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Nr 226. Zweites Blatt. Montag, den 29. September 1902.

11. Jahrgang.

gev^wement »res«: in Gießen, »bgeboNmonatlich 50Pfg-, s Kau« gebracht 60 Psg durch die Post bezogen Viertel jährlich Mk 150.

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Gartenbau, sowie bte Gießener s-nenv. '

Das Blatt ericheint an .Ue« Werktagen nachmittags.

Gie ßener

IMe» tioaSvrelS : Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklame« die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.

Ferusprecha«schl«ß Nr. 368.

""s gelte

Neueste Dachrichle«

(Gießener Dagevtatt) Unaöhängige Tageszeitung (Gießener Zeitung)

16.

für Ober Hessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

T^T^nÉërl^^ Verlagsdrucker i. norm. Wilh. Keller'sche Buchdtu^erei, lgegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

umiges Logis daus sofort Ob« Wir cn.

lünbergerstrâ 36, II.

Die R«ichstags»«hlen

diclcke im ^rübiabr 1903 stattfinden, müssen in diesem Winter vorbereitet werden. Um den Wahlkampf voll- fiänbig beurteilen zu können, i|t es notwendig, sich filjon zu dessen Einleitung - auch für den Landman beginnt ja jetzt die Zeit eifrigeren Lesens auf dem Laufenden zu erhalten.

Zolltarif und Handelsverträge

werden nicht nuc im

Reichstag

nach seinem Wiedeczusammentcitt spannende Debatten Hervorrufen, sie werden event, den Streitruf dec Parteien bei den Wahlen bilden.

Hochwichtig und interessant

aber wird sich vor allem infolge seiner ihm gestellten Aufgaben: Der Entscheidung über das

direkte Wahlrecht

die bevorstehende Session des

hessischen Landtages

Aus dessen und Nachbargebieten. T

** Vom Main, 26. September In Lichtenfels

M. machte der 27 Jahre alte Schieserarbeiter Ender auf seine Geliebte, eine 18jährige Oekonomen- tochter, einen Mordversuch, indem ec zwei Schüsse auf dieselbe abgab. Der erste Kuß ging in den Arm, der andere in den Unterleib Das Mädchen ist lebens-

a.

lf jtiinnt»! gestatten. Zuverlässig, rasch und gewissenhaft, in ...,:, unabhängiger und gemeinverständlicher Weise und it Soft. 6 ' 1U Sorin behandeln die Entwickelung dieser und anderer

«ramm« M, II. st Vorgänge auf dem Gebiete der inneren wie die Er- KgimwrtooinZ eignisse der auswärtigen Politik die sozialen, wirtschast- ka^daid m oerâ licken, kommerziellenC. Sageifragen und Angelegen- ^eèdt 14 start. Heften die täglich erscheinenden

z Zimmc woh» Gietzener Neueste Nachrichten.

t.Ollo^ec ;n vermietn! Zu zahlreicher Erneuerung des Abonnements auf diese

^"'"""*" Zeitung, die sich die Förderung der Interessen aller 9'râumig« ' >mr. Stande und Berufe mit großem Eifer angelegen sein mmg nckSâ» t werden zu Beginn des 4. Quartals die vielen gS.O Freunde derselben hiermit höfl. gebeten.

Freunde derselben hiermit höfl. gebeten.

smâbilttesMmsliaik- rubiger Lage sofort ob

i Vermiklea, M. NâMe 19.

Mansarde) vH«« inner nebst Zâhvk tn) ö zu vermieten. ;

ticiueé Logis

ten. , , t-lèärtaun^

Der Abonnementspreis

decGießener Neueste Nachrichten" samt der täglichen Oberhessischen Familienzeitung" und den wöchentlich erscheinendenSeifenblasen" undOberhessischen Zeit­ung für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau" beträgt monatlich

nur 60 Pfennige

frei ins Haus. Dieser Preis ist auch für den kleinen Mann nicht zu hoch.

gefährlich verletzt. Der Thäter ist flüchtig.

%* Darmstadt Aus Antrag der Bürgermeisterei wurde der seither ca. 17 stündige Dienst der Oktroi-Ausseher aus 10^2 Stunden herabgesetzt, wobei bte Leute alle 14 Tage einen Sonntag frei haben; hierdurch werden 7 Beamte mehr nötig für welche der Bttrag von Mk 8700 bewilligt wird. Sehr lebhaft wurde hier die Frage der Abschaffung des Oktrois ventiliert und auf den Beschluß der Zolltari-Kommis- sion betr. Abschaffung der Abgaben aus Lebensmittel hinge­wiesen. Da Darmstadt eine Einnahme aus dem Oktroi von ca 560 000 Mk. in diesem Jahr eizielte und schon ziemlich hohe Gemeindesteuern hat, wird die Regelung dieser Frage selbst bei der in Aussicht stehenden Gemeindesteuer- Resorm sehr schwer sein.

** Wiesbaden, 26. Sept. Der in Amerika ansässige 51 Jahre alte Farmer Heinrich Weber, der hier bei seinem Bruder zu Besuch weilte, erschoß sich wegen ver­schmähter Liebe. Weber war in Eschhofen geboren.

** Marburg, 25. Sept. Zwischen den beiden hiesigen katholischen Studentenverbindungen,Rhe- nania" undBorussia" einerseits und der übrigen Studenten­schaft andererseits besteht seit langem eine hochgradige Spannung, die sogar dazu geführt hat, daßRhenania" undBorussia" aus der Museumsgesellschaft ausgeschieden sind. Am 20. Juni hatte nun das KorpsTeutonia" eine Festparthie abgehalten, und als die Mitglieder des Korps Nachts von der Kneipe kamen, begegneten ihnen Mitglieder der VerbindungRhenania". Zwischen beiden kam es zu Rempeleien, und speziell zu Auseinandersetzungen zwischen dem Teutonen stud jur. von Radowttz und dem Rhenanen Tahm. Beim Auseinandergehen schlug dann v. Radowitz dem Dahm mit einem sogenannten Natur stock derart über den Kopf, daß ec zusammenstürzte. In der heutigen Ver­handlung vor dem hiesigen Schöffengericht wurde v. Radowitz zu einer Gesamt-Geldstrafe von Mk. 200 verurteilt, wobei das Gericht als strafmildernd die völlige Trunkenheit des Angeklagten und das gespannte Verhältnis zwischen den ge- genannten studentischen Korporationen annahm.

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vermischter.

* Gumbinnen, 25. Sept. Der aus dem Gumbinner Mordprozeß bekannte Wachtmeister Marten sowie der Sergeant Hickel werde nach Hamburg ziehen. Marten sand bereits in einem dortigen Getreidegeschäft eine An­stellung. Hickel hat Aussicht, als Zollbeamter beschäftigt zu werden. Auch der junge Marten wird später nach Hamburg kommen.

* Essen, 26. Septbr. Nach einem Telegramm aus Essen a. d. Ruhr versagte auf der Zeche Graf Bis­marck die Bremse am Förderkorb, sodaß der Korb in die Tiefe sauste. 7 Personen wurden teils schwer, teils leichter verletzt.

* Künstlers Erdenwallen. Der berühmte Geigen­künstler I o s e p h B e r n a l f o, der nach einer glanzvollen Laufbahn in seiner italienischen Heimat in Begleitung seiner Gattin vor einigen Monaten nach den Vereinigten Staaten kam, um in größeren Städten der Landes Konzerte zu geben, befindet sich seit dem 12. September in der Jrrenabteilung des Bellevue-Hospitals zu Newyork, ausgetrieben von un­gestillter Heimatsehnsucht, die an seinem Lebensmark zehrte und sein geistiges Gleichgewicht untergrub. In dem Lande der Iankees hatte der in Neapel geborene Künstler, der noch nie sein Heimatland verlassen, sich von Anfang an nie wohl fühlen können. Je weiter er auf seiner Konzertreise in das Land kam, desto mehr sehnte er sich nach der Heimat zurück, und das Heimweh zehrte derart an ihm, daß seine künstle- rische Leistungsfähigkeit darunter litt. Mehrere Engagements wurden von den Unternehmern abgebrochen, weil der Künstler mitten in einem Konzert von Gedächtnisschwäche befallen wurde. Eines Engagements nach dem anderen beraubt, kam er mit seiner Gattin nach Newyork, wo er so schwermütig wurde, daß man ihn ins Irrenhaus bringen mußte. Seine geliebte Violine wurde ihm aus sein dringendes Bitten über­lassen, und kaum befand er sich allein in seiner Zelle, als er seinem Schmerz in klagenden Weisen auf seinem Instrument Luft machte.

* Wien, 26. September. Dec in Rovecedo in Haft befindliche Advokat Murri verlangt mit Ungeduld den italienischen Gerichten ausgeliefert zu werden. Er leugnet entschieden, in Geldverlegenheiten gewesen zu sein und will 65 000 Lire besessen haben.

^London, 24. Sept. Henry Philipps, Mitglied des Carnegie Stahltrustes, hat General Botha 100 000 Dollars zur Verfügung gestellt. Die gestiftete Summe ist nur für chie Witwen und Kinder bestimmt.

17]

Entlarvt.

Roman von Moritz Lilie.

(Nachdruck verboten.)

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Auch das ist offenbar in dem Bemühen begründet, sich den Nachforschungen möglichst zn entziehen", meinte der Graf.Sie weiß ans der Begegnung mit Marthofer, daß man sie sucht, um von ihr Auskunft über gewisse Dinge zu erhalten, iiub sie fürchtet, daß ihr dadurch Unannehmlichkeiten entstehen könnten. Ueber dleien Punkt bitte ich Sie, Herr Rechtsanwalt, die Frau zu be- rmngeu, falls Sie dazu Gelegenheit haben; ich werde keine gericht- uchen Schritte gegen sie einleiten vorausgesetzt, daß sie wahr- beiMeticne Auskunft über den Verbleib meiner Enkelin giebt." nicht alle Anzeichen trügen, bei der Frau, T der Advokat.Sowohl der Konstabler, als

Wirtsleute beitätigen, daß sie ein oder zwei übercu^' $ gehabt habe. Dr? Angaben stimmen nicht ganz ..Emmy muß Uvanzig Jahre alt sein, und in gleichem Alter ar a r ^w^l ânch ^a^ widere Mädchen, welches sie mit aus Australien nach Europa brachte", ergänzte der alte könnte also eine von beiden inzwischen^

Dcr Rechtsanwalt erhob sich.

»Ich boffe, Ihnen in allernächster Zeit die Mitteiluna S" ? können( Herr Graf,, daß ich bis Gesuchte endlich ge- W ben habe , erklärte er. Meine Agenten sind in allen Stadt- Kilen thätig."

Sie besitzen mein volles Vertrauen, und meine Angeleaen- pciten rilhen bei Ihnen in den besten Händen", versetzte der Handeln Sie ganz nach Gutdünken, lieber Hartwig, Sie ^^'?en zweifellos auch ferner den richtigen Weg finden, der zum Ziele führt.

Wiedenlm reichte er dem Advokaten die Hand, und dieser entfernte sich.

Auch Ancelot verabschiedete sich von dem Grafen.

.Er hatte nur wenig gesprochen, weil er fürchtete, sich in der Aufregung zu verraten. Es war ihm bei den Mitteilungen des Recht^knndlgen, als müsse ihm die Brust zerspringen. Seine ganze Existenz stand in ^rage, wenn sein falsches Spiel an den kam. Der lchlaue Advokat würde es sicher durchschaut haben, wußte, daß dieier ihm rücksichtslos die Larve vom Gesicht düllen mürhJCin ^^"^^ unredliches Gebühren dem Grafen ent-

Ohne es zu wollen, stand er plötzlich vor der Wohnung der Frau Mende und seiner Gattin. Er klingelte, und die Alte ließ ihn eintreten.

Seraphine ist in der Singspielhalle in der Probe: es wird ein neues Stück einstudiert, in welchem Ihre Frau die Haupt­rolle hat", berichtete die Mende.

Ich wünschte, die vermaledeite Singspielhalle holte der Teufel!" brauste Aucelot auf.Das Frauenzimmer ist nicht von diesen infamen Brettern herunter zu bringen. Aber das ist es für den Augenblick nicht, was mir Sorgen macht, sondern es sind viel wichtigere Dinge passiert, welche mich auf das Höchste er­schreckt haben. Man ivirb Sie nächstens zwingen, über die Her­kunft meiner Fra:: Auskunft zu geben."

Die ehemalige Schankwirtin wurde kreidebleich und ihre Blicke hefteten sich voll Entsetzen auf den Gatten ihrer Pflegetochter.

Datin lachte sie laut und gellend auf. M

Zwingen? wer will mich zwingen? Ich kann ja behaupten", rief sie mit schneidender Stimme,daß sie meine Tochter ist, und wer daran zweifelt, mag sich doch im fernen Australien erkundigen. Oder ich erzähle, ich habe das Mädchen von einer armen Aus­wandererfamilie in Pflege genommen, und letztere habe sich, wicht mehr darnm gekümmert. Wer will mir das Gegenteil beweisen?'

Herausfordernd ruhten ihre Augen auf Ancelot, um dessen Lippen sich ein höhnischer Zug gelagert hatte. t

Mit derartigen Ausflüchten kommen Sie nicht durch sagte er in eisigem Tone.Die Gegner besitzen reiche Mittel, um die "Wahrheit zu erforschen. Uebrigens ist das für so manchen überhaupt kein Geheimnis tuehr. Zum Beweise dafür lasten Sie sich sagen, daß Seraphine die Tochter eines Pflanzers ist, den Sie unter dem Namen Reinhard kennen gelernt haben, der m der That aber der einzige Sohn des reichen Grafen Rodeck ist, dessen mächtige Güter in Böhmen und Ntähren einen Wert von vielen Rlillionen haben. Emmy ist also die Enkelin des Grasen Rodeckund, naebbem die Söhne desselben sämtlich gestorben find, dessen einzige Erbin. Begreifen Sie jetzt, weshalb ich Emmy, oder, wie sie bei ihren Betvunderern heißt, Seraphine, geheiratet habe? Das Mädchen selbst war mir mit ihren rohen Manieren, ihrer ordinären Redeweise zuwider und wurde mir schließlich ge­radezu verhaßt. Aber um ihres ungeheuren Vermögens nullen ertrug ich das und fesselte sie durch das Band der Ehe. au mich. Verstehen Sie auch, was ich sage, Frau Mende? sagte er in barschem Tone hinzu.

Vollkommen", flüsterte die Frau kaum hörbar.

Gras Rodeck ist ein weitläufiger Verwandter von nur, er ist gütig und wohlvollend gegen mich, rühr er in derlelben

schroffen Weise fort,aber idj darf ihm jetzt noch mcht Mit­teilen, daß ich der Gatte seiner Enkelin bin; die Zeit dazu ist noch nicht gekommen. Der alte Herr kennt abc seinen beifeeren Wunsch, als den letzten Sprößling feiner Faiiulte ausfindig zu machen, und setzt alle befrei in Bewegung, dieses Ziel zu n- reichen. Ein scharfsinniger, geriebener Advokat, Hartwig ist sein Name, ist ihm dabei behiflich, und durch ihn und ^me uner­müdliche Ausdauer ist er seinem Ziele so nahe gelangt, daßer jeden Augenblick in Ihr Zimmer treten kann. Sie sehen also, daß hier Gefahr im Verzüge ist, daß rasch gehandelt werden muß, um einer Entdeckung vorznbeugen Deshalb ist ^notwendig, daß Sie die Wohnung abermals wechseln und zwar sofort. Ebenso müssen Sie sich einen anderen Namen beilegen, um die Spur 1)011Guâchbwerde noch heute eine andere Wohnung in einer entfernten Straße mieten", erklärte die Frau. »Dem neuen Wirt werde ich sagen, wir seien von auswärts nach Wien gekommen und hätten bisher im Gasthause gewohnt, wünschten aber nun­mehr, in ein Privatlogis überzusiedeln, da wir hier zu bleiben ^Ehun Sjebag/ Frau M-ude", stimmte Ancelot bei,und vergessen Sie nicht: auch in der neuen Wohnung bin ich den Hausgenossen gegenüber ihr Neffe, Ministerialbeamter, oder was Sie sonst wollen. Wenn Sie das irgend einer Nachbarin mit­teilen, wird man es sehr bald im ganzen 5 nute Riffen.

Befriedigt und beruhigt verabschiedete sich Gatte der Sängerin von seiner Bundesgenm .u wußte er doch, daß er Die Wege des schlauen Advokaten gründlich durchkreuzt hatte.

XV

Ein seltsames Ehepaar.

In einem Coupee erster Klasse saßen Herr von Fries und Erna, seine junge Gattin; sie beabsichtigten zunächst einige Zeit in der Kaiserstadt an der Donau zuzubringen und dann nach dem schönen Schlosse des Edelmannes zurückzukehren.

Seltsam, von dem Glücke und der Heiterkeit, welche sonst Neuvermählte zur Schau zu tragen pflegen, war bei dem jungen Paare nichts zu bemerken. Tief verschleiert saß Erna in die weichen Polster zurückgelehnt, und auf bie zärtlichen Worte ihres Gatten hatte sie . nichts als eine flüsternde, einsilbige Antwort. So sehr Alfred sie auch mit Aufmerksamkeiten überhäufte, still und verschlossen blieb seine Frau, und selbst seine hingebende Freundlichkeit vermochte nicht, ihr ein Wort des Dankes zu ent­locken.