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Nr. 252.

Erstes Blatt

l,8aco. ^ L«g.r Ne.

bs»«eme»tsPreiS: in Gießen, abgehslt monatlich 50 Pfg-, $ Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mk. 1 50.

pSboil-ge, : Oberhessische RamfH weit uiy (täfllii») K'h-Mkche Zeitschrift für L"dw,risch-ft, Cb ft- n d jrteeban, sowie die ®ieie*er Seifenblase« (wöchentlich). Das Blatt erscheint an alle« Werktagen nachmittags.

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Himmern, M unb âhor per sofort zu

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(Gießener Tageblatt)

Unavhängige Tageszeitung

(Gießener Weitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung, j* *- Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großherzoglichen Bürgermeisterei Gießen.

Deutscher Reichstag»

Ter Kampf für Fleischeinfuhr.

CB. Berlin, 28. Oktober.

Da in der heutigen Sitzung die Abstimmung über die -iihzollc erwartet wurde, so hatte man sich allgemein ui einen guten Besuch gefaßt gemacht; aber man sollte i:r. r aetäüscht werden, denn auch heute war das Haus tmfic^ leer, wenigstens zu Anfang der Sitzung. Qm Hause der Debatte tauchten zwar noch einige Gcstal- r auf, aber da zum Ausgleich andere in den Neben- Kimen verschwanden, so war die Besetzungsziffer im eile dauernd niedrig. Den ersten Redner schickten die yuservativen in dem Grafen Kanitz vor, der die lau#

nferent Neubm Wllhrlw *2 haben mir ele ante afttffoobtiiinge* mit ----------------------------- v, .

mit ben schönsten ii Rufe wegen Fleischteuerung für eine gelinde tzeu- mg per sofort auch Mn f?ei erklärte. Als man den Vorschlag gemacht habe, den. DeSgl. ver Oktobrr r städtischen Fleischsteuern abzuschaffen, seien gerade ^M-' k :k Parteien der Einten dagegen gewesen. So habe sich

7 o:u 0 Rpielsweise der freisinnige Oberbürgermeister Bender J ' ' o« olmmn- , Breslau mit Entschiedenheit dagegen ausgesprochen, U SAndber ^ ein freisinniges Magistratsmitglied in München habe

---7-- -- e adezu den Kommissionshandel in Fleisch als den ^in^?âm"sllè,^ pnb für die Teuerung angegeben. Billige Preise und ort ru vermieten ^ 6^ Löhne, das seien zwei unvereinbare Forderungen.

bâiMhtz u ^u'^r Ansicht war auch ein Politiker der sogenannten --------------- Urtieren Linie, der nationalliberale Abg. Depken, der SM ^tmmtk ^^ Regierungsfassung eintrat, während Dr Zwick der freisinnigen Volkspartei Regierungsfassltng nild mieten. ommissionsantrag verwarf und in der Schärfe der For-

UMtiiMN jr. i. f^tla noch von dem sozialdemokratischen Abg. Se g itz öbl. Ztmuer iu vec' krtroffen wurde. Beiläufig bemerkt, kündigte tnefer ten. lch die von uns an anderer Stelle erwähnte Berschär-

^vanbftasit 8. z^ der Obstruktion an. Segitz schloß mit der An- Vndigung der Ablehnung für sämtliche Zollanträge, and) bihttd . mtc rließ er es nicht, den Landwirtschaftsminister v. Pod- sjâpl- Nr. 6. v^^ aus das Schärfste anzugreifen, dem er nachsagte, ---- er nicht einmal in seinem eigenen Ressort Besrlierd in möbl. Zimmer sofort Misse. Unmittelbar noch seiner Rede erhob sich der Staats- »ater zu vermieten. tirttär Graf Posadowsky, der sich im allgemeinen Ä Morkistraße m . lirz faßte. Der Linken gegenüber betonte er, baß man

lk Landwirtschaft unbedingt schützen müsse, weil sie unter

^^nmobuung K1 Steigerung der Produktionskosten und sozialen Lasten Inb der gleichzeitigen Landflucht der Arbeiter leide, n Mnbâ bk Gesamtheit des Hauses war seine

y u tiiiZi-ni?rnifl bestimmt, wenn man unsere Vertragsunter- ie Mbnuntz, Ä ^ . Kubler mit dem alten Generaltarif hinausschicken wolle, bst Kucke, mor ^ o das so, als ob man unser Heer mit dem Kuhfuß, Walltborst^^........ ^, jm 1818 ausrüste, und der Rechten und dem Zentrum 14 ^ ^c^^^^bte er die Mahnung, sie möchten von ihren hutzennran "^suNbaren Forderungen absehen, da sonst das Werk albor -' ^He komme. Bei der Linken verpuffte die Rede v)ll- ^,^1^ . nne nch aus der Rede des sozialdemokratischen

^ Haase ergab. Vor diesem hatte übrigens noch Abg.

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IV

s&M Di^pâik.

ir-^fii"-^ 3"m Zolltarifkampf.

r den bürgerlichen Parteien der Linken

jwjMj^f^ ist, wie wir erfahren, ein

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8 rfte ^ btt nächsten Woche durch ver-

Die Entstehungsgeschichte desLausekanals".

Unmittelbar nach der Rundreise des Sanbroirttoafts- ^i.ers v. Podbielski in den ostpreußischën^Proâren w e,ne Aeußerung bekannt gew°rden?râonü^ ^" soll, er wolle )ich von den, Lause.anal nicht vor den auch stoßen lasten. Man hatte die Sache so ausgesanc als i^h^riL^- g°"Fe Projekt abfällig beurteilen wolle, »» k,Äbo>>twn drohte bereits mit einem Vorgehen lpreußischen Abgeordnetenhause. Neuerdings teilt Kvm-

Körling auf Grund einer Mitteilung durch ^"^r Generalversammlung des Kanal- für Niedersachsen in Hannover folgende menschlich ^t^x^^ ^M^ngggef^ mit:Der Minister sei früh, nachdem er mehrere Stunden r ^"?âhrt hinter sich gehabt habe, fröstelnd und Hun- dB <e: JL^ der Bahnstation eines kleinen masurischen Ortes JW**#»#*. f^EN und habe ,ich dringend nach einer Er- S^WHctflUfl ^un9 und Erholung gesehnt. Er sei aber an der Sos Mt Aüdli emh^ e,ner SroOeren Deputation und anderen Her- ^^ - ZM^,.^sangen worden und ^ sehr ausführttche jH# * lri6e' 'N der es M unter einer Men gelinderer Angh-

W

Mittwoch, den 29. Oktober 1902.

legenheiten namentlich um Den masurischen Kanal ge­handelt habe, sei an ihn gerichtet worden. In seiner Erwi­derung habe er den Herren gesagt, daß er ihnen nui dringend anheimgeben könne, auch ihrerseits an dem Zustandekommen des Mittellandkanals zu arbeiten, denn mit dem Zustandekommen dieses großen Kanals hätten sie die sichere Aussicht, daß dann auch der masurische Kanal bewilligt werden würde. Beim Hinaustreten aus dem Bahnhöfe habe er dem einen Herrn vielleicht speziell in Bezug auf seinen hungrigen Magen die betreffende AeußerungIch werde mir doch nicht mit dem Lause- kanal vor den Bauch stoßen lassen!" hingeworfen, deren Sinn aber vollständig verdreht sei, worüber er in aller­höchstem Grade indigniert sei, denn es hätte gar kein Zweifel darüber sein können, daß sich seine Aeußerung auf den masurischen Kanal bezogen habe."

Der Burenkrieg in England.

' Die drei Burenkommandanten Kruitzinger, Joubert und Fouche hielten in Cambridge einen Bortrag über ihre Kriegserlebnisse, bei dem sie anscheinend das Selbstbe­wußtsein der Herren Engländer nicht genügend berücksich­tigt haben, denn nachdem sie geendigt hatten, rottete sich vor dem Hause gegen die drei wehrlosen Männer ein Haufe tapferer Jünglinge zusammen, der sie mit seiner Uebermacht tätlich anzugreifen suchte. Unter dem Schutze der Polizei entkamen Joubert und Fouche auf einem Omnibus, Kruitzinger aber mußte über eine Mauer hin­weg flüchten. Diese Heldentat englischer Bürgersöhne reiht sich den Taten der Soldateska in Südafrika würdig an.

Amerikanische Zukunftspläne.

i Der amerikanische General James Wilson, der mit seinen Ansichten dem Präsidenten Roosevelt sehr nahesteht, hat in einem öffentlichen Vortrage vorgeschlagen, Amerika möge allen Inseln des Karibischen Meeres Handels- und Zollfreiheit gewähren und auch die englische Kolonie Kanada in diesen Freihandelsring aufnehmen, falls diese sich verpflichte, gegen Europa und besonders auch gegen das englische Mutterland die amerikanischen Zölle oes Dingleytarifs anzuwenden. Das wäre gleichbedeutend mit einem Abfall. Aber da in Kanada eine starke Partei für diese Ziele besteht, so ist die amerikanische Union tatsächlich eine ernste Zukunftsgefahr für England, die sich dann erst recht verschärft, wenn einmal die Offensivkräfte Amerikas in dem Maße organisiert sind, wie Präsident Roosevelt es wünscht. Mr. Joe Chamberlain wird schon wissen, warum er via Südafrika nach Kanada reift. Er wird sich nämlich auch dorthin begeben. Auf seiner ganzen Reise wird ihn seine Gattin begleiten.

Kurze politische Nachrichten.

* Berlin, 28. Oktober. (H o f b e r i ch t.) Heute Vor­mittag hörte der Kaiser Vorträge des Chefs des Militär- kabinets und des Chefs des Admiralstabes.

* Der deutsche Kronprinz wird, wie rheini­sche Blätter wissen wollen, nach Vollendung seiner Stu­dien in Bonn längere Zeit aktiven Dienst bei der Ka­vallerie tun und zum Rittmeister und Chef der Leib­eskadron des Regiments Garde du Corps, die jetzt von dem Rittmeister Grafen zu Lynar befehligt wird, ernannt werden. Hierauf wird der Kronprinz bei der königlichen Regierung in Potsdam durch den Oberpräsidenten von Bethmann-Hollweg in den Verwaltungsdienst eingeführt werden und dann als Major und Bataillonskomman­deur beim ersten Garde-Regiment zu Fuß Dienst tun.

Die durch die Blätter gegangene Nachricht der in Wien erscheinendenAlldeutschen Korrespondenz", daß während der Reise des Kronprinzen nach Oesterreich und Ungarn eine Entfremdung in den Beziehungen zwischen diesem und den jüngeren Erzherzögen, insbesondere dem Thronfolger eingetreten sei, wird amtlich als erfunden bezeichnet.

* Das badische Großherzogspaar hat am Dienstag der Herzogin Alexandra von Sachsen-Koburg und Gotha in Koburg einen Besuch abgestattet. Die greise Dame ist eine Schwester des Großherzogs.

* Der Kronprinz und die Kronprinzessin v o n S ch w e- d e n, letztere eine Tochter des Großherzogs von Baden, treffen in den nächsten Tagen in Karlsruhe ein.

* Der Staatssekretär des Reichspostamtes K r a e t k e hat den Höfen in Darmstadt und Karlsruhe seine Auf­wartung gemacht.

* Die Landwirtschaftskammer in Posen veröffentlicht eine Ehrenerklärung für den Major Endell, um ihn gegen die von einem entlassenen Beamten der Kammer gegen seine Geschäftsführung geltend gemachten Angriffe in Schutz zu nehmen.

, * Eine neu erlassene amtliche Verfügung des Kriegs­ministers schärft den Elsaß-Lothringen besuchenden fran­zösischen Offizieren die genaue Einhaltung der Melde­vorschrift und den größten Takt im Verkehr nachdrück­lich ein. Das deutet auf eine Besserung der deutsch­französischen Beziehungen hin. '

* Der französische Minister des Aeukern Delcasss

11. Jahrgang

Ä»sertto«Spret S, Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ?anz Oberhessen, bie Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst Io Pfg... Reklame» die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3082.

Redaktton und Expedition : Gießen Neuenweg 2 8.

Fer»sprecha«sch1nß Nr. »SS

verkündete im Ministerrate, daß zwischen Frankreich, Eng­land, Deutschland einerseits und Japan anderseits ein Ueberein kommen erzielt wurde, welches sich auf die G r u n d b e s i tz st r e i t i g k e i t e n zwischen Ausländern und Japanern bezieht. Danach sollen derartige Prozesse vor einem besonderen Schiedsgericht verhandelt werden, dessen Richter dem Haager Tribunal zu unternehmen sind.

* In Nordschweden herrscht infolge schlechter Ernte Hungersnot.

* Ich englischen Parlamente ist der Kampf der Iren gegen die Rechtszustände in ihrer Heimat wieder ent­brannt.

* Das Schiedsgericht zur Schlichtung des amerikani­schen Bergarbeiter-Kampfes ist unter dem Vor­sitze des Richters Grah zu seiner ersten Sitzung am# mengetreten. Tie Bergarbeiter sollen in den Bel .and- lungen förmlich als klagende Partei angesehen . m

Vermischtes.

ch fMein Liebchen, das ist mir zu Diel.] Eine nied lidje Parodie auf das bekannte LiedDu hast ja die schön­sten Augen" findet sich in der neuesten Nummer des spart humoristischen Münchener BlattesDas Schnauferl". Der Vers lautet:

Du hast ein vernickeltes Fahrrad Du hast auch ein Automobil Nun willst du ein lenkbares Luftschiff? Mein Liebchen, das ist mir zu viel!

^ ^Wunderlichkeiten aus der Eisenbahnqeschichte I In feinem soeben erschienenen WerkeDie sächsischen Eisen­bahnen" gibt Dr. Alb. Wiedemann auch einige eisenbahn- geschichtliche Kuriosa zum Besten. Der hervorragende deutsche Nationalökonom Friedrich List wirkte anfangs der 30 er Jahre eifrigst für das Projekt der Leipzig-Dresd ner Eisenbahn. In seiner Rentabilitätsberechnung machte er allen Ernstes den Vorschlag, vorläufig Holzschienen mit Eisenbeschlag anzuwenden. Dabei werde man mit 50 000 Talern (!), und, falls man einen solideren Oberbau ins Auge fasse, mit einer Million Talern auskommen. Für dieses Kapital berechnete er eine Rente von 14 Pro­zent (!!) bei einem täglichen Personenverkehr von, sage und schreibe, sechzig Personen hin und her. In welch' naiver Selbsttäuschung hat sich der große Gelehrte in der Zeit der allerersten Eisenbahnanfänge befunden! Das Ma­terial an Wagen, Schienen und Lokomotiven mußte größtenteils aus England bezogen werden, ebenso der erste Lokomotivführer. Die erste LokomotiveKomet" traf Ende November 1836, in 15 Stiften verpackt, in Leipzig ein. Man ließ das Wunderwerk, das aus Böcke gestellt und ge­heizt wurde, gegen Entree sehen. Für bie Zuverlässig­keit des ersten Beiriebes ist die Mitteilung bezeichnend, daß die Passagiere häufig wegenplötzlich eingetretener Be­triebsstörung" mit irgend einer anderen Gelegenheit wieder zurückkehren mußten.

£ fEin fideles Gefängnis*] Ein hochnobler Gefange­nentransport findet seit einigen Tagen in dem im württem- bergischen Oberamtsstädtchen Horb a. N. vormittags ab­gehenden Personenzug statt. Der Gesangenenwagen, wel­cher kursgemäß in diesem Zug zu laufen hat, befindet sich in Reparatur. Da ein Ersatzwagen derzeit nicht vor­handen zu sein scheint, so wird in Horb ein alter Wagen erster und zweiter Klasse zur Aufnahme der Gefangenen angehängt. Dieselben lassen sich selbstverständlich mit Lust und Stolz auf die weichen Polster nieder und der Zu­schauer sind es viele, die diesen so noblen Gefangenen­transport sich besehen.

lEin sonderbarer Wohltäters war der dieser Tage in Teiqemouth verstorbene Robert Arthington, der ein Ver- mögen von rund 20 Millionen Mark hinterlasien hat. Ge- gen Bedürftige war der Sonderling sehr verschlossen, und nur wenigen dürfte es geglückt fein, sein Herz zu erweichen. Der 77 jährige lebte von etwa 10 Mark wöchentlich, zahlte 55 für sein Mittagessen und war auch sonst in seinen An- sprüchen mehr als bescheiden. In seinem Te tamente ver- machte er der baptistischen Missionsgesellschast 14 Millio­nen Mark um die Heiden aller Lander (Muhamedaner aus­geschlossen) zu bekehren, während er eeine weitere Million verschiedenen wohltätigen Anstalten hinterlaßt.

M sZu viel Musik und zu wenig Kochkunst. J das ist die Klage die soeben eine englische Zeitung anstimmt und zwar ' wie es scheint, nicht ganz mit Unrecht. Die Zei­tung' veröffentlicht gleichzeitig einen Brief eines Fami­lienvaters, der kürzlich zwei Inserate in einer Tages­zeitung veröffentlichte; in dem einen suchte er eine Köchin, in dem anderen eine Musiklehrerin für seine Kinder. Das Ergebnis war ein verblüffendes: er erhielt auf das ersterwähnte Inserat 9, aus das zweite 389 Antworten. Augenscheinlich so sagt das Blatt ist hier etwas nicht in Ordnung. Die Klasse derjenigen Frauen, aus denen die Köchinnen hervorgehen, ist weit zahlreicher, als diejenige, der angeblich die Musiklehrerinnen ent­stammen. Trotzdem ist es schwer, eine Köchin zu finden,