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Herstellung normaler, nicht von Bitterkeit beeinflußter Beziehungen zwischen dem deutschen und dem englischen Volke ausgehen. Aber es sollte dabei mit großer Behutsamkeit verfahren werden. Die öffentliche Mein­ung, wie sie hier, Jahre hindurch mit imponierender Einmütigkeit aufgeboten ist, vollzieht nicht so rasch den Umschwung: was vor Kurzem Gegenstaud der Antipathie war, kann nicht so bald als liebenswert erscheinen. Vorläufig ist eS genug, wenn die nüchterne, man möchte sagen: geschäftliche Auffassung Boden gewinnt, daß bei dem gegenseitigen „Schrauben" nichts heraus- kommt, daß vielmehr wertvolle Handelsverbindungen zwischen beiden Ländern durch den Zwist Schaden er­leiden, und daß eine uns feindliche britische Politik eine Bedrohung des Weltfriedens bedeutet. Darüber hinauszugehen, liegt vorläufig keine Veranlassung vor. Die Worte des Beileids, die s. Zt. der Staatssekretär des Auswärtigen Freiherr v. R i ch t h o f e n im preu­ßischen Abgeordnetenhause dem gefangen genommenen Lord Methuen zollte, konnten unmöglich ein Echo im deutschen Reiche wecken. Ebenso würde eine mehr reservierte Form des Toastes des Grafen Waldcr- see den überwiegenden Empfindungen entsprochen haben. Ein Londoner Blatt, „Daily Graphic", zieht gleich den Schluß aus Waldersee's Ansprache, „daß der deutsche Soldat mit dem Kaiser eins ist in der Ver­urteilung des thörichten Feldzugs gegen uns." Eine ebenso ungehörige, wie unzutreffende Bemerkung, die aber auch wieder zur Vorsicht mahnt.

Capitänteutnant Rosenstock v. Rhöneck.

Ertrunken beim Untergang bei Torpedobootes 8 42.

Giessener Cagesneuigkeiten.

— Baurat Sch m a n d t wird nicht Direktor einer Hypothekenbank, sondern übernimmt die Direktion einer großen Kölner Baugesellschaft.

a. Versetzung Der Gerichtsassessor Hey l-Gießen wurde mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsrichters bei dem Amtsgericht A lten st a dt beauf­tragt.

* Das Regierungsblatt Nr. 35, ausgegeben am 24. Juni d. I-, hat zum Inhalt: Bekanntmachung, die Ausführung des Schaumwein st euergesetzeS vom 9. Mai 1902, hier die Erhebung der Schaum­wein-Nachsteuer betreffend. Boni 18. Juni 1902.

—* In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Oskar Höpfner ist zur Abnahme der Schluß­rechnung des Verwalters, zur Erhebung von Ein­wendungen usw. der Schlußtermin auf Mittwoch, 16. Juli, vormittags 10 Uhr, vor dem Großh. Amts­gericht bestimmt.

d. Ins Wasser gefallen Gestern Abend,''als es zu dämmern anfing, vergnügten sich vier junge Leute mit

Geerteerd.

Novell» von E. Bely.

17) (Nachdruck verboten.)

Auch Weiber und Kinder find hinausgewandert — solch' grausiges Schauspiel gehört zu den Ereignissen in ihren« Leben, denen man nachspricht, denen man entgegcnsieht. Maniel Hya schreit über Alle hin, seine Stimme ist die wuchtigste, seine Er­fahrung di« anerkannteste.

Ein Segelboot scheint in Gefahr zu gerathen, man beob­achtet es scharf und schließt aus eine schwache, wegsunkundige Besatzung.

Engländer sind's! ruft Einer.

Finkenwärder, meint ein Anderer.

Oho, solche nicht, brummt Maniel, die wittern den Sturm wie Wasscrvöqcl und bringen sich zeitig in Sicherheit.

Die Weiber falten die Hände und sehen wortlos hinüber — sind ja Menschen — gleichviel welche, und sie wissen alle, wie es thut, für das Leben von Angehörigen zittern; die Kinder schmiegen sich an sie und gucken erstaunt aus die heran- roUenben Wellen, welche den Strand immer mehr und mehr bedecken.

Nun ist Geerteerd oben, steht und sieht um sich. Niemand beachtet sie, auch dann nicht, als sie in die Nähe der Männer kommt. Erst, als sie dem Vater die Hand mit festem Druck auf die Schulter legt, wendet er sich, blickt ihr ins Gesicht und sagt: Deein — was soll's?

Ganz dicht, damit der Wind nicht vermag, ihr die Worte abzuschneiden, beugt sie sich zu ihn,.

Jffs wahr, Vater, daß meine Mutter aus und davon ist? —

Maniel Hay's eines Auge zwinkert, er stößt ein kurzes Husten aus.

Meinte — Du wüßteffs nicht.

Duchl sagt sie kurz und dreht sich von ihm weg.

Sie zieht das Tuch fester um den Kopf und geht weiter,

einer Kahnfahrt auf der Lahn. Ob sie nun selbst das europäische Gleichgewicht schon im Laufe des Nach­mittags verloren hatten, oder wie es sonst kam — kurzum der Nachen kippte um, und seine Insassen mußten sich zu einem unfreiwilligen kalten Bade be­quemen. Glücklicherweise konnten sie alle schwimmen, so daß sie sich selbst und den Kahn wieder aufs Trockene bringen konnten.

R. Jagdaussichten. Von allen Seiten wird uns bestätigt, daß die Aussichten für die H a s e n j a g d in der kommenden Saison so vortrefflich sind, wie seit Jahren nicht. Hoffentlich werden dementsprechend sich auch die Preise billig stellen.

* „Vorsicht! Tafelobst!" Durch Verfügung des Staatssekretärs des Reichspostamts wird den Postan­stalten schonende Behandlung der Obst- und Trauben­sendungen zur Pflicht gemacht. Solche Sendungen sollen beim Umladen thunlichst von Hand zu Hand weitergehen und behutsam niedergelegt werden. In Wagenräumen und Packkanimern sind Obstsendungen derartig zu lagern, daß sic keinem übermäßigen Druck ausgesetzt sind. Empfohlen lvird daher ein recht auf­fälliger Vermerk über den Inhalt dec Sendung, z. B.: Vorsicht! Tafelobst! Bitte nicht werfen!

ü. Von der Staatsanwaltschaft Gießen werden steckbrieflich verfolgt: Bahnarbeiter Leviy C i c g n i c aus Daganica wegen Körperverletzung; Erd­arbeiter Koste Sabo und Johann L a s s i c, beide aus Brinje in Kroatien, wegen Urkundenfälschung; Grund- arbeiter Johannes Cezel (Gzyl) aus Ronde-Ryger in Galizien wegen Betrugs, Heilgymnastiker Ernst Heinrich KI et t ne r aus Altenflies wegen Betrugs, Anna Spychalowics aus Adelnau wegen Diebstahls und Domenico Zotti aus Asiago in Italien wegen Unter­schlagung, Kellner Max Adolf Robert Hellweg aus Mainz wegen Strafvollstreckung, Hüttenarbeiter Jowic Johann Dracoulin (Dcokolitsch) aus Kornica in Kroatien wegen Betrugs, Schneidergeselle Hermann Graf aus Mollneck wegen widernatürlicher Unzuckt, Schuhmacher Friedrich Reich hard, gen. Mihm, aus Tann, wegen Diebstahls uno Karl Paul Ruppelt aus Arnoldsmühle wegen versuchten Diebstahls.

I. Hessisch-Thüringische Landeslotterie. Der Direktor der Hessischen Landeslotterie, Geh. Finanz- rat Dr. Götz, hat kürzlich in Eisenach einer Ver­sammlung der thüringischen Kollekteure beigewohnt, um wegen dec aufzustellenden Lotteriepläne der nunmehrig Hessisch-Thüringischen Landeslotterie zu unterhandeln. Den Kollekteuren wurden zur Prüfung und Geneh­migung mehrere Pläne unterbreitet, sie fanden sich aber mit keinem der vorgelegten Pläne einverstanden und nahmen einstimmig eine Resolution an, nach dec sie es für eine große Schädigung und Bedrohung ihrer ferneren Existenz, überhaupt Gefährdung des ganzen Unternehmens erachteten, wenn ein Plan mit nur 40 pZt. Gewinnen zur Annahme kommen sollte. Dec solide einheimische Kollekteur, dec namentlich in den thüringischen Staaten seit einem Menschenalter die Gewähr dec Rentabilität für ein Lotterie-Unternehmen gegeben haben, könne nur mit einem Plane, der 60 pZt. Gewinn biete, in fünf Klassen sich ab­spiele und die Gewährung von angemessenen Bezügen für den Einnehmer zusichere, bestehen. Wie man ver­nimmt, hat die Hessische Lotteriedirektion dem Wunsche der Thüringischen Kollekteure, welchem sich auch eine größere Anzahl hessischer Kollekteure angeschlossen hat, entsprochen und soll demnächst der neue Plan dec „Ersten Hessisch-Thüringischen Landeslotterie" erscheinen.

* Eine für Gastwirte prinzipiell wichtige Entscheidung hat da» Kammerger^cht gefällt. Oie „Berl. Voltszig." be­richtet darüber wie folgt: Der Gastwirt Jürgensen war auf Grund einer RegierungSpolizewerordnung vom 22. Februar lb92_ange!lagt worden, wonach alle in öffentlichen Lokalen stattfindenden, d.c polizeilichen Erlaubnis nicht bedürfenden

bis sie neben Jo Toben ist. Dann berührt sie auch ihn an der Schulter und beugt sich in eben solcher Weise heran.

Ich will, Jo — gleich — komm!

Der Matrose richtet sich auf, sieht ihr erstaunt in's Gesicht, findet aber nicht sofort eine Entgegnung, so daß sie hinzu setzen kann:

Ich weiß nun um Alles — was soll ich besser sein, als meine Mutter?

Er faßt ihre beiden Hände, Niemand achtet ja aus sie, unb zieht sie hinter den gelben Sandwall.

Geerteerd — Du willst — dringt er endlich hervor.

Sie legt den Kops an seine Schulter: Zur Stunde Jo — fort, nur fort!

In den Sturm können wir nicht hinaus, sagt er zärt­lich und streicht ihr über die Wange, morgen ist noch ein Tag.

Freilich, murmelt sie; erbebt aber dann, wie vor einem bangen Gedanken. Aber — es kann Dir leid werden, bis dahin —

Mädchen! in dem einen Wort liegt es wie ein Schwur und sic lächelt gläubig.

Die Welt ist groß! sagt er, wie einige Stunden zuvor.

Sie nickt. Daß Du's weißt — cs hat mir vorhin schon das Herz abgcbrüdt und ich bin Dir nach.

Dann schwcigt sie wieder, sie k nii ihm nicht gestehen, wie Mcerie so demüthigend zu ihr gesprochen.

Nun wird's, wie wir gewollt, spricht Jo, der Kinderspiele gedenkend — und dann reckt er seinen Arm landwärts, und der dort oben hat's Nachsehen.

Sie lacht nur in dem gurrenden Ton, der ihr eigen. Was kümmert sie noch der Feuerwächtcr und die blonde Meerie — sie schlingt beide Arme um Jo's Hals und sagt: Wenn die Mutter hat fort müssen, so ist es ihr ergangen, wie mir — sie hat es eben müssen.

Ein Rus, ein Schrei neben ihnen — dann fassen zwei

Versammlungen mindestens 24 Stunden vorher von dem Inhaber des Lokals der Ortspolizeibehörde angezeigt werden müssen. Jürgensen hatte es unterlassen, eine Privattanz- luftbarfeit anzuzeigen. Das Urteil lautete freisprechend, worauf die Staatsanwaltschaft Revision einlegte. Das Kammergericht wie« jedoch die Revision zurück. Die Un­giltigkeit der Regierungsverordnung folge daraus, daß nach dem Sinn und ter Entstehungsgeschichte des § 6 des Poli- zeiverwallUngSgesetzeS vom 11. März 1850 cen Polizeibe­hörden eine Zuständigkeit nur zum Schutze der öffentlichen Interessen und in Bezug auf den öffentlichen Verkehr unb die öffentliche Sicherheit gewährt werden, aber jeder über diese Grenzen hinauègrhende Eingriff in den PrivatrechtS- kreiS der Einzelnen versagt sein sollte. Nur soweit Gast­wirtschaften rc. dem Publikum offen stehen, unterliegen sie der polizeilichen Beaufsichtigung und dem polizeilichen Ber- ordnungSrechte; dies hört aber auf, wenn und solange ein Raum einer solchen Wirtschaft an eine Privatperson oder an eine geschlossene Gesellschaft vermietet wird. Daher be­darf eine Tanzlustbarkeit, die in einem dem Gastwirte ab­gemieteten Lokale von einer Privatperson ober von einer geschlossenen Gesellschaft veranstaltet wird, weder einer polizeilichen Genehmigung, noch einer vorgängigen Anzeige!

Hus stellen und naebbargebieten.

mp. Wetzlar, 25. Juni. Gestern hat auch die Wohnungskommission für das Lahnsängerfe st ihre Thätigkeit unter Vorsitz der Stadtverordneten Wald­schmidt begonnen. Es gilt, für mehr all 400 Sänger Quartiere zu schaffen. — Der Vorstädter Schützenverei n feiert am Sonntag und Montag sein Haupt- und Gaben­schießen.

P. Butzbach, 25. Juni. Die Gefangenwärter an dec hiesigen Zcllenstrafanstalt Jakob Weil und Georg Grafenstadt wurden zu Gefangenaufsehern an dieser Anstalt mit Wirkung vom 4 Juli, bezw. 27. Juli ernannt.

L. Marburg, 25. Juni. Gestern fand eine General­versammlung des Gewerbevereins statt. Es wurde u. A. verhandelt über den Plan einer lokalen Gewerbe- Ausstellung 1904. Dabei sollen vorzugsweise nur in Marburg gefertigte Waren zur Ausstellung zugelassen werden. Mit der Ausstellung, zu der man einen staatlichen Zuschuß erhofft, soll des weiteren eine Verlosung von Gegen­ständen verbunden werden, die dann nur von den Aus­stellern zu taufen sind.

V. Frankenberg, 25. Juni. Ein Arbeiter in Schw hatte eine am Arm befindliche Wunde mit Äarbol ge­waschen und die Flasche mit ihrem Inhalt arglos auf dem Tisch stehen gelassen, während er nur auf einige Minuten auS dem Zimmer sich entfernt hatte. Inzwischen kam sein 1 ’/a Jahre alter Knabe und trank aus der Flasche. Die infolge dessen entstandene innere Halsverletzung gab zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß, indem das Kind z. Zt. in größter Lebensgefahr schwebt. — DaS dreijährige Kindchen des Schlossers Hagemann zu Westheim hatte mit Streich­hölzern gespielt, wobei seine Kleidchen Feuer fingen. Mi Brandwunden bedeckr, wurde das Kind besinnungslos am Boden liegend aufgefunden.

k. Schotten, 25. Juni. Zum Gesangenwärter am hiesigen Haftlvkal ist der Gefangenaufseher am LandeSzucht- hauS Marlenschloß Augustin Müller unter Belassung des AmlstilelS „Gesangenauis her" ernannt worden.

* Laudach, 25. Juni. Nach der Untersuchung hat sich schwer belastendes Material gegen Herrn Sladlrechner Schreiner nicht ergeben, die bei der Sache beteiligten Land- wilte verwickelten sich teilroe.se in Widersp üche, sodaß Herr schreiner, dessen sonstige umfangreiche Kassenverwaltung in der größten Ordnung befunden wurde, auf freien Fuß gesetzt wurde. Die reklamierten Belräge sind von feiten Schreiner« ausgeglichen worden. Zur Läuterung der unerquicklzchea Angelegenheit begab sich Schr. heute selbst zur Staatsaii- wallschast.

6. Fulda, 24. Juni. Die Landgräfin von Hessen ist heute von Fraukfurt a. M. auf Schloß Adolfs-ck

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harte Hände nach Gcertcerd's Schulter und reißen sie zurück und — Rcick's zorniges Gesicht taucht zwischen ihnen auf.

Zurück, ehrlose Dirne, — laß Deine Künste — stößt die Wittwe hervor. Dann versagt ihr die Stimme.

Miitter! sagt Jo, aber seine Hand bleibt in der Gecrleerd's, die richtet sich aus und mißt die kleine Frau mit stolzen Blicken, als sollen die ihr zeigen, daß auch ihre Gewalt ein Ende er­reicht hat.

Neick Toben gewinnt aber auch den Athem wieder.

Ist recht, beginnt sie, ich will die Anderen rufen, daß sie sehen,was Jo Toben treibt, während alle handfesten Mäiiner nach dem Rettungsboot lausen.

Zu spät, Reick, fällt Geerteerd ein, jetzt ist's mit dem lieber reden aus — und ch' Du's mir sagst, habe ich eine Antwori — ich will nicht besser sein, wie meine Mutter gewesen ist.

Reick Toben hat viel erfahren in ihrem Leben, sie meint aber, Härteres noch nicht, als daß sich ihr Einziger jetzt wie schntzbereit neben Geerteerd Hay stellt. Sie begreift auch zu­gleich den Sinn von des Mädchens Rede — auf und davon wollen sie, das junge Weib und die alte Mutter finb nichts mehr für ihren Jo —

Sie hebt beide Anne, läßt sie rathlos wieder fallen, wischt Sandspnren und Wassertropfen aus den Augen und sagt bann langsam: Wie unser Herrgott cs geschehen läßt — ich bin ein armes, schwaches Weib. Gegen Mannsleute Willen ist nichts auszurichten, wenn Jo mit Sophei's Tochter davon ist, so muè Meerie denken, sie sei eine Wittwe und ich — finde mich auch wohl ab.

Wie nachgiebig läßt sie dabei das Haupt sinken und stsht j ein Weilchen schweigsam da, die beiden jungen Leute habe» 1 kein Wort in bie Pause hinein — Jo fühlt, wie Geerteerd'» | Finger kälter in den feinen werden und sie, daß er den Srui der Hand lockert.

(Fortsetzung folgt.)