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Nr. 196.

Erstes Blatt.

Montag, den 25. August 1902.

tCuu^wemewt ^reid : in Gießen, abgeholt monatlich 50 ^ffl-» ins HauS gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mk. 150.

Gratisbeilage« Qberhesstsche Samilie»zeit««gttäglich) Qberheistsche Zeitschrift für Landwirt, ü,aft Qbst-««d Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblase« wochentl ch). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Gießener

____11. Jahrgang.

JmertionSvreiS : Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbesien, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.

Jierusprecha«schl«ß Nr. 362.

Neueste Nachrichten

(Hietzener Tageblatt) Unabhängige Tageszeitung (Gießener Zeitung)

für Lberhkffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanreiger für Gietzcn mib llmgcbiing.

£iurf un0 Verlag'der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei, (gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich?A l bi nUe in, G i eßen"

Politische nacbricbten.

<, .ik,rab die Kaiserin, sowie der Kron­prinz Pünl Joachim und Prinzessin Louise sind um 7 ij^IIbr Samstag Abend von Homburg B. b. H. nach Berlin abaecech. ^im Bahnhof waren der Herzog von Cambridge ;mn Abschied anwesend, sowie-die Vertreter der städtischen und staatlichen Brchorden, von denc^ Kaiser sich aufs Herzlichste verabschiedete. Vor seiner Abreise bat dec Kaiser dem Reit' und Fahrverein Verbesserung dec Reitwege im Taunus einen deutenden Beitrag überwiesen. Außerdem erhielt Bausuhrec Granig aus Frankfurt a. M., welcher in diesem Jahre neu angelegte Schloßwasserleitung aussichtigte, eine goldene Vorstecknadel.

zur

be- dec die be-

Teuerung in Posen. Mit Rücksicht auf die in Posen herrschende Teuerung reisen dec Posenec Oberbürgermeister Witting und dec Stadtverord- netenvorstehcr Justizrat Dr. Lewingck nach Berlin, um bei beni Landlvirtschaftsminister von Podbielski wegen Oeffnung dec russischen Grenze für 1500 geschlachtete Schweine zu pctitioniceu. Beide Herren werden vom Minister empfangen. In Posen ist ein Bäckerstreik proklamirt worden. Da eine Einigung zwischen den Meistern und Gesellen über die Forderungen der letzteren nicht zu Stande gekommen ist, werden die Gesellen am Dienstag in Ausstand treten. Die Mili­tärverwaltung stellt denjenigen Meistern, die Lieferungen ic sie übernommen haben, sofort 400 Mann zur Vec- sügung. ___________

Pangermanistische Bestrebungen.

Birliu, 25. Aug. DasB. T." meldet aus C h ri st i a n i a: Björnson publiziert in dem Christianiee Aftenblated eine nachdrückliche Empfehlung der An­nahme des Vorschlages einer permanenten Neutralisierung dec nordischen Länder. Wäre dies früher geschehen, jagt Björnson, so hätte es für Deutschland keine Eile gehabt, die dänische Sprache in Nordschleswig zu unter­drücken und auch für Rußland keine Eile, in Finnland die finnische Sprache zu unterdrücken. Björnson moti­viert den Artikel damit, daß er gehört habe, man wolle in Dänemark Unterschriften für eine Versöhnungspolitik sammeln. Björnson sagt, er erblicke in diesem Drange mit dem deutschen Volke sich auszusprechen eine Trieb­kraft für die Zukunft und den Pangermanismus, denn darin liegt die Zukunft.

In eigener Sache Richter.

Roman von L. H a i d ü e i m.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Die ganze Gegend sei in Aufruhr; der gesamte Adel, das Metz, was etwa davon auf den Gütern noch vorhanden war, oder vorüber huschte, um wenigstens mal nach der Ordnung empöre sich gegen den Frencken, an dessen Lknt doch niemand zweifeln könne, auch wenn er keinen Aweis hätte, als seine Aehnlichkeit mit dem innerlich und äußerlich. .

Burkard auch gleich ein Stückchen erzählen ÄSSAur»

sJKS

Der Kaplan von Klaino Hai es von feinTÄmtè^

^.brieflich erfahren. Es hat^in T^lacheL

Städtchen gelagert, m einem größeren Posthof soll dZs Feun ausgebwchen teui - Natürlich in solcher Kriegszeit

Die Depots bringt man wohl zuerst in Sicherheit und gar derartig wichtige', meinte Burkard ungläubig.Mir ist überhaupt letzt ganz unklar, ob ein Testament Großvaters Gültiâ- sein Recht^ordert "^ ° $ ^ vorausgesetzte Majoratserbe lebend ... .«Mir ist's recht, wenn's einen Prozeß giebt, der bis zum iMsten Tage dauert. DerErbonkel" hat wegen ie§ Majorats fdjon Schutte gethan. Was aber mit den Wazlaw's werden c^.Nepomuk giebt sicher nur, was er geben muß/ Das sah in der That sehr schlimm aus.

cm ^ 6erne hätte Burkard gebeten: Erzähle mir von ^er wie konnte er das? Marias Namen durfte der ^^ ^Enette Mertoni selbst vor einem Mann von hi&nPLn»^ ^^Ä^? ^ft nicht aussprechen, ohne sich machen O^^uuber einer Respektwidrigkeit gegen Maria schuldig zu nahm^r^^nfÄ^L ^^ in diesem Gedanken! Uebrigens ^Ä^mik^?Äiummelung mit gewohntem Leichtsinn, gethan ^kann ick ia^spid^ lebenslang nichts vernünftiges gethan, kann ich za leider nicht leugnen und mir ist sehr zweitel-

Leipzig, 24. Aug. Die Burengenerale Dewet und Delaly werden im September in Berlin eintreffen. Der Burenhilssbund wird den Generalen beim Eintreffen einen Festabend geben und ihnen einen großen Fonds zu Unterstützungszwecken überreichen.

Straßburg, 23. Aug. Sieben klerikale Reichstagsab- geordnele erlassen nachstehende Erklärungen:Die unter­zeichneten katholischen Abgeordneten der elsaß-lothringischen Gruppe im Reichstage legen energische Verwahrung ein gegen die Verungklimpsungen und Verdächtigungen, welche gegen sie, insbesondere aber gegen die Herren Winterer und Weterle gerichtet wurden. Sie können die ungewöhnliche Schärfe, mit welcher gegen sie von derKölnischen Volkszeitung" vorgegangen wurde, nur auf eine völlige Unkenntnis und Verkennung der elsaß lothringischen Verhältnisse zurückführen. Darüber, was die elsaß-lothringischen Abgeordneten infolge der letzten politischen Ereignisse zu thun und zu unterlassen haben, sind sie sich nach reiflichen Besprechungen im Klaren und es hätte dieses gehässigen Vorgehens nicht bedurft, um sie hierüber zu belehren. Die Mit und Weise, wie dies ge­schah, ist höchst bedauerlich und wir befürchten, daß dadurch dem Frieden nach Einigung und Organisation aller Katho­liken in Elsaß-Lothringen mehr Schaden zugefügt wurde, als Nutzen und die Verantwortung werden die Urheber dieser Hetze zu tragen haben. Dann folgten die Namen der Ab­geordneten Delsor, Hauß, Küchly, Merot, Pierson, Röllinger und Vonderscherr.

Wien, 24. Aug. Die Wiener Arbeiter-Zeitung ver-- öffentlrcht ein ihr aus Rußland zugesandtes Circular der Bischöfe von Tambow und Sztatzk, an die Priester, in welchem darauf hingewiesen wiesen wird, daß in der letzten Zeit besonders im Gouvernement Charkow sich unter den Zöglingen der Seminare geheime Verbindungen bemerk­bar machen, welche unter der Jugend Verwirrung anrichten und eine Unterbrechung der regelrechten Thätigkeit hervorzu­rufen geeignet sind. Die Vorgesetzten werden aufgefordert gegen die revolutionäre Bewegung einzuschreiten, weil die Regierung unnachsichtlich entschlossen sei, strenge gegen die regierungsfeindlichen Agitatoren vorzugehen.

Paris, 24. August. In Avignon hat der frühere Justizministec Guerin dem Abgeordneten Bernard wegen Beleidigung in einem offenen Briefe seine Zeugen gesandt. In dem Briefe hieß es, der frühere Justizministec hätte Beziehungen mit der Schwindlerin Humbert unterhalten.

Paris, 24. Algust. Delcassö empfing gestern

Haft, ob ich je in Zukunft was besseres damit gethan hätte. Jetzt giebt der Staat mir für mein bißchen Munitionlragen eine Pension; man wird mich hoffentlich dekorieren und mit dem interessanten Air eines verdienten Invaliden bin ich betreffs einer guten Partie gar nicht mehr so hoffnungslos wie vor dem Kriege, 's ist doch was Schönes um den Troff der Dummen und Ein- fälttgen."

Während Joseph in seiner leichtfertigen Art neben dem Lager Burkards saß, spielte sich in einem der anderen für die Kranken eingeräumten Gebäude es war die Orangerie von Klaino ein ergreifender Trauerakt ab, wie er freilich hier oft genug vorkam, nur daß in diesem Falle das Mitleid aller sonst schon so abgestumpften Krankenwärter und Aerzte durch die besondere Schwere des Falles erregt wurde.

Ein blutjunger Offizier, seiner Eltern einzig übriggebliebenes Kind, dem eine ganze Reihe von Geschwistern in den Tod voran- aegangen, hatte unter unsäglichen Leiden und im wütenduen Kamps gegen den großen Würger Tod, in den Armen der Mutter sein Leben ausgehaucht. _

Und mitten im fürchterlichsten Paroxismus von Schmerz und Lebenssehnsucht hatte der Sterbende immer wieder mit feinen eisigkalten Händen die einer blutjungen Pflegerin gepreßt, die ihn, seit er hier war, wie eine zärtliche Schwester umsorgte, und seine Eltern gebeten:Laßt sie Euer Kind sein! Laßt sie bei Euch bleiben, dankt ihr, was sie Eurem Sohn gethan!"

Der Unglückliche ließ sie nicht von sich bis er ausgelitten. Vater, Mutter, Eure Tochter", war sein letztes Wort gewesen; sein brechender Blick ging noch zwischen Maria und den ganz vemichteten Eltern hin und her. , ,

Und als das arme junge Herz des Tapferen dann still stand, da war seine Mutter bewußtlos in Marias Arme gesunken, als sei nirgend anders für sie noch der rechte Plav. .

Wer Maria war, wußten Herr und Frau Sordegm nicht und sie wieder hatte selbst ihren Namen bis zu dieser Mumte nicht gehört, oder ihn nicht beachtet in der aufreibenden Kriege und Wartung dieses Unglücklichen, dem eine Kugel in das Schulter­gelenk gedrungen und nicht zu entfernen war.

Verlassen Sie uns nicht, Schwester Mana, thun Sie mir s Nicht an, daß Sie miet) mir meiner armen orau allem retten lassen! Gottes Segen wird Ihneni nicht ausbleiben mr alles was Sie uns in uni crem Sohiie gethan, ^t des ^lte

Er bat so stehend und die Frau war so. Domg gebrochen - allein reisen konnten die armen Menschen wirklich nidu Diana

den Premierminister von Kanada, Laurier, mit dem er eine lange Unterredung hatte. Morgen über 8 Tage finbet ein großes Diner zu Ehren des Premier­ministers statt.

~ Paß verweigert. Wie verlautet, wurde dem Grafen Tolstoi, dec sich nach Bukarest begeben sollte, von den Behörden die Ausfolgung eines Passes ver- weigert.

Petersburg, 24. Aug. Der Prozeß gegen die Anstifter der B auern Unruhen in den Gouvernement- Charkow und Pultawa beginnt in der ersten Hälfte des nächsten Monats vor einem außerordentlichen Gerichtshof. Angeklagt sind mehrere 100 Personen.

Giessener Cagesneuigkeiten.

** Ernennungen. Der Großherzog hat den Bureau­gehilfen Wilhelm Bechtold aus Rainrod zum KreiS- amtsgehilfen bei dem Kreisamt Gießen und zum Gehilfen bei der Provinzialdirektion Oberhessen, den Bureaugehilsen Georg Ewald aus Groß-Gerau zum KreiSamtsgehilsen bei dem Kreisamt Büdingen mit Wirkung vom 1. September ernannt.

** Militärnachricht. Berger, Leutnant der Reserve deS Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm Nr. 116 (Offenburg) wurde der Abschied bewilligt.

** Das neue Gesetz über die Handelskammer ist erschienen. Das Gebiet des GroßherzogtumS Hessen wird danach in sieben Handelskammerbezirke eingeteilt. Die Handelskammer Darmstadt umfaßt die Kreise Darmstadt, Groß-Gerau, Erbach, Bensheim, Heppenheim mit Ausnahme der Bezirke der Gemeinden Lampertheim, Biemheim, Lorsch, BibliS, Bürstadt, Bolestadt, Hofheim, Wattenheim und Nord­heim (die der Handelskammer WormS zugeteilt wurden), die Handelskammer Offenbach umfaßt die Kreise Offenbach und Dieburg, Gießen die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach, Friedberg die Kreise Fried­berg, Büdingen und Schotten, Bingen die Kreise Bingen und Alzey, WormS den KceiS WormS, sowie die oben bezeichneten in der Provinz Starkenburg gelegenen Ge­meinden und die Handelskammer Mainz die Kreise Mainz und Oppenheim. Der Artikel 1 deS Gesetzes besagt, daß die Handelskammern die Bestimmung haben, die Gesamt­interessen deS Handels, der Industrie und deS Verkehr-- wesens ihres Bezirkes wahrzunehmen, insbesondere die Be­hörden in der Förderung der genannten Erwerbszweige durch thatsächliche Mitteilungen, Erstattung von Gutachten und

aber hatte nicht ohne Grund, sich seit Tagen schon ganz in die Orangerie zurückgezogen gehabt..

Sie wollte Burkard nicht Wiedersehen. Es war ihr unmöglich! Ihn - den Freund der Lenette Bertoni! Und wie eine Himmels­fügung schien es ihr, daß der junge schwerleidende und rettungslos Dem Tode verfallene Offizier ihre Akühewaltungen so ganz und gar in Anspruch nahm. t m , . _

So kam alles eins aus dem. anderen. Burkards Mutter hatte ihr eines Tages gesagt: Wir erkennen Gott nicht in der Stunde der Begegnung, aber wenn er vorüber gegangen, dann wissen wir plötzlich: Es war der Herr mit seinem Segen!

Das Wort fiel ihr wieder ein.

Der Herr mit seinem Segen war ihr begegnet, so wollte sie 68 "'und'was hielt sie denn hier auch? Muhte sie nicht Gott danken, daß er ihr den Weg zeigte, den sie gehen sollte..

Mit wenig Worten hatten sie und Herr Sordegm sich ver- ^â^^Jhm hallte das Schmerzgestöhn seines letzten.Kindes noch viel zu laut durch das zerrissene Herz, als daß Manaskuye wahrheitsgetreue Auskunft über sich selbst ihm Eindruck gemacht, oder einer der ihm ganz ftemden vornehmen Namen ihm auch

S^atfadje A^^itenden Arzte konnte er nichl^^e^andeln derselbe war nicht in Klaino, der junge Assistenzarzt verttat denselben und

Lm" Abenddu^ eine Kutsche dem Leichenwagen - und Maria verließ Klaino.

Der September war gekommen, unlängst hatte das feind­liche Heer Böhmens Fluren geräumt; schon beeiferte sich das aufatmende Volk die Spuren der Knegsareuel zu vergessen, indem es auf. den ^chlachfteldern wieder fnedliche Arbeit des Landmanns trieb.

Schloß Klmno war geräumt worden, stand aber noch al- verlassenes Lazarett da und wessen Hand es zu ordnen das Recht haben würde, das war setzt die Frage, deren Beantwortung näher rückte und um so brennender wurde, als derAfrikaner" mit der ganzen rücksichtslosen Herrschsucht und dem despotischen Eigen­willen seines Vaters sich in den Besitz des ganzen zu setzen versuchte.

Fortsetzung im zweiten Blatt.)