 'atte, wurden die Trauergäste auf dem mehr cn >enn jetzt galt es, den Damen eine ganz t-Ge
zurückbeaeben hc
Mückgeführt, bu... _ _........._
zur Erholung zu verschonen, um dann alle diese Herren zu empfangen und ihr Beileid entgegen zu nehmen.
Burkard und Graf Joseph hatten für alles gesorgt. sogar letztere dafür, daß man den erschöpften Damen Er". /1: ngen bereit hielt.
«Unterdes unterhielten sich auf dem Wege nach dem Scbloiie Muck die Herren von dem „verrückten Teuamentdas durch eme noch verrücktere Bestimmung vor Johrcstrin. nicht eronnet werden ollte. Niemand wußte Gewisses; das Gerücht hatte wohl gelegentliche Aeußerungen des Verstorbenen verbrcnet, sedenfallv aber traute man dem schrulligen Alten die außeMen Wider- finniafeiten zu, weil er lebenslang deren so zahlte zv Tage gefördert.
Xa .nu.uüavt.oc mar mcyl gekommen. Man konnte nicht einmal in reu le roi est mort — vive le roi, denn der neue Herr trieb sich Gott mochte wissen wo? in Asien herum, als Ttü- nehmer einer Ervedition zur Erforschung nie von Europäer» betretenen Gebenden. Wer konnte wissen, ob er überhaupt noch lebte? Seit langer Zeit vermißte man Nachricht von bér Expedition.
Ueberhauvt, die ganze Familie gab so viel Anlaß rum Achselzucken. Da war doch außer den Frohberg- kein Zwet- des Geschlechts der Ebern, welcher nicht allerlei Mißwuchs aufwies.
Aber die Frohbergs — alle Achtung! Wenn ihr Adel auch noch sehr neu war, es steckte doch in ihnen ein tüchtiges Kernholz; der alte Major hatte es bewiesen, Burkard, so jung er auch noch war, trug bereits den Preis der Hochachtung unter dem jüngeren Geschlecht davon und wäre sein Vater nicht allzu früh an der schlecht geheilten Wunde gestorben, so hätte er es sicher weit gebracht. Die arme kleine Frau von Frohberg! sie hatte doch auch so garnichts vom Vater! wirklich allzu wenig! Da verstand ihre Cousine Wazlaw besser zu repräsentieren! DaS arme Weib! nichts hatte ihr Mann ihr zurückgelassen, nichts all die fünf Kinder, keinen Kreuzer! Ihr eigenes väterliches Erb^ auch nicht wenig, hatte der Wazlaw auch noch mit durchgebracht. Nun ja, sie hatte ihm flott geholfen! Die guten Leutchen lebten in dulei jubilo und besser wie mancher Furst, bis das Geld yaHe* war. — Jetzt mußte man sie mit durchschleppen; sie und die Kinder fielen dem Universalerben zu. Wer es nun sein mochtet Doch sicher nicht dieser Graf Joieph, der zum Begräbnis gekommen? Wenzel Kaltenbronn hatte ihn vorhin begrüßt, kannte ihn von Wien her, will aber nichts über ihn sagen, zuckt die Achseln. Na, ein fescher Kerl ist er, ein ganzer Kavalier und wenn seine Frau Mutter auch eine fröhliche Lebedame war ihr Adel ist erwiesen, es fragt sich noch, ob der alte Despot bal Recht hatte, seinem Sohn Franz das Majorat absprecken au lassen und ihn, wie man sagt, zu enterben! Fragt sich noch sehr! Der am Franz hatte nur nicht bei Agram fallen sollen !^5>r nch^eines Erbes schon ßewahrt haben" Der aâm« Lel»tt-nn der Frau dokumentierte sich in der straften Gleich gültig seit, mit welcher sie ihrem Sohn das Erbe nehmen lien. SchwereL & PK “Ä^^^ !W° “«^ »TM SSÄ
(Fortsetzung folgt.)