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Nr. 170.

Zweites Blatt

Freitag, den 25. Juli 1902.

11. Jahrgang.

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AbounementSpreis : in Gießen, abgehott monatlich 50 Pfg , in's HauS gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mk. 1 50.

«ratiSbktlagr» : Cbet6effif«e ffamilie»r'ttu»q kläglich) Cbetbrfnfd)« 3<itf»rift für 2"b«trts»-ft. Qbft-u»d Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblase« (wöchentlich). DaS Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

InsertionSpreiS: Die einspaltige Petitzeile für Gießen, wie ganz Cberbessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Eppeditton: Gießen Neuenweg 2 8. Fernsprechanschluß Rr, »62.

(Gießener Gagevkatt)

Anaöyängige Tageszeitung

(Lietzener Aeilung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg uud Wetzlar; Lokalanzeiaer für Gießen uud Nuluebuna

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei (gegr- 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

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Das 6. deutsche Längerbundesfest

wird Dom 26. Juli bis 30. Juli in Graz abge­halten Aus allen Teilen Deutschlands, oder besser: von überall her,wo die deutsche Zunge klingt", aus Schwaben und auch Tirol, aus Bayern und Franken, aus Königsberg und Reval im Nordosten, aus Triest und Pola im Süden, aus Bukarest, Azuge, Pitesti und Ploest brechen die Teilnehmer zum Fest auf. zDie Steiermark stellt die stärkste Schar: 78 Vereine mit 1799 Sängern- Den zweitnächsten Platz nimmt Nieder­österreich ein, das 100 Vereine mit 1494 Sängern schickt. Aach Den Niederöstecreichern und Steirern summen die Franken mit 66 Vereinen und 855 Sängern, die Bayern mit 41 Vereinen und 609 Sängern. Die Deutschen Böhmens stellen 61 Vereine mit 597 Sängern und so weiter.

Eine kräftige Idee hat ste alle in Bewegung ge­bracht. Es ist dec Kecnsatz der Statuten des deutschen Sängerbundes:

Durch die dem deutschen Liede innewohnende einigende Kraft die nationale Zusammengehörigkeit der deutschen Stämme zu stärken und an der Einheit und Macht des Vaterlandes mitzuarbeiten.

Daß dieser Satz nicht bloße Phrase ist, geht ge­rade wieder aus dem sechsten Bundesfest hervor. Die reichliche Beschickung beweist es ebenso wie die That­sache, daß selbst aus England und Amerika Ab­ordnungen eintreffen und die auf Cylon gefangenen Buren eine geradezu rührende Kundgebung nach Graz gelangen ließen.

Mittlerweile rüstet Graz auss angelegentlichste. Die große Sängerhalle hat Raum für 7500 Sänger und 8000 Zuhörer. Die Halle ist in geradezu kolossalen Dimensionen angelegt. Ihre Spannweite ist 50 Meter, ihre Länge 96 Meter, ihre Höhe 21?I2 Meter. Ungefähr 54 Thüren führen unmittelbar ins Freie, so daß selbst bei stärkstem Besuch die die Entleerung des Raumes rasch vor sich geht.

In dieserteuren Halle" wird also der große Sänger­krieg stattfinden. Indessen wird er ganz friedlich verlausen und den einzelnen streitbaren Gruppen nur moralische Preise bringen, da einWettsingen" ausdrücklich ausgeschlossen ist.

Dle Festordnung ist die folgende:

Samstag den 26. Juli: Festliche Empfänge auf dem Grazer Südbahnhose. 9 Uhr abends: Begrüßung in der Sängerhalle. Sonntag den 27. Juli, 9 Uhr vormittags: Gefamipcobe (Sängerhalle), 2 Uhr nachmittags: Festzug. Anschließend ein Parksest in den Anlagen der Jndustriehalle. 9 Uhr abends: Kommers in der Sängerhalle. Montag den 28. Juli, 9 Uhr vormittags: Gesamtprobe (Sängerhalle). 7 Uhr abends: Erstes Konzert, dann Kommers in der Sänger­halle. Dienstag den 29. Juli, 9 Uhr vormittags: Gesamt­

probe (Sängerhalle). 5 Uhr nachmittags: Zweites Konzert. 9 Uhr abends Kommers in der Sängerhalle. Mittwoch den 30. Juli: Besichtigungen und Ausflüge. 9 Uhr abends: Abschiedskommers in der Sängerhalle.

Das Programm der beiden Hauptaufführungen ist folgendes:

I. Hauptaufführung am Montag, den 28. Juli d. J.:

1) Orchestervortrag. 2) Gesamtchor, Dirigent Eduard Kremser (Wien):Dem Vaterlande" von Hugo Wolf. 3) Gesamtchor, Dirigent Gustav Wohlgemuth (Leipzig): Morgen im Wald" von Friedrich Hogar. 4) a) Einzel- Doitrag des Deutschen Sängerbundes in BöhmenGoten- treue von Hans Wagner. b) Einzelvortrag des Nieder- österreichischen Sängerbundes:Mahnruf von Reinhold Becker.

Die zweite Hauptaufführung am 29. Juli hat folgen­des Programm:

1) Orchestervortrag. 2) Gesamtchor, Dirigent G. Wohl­gemuth:Hügel fallen, Berge weichen" von R. Müller. 3) Einzelvortrag desStuttgarter Liederkcanz"Kaiser Karl in der Johannisnacht von Friedrich Hegar. 4. Gesamtchöre: a.Waldesweise" von E. S. Engelsberg (Dirigent E. Krem­ser); b.'s Herz" von Fr. Silcher (Dirigent V. Ortner). 5) Einzelvortrag desPreußischen Provinzial-Sängerbundes"; c) Einzelvortrag des Wiener Männergesangvereins:Nur wer die Sehnsucht kennt" von Franz Schubert 5) Gesamt- chor, Dirigent Vinzeuz Ortner (Graz),König Sigurds Brautfahrt" von Heinrich Zöllner. 6) Einzelvortrag des Königsberger SängervereinesSommernacht" von Wilhelm Berger, b) Einzelvortrag desSchubertbund", Rudolph v. Wecdenberg" von Friedrich Hogar. c) Einzelvortrag des Kärntner Sängerbundes, zwei Kärntnerlieder. 7) Gesamt­chor, Dirigent Gustav Wohlgemuth,Landesknechtlied" von Wilhelm Kienzl. 8) Gesamtchöre: a)Untreue von Fr. Silcher (Dirigent V. Ortner), b)Mägdelein hab' acht" von Wohlgemuth (Dirigent G. Wohlgemuth). 9) Gesamt­chor, Dirigent V. Ortner:An die Sonne" von I. C. Brambach. Io) Orchfftervortrag: 11) Gesamtchor, Dirigent Ed. Kremser:Das Liebesmahl der Apostel" v. R. Wagner. Hymne an das Feuer" von Marx Zengec. 6) Gesamtchor. Dirigent E. Kremser:Prinz Eugen" von E. Kremser. 7) Orchestervortrag. 8) Gesamtchöre: a.Abschied" von Ad, Kirchl (Dirigent E. Kremser); b.Fahrende Leut" von H. Jüngst (Dirigent V. Ortner). 9. Einzelvortrag des Fränk­ischen Sängerbundes,Frühling am Rhein" von Simon Breu. 10) Gesamtchöre: a.Ave Maria" von J. E. Schmölzec (Dirigent G. Wohlgemuth); b.Greteleien" von Rudolf Wagner (Dirigent V. Ortner). 11) Einzelvortrag des Schwäbischen Sängerbundes: Zwei schwäbische Volks­lieder. 12) Gesamtchor (Dirigent G. Wohlgemuth)Fried­rich Rotbart" von Theodor Podbertsky.

Die Uebergabe des Banners des deutschen Sängerbundes

Der Bürgermeister von Bloemsontem in Berlin.

Eine sehr interessante Persönlichkeit ist in Berlin eingetroffen: Herr Dr. med. B. O. Kellner, der Bürger­meister von Bloemfontein, der als solcher während des südafrikanischen Sieges in die Lage kam, die Schlüssel der Hauptstadt des Oranjefreistaates an Lord Roberts zu übergeben, und der auch jetzt noch, unter englischer Herrschaft, das Stadtoberhaupt von Bloemfontein ist. Dr. Kellner hat gestern einen Mitarbeitec desL.-A." empfangen und ihm sehr bemerkenswerte Aufschlüsse über den Burenkrieg und die Persönlichkeiten gegeben, die in dieser Zeit besonders hervorgetreten sind, so über die Präsidenten Krüger und Steijn, Cecil Rhodes, Lord Roberts und Kitchener, Dewet u. A. mehr. Es heißt in dem Bericht u. A.:

Dr. Kellner zählt jetzt 63 Jahre; er ist ein Charlotten­burger Kind und macht so recht den Eindruck eines klugen und liebenswürdigen deutschen Arztes. Ich be­fragte ihn zunächst über die Stellung, die er selbst zu den Kriegseceignissen eingenommen habe.Ich war mit vollem Herzen auf Seiten dec Buren," antwortete ec freimütig,als dec Krieg ausgebrochen war. Aber ich hatte vorher stets eindringlich vor dem Krieg ge­warnt. Doch die Buren wollten nicht hören. Sie würden " ^^zeugt, daß sie die Engländer schlagen

Was halten Sie vom Präsidenten Steijn?"

Stelen ist kein kluger Kopf. Ich hatte ihm meine Stimme auch nicht gegeben. Ec ließ sich völlig von beherrschen. Das sahen seine Freunde als eine nu ^ cnÖ ^"-^üger und Steijn gehören zusammen wie Kopf und Mutze!" sagten sie.Sehr wohl," ent-

gegneten wir,nur ist Krüger der Kopf und Steijn die Mütze!"

Und firüger selbst?"

Ein halsstarriger Mann, der unter allen Um-

ständen Präsident bleiben wollte. Er hätte bleiben, Südafrika hätte selbständig werden wäre er Cecil Rhodes gefolgt."

Wie? Cecil Rhodes?"

Dr. Kellner lachte hell auf.Freilich! Sie wirklich, daß Rhodes dec Patriot war,

es auch können,

Meinen der nur

an Englands Größe dachte? Zunächst wollte er Herr von Südafrika werden, ob als König oder Präsident sei dahingestellt. Um sich in den Sattel zu schwingen, brauchte ec vor allem Transvaal. So knüpfte er mit Krüger an, der wohl wußte, daß ec von England alles zn befürchten und nichts zu erhoffen hatte. Wie aber Rhodes eines Tages wieder nach Pretoria kommt, um über seine Pläne weiter zu beraten, trifft er Ohm Paul mit dec Bibel unterm Acm auf dec Straße. Jetzt muß ich zur Kirche!" knurrt ec in seiner rauhen, wenig manierlichen Art Cecil Rhodes an und läßt ihn wie einen dummen Jungen stehen. Von dem Augenblick an erkannte Rhodes, daß mit diesem Mann nichts zu unternehmen sei, und nun sollte England Die beiden Republiken erhalten." .

Und wird der nunmehrige Ausgang der Tinge gut füc die annektierten Staaten sein?" s

Zweifellos! Mit England sind Freiheit und Fortschritt. Alle seine Kolonien blühen, und auch Transvaal und Oranje-Freistaat gehen "ner guten Zukunft entgegen. In Bloemfontein z. B. hat man auch bereits das bestimmte Gefühl dafür. Klinge meiner Liegenschaften kann ich dort um einen vielfach

an die Stadt Graz erfolgt beim Begrüßung-abend am 26. Juli.

An dem Sängerfest werden im ganzen 1101 Vereine mit 11,476 Sängern teilnehmen, außerdem werden ca. 80,000 Fremde erwartet in einer Stadt, die selbst 140,000 Be­wohner zählt.

Selbstverständlich trifft auch der Gesamtausschuß des deutschen Sängerbundes, sozusagen der Generalstab des Festes, ein.

Wie eine schöne Frau, die sich zu einem besonderen Besuch toilettiert, rüstet und putzt sich jetzt die urbs gratiarum an allen Ecken und Enden. Die Firmen und- Straßentafeln wurden auf ihre Orthographie hin revi­diert, und auf den großen Standplätzen erheben sich Riesentribünen. Der Festzug wird in seiner Art ein glänzendes Schauspiel sein. Ec wird von 63 Gruppen gebildet. Ec mußte wegen seiner kollossalen Ausdehn­ung strategisch entworfen werden. Die Anmarsch­linie umfaßt ein ganzes Stadtviertel. Er weicht darum von der üblichen Festparade ab, weil Allegorien fast ganz ausgeschlossen sind, es soll vielmehr eine Art ethnographischen Bildes aufgerollt und das deutsche Volksleben in seinen verschiedenen Erscheinungen und Varianten dargestellt werden. So marschiert denn an der Spitze ein bayrisches Trompetercorps; dann kommen 15 Festwagen, die vollständige Almwirtschaften enthalten, andere, die eine Gebirgsmühle darstellen; Schießwägcn bringen frisch geschossenes Wild, von Jägern und einer Meute umgeben. Musikwagen folgen mit steirischen Musikkapellen, dazwischen sieht man HochzeitS- züge, Costümscenen ?cv kurz: der Festzug ist etn Aus­schnitt aus dem deutschen Volksleben, ein Bild von plastischer Wirklichkeit.

Der Teilnehmer am Festzuge harrt eine hübsche Uebecraschunq. Graz ist zu einer Blumenstadt geworden. Nicht etwa zarte Rosen und liebliche Veilchen werden zum Sängergruß für den Festzug verwendet werden. Die Berge liefern einen selten Schmuck, und als Wurf­bouquets werden Edelweiß-Sträußchen und Alpenblumen verwendet werden.

Nach dem Rumor der Festkonzerte und Kommerse wird man den Gästen das Schönste zeigen, was die Steiermark besitzt, ihre Gebirgswelt. Mittwoch, den 30. Juli beginnt dec große Ausflug in die Obec- steiecmark (über den Eczbecg zum Leopoldsteinec See), dann die Fahrt nach Admont, St. Gallen und Aussee. Außerdem giebt die Rosegger-Gesellschaft am 31. Juli auf dec Pretulalpe bei Mürzzuschlag ein großes Volksfest und von allen anderen Gelegenheitsaus­flügen abgesehen. Ueberall haben die Eisenbahnen Fahctbegünstigungen gewährt und die Oestecr. Süd­höheren Preis verkaufen, als sie vor fünf Jahren be­wertet waren. Abec ich verkaufe nichts, weil sie noch höheren Preis bringen werden." .

Wir sprachen von den Fühcern des Kleinkrieges, und ich bemerkte, daß Dewet im Mittelpunkt unseres Interesses gestanden habe.

Ich teile die Bewunderung", meinte Dr. Keller, die dieser kühnste aller Führer bei Freund und Feind erweckt hat. Aber um so mehc wird eS Sie über­raschen zu hören, daß dieser Mann, der als Soldat die Personifikation des schnellen Zugreifens und unbedenk­lichen Vocwärtsdringens bildete, als Politiker der stock­konservativste Bauer war. So gehörte ec im Volksraad zu der Partei, die, weil sie jeden Fortschcitt bekämpfte, decHemmschuh" genannt wurde, und er hat mit aller Macht sich dagegen erklärt, daß der Freistaat Eisenbahnen erhalten sollte. Dann kämen die Fremden und oie Engländer, meinte er. Und jetzt will das neue Gouvernement 30 Millionen Mark für die Ausgestaltung unseres Bahnnetzes aufwenden! Andere Herren sind gekommen, und sie bringen uns andere und hoffentlich auch für die Buren glückliche Zeiten!"

Und nun jum Schluß noch eine Frage, Herr Doktor: Mußten die Buren jetzt Frieden machen?"

Ja sie mußten! Der einzelne zeigte es zuletzt in seiner Erscheinung, daß es mit der Gesammtheit zu Ende gehe. Die eingebrachten Gefangenen boten ein Bild, das herzlichstes Mitleid erregte. Die Kleidung zerrissen, die Gestalten abgemagert so kamen sie todtmüde und traurig an. Proviant und Munition waren zur Neige gegangen. Von allen Seiten umstellt und gehetzt, mußten sie Frieden machen. Das Spiel wac aus!"