-ichleiten im Auftrage Les Kaisers"die Ausstellung iu St
?outé besuchen. ---——-—
Vermischtes,
A [3n Verlegenheit.) Eine reizende Geschichte, bi< nach Wild und Hund" wörtlich wahr ist, passierte in Städtcken M. i. Pomm. Ein Regierungsbuumeister W führte vor kirrzem seine allerliebste junge Frau heim Gleich am Tage nach der Ankunft in dem festlich geschmückten neuen Heim eröffnete der Herr und Gebiete, seiner bezüglich des Mittagsbrotes in größter Verlegenheit befindlichen kleinen Frau: „Herr Dr. B. hat mir versprochen, er wolle ^l-ns bald einmal Rebhühner senden," worauf das arme geängstigte und nunmehr in noch größerer Verlegenheit befindliche Frauchen die köstliche Erwiderung gab: „Ach Gott, wenn die Rebhühner doch nur gleich tot wären, ich kann wirklich keine schlachten."
£ Der Prager Adelsprozeß. Aus Prag wird vv^ Montag gemeldet: Heute begann hier unter großem Andrang des Publikums die Verhandlung gegen Milde von Mildenburg wegen Urkundenfälschung. Milde stellte seine Dienste zur Erlangung des Adels zur Verfügung und ^at nachweislich in wiederholten Fällen durch Urkunden- ^md'^Matrikelsälschungen mehreren Personen ben Ade! verschafft. Die Anklageschrift umfaßt 489 Seiten. Die Verhandlung wird in czechischer Sprache durchgeführt. Zeugen sind nicht vorgelaoen, trotzdem dürfte der Prozeß eine Woche in Anspruch nehmen, da viele umfangreiche Protokolle zur Verlesung kommen. Mit Milde angeklagt ist auch der frühere Direktor des Wiener Adelsarchives, Ritter v. Schlecht«, der zuerst auf diesen Schwindel aufmerksam machte, nun über selbst beschuldigt wird, seinen eigenen Adel durch Fälschung erschlichen zu haben'
$ Überschwemmung in Sizilien. In Folge wolkenbruchartiger Regen ist der Fluß Simeto aus den Ufern getreten und hat die Bahnverbind ung zwischen @a:anm und Siracusa unterbrochen. Den Feldern hat die Ueberschwem- mung großen Schaden zugefügt, besonders in der Ortschaft Biccoca. Die Behörden und das Militär, die sich nach der Unglücksstätte begaben, mußten in Kähnen heran- fahren. Das Wasser erreichte die Höhe von fünf Metern und überschwemmte das Land auf eine Ausdehnung von acht Kilometern. — Die Landleute der umliegenden Ortschaften sind auf die Dächer ihrer Häuser gestiegen und gaben von dort Flintenschüsse als Notsignale ab. In anderen Teilen der Provinz sind die Flüsse gleichfalls ausgetreten und haben mehrfachen Schaden, namentlich in den Weinbergen, verursacht.
△ Der gebildete Stiefelputzer. Wie wir vor kurzem meldeten, wurde in Wien der Prager technische Student Jaroslav W. angehalten wurde, weil er Schulknaben von einer Gemeindeschule weglockte, um ihnen auf bei Stiege ihrer Wohnhäuser die Schuhe zu putzen. Der geistesgestörte junge Mann, Sohn eines Prager Postbeamten, wurde der psychiatrischen Klinik übergeben. Jaroslav W hat im April 1902 in Prag durch seine Wahnideen viel von fid) sprechen gemacht. Es war eben zur Zett, da ein anderer Irrsinniger junge Mädchen in den Straßen Prags würgte. Man nannte ihn allgemein den „Würgengel". Damals wurde W. dabei arretiert, als er in den Weinbergen einen neunjährigen .Knaben auf die Kellersttege lockte und ihm die Schuhe putzen wollte. Bei der Polizei hielt man ihn zuerst für den „Würgengel", doch wurde später bei einem Verhör festgestellt, daß man es mit einem eigenartigen Fall von „Fetischismus" zu tun habe. Man fand bei W. ein Notizbuch, aus dem hervorgeht, daß er in der letzten Zeit 120 bis 130 Knaben die Schuhe geputzt hab^, um einem ihm „innewohnenden unwiderstehlichen Trieb zu genügen.". W. war sich seines Wahns vollkonimen bewußt. Er äußerte: „Ich habe mich Niemandem anvertraut, weil ich mich geschämt habe In der Lektüre medizinischer Schriften suchte ich mein Heil — vergebens. Ich weiß, was mir winkt: Irrenhaus, Melancholie — Selbstnrord." Bei diesen Worten begann a zu weinen. Später erzählte er, daß er das Stiefelputzer, seit vier bis fünf Jahren betreibe. W. ist sonst sehr bo gabt. Er hat die Realschule mit Vorzug absolviert uub im Vorjahre den dritten Jahrgang der Technik besucht Die erste Staatsprüfung wurde von ihm ebenfalls mit sehr gutem Erfolge abgelegt.
Dr. ShiHiKU* Patient.
Roman von Dr. Halifax unb T. L. Meade.
Autorisierte BearbeiNmg von C. Weßner.
j^ (Nachdruck verboten.)
„Ich weiß, Robert", fiel seine Bram cm, „worauf Du ausvielst. Glaubst Du, mich könnte so etwas beeinflussen? O nein, in dieser Hinsicht bin ich garnicht abergläubisch. Ich glaube nicht einmal an dies nnbeimlicke Erb:eck. Hub Du, mein lieber, armer Schatz, bildest Dir doch nicht etwa ein, Du seiest zum Opfer dieses Verhängnisses anserkorcn? Dich trifft es nicht, verlaß Dich darauf. Ich habe einen entfernten Verwandten in London, einen sehr tüchtigen Arzt, Du mir st ibn ja später kennen lernen. Vor längerer Zeit sprach ich einmal mit Dr. Rumsey über Eure sonderbare Familiengeschichte. Er meinte, das Uebel entspringe einem außergewöhnlichen Instand der Nerven und könne durch eiserne Willenskraft überwunden merbeu. Dr. Rumsey ist ein sehr bedeutender Arzt, Robert. Er glaubt auch an Ver- erbmig — wer thut das nicht! aber er ist auch überzeugt, daß richtig angewandte Willenskraft mächtiger sein kann, als Erblichkeit. Nein, nein, Robert, Dil darfst kein Opfer dieses Erbübels werden, also verbanne diese düsteren Gedanken für jetzt und immer."
Andrey lächelte feiner Brant dankbar zn.
,^Dll richtejt mich auf", versetzte er weich. „Welch glücklicher Nienlch bin ich, daß ich ein solches Juwel errungen habe! Dn wirst mir helfen, die düsteren Schatten zu verscheuchen, Du wirst mein Leben mit Sonnenschein erfüllen. Maggie, ich fühle es, daß ich durch Dich den Fluch besiegen werde, der in meinem Blute schleicht."
„Es existiert kein solcher Fluch", ividersvrach Bcargarete trösteud. „Als Dein Großvatci eine an VHb und Seele gesunde Stau heimführte, da war das Verhängnis gewichen, der Bann gebrochen."
„Ja, ja, Du hast recht", erwiderte Robert. „Mein Vater.ist völlig verschont geblieben von dem Unheil, und auch ich wußte nicht, was Nervosität ist, bis vor kurzer Zeit. Ich leide in der That jetzt an einer gewissen Gedächtnisschwäche."
„Das fomnit bei iebem Menschen vor", tröstete Margarete. „Was zum Beispiel hast Dn denn vergessen?"
„Es ist etwas so Unbedeutendes, daß Du mich auslacheu mir ft, wenn ich es Dir sage. Du senilst doch meinen Lieblingsstock?" „Okmifs, Du hast ihn übrigens in letzter Zeit garnicht benntzt." . . »^as ist cs eben. Er ist mir abhanden geromntcu: überall yave 1$ schon nach ihm gesucht und mir den Kopf zerbrochen, wo
Giessener Cagesneuigkeiten.
*"' Dec Großherzog hat dem Focstwart der Forstwartei Unteres Königstädter Fo^st^?E Abraham Schwerer zu Unteres Könrgstadtec Forsthaus aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand die Krone zu dem Silbernen Kreuz des Verdlenstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Der Groß Herzog hat dem Bürgermeister Philipp Hofmeyer III. zu Schwanheim, dem Bürgermeister Peter Eonrad II. zu Beedenkirchen, am 11. Oktober dem Bürgermeister Adam Bersch zu Balkhausen, dem Bürgermeister Johannes Essinger III. zu Reichenbach das Allgemeine Ehrenzeichen mit der
„Für langjährige treue Dienste" am Bande des ^tlipp^ Ordens und b:m Schullehrer Jakob Schuhmacher zu Viernheim aus Anlaß seiner Zersetzung tn den Ruhestand das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philippe des Großmütigen verliehen.
** 2 a [) [ t die Steuern! Alle Wähler, die mit dem dritten Ziel der Staats- oder GemeindeslEc noch im Rückstände sind, müssen, falls sie ihr Wahlrec^ ausüben wollen, spätestens bis 3^ JLa$fte?r.^ den Rückstand abführen und der Wahlkommiffion durch Vorzeigung der Steuerguittung nachweisen, daß die Zahlung erfolgt ist
** Landwirtschaftliche Studienreise nach dec Pcovinz Sachsen. In der letzten in dec vergangenen Woche abgehaltenen Versammlung des landwirtschaftlichen Bezirks-Vereins ,^^ßen erstattete Bürgermeister Krämer-Steinbach Bericht über die von dem hessischen Landwirtschaftsrat veranstaltete landwirtschaftliche Studienreise nach der Provinz Sachsen, welche in den Tagen vom 30. Juni bis i>. ^uli d. I. stattfand und an welcher außer dem Berichterstatter aus dem Kreise Gießen teilgenomnien haben Oekonom tz. Haubach I-Gießen und Bürgermeister Heller-Lich. Die Leitung der Expeditio», hatte Oekonomierat ^Dr. Muller- Darmstadt übernommen, der vom Assistenten Pfrelmbtner dabei unterstützt wurde. Am 30. Juni gegen SIbenb ff am die Reisegesellschaft, nachdem man der Wilhclms- böhe bei Kassel mit seinen ausgedehnten Anlagen einen .Besuch gemacht, in Roßla am Harz un, wo noch die Fürstlich Stollberg-Roßlaschc Domäne „Roßla (Administrator Laue) besichtigt wurde, wobei die Ueppig- seit der Frucht, besonders von Weizen und Gerste auffiel. Hier sah man noch Wald, auch wurde Simmen- thaler Vieh gesehen. — Die llebernachtung der Reise- Gesellschast fand in dem ausgedehnten Hotel auf dem Kyffhäuser statt. Einen ergreifenden Eindruck machte auf die Reisenden das gewaltige Kyffhäuserdenkmal von dessen Plattform sich ein wundervoller Rundblick auf die Harzberge und hinab in die goldene Aue darbietet. Am nächsten Tage folgte die Besichtigung der Fürstlich Stollberg Roßla'schen Domäne Kelbra (Domänenpächter Krüger), die mit Wagen erreicht wurde. Hier imponierte in erster Linie der großartige Rübenbau und die ausgedehnte Milchwirtschaft. Pferde und Schafe waren in großer Zahl vorhanden; die letzteren kommen jedoch vor der Ernte nicht auf die Weide, sondern werden allabendlich in den Stall eingetrieben. Am Mittag wurden noch den Denkendorfer Guts- wirtschaften Benchlitz und Benkendorf (Amtsrat von Zimmermann) und die Bauchstädter Versuchswirtschaft per Wagen ein Besuch abgestattet. Hier war kein Wald mehr zu sehen, soweit das Auge reichte, sah es nur unermeßlich ausgedehnte ebene Frucht- und Rübcu- felder. An Frucht kommt zuerst die Gerste in Betracht, doch werden auch Waizen und Erbsen in großen Mengen gezogen. Der Korn- und Haferbau dagegen steht zurück. Gcünfütterung giebt es nicht; Hauptfutter bilden Rüben, d. h. gedörrte Rüben mit Gcubcncüben und Kraftfutter vermengt. Daneben wird noch Heu
ich ihn etwa hätte stehen lassen können. Nur dessen erinnere ich mich, daß ich den Stock an jenem Abend. als ich mit dem un- glücklichen Franzius uisammentraf. noch bei mir hatte. Ich wünschte, ich fände ihn^ es ist mir nicht des Stockes wegen, sondern weil ich mir Mühe gebe, nichts zu vergessen!"
„Es wird Dir schon später einmal einfallen, wo Du ihn gelassen hast, vielleicht wenn Du garnicht darau denkst."
„Das kann schon sein, aber ich wünschte, der Verbleib des Stockes quälte mich nicht so. Du weißt, der arme Franzius fand seinen Tod ans höchst merkwürdige Weise. Der Mann, der ihn tötete, rannte ihm seinen Stock ins Auge. Die Aerzte sagen, daß die Zwinge des Stockes durch das Auge ins Gehirn drang und den sofortigen Tod herbeiführte. Everett nun trug auch einen Stock, die Zwinge ist aber etwas zu groß für die Wunde im Auge. Mein Stock dagegen —"
„Nun höre aber ans, Robert! Ich will keine solchen Worte hören!" rief Margarete. „Nächstens wirst Du mich noch glauben machen wollen, daß der entsetzliche Mord mit Deinem Stock vollbracht wurde."
„Nein, nein, das nicht", versetzte er, während sich sein Mund schmerzlich verzog. „Es beunruhigt mich nur so sehr, daß ich an dieser Gedächtnisschwäche leide. Ich wäre herzlich froh, wenn ich den Stock sände, und noch glücklicher, menn mein Kops von diesem dumpfen Gefühl befreit wäre. Aber Deine liebe, herzige Nähe wird mich das auch vergessen machen."
„Ich hoffe es, mein Robert", enlgegnete Margarete zuversichtlich in ihrer bestimmten Weise.
„lind, Lieb, es bleibt dabei, unsere Hochzeit findet am vicrundzwauzigsten statt?" fragte er bittend.
„Ja. Robert, Du kommst zuerst, immer zuerst. kJch jviU meine abergläubische Furcht bekämpfen, die Hochzeit soll nicht verschoben werden!"
„Dank, tansend Dank, meine Maggie: Wie unendlich glücklich machst Du mich!"
Hochbeglückt ging Andrey an diesem Tage nach Hause.
Die ereiguisvolle Woche brach an. Die Mnndigkeitsert'lärung des Majoratscrhcu ging an einem prachtvollen Ängusttage vor sich. Alle Pächter von Groghoseu versammelten sich in der weiten Halle, um ihren jungen Herrn zu beglückwünschen. Seine einfache und doch zum Herzen gehende Rede wurde mit stürmischem Jubel ausgenommen. Er bot einen prächtigen Anblick, wie er so dastand auf dem kleinen Podium und zu den Pächtern sprach, die ihn von Kind auf kannten. Er würde eines Tages ihr Herr und Gebieter sein. Die Bande, welche die Groß'hofener mit ihrem Gutsherrn verknüpften, waren sehr feste. Der Geist der
und Kleeheu gegeben. Schweine werden nicht gehalten.
Die Kälber werden nach einigen Tagen weggegeben, weil die Güter sich nicht mit Milchwirtschaft befassen. Der Klee wird unmittelbar nach dem Mähen auf Böcke gesetzt um dem zweiten Klee das unmittelbare Nachwachsen zu ermöglichen. An diesem schließt sich in gleicher Weise ein dritec Schnitt an. Bemerkenswert war die durchweg ganz gleichartige Beschaffenheit der Güter in der Bewirtschaftung. Bürgermeister Krämer gedachte noch mit warmer Anerkennung der außerordentlichen Zuvorkommenheit des Herrn Amtsrat von Zimmermann, der in liebenswürdiger Weise dafür sorgte, daß die Reiseteilnehmer über alles Bemerkenswerte unterrichtet wurden und der es sich nicht nehmen ließ die Gesellschaft mit einem „Butterbrod- allerdings^inem Bulterbrod in einem außergewöhnlich ausgedehntem «sinn zu bewirten.
Der folgende Tag war der Besichtigung des Landwirtschaftlichen Universitäts-Instituts zu Halle a. d. S., des Versuchsfeldes des Provinzial-Obstgartens, des Kornhauses und b r Provinzial-Geflügelzucht-Anstalt gewidmet. Aus der Mannigfaltigkeit deS Gesehenen machte Herr Krämer der Versammlung interessante Mitteilungen auf die näher einzugehen, es uns an Raum fehlen würde. Nachmittags wurden zwei kleine Gutsbrtriebe in der Nähe von Halle be- augenscheint. Das Prachtgut des Herrn Bardenwerper- Büschdorf interessierte insofern, als der dort getriebene inten- ' sive Feldgemüsebau in Frage kam, während das Gut Klein- Kugel (Gutt Pächter Walter) ein Bild ausgedehnter Rüben- und Satgutkultur bot.
Nach Uebermittlung in Staßfurt folgte am Donnerstag, dem 4. Reisetage eine Besichtigung der Kalisalzwerke durch die Reisenden und der Versuchsfelder in Staßfurt-Leopolds- Hall. Der Redner beschrieb das Innere des Werkes, ba6 man in einer Tiefe von 406 Meter unter der Erdoberfläche und in einer Ausdehnung von 1400 bis 1500 Meter durchwanderte. Man beobachte dabei die Gewinnung des Materials, wegen dec Härte desselben wird dasselbe losgeschossen,. ebenso die Art der Läuterung in Behältern wobei die wertvolleren Salzstoffe etwa 40 Proz. des Rohprodukts sich an der Oberfläche ansetzen. Weiter interessierte man sich füc die mit je einem Garten versehenen Ar- beiterhäuser der Gewerkschaft. Diese Ausführungen wurden veranschaulicht durch Vorzeigen von mitge- bcachten Salzpcoben, sowie durch eine Photographie, welche die Reisegesellschaft, zum Einsteigen fertig, in den entsprechenden Kostümen zeigt Rach einem von dec Gewerkschaft gegebenen Essen begab sich die Expedit on nach dec Saatgutzucht und Rübenbauwirtschaft des Oberamtmann Heine, Kloster Hadmersleben. Auch hier wird keine Viehzucht getrieben auch wird nicht Grün gefüttert. Auf den Feldern sieht man nur Rüben und Frucht d. h. Weizen und Gerste dagegen wenig Korn. Bemerkenswert war die Gewinnung der Saefcuchl mittels Herausschneidens nur dec besten Aehren. Wegen der eingetretenen Dunkelheit war es leider den Teilnehmern nicht möglich, alles Sehenswerte auf Had mersleben so eingehend zu inspizieren, wie man ci wohl gern gemacht hätte. Mit der am folgenden Tage erfolgten Besichtigung eines weiteren Saatgutzucht- uni Rübenbau-Gutes, nämlich Schlanstedt (Amtscat Dr. Mimpeus), fand die eigentliche Studienreise ihren Abschluß. Dec größte Teil der Reisenden verbrachte jedoch noch einige Tage in Berlin, wo man u. A dem Reichstag, den Markthallen, dec landwirtschaftlichen Hochschule und ihrec Dauerausstellung einen Besuch abstattete, §erc Bürgermeister Krämer erklärt, daß die Teilnehmer an dieser Fahrt sehc befriedigt auf dieselbe zurückblicken, man habe für den Landwirt überaus Interessantes uni) Wertvolles gesehen und erfahren, wichtige Anregungen im Interesse der Förderung dec Landwirtschaft habe man erfahren und es sei zu wünswew daß belauft Expeditionen sich wiederholen möge«. Man könne in Norddeutschland noch viel lernen von den dortigen
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Feudalzeit schien bei ihnen noch heute zu regieren. Die Hoânil und Hurrahs, welche Roberts Rede folgten, erfüllten die Luft toi mit Sturmesbrausen.
Später faud auf beut weiten Grasplatz ein großes Schm statt, worauf der Tanz folgte. Einem aufmerksamen BeobacU mußten bei diesem Feste unbedingt zwei weibliche Gestalten in ängstlichen, scheuen Gesichtern auf fallen. Die eine war Armitage, die noch bis vor kurzer Zeit ein für ihre Jnlji geradezu blühendes, ingendfrisches Aussehen besessen hatte, bi zu jener Nacht, da sie Mitwisserin des schaurigen GehcinmH ward; jetzt sah sie sehr gealtert aus, ihr Haar war mit gram Fäden durchzogen, ihr Gesicht wies scharfe Linien auf, iuib i ihrem ganzen Wesen lag etwas Unftätey. Sie unb Hetty bliebe immer dicht beisammen. Hier unb da ergriff Fran Armitane d Hand ihrer Nichte und drückte sie fest. Dann zitterte Hel» Hand, unb ihre schlanke Gestalt erbebte in heimlicher Todesami Die ganze Lust und Fröhlichkeit bimsten dem armen Mädchen ei Mummenschanz der Hölle. Der Jammer, an dem sie so trug, hatte sie gewaltig verändert. Ihr leidendes Aussehen M die Rolle, welche sie in der Mordafiaire spielte, zogen nafilck die allgemeine Aufmerksamkeit auf sie. Unb trotz alledem w Hetty immer noch schön; sie fiel überall auf; wohin sie km steckten die ßeute die Köpfe zusammen und tuschelten.
..„Siehst Du das junge Mädchen dort mit beut sclwm Gesicht?" hieß es, „die ist an der ganzen Geschichte schuld
In diesem Augenblick erschien der Majoratserbe. Er ging bin auf Frau Armitage zu und bat sie, den Tanz mit ihm an eröffn!
„Sie thun mir eine große Ehre an, Herr Daron", stamm sie zögernd, dann legte sie die Hand auf feinen Arm.
Als er sie wegführte, trafen seine Augen diejenigen HM „Wir tanzen später auch zusammen", sagte er, ihr freund aber nachlässig zunickend.
Sie errötete und preßte die Haud aus ihr wild klopfendes Ht Es war nicht ein einziger Bursche im ganzen Ort, der ni etwas darum gegeben hätte, ein.einziges Mal mit der „schöi Hetty" tanzen zu dürfen, aber sie schlug jedes Engagement „Sie fühle sich nicht wohl", entschuldigte sie sich.
Mit dem Baron würde sie tanzen, wenn er sie holte natürlich! Aber mit den anderen - nein!
Sie setzte sich in eine ziemlich entlegene Ecke. Ihre Au folgten Robert, wohin er auch ging. Später erblickte Marga von Schönburg die stille, einsame Gestalt. Es lag ein Èh über das kindliche, traurige Gesicht ausgebreitet, das des jun Mädchens teilnehmendes Herz wehmütig berührte, sodaß sie sch über den Grasplatz zu Hetty ging.
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