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Nr. 174
Erstes Blatt
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zu nennen.
Neueste Nachrichten
(Gießener Dagevtatt)
für Oberhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung
Drück'ünHërlâg^r' ^Gießener VerlagSdruckern, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdrrâei, (gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen
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Zu Bismarcks Gedächtnis
30. Juli.
Vier Jahre sind heute verflossen, seit sich die treuen Augen Otto von Bismarcks, die oyne Unterlaß über des Vaterlandes Wohl wachten, zum ewigen Schlummer geschlossen Haven. Damals sind manchem wetterfesten deutschen Mann die Thränen bie Wangen hinab gerollt. Im stillen Sachsen- walde, im Schatten des deutschen Eichenhaines, hat man dann dem Unvergeßlichen eine pruntiofe Ruhestätte bereitet, die so recht dazu gelassen ist, das Ziel der Wallfahrt für alle die deutschen Manner zu werden, die fern dem Lärmen und Treiben des TageS mit dem unsterblichen Geiste des großen Todten Zwiesprache halten wollen. In der Hauptstadt des Reiches, das ec mit eiserner Hand geschaffen, und an vielen anderen Orten hat man ihm Denkmäler errichtet. Das schönste Denkmal aber hat er sich selbst gesetzt in den Herzen derer, denen der Name BiSmarck untrennlich ist von dem Gedanken an die Größe und Herrlich! it des Vaterlandes.
Das verflossene Jahr hat manche Veröffentlichung gebracht, durch Die uns die historische Titanengestall des Staatsmannes menschlich näher gekommen ist, als sie in seiner Bewunderung und Siebe wegen seiner nationalen Verdiente schon stand. In Bismarcks Briefen zeigt sich, daß dieser gewaltige, rastlose Held, der ebenso fähig war eine politische Welt in Trummer zu schlagen, wie eine neue aus thuen aufzudauen, im innersten Kämmerlein seines Herzens euvas halte, das nicht von dieser Welt und für sie war. W.e Kaiser Wilhelm der Große, Moltke und Moon und alle, ine ihre Mitwelt überragten, so ist auch Bismarck nicht von moderner Sleptik, von Ve stand u. Wissen ausgegangen, sondern pano auf dem Felsengrund schlichten, demütigen Gottes- glauvens, der allem wahrhafte Ideale in Kirche, Staat, Familie und Politik erzeugt.
Unaufhaltsam rollen die Jahre dahin, der Zeiger der Weltgeschichte steht nicht still, er stellt die Lebenden vor neue Aufgaben und neue Pflichten. Und inmitten dec letztecen machst ein neues Geschlecht heran, das von der Vergangenheit nicht die heißen Kämpfe kennt, sondern nur die Siegesfcucht genießt, dem das Elend dec alten Bundestags-Verhältnisse eine Legende und leibst der Tag von Sedan ein Ereignis aus nebelgrauer Ferne ist. Fürst BiSmarck hat in den letzten Jahren seines Lebens fein Vertrauen in die Zukunft Deutschlands, besonders beim Anblick der deutschen Juge.ld ausgesprochen, und noch ist in ihr ein stacker cc 3u9 vorhanden, der dieses Vertrauen rechtfertigt. Möge die deutsche Jugend diesen idealen Zug pflegen, der ihr eine wertvolle Mitgift für daS Leben, dem Vateclande aber eine stacke Quelle seiner Kraft sein
Das würde Bismarcks Andenken am besten ehren; enn Bismarck hatte nur einen Leitstern, nach dem ec feuerte; Das Wohl des Valeclandes. Das Vater-
Mittwoch, den 30. Juli 1902.
Gießener
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(Gießener Zeitung)
land, nicht d i e Partei! war sein Wahlspruch. Im Dienste des Vaterlandes hat er sich verzehrt, dessen Wohl sein eigenes untergeordnet. „Erinnern Sie sich stets der nationalen Gelübde, darum bitte ich Sie nur", so mahnte er im Jahre 1892 die Tausende, die ihm in München eine Serenade gebracht hatten. Sollte er diese deutschen Männer und damit uns alle umsonst gebeten haben? An uns und an den kommenden Geschlechtern wird es liegen, das Errungene zu erhalten und zu fördern. Das aber kann nur geschehen, wenn jeder in seinem Geiste wirkt, sich seiner Pflichten als Deutscher bewußt bleibt. Jede Ehrengabe, jeder Huldigungsgruß, die heute, sei es in Wirklichkeit, sei es im Geiste, an der waldumrauschten Grabstätte zu Fciedcichscuh niedergelegt werden, erneuern im Sinne des großen Todten das Gelübde: hecvortreten zu lassen, was unser Volk eint, und zurücktreten zu lassen, was es trennen könnte.
Poliiilcbe Nachrichten.
Berlin, 29. Juli. Ein Programm zu den Posener Kaisertagen ist bièh r noch nicht auf gestellt, so* daß alle diesbezüglichen Kombinationen hinfällig sind.
— Auf der Fahrt des Kaisers nach Rußland wird die „Hohenzollern" von dem Kreuzer „Prinz Heinrich" begleitet sein. Der Kreuzer hat für diese Reise eine besondere Ausrüstung für elektrische Illumination an Bord genommen.
— Jm Reichstage sind zwei Hermen (Brustbilder, die direkt in den Sockel übergehen), von Bismarck und Moltke in carrarischem Marmor ausgestellt worden.
— Die Zolltarif-Kommission nahm gestern die Position über die Eisenzölle in der Fassung dec Regierungsvorlage an.
— Bei der Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise 3 Wiesbaden die am Montag statt- sand, wurden nach bisheriger Feststellung für Dahlem (Centrum) 9195, für Krahwinkel (natl.) 3272, für Brand (B. d. L) 3115, für Vetter (Soc.) 662 Stimmen abgegeben.
Im Jahc 1898 waren bei 23 290 Wahlberechtigten von 15 768 abgegebenen giltigen Stimmen 9452 auf das Centrum entladen, 5567 auf die Nationalliberalen, 691 auf die Sozialdemokraten, während sich 58 zersplitterten. Die noch ausstehenden 34 Westerwaldocte werden wohl nicht mehc als 1000 Stimmen auf bringen, und da sie durchweg für das Zentrum gün|hg sind, kann sich das Stimmenverhältnis nur noch zu Gunsten des Centrums verbessern. Dieser Ausgang rst reme Ueberraschung, er war nach der ganzen polituchen Situation vocauszusehcn und bei bem ^ebecmiegen her katholischen Bevölkerung im Wahlkreise auch nicht werter
11. Jahrgang.
IusertiovSvreiS : Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbesien, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3032.
Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28. Fernst recha«schl«ß Nr. 368.
zweifelhaft. Wie bei allen anderen Wahlen der letzten Zeit drehte sich auch hier der Wahlkampf vornehmlich
um die SoUfcage.
— Wie tief derZusammen
derTreber- ans auf unser
gesellschaft und der Leipzig ganzes wirtschaftliches Leben eingewirkt haben, das zeigt auch das traurige Geschäfts-Ecgebniß der ehedem so blühenden Schuckert-Gesellschaft, das einer Katastrophe ziemlich nahe kommt. Nach zweitägigen Der- Handlungen hat am Samstyg die Nürnberger Verwaltung die Ziffern des letzten Jahresabschlusses derOeffent- lichkeit übergeben, und diese Ziffern geben den Verlust, mit dem die Gesellschaft gearbeit hat, auf 15,5 Mill. Mark an. Fürwahr, ein deprimicendes Resultat! Ein Resultat, das eben so überraschend kommt wie die in der vorjährigen Generalversammlung bekannt gegebene Mitteilung, daß die Schuckert-Gesellschaft statt, der allgemein erwarteten zehn Prozent keine Dividende verteilen könne. Immerhin war im Vorjahre noch ein Gewinn von 6,25 Millionen Mark zu verzeichnen gewesen, dec vorgetragen wurde. Da von diesem Gewinn nicht mehr die Rede ist, so liegt die Befürchtung nahe, daß auch er verbraucht ist. Dadurch würde sich der Gesammtverlust der Schuckert-Gesellschaft im letzten Jahre auf nahezu 22 Milli men Mark belaufen. Be- kanntlich ist auch die Schuckert-Gesellschaft mit dem Trebec-Schmidt enger liict gewesen, als es für bie Gesellschaft gut war. Und wenn der Zusammenbruch der Leipziger Bank nicht gezeigt hätte, wie es eigentlich mit dec Trebec-Gesellschaft bestellt war, wäre die Schuckert-Gesellschaft nur noch tiefer in die Treberei hineingerathen und eine Katastrophe wäre unvermeidlich gewesen. Leider zeigt der jetzige Abschluß der Nürn- berger Gesellschaft, daß das Unternehmen weniger gesund fundirt ist, als vielfach noch angenommen wurde. Ein solch enormes Verlustkonto wäre sonst unerklärlich, so sehr man auch die allgemeine wirtschaftliche Lage in Rechnung zieht. , f w -
— Ganz neue gesetzgeberische Aufgaben fürdenReichstag sollen in den Kreisen der Reichstagsparteien geplant werden. So hecht eS, daß sich verschiedene Fraktionen dahin geeinigt hätten, eine Gast- re form auf dem Wege der Reichsgeietzgebung herbei- ruführen- wie jetzt erst bekannt wird, hat bereits am 81. Juni eine Vorbesprechung einer Anzahl Reichstagsabgeordneter verschiedener Fraktionen in dieser Frage stattgefunden. .
— DaL bayerische KriegSmiListerr»« hat bei dem direkten Einlaufe von Futtermitteln öfters schlechte Erfahrungen gemacht. Vorgestern erklärte der ÄriegSmiwilvt Frhr. v. Asch im Finanzausschüsse der Abgeordnetenkammer:
Die Militärverwaltung hat besonder- beim Ankauf von Hafer nicht immer das wünschenswerte Entgegenkommen gefunden. Nicht selten waren höhere Preise zu be-