Einzelbild herunterladen
 

Wr. 248

Zweites Blatt

Freitag, den 24. Oktober 1902.

11. Jahrgang

«bo«2em<RtSpre1S : in Gießen, abgeholt monatlich 50 ^Pfg, staut gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertel- jährlich Mk. 1 50.

«^-vr,I-«e» : ov.'d'M-b' ^"'"'^''^^âaUA Che r&rfHfmr 8dtfd>rift für V°»»wirlsch-f», *?brt- u«B *«U.K 2eif.-Hbl.il n wod.en.lid».

x -jihiu erd CH t an eilte Wrrtlagcn nadjmtttag«.

J»sertto»Sprei 5t Die einspaltige Petttzeile für Gießen wie flam Oberbefsen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.,- R-kl-me» die Petttzeile 30 resp. 40 Pfg.

PoftzeiwngSlifte No. 3032.

Redaktion und ßrvedition: (Ziehen Neuenweg 28.

t>cmfprcd)o*fd)ln^ Nr. 362.

:

e Nachrichten

(Gießener Hagevtatt)

Unabhängige Tageszeitung

(Hießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großherzog'ichen Bürgermeisterei Gießen.

rösster

rendes

e Aamtüevwohnuag h i t iu Demi ten. * M. Tielenweg Nr.

Inserent Neubau Wllhel« /2 haben wir elt.iari jüfâohouvge» fr immtrn mit ben ftbonitfi origen per sofort auch fp^ eten. Desgl. per Cftofa lud) früher in unser« en Wmftr. 8 u W âye 4, 5, 6 u. L3«n!

tenitod u. W^ _

ie Wohnung. 2 3« bst Kücke, sofort in vm ^Mlltborstraße^^ ubis« L-z- an H-m â

Hus Renen und naebbargebieten.

♦♦ In Gambach geriet der Sohn des Dresch- makLmcnb.sitzccs Zeiß in die im Gang befindliche Dreschmaschine. Er wurde schwer verletzt tn die Klinik nach Gießen gebracht.

♦♦ Stockhliusen (Kr. Lauterbach), 21. Okt. Heute Nachmittag ereignete sich in der Freiherr!. Riedesel'schen Schlagmüyle dahier ein höchst bedauerlicher Unfall. Der etwa 8 Jahre alte Sohn des Schlagmüllers Fischer hielt sich während der Abwesenheit seines Vaters in der Mühle auf. In ferner Unvorsichtigkeit wurde er von einem Kammrade erfaßt und vollständig zerquetscht, so daß dec Tod nach einigen Augenblicken eintrat.

** Romrod. Vergangenen Samstag hat Herr Pfarrer dtlingenschmidt unsere Gemeinde verlassen und ist nach keinem neuen Wirkungskreise, nach Alsheim, übec- sesiedelt. Sein Weggang wird hier allgemein tief be­dauert, hatte es doch der Scheidende während seiner mehr als 12jährigen Wirksamkeit verstanden, sich die Zuneigung und das Vertrauen dec Gemeinde in hohem Maße zu erwerben, so daß das gegenseitige harmonische Verhältnis geradezu ein ideales genannt zu werden verdient.

** Schotten. Die gestrige Einweihung unseres Rat Hauses gestaltete sich zu einer schönen Feier. Nachdem am Vormittag durch Herrn Regierungsbau­meister Jost, der den Umbau des Rathauses entworfen und die Arbeiten geleitet hat, dem Herrn Bürgermeister Kromm den Schlüssel überreicht worden und dieser ihn mit entsprechender Ansprache übernommen, fand im Nathaussaale für die geladenen Ehrengäste, von denen die Herren Geh. Oberbaurat Hofmann, Kreiscat Geh.. Negiecungsrat Schönfeld und Bürgermeister Sand- manu.Friedbecg erschienen waren, und die Mitglieder des Stadtvorstandes, anschließend an die Besichtigung der schönen Räume ein Frühstück statt. In den Nach­mittagsstunden wurde das Rathaus zu allgemeiner Besichtigung offen gehalten. Das restaurierte und ver­größerte Rathaus, ein Juwel der mittelalter! chen Fachwerksbaukuttst, macht sowohl von außen als im Innern einen äußerst gediegenen und befriedigenden Eindruck.

Im LandtagswahlkceiseAlsfeld haben die Freisinnigen den Rechtsanwalt und Notar Reh als Kandidaten aufgestellt.

** Grünberg. Die Landtagswahl naht bald ihrer Entscheidung und noch immer scheint sich die nationallibcrale Partei nicht über die Persönlichkeit ihres Kandidaten geeinigt zu haben. Herr Moll lehnte am Donnerstag unerwartet ab, Apotheker Welker- Allendorf a. d. Lumda, an den man sich alsdann wandte, dankte ebenfalls. Nun will man Kaufmann Ranft von hier aufstellen und auch Herr Moll soll wieder geneigt sein, die Kandidatur anzunehmen. Die Antisemiten setzen ihre Agitation energisch fort; es sprachen in den letzten Tagen im Wahlkreis: Köhler- Langsdorf, Wolf-Stadecken, Hirschel und Reuther-Offen­bach. Kaufmann Ranft ist Vorsitzender des Kcieger- Vereins-Bezirks Grünberg.

** Butzbach, 22. Okt. Auf dem heutigen Wochen­markt kostete Butter per Pfd. 1.200 00 Mk., Käse per Pfd. 42-45 Pfg., Eier 1 Stück 8 Pfg.

** Homburg v. d. H, 22. Okt. Am Elisabeth­brunnen im Kurpark wurde gestern das Modell des vom Kaiser dec Stadt Homburg geschenkten Landgrafen- Denkmals zur Probe aufgestellt. Das Denkmal hat eine Höhe von 9 Metern und besteht aus einem auf einem Sockel und 3 Stufen ruhenden, aus rötlichem Granit behauenen, quadratförmigen Obelisk, an dem die Bildnisse und Namen der Landgrafen von Hessen- Homburg, darunter auch derjenige des Großheczogs Ludwig HL von Hessen angebracht sind.

** Seit Dienstag wird im Frankfurter Hauptpost­gebäude von Vertretern deutscher Postämter über den Weihnachts-Postverkehr auf der Eisenbahn be­raten. Bekanntlich ist schon seit längerer Zeit die Ein­führung von Postsondeczügen während der Weihnachts­zeit in Aussicht genommen. Heute Donnerstag wird die entscheidende Sitzung abgehalten, zu der auch der Chef des Reichspostamts erwartet wird.

Frauksart a. M, 22. Okt. Von der Strafkammec wurden heute dec Schuhmachec Herzog und seine Ehe­frau geb. Höhl zu je 6 Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie ihrer 19jährigen Tochter Gelegenheit zu unsitt­lichem Verkehr mit Herren gegeben haben.

** Zlegenberg. Forstverwalter Sommerlad ver­kaufte seine daselbst gelegene Bleierzmutung für 30 000 Mark an den Kommerzienrat Richard Passavant in Frankfurt a. jc.

** Darmstadt. Zchn ausgemusterte Lokomotiven der Maschinen-Juspektion Darmstadt sind zum Verkause aus­geboten. Angebote und Anfragen sind an die Eisenbahn- Direktron Mamz zu richten.

2* Darmstadt Zum Kommandeur der 21. Division an Stelle des zum Kommandierenden deS 8. Armeekorps er­nannten General v. Deines ist Generalmajor v Hagen, bisher Kommandeur der 2. Inf -Brigade, unter Beförderung zum Generalleutnant ernannt worden.

Bodenheim, 22. Okt. Das hiesige Pfarrhaus brannte in der vergangenen Nacht vollständig nieder. Das Mobiliar wurde gerettet, doch wurde die wertvolle Bibliothek ein Raub der Flammen. DaS Feuer soll dadurch entstanden sein, daß Akten, die am Schornstein aufgeschichtet lagen, in Brand gerieten.

** Alchafsendurg. 22. Okt. Im Laufe eines Wort­wechsels schoß der Mühlenbesitzerssohn Millenberg dahier den Schlosser Brasch eine Reoolveckugel tn den Unter- leib. Brasch ist an dec Verwundung jetzt im Spital gestorben.

** Bingen, 21. Oktober. Vor längerer Zeit fand, wie berichtet worden ist, auf dem Wege nach dem Rochusberg dieExplosioneinerPulverkammer statt, welche als Aufbewahrungsort für Pulver für die hiesige Handlung Bretz u. Huff diente. Wenn damals auch Niemand verunglückte, so entstand doch ein be­trächtlicher Schaden an den der Pulverkammer zunächst liegenden Gebäudlichkeiten. Nunmehr haben sich sämt­liche Geschädigte vereinigt und Entschädigungsklagen gegen den hessischen Staat, die Stadt Bingen und die Firma Bretz und Huff eingeleitet. Die geforderte Schadenersatzsumme beträgt 20 000 Mk.

** Auf der Ausstellung zu Düsseldorf er­hielten folgende Aussteller, bezw. Firmen aus dem Großherzogtum Hessen Auszeichnungen: Gruppe III Metallindustrie. Diplom zur silbernen Medaille: Gebrüder Heyne, Offenbach a. M. Friedrich Möller, Offenbach a. M. Diplom zur bronzenen Me­daille: Wilhelm Fredenhagen, Maschinenfabrik zu Offen­bach a. M. Gruppe IV. Maschinenwesen. Diplom zur goldenen Medaille: Collet & Engelhard, Offenbach a. M. Schmaltz, Gebr., Offenbach a. M. Diplom zur silbernen Medaille: Mayer & Schmidt, Schmirgelwerk, Schleis- maschinenfabcik, Eisengießerei, Offenbach a. M. Schmaltz, Friedrich, Offenbach a. M. Diplom zur bronzenen Medaille: Hau, Gebr., Maschinenfabrik, Bürgel. Nube, Kurt, Offenbach a. M. Gruppe VII. Chemische In­dustrie. Diplom zur bronzenen Medaille: Eisenach, Franz & Co , Offenbach a. M. Gruppe XL Galanterie- und Kurzwaacen-Jndustrie. Diplom zur goldenen Me­daille: Hinkel & d'Orville, Offenbach a. M. Diplom zur bronzenen Medaille: Weintraud L'.Co., Offenbach

tf>n m* Si°M"^ ' SSÄü 'odl. 8**

Dr. Rumseys Patient.

Roman von Dr. Kalifat und T. 2. Meade. Autorisierte Bearbeitung von C. Webner.

MKS

, M dreien. ^ M

. Sabine! .

1 1 mit Koü- n6 z' «w »>,.«*« ^

(Nachdruck derbsten)

-ich S!1 Aart rede, mußt Du mir versprechen, ^wemDceni chen ein Sterbenswörtchen von dem zu verraten, was ich Du mitteile.

Ich hasse solche Versprechen, Hetty."

«der"^ werde Wahnsinn^"" ^ "°"'" Ob" E! Versprich - iBanm'flÄ 3m ^in«>!" rief Frau Armitage unwillig, iw*w ?J^ Frau wie ich so quälen lassen, und not» dazu »°" einem so dummen Ding, wie Du es biftr

M %.

laute, Du und ich wir müssen ihm helfen, ihn retten1 Wir »ètinag es nichtl^"""'^ mittlnanbcr tragen, denn ich' allein

^hierher hatteFrau Armitage Hettvs sonderbare Art und für den Ausbruch eines histerischen und überreizten Habchens gehalten. Jetzt wurde ihr indes unbehaglich zu Mute unb aehenn^ fo Wichtiges zu sagen ^hast, Hetty, so sage es gehe nicht immer um den Berg herum, wart sie ein Ich Cmc °ute ^ortion Geduld, aber ich kann es nicht "ver- R^cn' wenn jemand wie bie Katze um den heißen Brei schleicht deinem @el)eimni« Du thörichtes Ding, ich iM^Th^iA^ Du hast gewiß irgend etwas gethan,

was Du nicht hattest thun dürfen, nicht wahr?

w.ch^ ts Derartiges, Tante. Da Du Schweigen gelobt

dem Ut.,. so will ich ân. Ich war gestern abend spät noch

^(e t^M^ »n Ä Fanny - und ich - ich war in der Nähe,

als der Mord begangen wurde!"

l^n- tu , Frau Armitages Herzschlag stockte, sie fuhr in jähem Ent­

setzen in Die Hohe.

nt. "^^W'9^ ^E' Ji 'tot Jie mit erstickter Stimme und fiel - Vu Ä »Du - Du warst dabei

wu warst nicht UV Bett a, Du Du

-7S-S.S LrrÄM

^ "stöni ((j

i-rve««"'?? c»"' «««£ V« &1L

Nein, ich war nicht im Bett. Ich hatte mich mit Herrn Franzius gezankt und nahm mir vor, ihm später zu folgen und ihn wieder gut zu machen. Ich ging nach der Ebene, dorthin hatte ich ihn laufen sehen. Ich kauerte mich hinter einen Busch und hörte und sah alles den Kampf die heftigen Worte den schweren Fall den grausigen Schrei und ich sah den Mann, der Herrn Franzins getötet, davoneilen."

Und von alledem hast Du bis jetzt keine Silbe erwähnt, Hetty!" sagte die Tante streng und verwundert zugleich.Der arme Herr Everett thut mir in der Seele leid. Ach, mein Gott! Wohin die wilden Leidenschaften solch verblendeter Menschen doch manchmal führen! Hu denken, daß zwei vornehme junge Herren hierher in unser ffiedliches Haus kommen und sich so weit hinreißen lassen, bis der eine den anderen erschlägt! Es ist zu schrecklich!"

Hetty, welche all' die Zeit über neben dem Stuhl der Tante gekniet hatte, erhob sich jetzt langsam. Ihr Gesicht sah leichenblaß aus, ihre Worte kamen abgebrochen, dumpf, hohl heraus wie eine Grabesstimme:

Es war nicht Herr Everett!" hauchte sie. ,

Guter Gott im Himmel!" rief die Tante, Hettys Hande in starrem Entsetzen fassend und krampfhaft umklammerndes war nicht Herr Everett? Wer denn sonst?"

Tante Fanny der Mann, der Herrn Franzius tötete, war Baron Robert von Audrey. Unser junger Herr, Tante! Ach, wenn ich für ihn sterben könnte! Kein Mensch darf bie Wahrheit erfahren niemals! Ich sah ihn heute abend ich lprach mit ihm er hat alles vergessen! Er' weiß nichts, garnichts mehr von dem schaurigen Vorgang in letzter Nacht er hat keine Ahnung von seiner furchtbaren That!"

Nach diesen Worten trat Totenstille in dem kleinen Raume ein.

Siebentes Kapitel.

...Setze Dich, Hetty, und laß uns nachdenken", sagte Frau Armitage nach einer Weile in ganz verändertem, müdem Done.

Ihr Wesen hatte sich wie mit einem Schlage umgemanbelt- sie ging auf den Fußspitzen zur Thür, um sich ^" überzeuge^ ob diese auch fest verschlossen fei; dann trat sie ans Fenster machte es zu und zog den Vorhang vor. Ihr Gesicht trug einen furcht­samen, verstörten Ausdruck. r, , ,

Wenn man Geheimnisse hat", flüsterte sie,mutz man lieb vor Lauschern sichern."

Dann zündete sie ein Licht an, stellte es auf den Tisch und setzte sich wieder auf ihren Stuhl. Sètty sah sie dabei nicht an.

Ihr war so eigentümlich zu Mute, als hätte sie selber den Mord begangen. Die Erkenntnis der schrecklichen Wahrheit machte einen so überwälttgenden Eindruck auf sie, daß es ihr unangenehm gewesen wäre, den Augen irgend eines Menschen tn diesem Moment zu begegnen. . . .

Tante Fanny, warum sprichst Du Nicht zu mir? fragte Hetty endlich leise. t t m

Bist Du wirklich ganz sicher, Kind, daß Du mir die Wahr- heit sagtest?" erwiderte diese. . , .,

Ja Tante - es ist die Wahrheit ist es denkbar, daß ich etwas so Furchtbares erfinden könnte?"

Nein, nein, Du hast recht", erwiderte die altere ^rau, ..aber ich weiß nicht, ob ich den Worten eines so flatterhaften Mädchens, wie Du es bist, Glauben schenken darf. Du mußt es beschworen

hatt Du eine Bibel hier?" c

O Tante, ich wünschte, Du erspartest nur ba

Höre nun endlich mit Deinem Gewimmer auf! Wenn Du wahr gesprochen hast, dann ist etwas Furchtbares geschehen Ich rühre nicht eher einen Finger für diese Sache, bevor ick nicht völlig überzeugt bin. Dort liegt Dein Neues Testament das genügt auch. Nimm das Buch. in die Hand, Hetty Armitage, drucke es ans Herz, hebe die vand gen Himmel und schwöre bei Gott dem Allmächtigen, baß Du genau gesehen hast, wie der Baron Herrn Franzius tötete! Kusse das Testament vorher - dann schwöre - die Wahrheit - wenn Du nicht Dem ewiges Seelenheil verlieren willst!"

Hetty zitterte am ganzen Körper Sie belaß eme empfängliche Nattlr - die späte Stunde - die fürchterliche Aufregung, die sie durchlebt - der feierliche, angstvolle Ausdruck im Gesicht der Tante das alles drückte schwer auf ihre Nerven. Sie mußte sich die größte Mühe geben, um nicht vor Angst und Grauen ^"^Was" was willst Du, daß ich thue?" stammelte sie, während sie das Testament in ihre bebenden Finger schloß.

Sage folgendes: Ich, Hetty Armitage, sah gestern abend ganz genau, wie Baron Robert von Audrey Herrn Herbert Franzius auf der Ebene von Salisbury tötete. Das ist die lautere Wahrheit dazu helfe mir Gott, der Allmächtige! Simen T

Hetty sprach diese Worte mechanisch nach.

Nun küsse das Buch abermals!" gebot die Taute.

Hetty führte es an die Lippen.

«Nun gieb es mir!"

Frau Armitage nahm eS in die Hand.

|UÜeroii*^a*6'