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Nr. 147.
Erftes Blatt
AboxxementSpreis : in Gießen, abgeholt monatlich 50 Psg., in’« HauS gebracht 60 Pfg,, durch die Post bezogen vierteljährlich Mk. 1.50.
GrattSbeil-ge« Oberhessische Familienzeteung(täglich) oberhesfische Zeitschrift für Landwirtschaft, Cbfi und «atteeban, sowie die Gießener Seifenblase» wöchentlich) Das Blatt erscheint an »De« Werktagen nachmittag«.
Deueffe Dachrichten
(chiekener Dagevtatt)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Druck und Verlag der Gießener VerlagSdruckerck, vorm. Wilh. Kellcr'sche Buchdruckerei, (gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen
Stephon Nr. 235,
(er Immatrikulation
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Best im
Politische nachricMen.
Der Ministerialdirektor im Ministerium des innern Wirk!. Geh. Oberregierungsrat Peters, ist zum Präsidenten des Oberverlvaltungs- g e r i ch t s ernannt.
Die Meldung von dem Duell zwischen dem zur deutschen Gesandschaft in Mexiko kommandierten Leutnant Bartels mit dem Militär-Kommandanten von Acapalco, wonach letzterer getötet und Bartels schwer verwundet sein sollte, ist unzutreffend. Leutnant Bartels hat durch einen Unfall eine Verwundung erlitten.
* Dresden. Verfaffungsgemäß muß in Sachsen der Landtag binnen 4 Monaten nach dem Ableben des Königs zu einer außerordentlichen Tagung Unberufen werden, um den Verfa ffungseid des neuen Königs entgegenzunehmen und über dessen Zivilliste sowie über die Apanagen der Königin-Wittwe, des Kronprinzen und der anderen Prinzen zu bestimmen. Die Apanage für die Königin- Wittwe wurde damals auf 41,111 Thaler 3 Neu-
Ä3 Pfennige festgesetzt, die Kronprinzen-Apanage
Maligen Königs Albert auf 61,666 Thaler und 20 Neugroschen. Beide Positionen werden diesmal in Anbetracht der wesentlich veränderten Zeit- und Preis- verhältnisse jedenfalls bedeutend erhöht.
Aus England.
London, 27. Juni. Gestern Abend hatte die Bank von England prachtvoll illuminiert. Tausende von Glühlampen bildeten die Inschrift: Gott schütze den König. Auch andere offizielle Gebäude hatten illuminiert.
* Washington, 27. Juni. Der Senat nahm in seiner letzten Sitzung das Panama-Kanal-Gesetz an.
valdsgarten durch die Itersweg, Südanluge, gsplatz, Grünberger- it Konzert unâ Tanz, oben MH»
d und ausschliesslich gww/i Einzeichuu^ [1 und 1 â ft geschränkten Genuss Muss der Listen bei
Aut dem festplatz
tzessiseber Landtag.
Darmstadt, 27. Juni.
Tagesordnung: Initiativantrag Haas, L a n d- wtrtschaftskammer betc., sowie Regierungsvorlage, Handelskammer betreffend.
Staatsminister Rothe erklärt, daß die Unterstellung, die Regierung habe von vornherein dem Antrag Haas gegenüber eine ablehnende Stellung eingenommen, unrichtig sei. Unmöglich habe man dec Regierung zu- inuten können, schon bei der Ausarbeitung dieses Antrages mitzuwirken. — Ministerialrat Braun: Die S^"^""0 einer pnnbhvrfMinftafnmmer fasse nn<6
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Geerteerd.
Novelle von E. Bely.
(Sit^ttad Killten.)
Run steht sie neben ihm, schlank und weiß, so, wie er ihr Bild hier oben in seine Einsamkeit oft beschworen. Geerteerd! jubelt er noch einmal und hat es vergessen, daß heulende Windstöße seinen Thurm umtosen und daß aus dem Meere drüben Menschenleben in Gefahr sind.
Deine Laterne sollst Du anzünden — sie wollen einen Weg- Weifet haben, berichtet das Mädchen.
Er nickt und faßt ihre Hand.
Sie haben Dich mit der Botschaft gesandt?
.rreiüch!
Erst dieltet es wie ein Schatten über fein helles Gesicht, bann tachelt er wieder und fragt:
Vlber aus freien Stücken bist Du doch heraus zu mir ge- summen? 0 °
Ja!
Er drückt ihre Hände, läßt sie wieder sinken und zündet die mächtige Klamme an, nach der allabendlich so viele Augen ausipähen — sie sieht ihm zu, wie er den Mechanismus in Bewegung stick, daß sich die Riesenlaterne dreht und ihr Strahlen- ieuer hinauSdlitzcn läßt.
So! sagt er dann und tritt wieder an ihre Seite. Sie haben arge Noth dort draußen — jetzt weiß ich aber nur daß »u da bist!
Sie antwortet nicht und senkt den Kopf und läßt es ge« Wehen, daß er sie leise an sich zieht und ihren Namen in ihr Ohr flüstert. Sie weiß und denkt nichts, als daß Jo Toben draußen auf der wilden Fluth — daß die ihn behalten kann, wie sie seinen Batcr behielt — nein, den brachte eine Menschenhand zu Tode — so hat ja Reick gesagt — und der Mann heißt Maniel Hay! •
Endlich, endlich! flüstert Fritz West, hast lang' auf dich *>»t«n lassen, süße leern, Du!
Samstag, den 28. Juni 1902.
Gießener
Hlnaöhängige Tageszeitung
diesem Antrag wesen.lich nach preußischem Muster erfolgen, aber das preußische Gesetz eigne sich nach seiner Meinung nicht für süddeutsche Verhältnisse. Deshalb verhalte sich die Regierung dem Anträge gegenüber abwartend. Es bestehe keine besondere Notwendigkeit zur Beschleuniguug dieser Angelegenheit, den Hessen besitze seit Langem eine fegensreich wirkende Organisation der Landwirtschaft, die auch von der Regierung wie vom Landtag anerkannt sei und die seit 1897 sehr wirksam und thätig gewesen sei. Als Material für die weitere Behandlung der Angelegenheit wird die Regierung den Antrag Haas mit Interesse entgegennehmen.
Frenay (Centr.): wünscht Annahme der Vorlage, wie sie der Abg. Haas-Darmstadt als Antrag eingebracht habe.
Korell (fr. V.) schließt sich diesem Wunsche an.
Haas-Darmstadt: Sein Antrag habe nach dec Abfassung die Bedeutung eines Gesetzentwurfes und nicht lediglich die einer Materialsammlung für die Regierung. Schon seit vielen Jahren ist man in der ganzen deutschen Landwirtschaft überzeugt, daß eine Organisation über das ganze Reich hin für sie nötig sei. Die schwächliche Organisation des Landwirtschaftsrats genüge zur Vertretung der Landwirtschaft nicht. Auch in Hessen bestehe das Bedürfnis nach einer Landwirtschaftskammer. Der Redner verteidigt dann seinen Antrag im Einzelnen. Er halte das Besteuerungsrecht, das in Sachsen schon seit zwanzig Jahren bestehe, unbedingt nötig für die Landwirtschaftskammer. Eine irgendwie ernstlich in Betracht kommende Belastung des einzelnen Landmannes liege darin auch nicht.
Wolf (Rheinhessen) nimmt eine ablehnende Stellung gegenüber diesem Anträge ein. Man solle lieber dem Provinzialverein einfach die Rechte von Landwirt- schaftskammern geben und also nicht eine, sondern drei Landwirtschaftskammern für die drei Provinzen mit ihren veschiedenen ländlichen Interessen errichten.
Ulrich (Soz) erklärt prinzipiell, daß er und seine Freunde dem Initiativantrag Haas zustimmen, weil sie der Meinung sind, daß die berufliche Organisation nötig sei.
Abg. Köhler-Langsdorf hofft, daß auch die rhein- hessischen Abgeordneten dem Antrag zustimmen. Er würde dafür stimmen, daß auch die Arbeiterschaft sich organisiere; denn alle Berufsstände sollten sich organisieren, das wäre nur zum Segen des Ganzen.
Weidner spricht sich ähnlich aus.
Sie blickt ihn mit den großen Augen fragend an; er aber nimmt ihre Gedankenlosigkeit für Schüchternheit,
Nun bist Du da — und ich wußte, daß el einmal so kommen müsse, das hat mich geduldig gemacht.
Sie läßt es geschehen, daß er über ihre Wange streicht und mit den kleinen schwarzen Locken spielt, die sich in ihrem Nacken ringeln und nie in die Flechten einzwingen lassen wollen. Er ist sonst keck genug den Mädchen gegenüber — aber daß man mit Geerteerd besonders thun muß, das hat er immer gewußt und gefühlt. Langsam tritt sie an das Fernrohr. Ob man's dadurch sehen kann? fragt sie.
Das erinnert ihn an seine Pflicht. Er blickt hindurch, seufzt und sagt: Sie haben's schwer genug — und zwischen hier und einer Stunde mag Keiner mehr am Leben sein!
Mit einer fast heroischen Bewegung schiebt sie ihn weg und drängt sich an feinen Platz. Athemlos schaut sie aus durch das Fernrohr, dann murmelt sie: Und er ist dabei — und Meerie mag nichts davon wissen. Hui! harte Arbeit —
Seemannsloos! sagt der Wächter. —
Sie deutet auf die Laterne. Wenn der Nebel kommt, so sehen sie nichts davon! »
Schlimm wäLs! bestätigt er. Heute aber sind sein Denken und seine Theilnahme nicht wie sonst bei ben Hülslosen und Muthigcn auf dem Meere, die Nähe des schwarzen Mädchens bringt eine Art seligen Rausches bei ihm hervor.
Geerteerd! flüstert er und zieht sie auf den Sitz, ben er sonst hier oben inne hat, und beugt sich über sie. Nun soll's nicht lang mehr währen bis zur Hochzeit — und dem Maniel fein Wort habe ich auch schon.
Sie lacht, ihre weißen Zähne blitzen — Hochzeit —7 und Maniel —. und wie ein armer Thor erscheint ihr der Mann da neben ihr, der diese Worte gesprochen hat. Er weiß nicht, was er begehrt, die Tochter einer Ehrvergessene» und eines Verbrechers! — Er nimmt das für eine sröhliche Zustimmung und wagt es, den braunschima>erndeii Hals mit den Lippen zu berühren.
________________11. Jahrgang.
AnsertionSvreiS Die einspaltige Petitieile für Gießen wie, ganz Oberbesfen. die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Psg sonst 15 Pfg.. Reklamen die Petitzeile 80 resp. 40 Psg.
Postzeitungsliste Ro. 3032.
Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.
tchietzener Weitung)
Nachdem noch eine Reihe von Abgeordneten sich zur Sache geäußert, geht ein Antrag des Abg. Dr. Frenay ein, dahin, daß Art. 1. 2 und3 des Gesetzes als Vorlage, weil sie von prinzipieller Bedeutung sind, angenommen werden und über die übrigen Artikel en bloc abgestimmt wird. Diesen drei Artikeln stimmt die Kammer zu. Artikel 4—50 werden darauf gemäß dem Ausschußantrage mit allen gegen 5 Stimmen ang e n om m e n.
Zu dem Gesetzentwurf über die Handelskammern spricht in der Generaldebatte zunächst Abg. Molthan (Etc.) und dankt der Regierung, weil sie mit dieser Vorlage langjährigen Wünschen cntgcgenkomme. Im Allgemeinen trete ja der hessische Kauf- mann nicht mit vielen Desiderien an die Kammer heran. Die Bedeutung der Handelskammern sei jetzt eine weit größere, als in früherer Zeit. Das erkenne auch die Vorlage an, der er im Allgemeinen nur zustimmen könne. Sie dehne die Wirksamkeit der Handelskammern aus auf das ganze Land und erweitere ihre Befugnisse. Das seien wesentliche Verbesserungen. Dahin gehöre auch das freie, allgemeine geheime Wahlrecht. Er spreche sich in diesem Zusammenhänge auch für das Wahlrecht der Frauen aus. Eine Witwe z. B. die das Geschäft ihres Mannes fortsetze, solle die gleichen Rechte haben, wie ein Mann, und ihre kaufmännischen Interessen der Regierung gegenüber gerade so gut zum Ausdruck bringen können. Eine Verschlechterung sei allerdings die Kopierung des preußischen Gesetzes mit Bezug auf die Verlängerung der Wahlperiode. Das bedeute eine Beschränkung der Rechts der Wähler, wozu kein Anlaß vorliege, wogegen auch die Handelskammer Darmstadt sich gewendet habe. Er stimme für 4jährige Wahlperiode und bittet die Kammer, den Gesetzentwurf anzunehmen.
Ministerialrat Staun erklärt die Zustimmung der Regierung zu den Ausschußanträgen und, wo Meinungsverschiedenheiten beständen, innerhalb des Ausschusses die Zustimmung zu den Anträgen der Majorität desselben.
Abg. Reinhardt (ntl.): Der Staatszuschuß zu den Handelskammern beträgt nach dem letzten Budget rund 18000 Mark. Man möge in Zukunft bei besserer Finanzlage doch mit Staatsunterstützung den Handelskammern mehr entgegenkommen.denn f ü r H a n d e I und Industrie geschehe wenig, im Gegensatz zu den Zuwendungen für die Landwirtschaft. Auch möge man den Staatszuschuß nacb der wirtschaftlichen Bedeutung der einzelnen Handelskammern bemessen.
Geerteerd, eine lustige Hochzeit soll's werden — was? Die ganze Insel soll davon sagen!
Sie tritt auf's Neue an das Fernglas. Das fremde Boot tanzt auf und nieder, die Bemannung scheint die Führung verloren ober aufgegeben zu haben — und den Rettern will es noch immer nicht gelingen, in die Nähe der Schisibrnchigeii zu kommen.
Geerteeed beißt die Lippen zusammen, nachdem sie gemurmelt hat: Das ist ein Tanz.
Nur das letzte Wort trifft Fritz West'S Ohr.
Tanzen — versteht sich, sagt er mit glücklichem Lächeln, und den Brautschmuck habe ich auch schvi, für Dich!
Wie kraftlos finkt sie nieder — die Dämmerung kommt heute srüher als sonst, nun muß das Leuchtthurmlicht Dene» draußen schon ein gutes Wahrzeichen sein.
Glaubst Du's nicht? fragt der Wächter, der einen ungläubigen Zug auf ihren, Antlitz zu sehen meint. Und dock ist’« so. Eine alte Goldkette, schwer und gut gearbeitet, wie man sie heutzutage nicht mehr macht. Sie ist seit aber hundert Jahren in unserer Familie von Mutter auf Sl mb gekommen und wär wohl ehr gewesen, daß Eine Hunger gelitteii hatte, eh' sie sich davon getrennt haben würde. Mir ist sie von der Mutter vererbt für meine Zukünftige.
Daß Geerteerd so gar kein Zeichen der Freude giebt, schreibt er ihrer stolzen Ar, zu. Er schaut wieder aus nach den Fahrzeugen, deren Lage noch immer trostlos ist, während der Sturm zunimmt, und sagt dann zu dem Mädchen: Soll ich Dich einen Augenblick da allein lassen — und sie holen? Aber ein« muß sein, Du sollst sie mit einem Kuß einlösen — *
Sie nickt, allein, eine Zeitlang erlöst von seinem Gespräch, das ist ja Alles, was sie will.
Geh — geh, flüstert sie, und hebt leicht wehrend die Hände.
Aus der ersten Stufe wendet er sich zurück.
(Fortsetzung folgt.)