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Die Altarlsturgie hielt Pfarrer Dr. Grem.^An den GotteS- | geht, bienst schloß sich die Delegutenversammlung an, die bis gegen 1 Uyr währte. Am Nachmittag bewegte sich von Oswalds Garten um 2 Uhr ein Festzug durch die Straßen der Stadt, in welchem etwa 1000 Personen teilnahmen, ihm voran die von 24 weißgekeideten Damen getragene verhüllte Fahne. In Steins Garten sand alsdann der Weiheakt statt, bei welchem nach einer Begrüßungsansprache deè Pfarrers Dr. Gretn, die in ein Hoch auf Kaster und Großherzog ausklang, sowie nach einer Festansprache des Verbandsvorsitzenden Pfarrer Küfter-Höchst die eigentliche Weiherede durch Herrn Professor I) Stamm gehalten wurde. Die Hülle der sehr kostbaren und geschmackvollen Fahne fiel, einige Damen sprachen festliche Verse und überreichten Faynenschletfen. Vertreter der Brudervereine überreichten ebenfalls Geschenke. — Bei dem nun folgenden Gartenfest wechselten mit Darbietungen der gesamten Regimentskapelle Vorträge von 7 auswärtigen Arveitergesangschören, sowie Ansprachen verschiedener Herren. Am 7 Uhr Abends zogen die Vereine mit klingendem Spiel und unter Vorantritt dec ^Gießener neuen Fahne nach dem Bahnhof, um mit dem um 7.45 abfahrenden Extrazug in ihre Heimat zurückzufahren. — Um 8V2 Uhr begann die Familunfeier deS Evangelischen Arbeitervereins in sämtlichen Räumen von Steins Saalbau. Der große Saal, in dem reiche Guirlandengewinde 600 elektc. Glüg- törper in verschiedenen Farben trugen, (das Arrangement hatte Herr Ingenieur Mullert, die gärtnerische Ausschmückung Herr Becker, Seltersweg übernommrn) war überfüllt, der Garten fast völlig besetzt; im Saal wie im Garten spielten Musikkapellen. Nach einer Begrüßung des Vorsitzenden folgten schön ausgesührte Zithervorträge des Zithervereins „Alpenröschen", Mandolinensolo der Herrn Gernhardt, Leiter des gemischten ChorS des Evang. Arbeitervereins, Gesangsvorträge dieses Chors, sowie ein von etwa 40 Kinder gesungenes reizendes Kinderliedchen unserer Lokal- Dichterin Johannette Lein, den Höhepunkt des Abends aber bildeten die wundervoll arrangierten lebenden Bilder, das erste: „Den Evang. Arbeiterverein in den verschiedenen Zweigen jiiner Wirksamkeit darstellend, das zweite: „Musik und Gelang" verkörpernd, sowie eine äußerst humoristische Bauern- jeene „Hesjelänner Kirmeß" im Dialog und Gesang von Herrn Gernhardt wirksam zusammengestellt. — Der ganze Verlauf des Tages zeugte von einer sorgfältigen Vorbereitung deS Festes, aber auch von dem frischm Leben und brüderlichen Zusammenhalt, der in den Arbeitervereinen herrscht. Möge das Fest dazu beitragen, die große Arbeitervereinssache ouch denen näher zu bringen, die sie seither noch nicht ge- lannt haben._______________________________________________
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Jubiläums-Regatta aus der Lahn.
Eine stattliche Menschenmenge hatte sich gestern nachmittag auf beiden Ufern dec Lahn eingefunden, um der Ruderregatta zuzuschauen. Schon morgens um 9 Uhr hatten die Voccennen stattgefunden. Da nur zu zwei Rennen mehc als drei Nennungen Vorlagen, so waren nur zwei Vorrennen nötig.
Ergebnis der Vor rennen.
4. Rennen. (Einer) a. 1. MKinzer Ruder-Verein, Anton Weber-Mönchhof, b. 1 Hanauer Rudergesellschaft „Hassia" 1884, Ferd. Wenzel.
11. R e n n e n. (Großer Achter.) a. 1. Frankfurter Rudecvercin, b. 1. Frankfurter Rudergesellschaft „Sachsenhausen".
Die Länge dec Bahn betrug 1900 m. Der Start war beim Felsen, das Ziel am Festplatz. Nach Schluß der Vorrennen vereinigte ein gemütlicher Frühschoppen die Ruderer.
Die Haupt rennen begannen pünktlich 3 Uhr 30 Min. Das Glockenzeichen ertönt. Sofort bewaffnen sich die Augen mit dem Feldstecher und richten sich gespannt auf den Start, ^rft sieht man mit bloßem Auge nur einen weißen Fleck in dec Ferne. Er kommt näher, man sieht in der Sonne die Ruder blinken, jetzt sieht man schon deut- die Insassen und die Nummer, aller Augen richten n uch gespannt auf die Hecranfahcenden, jeder ruft seiner
ton. M<M Partei laut ermunternd zu — da tönt die Glocke — " '-A 11opp! ein Plätschern und das siegreiche Boot steht.
Die Resultate sind folgende:
l Junior-Einer. 1. Ruderverein „Hellas" r. ssenbach a. M., Karl Hirtes (ohne Konkurrenz).
Großer Vierer. Wanderpreis der Stadt r^"; Ehrenpreis, gestiftet von der Stadt Gießen, "evst 5 Ehrenzeichen. Der siegende Verein erhält l'ci Rückgabe des Preises einen Ehrenschild. (Sieger von 1900: Franksurter Rudergesellschaft „Germania". « ân"Esu^er Rudergesellschaft „Sachsenhausen". Min. 24 /s Sek. 2. Frankfurter Rudergesellschaft „Germama", 6 Min. 242/5 Sek. " " ^ "
-". M° Wirrer. „P r e i s v o n d e r L a h n." Offen WeftrfM^ an ^r ßa^ ihrer Wohnsitz haben. Gestiftet von dem Ehrenvorsitzenden der Gießener Rudergesellschaft Herrn I e a n K i r ch, Herausforderunas- sr-is der nach dreimaligem Siege (?uch ohne Reihem folge) in das Eigentum des siegenden Vereins über-
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^.. Der siegende Verein erhält bei Rückgabe des ] Preises ein Ehrenschild (Sieger von 1900: Ruder-Club Ems.)
Während des Rennensâkollidieren durch Schuld von ,,Ruderklub Ems" dieser und „Wetzlaer Ruderklub". 1. Gießener Rudergesellschaft 1877. 2. Ruderverein Ems. Gegen das Rennen wird mit Erfolg Protest eingelegt und Wetzlar und Gießen starten nach Schluß der Rennen nochmals mit Erfolg: 1. „Wetzlarer Ruderklub" 6 Min. 43 Sek. 2. „Gießener Rudergesellschaft."
4. Einer, Lahnpokal gestiftet vom Deutschen Ruderverband, Wanderpreis nebst einem Ehrenzeichen. (Der siegende Verein erhält bei Rückgabe des Preises einen Ehrenschild) (Sieger von 1900: „Frankfurter Ruderklub.")
1. Mainzer Ruderverein — Anton Weber- Mönchhof. 2. Ruderverein „Ellas" Offenbach — Karl Hirtes.
5. Zweiter Vierer. Preis gestiftet vom Regatta- Comite. 1. Offenbacher Rud er verein 1874. 6 Min. 44*/5 Sek. 2. Weßlarer Ruderklub. 6 Min. 444/s Sek.
6. Junior-Achter. Jabiläumspreis, gestiftet von einem Gönner der Gießener Rudergesellschaft. 1. Frankfurter Ruderverein. 6 Min. 9 4/5 Sek. 2. Frankfurter Ruder-Club. 6 Min. 19 4/5 Sek.
7. Dollen-Zweier. 1. Crefelder Ruder-Club 1883. 7 Min. 59 Sek. (Ohne Konkurrenz).
8. Junior-Vierer, Preis gestiftet von einem Freunde des Rudersports. 1. Frankfurter Ruderklub. 6 Min. 3P/5 Sek. 2. Hanauer Rudergesell- schast „H a ss i a". 6 Min. 44^5 Sek. 3. Gießener Ruder- gesellschaft 1877.
9. Akademischer Vierer. 1. Rudergesellschaft Heidelberg. 6 Min. 32 Sek. 2. Heidelberger Ruder-Club. 6 Min. 34Vs Sek. 3. Gießener Rudergesellschaft 1877.
10. Dollenvierer fällt aus.
11. Großer Achter. Großherzogèpreis. Wanderpreis verliehen von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, nebst neuem Ehrenzeichen. Der siegende Verein erhält bei Rückgabe des Preises einen Ehrenschild.
12. Ermunterungs-Vierer. 1. Hanauer Rudergesellschaft „Hassia" 1884. 6 Min. 47^5 Sek. 2. Frankfurter Rudergesellschaft „Germania" 6 Min. 49^5 Sek. 3. Gießener Rudergesellschaft.
Es folgte darauf auf dem Regattaplatz an der'Richtertribüne die
Preisverteilung.
Um 9 Uhr versammelte man sich in den Sälen des Gesellschaftsvereins zu einer
Reunion, womit die Feier schloß.
Sieger von 1900: Frankfurter Ruderverein.
1. Frankfurter Rudergesellschaft „Sa che nh ausen" 5 Min. 45 Sek. 2. Frankfurter Ruderverein 5 Mm. 50^5 Sekunden.
Aus dessen und Nachbargebieten.
0 Lich, 27. Juli. Heute feierte der hiesige Turnverein auf seinem Anwesen sein Stiftungsfest. Dasselbe vernahm einen schönen Verlauf. Die turnerischen Vorführungen bewiesen, daß in dem Verein, dessen Tun stunden Herr Turnlehrer Langsdorf leitet, ein ernstes Streben herrscht. Hoffentlich gelingt es ihm auch bald wieder durch Preisturner auf auswärtigen Festen von sich reden zu machen.
Frankfurt, 26. Juli. Am 4. August fährt ein SonVerzug mit bedeutend ermäßigten Fahrpreisen von Straßburg nach Berlin. Derselbe geht ab: in Manz (Hptbhf.) 5 Uhr 30 Min. nachm,. in Sachsenhausen 6 Uhr 37 Min. und in Offenbach 6 Uhr 49 Min. nachm. und kommt in Berlin (Potsdamer Bahnhof) am 5. August, 7 Uhr 50 Min. vormittags, an. Ein zweiter Sonderzug wird im Bedarfsfälle 10 Minuten später gefahren; die Abfahrt in Sachsenhausen erfolgt mit ihm 7 Uhr 22 Min. und in Offenbach 7 Uhr 34 Mln. nachm. Die Preise der Fahrkarten nach Berlin, die 45 Tage Gültigkeit haben, betragen von Sachsenhausen 32,60 Mk., bezw. 21,90 Mk. Außerdem werden in Mainz Karten nach Magdeburg auSgegeben, die 28,10 Mk. bezw. 18,80 kosten.
Darmstadt, 26. Juli. Die Schüler des obersten Kursus der Tiefbau-Abteilung der Großherzog- lichen Landes-Baugewerkschule besichtigten in den letzten Tagen unter Führung ihres Lehrers, Herrn Professor Esselborn, die Brückenbauanstalt Gustavsburg, die Stationsan'agen in Kranichstein, sowie das Nadelwehr, die Kammerschleuse und die verschiedenen Brücken in Frankfurt a. M. Wie man hört, beabsichtigen sämtliche Schüler des genannten Kreises sich im nächsten Monat der zehntägigen Abgangsprüfung zu unterziehen, deren Bestehen bei der Bewerbung um mittlere technische Beamtenstellen der Staatseisenbahnverwaltung vorzugsweise als Nachweis einer ausreichenden Fachbildung angesehen wird.
Darmstadt, 27. Juli. Nach der am 16. Februar d. J. Verurteilung des Nudel- und Panier-
mchlfabrikanten Ladwig M^cr in Gan zenheim bei Homburg v. d. H. wegen fahrlässiger NahrungSmittelsälschung zu 100 Mark Geldstrafe (in der Fabrik Morrs waren etliche 100 Kisten Bruchwaren, die von Würmern und Maden durchsetzt waren, zu Paniermehl verbreitet worden) hatte der „Centralanzeiger für den Odenwald" in Erbach ba8 Urteil der Frankfurter Strafkammer seinen Lesern mitgeteilt, mit dem Hinzusügen, man solle Morr 4 Wochen einsperren und mit diesem saubern Paniermehl füttern. Durch diesen Zusatz fügte sich Morr beleidigt und verklagte den Redakteur Aug. Franz des genannten Blattes. Das Schöffengericht in Michelstadt sprach ihn frei. Die hiesige Strafkammer verurteilte ihn jedoch zu 15 Mark Geldstrafe auf die Berufung Morrs.
so Vom Main, 27. Juli. Den LudwigS-Donau-Main- Kanal passiert Ende August einfranzösischerDampfer.
DaS 24. Gesaugsfest des Lahnthal Sängerbundes, welches seit Samstag bis heute in Wetzlar stattfindet, von auswärtigen Sängern sehr zahlreich besucht. Besonders Gießener und Marburger Sangesbrüder sind m großer Anzahl vertreten. Wetzlar selbst hat sich festlich geschmückt und seine Bürger lassen es an Entgegenkommen nicht fehlen.
Der F e st k o m m e r s am Samstag Abend im Saale des Schützengartens war infolge des Gewitters sehr schwach besucht. Um so schöner machte sich der Sonntag. Schon früh kamen mit dec Eisenbahn die Gäste und, nachdem im „Hotel Keßler" an dec Bahn gesammelt und oic nötige Stärkung für den verhältnismäßig langen Weg nach dem Festplatz eingenommen war, ging eS geschlossen mit Musik nach oben. Welche Freude, zu sehen, wie manches alte Sängerherz dabei so munter mit im Zuge schritt. Auf dem Festplatz eingetroffen, wurde zur Generalprobe angetreten. Das Preisrichter- kollegium (sämtliche Dirigenten dec zum Verband gehörenden Vereine) gab nach Beendigung derselben kund, daß dec Bauec'sche Gesangverein zu Gießen und die „Liedertafel" zu Marburg am besten gesungen haben und die Note „sehr gnt" erhielten. Die hecangerückte Mittagszeit mahnte inzwischen zur Eßpause. Am Nach- mittag gegen 3 Uhr formierte sich der
F e st z u g, voran der Radfahrerverein Wetzlar mit großartig geschmückten Rädern, die Regimentsmusik der 166er aus Hanau, daran anschließend die Bundesvereine und zwar: Liederkranz-Marburg, Bauer'scher Gesangverein Gießen, Orpheus-Butzbach, Heiterkeit-Gießen, Frohsinn-Londorf, Gemütlichkeit-Gießen, Liederkranz-Dillenburg, Cäcilia- Lich, Liederkranz-Weilburg, Harmonie-Gießen, Männergesangverein Grünberg und Liedertafel-Marburg. Den Schluß bildeten mehrere andere Vereine von Wetzlar, darunter der Turnverein mit seinem eigenen Trommler- und Pfeiferchor und der Kriegerverein. Nach Eintreffen des 3u$e auf dem Festplatz war eS der Ehrenpräsident Herr Bürgermeister von Zengen, welcher vom Podium aus der Festversammlung einen herzlichen Willkommengruß dacbot. Redner betonte vornehmlich, daß in dem alten Wetzlar, jetzt eine auiblühende Industriestadt, zu allen Zeiten der deutsche Männergesang treue Anhänger zu verzeichnen gehabt hat. An dem heutigen Tage müßten die Sänger auch des obersten Protektors des deutschen Männergesanges gedenken, des Kaisers, dec dadurch wieder dem Gesang sein Wohlwollen bekundet hat, indem er für das nächste große deutsche Wettsingen Frankfurt a. M. bestimmt hat. Die beifällig aufgenommene Ansprache klanss aus in ein Hoch auf den Kaiser. Gleich daran anschließend war es dec BundeS- pcäsidint, Herr Hauptlehrec Schneider-Marburg, welcher für den herzlichen Empfang im Namen des Lahnthal- Sängerbundes dankte, die Wirkung des Gesanges auf das Gemütsleben rühmte und zum Schluß auf den deutschen Männecgesang und das deutsche Volkslied ein Hoch ausbrachte. Die nächste Nummer des Programms: das deutsche Vaterlandslied von Dregert, gesungen von allen anwesenden Vereinen, legte Zeugnis ab, daß der Bund auch als Maffenchoc auftceten kann. Auf dem Festplatz vergnügte sich inzwischen jeder nach seiner Art; an fröhlichen Gesichtern feblte es nicht. Nur eins beklagte man am Abend, daß dec Festplatz zu weit vom Bahnhof gelegen war.
Neueste Nachrichten.
Berlin, 28. Juli. Nach einer Meldung auS Harzburg schreitet die Besserung im Befinden des Professors Virchow nur langsam fort. Der Patient muß das Zimmer hüten. Sein Allgemeinbefinden ist ohne Fieber.
Berlin, 28. Jul. Verschiedene Bilder, die sich auf daS Leichenbegängnis des Königs Alberts von Sachsen beziehen und die nach der Leipziger Jllustrirten Zeitung von Wiener und Dresdner Kunsthandlungen in den Handel gebracht wurden, sind auf Anordnung der Dresdner Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden.