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Fr. 248 Erstes Blatt.

^»«eme«t Preis: in Gießen, abgeholt monatlich dO Pfg., tn8 HauS gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel jährlich Mk. 1.50.

ArattSbettage« Lberheffifche ^amilt--z-itang ttSgstch) cberhelnsche Zeitschrift für La«dwirtschaft, Obft u«d Gartenbau, sowie die (Stesteuer S-ife«blase« wöchentlich). Das Blatt erscheint an alle« Werktagen nachmittags.

_______Freitag, den 24. Oktober 1902,

Gießener

11. Jahrgang.

Juir.tiovSvreiS : Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklame« die Petiheile 90 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3082.

Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28. qrerusprecha«schl«ß Nr. 368.

Weuege Nachrichten

(Gießeu-r Hagevtatt» Unabhängige Hageszeilung (Gießener Weitung)

für Obcrhefsm und die Steife Marburg und Wetzlar; Lokalauzeiger für Gietzc» und Umgebung.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großherzoglichen Bürgermeisterei Gießen.

Deutscher Reichstag.

-. Abstimmung über den Gersten- und Haserzoll.

CB. Berlin, 23. Oktober.

In der heutigen Sitzung waren auch die letzten Bun­desratsvertreter verschwunden. Nur der Staatssekretär straf Posadowsky, der eigentliche Lastträger der gan­zen Zolltarifreform, war anwesend und widmete in ge- vohnter Weise den Verhandlungen seine Aufmerksamkeit. Und das will viel heißen, denn interessant kann man sie beim besten Willen nicht nennen. Es wird nichts lieues mehr vorgebracht. Die Abgeordneten entledigen ilch ihrer Wahlversprechungen, die sie mit einem wissen­schaftlichen Mäntelchen umkleiden. Der nationalliberale Abgeordnete Franken plaidierte für Einigkeit zwischen Industrie und Landwirtschaft, denn Eisen, Kohle und Ge­treide feien nach einem Wort des Fürsten Bismarck die Drei Pole unseres Wirtschaftslebens. Mit diesem Satze war der landbündlerische Abgeordnete Lucke vollständig unverstanden, aber er bestritt, daß die Landwirtschaft .'benso berücksichtigt werde, wie die Industrie. Ein Land, Das jährlich 18 000 Millionen Mark für Bier und Schnaps ausgebe, könne auch die Zollasten tragen. Ganz im Sinne seines Vorredners trat dann der Zentrumsabgeordnete Echinger für den Kommissionsantrag ein, während der sächsische Sozialdemokrat Stolle, mit seiner leisen Stimme auf den Tribünen kaum verständlich, behauptete, Die höheren Zölle dienten lediglich den Militär- und Flottenzwecken. Sie seien eine Erfindung des Fürsten Bismarck, der stets die Reichen ent- und die Armen be­lastet habe und überhaupt der größte Arbeiterfeind ge­wesen sei. Daß der Abg. Dr. Heim fürseinen" Zoll eintrat, bedarf wohl keiner Erwähnung. Mit echt bayeri­scher Kraft nahm er auch den früheren Angriff des Abg. Dr Müller-Meiningen auf, dem er vorwarf, daß er keine Bier-, sondern eine wässerige Rede gehalten habe. Sein Landsmann Schwarz, der sich noch zu keiner Frak­tion entschließen konnte, trat als Vertreter jener Urbayern auf, die vor einer Verteuerung des Lieblingsgetränkes zittern. Nur keine teure Gerste, denn die macht das Bier teurer. Nachdem noch der inzwischen angenommene bayerische Ministerialdirektor v. Geyger festgestellt hatte, daß der Gerstenzoll nicht auf Antrag Bayerns erniedrigt worden sei, wurde von den Abgg. Rettich und Spahn ein Schlußantrag gestellt, Abg. Singer beantragte hier­zu namentliche Abstimmung und hielt diesen Antrag auch aufrecht, als Rettich und Gen. ihren Antrag zurückziehen wollten. Ter Schlußantrag wurde mit 209 gegen 104 Stimmen angenommen.

Dann wurden 12 Abstimmungen vorgenommen, dar­unter 7 namentliche. Der Antrag Heim (6 Mark für Gerste) wurde mit 248 gegen 83 Stimmen abgelehnt. Der Kommissionsantrag (5,50 Mk.) wurde mit 189 neuen 133

Dr. Rumseys Patient.

Roman von Dr. Halifax und T. L. Meade.

Autorisierte Bearbeitung von C. Weßner.

13] (Nachdruck verboten )

v, '^ Taute, ich bitte Dich, schilt mich nicht", unterbrach Hetty ^u.Redestroni, indem sie ächzend aus einen Stuhl fiel, den Hut pcèßte v' na^m ""d die Hande gegen die hämmernden Schläfen riJ*1" GoNeèwilleu Kind wie sichst Du aus!" rief jetzt Frau Almttage er chr-ckt.Du bist totenblaß und -" 0

in baOeÄ^ 8or H°"» bin und blickte ihr forschend saate ^? ^nvli^^t ^"<^u armen Menschen doch gern gehabt!" was Èein t& ToneDu gabst ihm vielleicht. Wenn er es ebrl^^nin Dauerhaftes Herz zu geben vermochte? Du cs aut aebalu» w" Absichten auf Dich meinte, hättest w eL ®Ä5 SS C Ä^

BÄ1Ä -"^« « ÄS

-Tante Fann», darf ich in meine Kammer gehen«"

. »Was in Deine Kammer? Bist Du etwas RcN.r-s als g®« bist ebenso gut zum Arb-tt-n da wie heren

Taaez'd°"rF??^ Viele Menschen waren im Laufe deS ^ThX.? M-, W'0 ausgegangen, mancher hatte traurig und Mitleids auf das wachsbleiche Antlitz des 'Toten .Arzt hatte die Wunde sorgfältig untersucht, der untersuchungvnchter das Protokoll ausgenommen. Alles war für bte JBerpanblung vorbereitet, die nächsten Vormittag ftattfinben sollte^

, . schickte sich an, der Tante zu helfen. Diese war soeben c s^NMen, kam nach einer Weile wieder in die Küche und befahl Hetty, schnell ein bestimmtes Papier aus dem Vorderzunmer zu holen, welches auf der Kommode lag; der Onkel wolle schnell haben.

Mach schnell Hetty, der Onkel wartet darauf!"

.- H^h ^horchte. Ohne eine Ahnung zu haben, welcher Anblick ihrer harrte, betrat sie das Zimmer. Ein Licht hatte sie nicht «üsenommen. Auf einer improvisierten Bahre in der Mitte des

Stimmen abgelehnt. Der Antrag Heim (6 Mark für Hafer) wurde zurückgezogen. Dagegen wurde der Kom­missionsantrag (5,50 Mk.) mit 180 gegen 139 Stimmen angenommen. Bei beiden Getreidearten wurde außerdem der autonome Satz von 7 Mark in einfachen Abstimmun­gen angenommen.

Die Politik.

Der Reichskanzler zum Vortrag befohlen.

rst Reichskanzler Graf Bülow war am Donnerstag in Potsdam zum Vortrag beim Kaiser. Offenbar war die augenblickliche politische Lage Gegenstand der Beratung.

Die Samoafrage endgültig erledigt.

ost Als im Jahre 1899 Samoa durch Vertrag zwischen Deutschland, Amerika und England auf Deutschland allein überging, wurde in einem Zusatz die Entscheidung über die Frage, ob Deutschland an die drei anderen Mächte eine Entschädigung zu zahlen habe, einem Schiedsgericht vor­behalten. Zum Schiedsrichter wurde König Oskar von Schweden ernannt, der nunmehr seine Entscheidung ge- getroffen und eine Entschädigungspflicht Deutschlands ver­neint hat.

Besuch deS dänischen Kronprinzen in Berlin.

rst Uebcreinstimmend mit einem von dem Kronprinzen von Dänemark ausgesprochenen Wunsche, dem Deutschen Kaiser und der Deutschen Kaiserin in diesem Herbst einen Besuch abzustatten, ist jetzt festgestellt, daß ein solcher Besuch stattfinden wird und zwar wahrscheinlich im Laufe der nächsten Woche. Der Kronprinz wird über Hamburg nach Berlin und Potsdam reisen und von dem General­major Kranold, dem Kammerherrn Bull und einem Ritt­meister begleitet sein. Das ist der beste Beweis für Den Umschwung der dänischen Politik.

Ein deutsch-englischer Geheimvertrag.

|::| Durch die Verhandlung im englischen Abgeordneten­hause ist es allgemein bekannt geworden, daß zwischen Deutschland unb England ein Vertrag besteht, dessen Be­stimmungen aber unter allen Umständen geheim bleiben. Ganz gewitzte Personen wollen wissen, er beziehe sich auf Afrika und sei s. Zt. von Cecil Rhodes perfekt ge­macht worden.

Skandal im österreichischen Parlament.

ist Im österreichischen Abgeordnetenhause kam es zu einem Skandal, weil ein tschechischer Abgeordneter seine Rede in tschechischer Sprache hielt. Die Deutschen erhoben dagegen Protest und inscenierten zuletzt, als der Vice- präsident nichts tat, um die tschechische Rede zu hindern, einen wahren Höllenskandal. Wahrscheinlich wird dem­nächst das Abgeordnetenhaus auiaelöü werden. Die

Zimmers stand ein einfacher, schmuckloser Sarg, in welchem die Leiche ruhte: diese war mit einem großen, weißen Tuche bedeckt. Der Mond warf sein bleiches, magisches Licht durch die Fenster. Die Umrisse des toten Körpers hoben sich unter der dünnen Decke gespensterhaft ab. Hetty lies im Dunkeln fast gegen den Sarg: entsetzt mit lautein Aufschrei prallte sie zurück, ihr Nerven­system war ohnehin erschüttert, sie war nicht vorbereitet auf den grausigen Anblick, der sich ihren, vor Todesangst weit geöffneten Augen jetzt bot. Wie eine Wahnsinnige stürzte sie aus dem Zimmer und sank der Tante erschöpft in die Arme.

Wie wie konntest Du mich nur dorthin schicken?" ächzte das junge Mädchen.Du hättest mir sagen sollen, daß daß er dort ist."

Wußtest Du benu das nicht? Was für ein dummes, unnützes Ding Du bist! Bleibe hier, ich werde das Papier selber holeu. Was man mit Dir für Aerger und Aufregung hat!"

Frau Armitage ging in das Zimmer, holte das Papier unb schloß die Thur hinter sich zu. Als sie im Hausflur war, kam Hetty ihr atemlos entgegengelaufen und packte sie krampfhaft beim Arm.

Tante^ Tante!" jammerte sie.Wenn ich es nicht irgend einem Menschen sagen kann, verliere ich den Verstand! Ach, Tante Fanny, ich muß Dich sprechen sofort, ich ertrage es nicht langer!'

Mein Gott, Hetty, was hast Du nur? Woher soll ich jetzt die Zeit nehmen, auf Dein Geschwätz zu hören! Dein Onkel ist schon ganz wütend, daß er alle väude voll zu thun hat!"

Es ist kein Geschwätz, Tante Fanny! Ich muß Dir etwas sagen, etwas Fürchterliches! Du mußt mich anhöreu! Ich halte es nicht länger aus ich werde sonst wahnsinnig!"

Sag' mal, Hetty", entgegnete Frau Armitage, die Nichte mit strengen Blicken messend,Du erlaubst Dir doch nicht etwa einen schlechten Scherz mit mir?" .

Nein, Tante, ach Gott, nein! wahrhaftig nicht! Ich gehe leet hinauf. Komm zu mir, sobald Du irgend kannst. Sage Onkel, Du seiest todmüde, Du müßtest zu Bette gehen. Ersinde irgend eine Ausrede, nur komm so schnell als möglich zui mm Ich befinde mich in einem so schrecklichen Zustande, in bm fähig, m. die Gaststube zu laufen und es laut hinauszu,chreien Es wäre ein gräßliches Unglück. Tante, Tante, habe Erbarmen mit mir und komm schnell!" ~

Du bist ja ganz außer Dir, verhetzte die Tante nach­denklich, um Gottes willen, so vermalte. Dich doch nur ruhig. Gut, geh' hinauf, ich bin in ein paar Minuten bei Dir.

Frau Armitage rief ihren Mann aus der Gaststube hinaus.

drei tschechischen Parteien in Oesterreich l>aben für den Fall einer Parlamentsauslösuua ein Wahlbündnis mit- einander abgeschlossen.

Kurze politische Rachrichten.

* Berlin, 23. Oktober. (Hofbericht.) Der Kai­ser hörte heute vormittag die Vorträge des Chefs des Generalstabes Generaladjutanteii Generals der Kavalle­rie Grasen von Schliessen, des Chefs des Militärkabinetts, Generaladjutanten, Generalleutnants Gras Hülsen-Haese- ler und des Obersten Pawel, Kommandeurs der Schutz­truppe von Kamerun. Um 11 Uhr empfing der Monarch den Maler Fritz Gehrke. An der Kaiserjagd in Blan­kenburg (Harz) werden, wie jetzt von dort gemeldet wird, teilnehmen i der Kaiser mit dem Prinzen Albrecht und dessen drei Söhnen, ferner der Kronprinz, Prinz Hein­rich, die Herzöge von Sachsen-Altenburg und Anhalt, die Fürsten von Schaumburg-Lippe und Stolberg-Werni­gerode nebst Gefolge.

* Auf das Begrüßuugstelegramm, das am Schluß der Düsseldorfer Ausstellung von Geheimrat Lueg an den Kaiser gerichtet worden war, hat der Kaiser in einem Danktelegramm geantwortet, er teile die an die Ausstellung geknapsten Hoffnungen. Zur Erinnerung an den glänzenden Verlauf der Ausstellung (jat Herr Franz Hantel der Stadt 100 000 Mark mit der Bestimmung ae- schenkt, daß dafür Bilder und sonstige Kunstwerke für die städtische Gemälde-Galerie angekaust werden sollen.

* Der Kaiser hat den Stationsches in Kiel Admiral Köster beauftragt, dem Kommandanten des russischen KreuzersDschigit", auf welchem neulich beim Salut­schießen infolge einer Explosion ein Matrose getötet wurde, das Bedauern des Kaisers anläßlich des Unfalles auszusprechen und bei der Beisetzung einen Kranz nieder­zulegen.

* Die christlichen Gewerkschaften der Koh­lenarbeiter am Rhein werden nach einem in Essen gefaßten Beschluß den französischen Ausstand nicht un­terstützen.

* Der Reichstagsabgeordnete Jacobsen hat sein Mandat niedergelegt, um von der freisinnigen zur so­zialdemokratischen Partei überzutreten.

* Reichstagsabgeordneler Dr. Barth wird im Reichs­tagswahlkreise Köslin kandidieren.

* Der Präsident des Bundes der Landwirte, Frei­herr vonWangenheimhat seinen Wählern in Torgau erklärt daß er eine Wiederwahl in den Reichstag ablehnt An seiner Stelle wurde der antisemitische Pfarrer Krösel aufgestellt.

* Der Präsident des Kaiserlichen Patentamtes, von Huber, ein geborener Württemberger, hat sein Amt niedergelegt.

* Der angebliche Anarchist, der gegen den Präsidenten

Ick habe unerträgliche Kopfschmerzen, John", sagte sie. Hettv ist ganz elend. Konntest Du nicht für den Rest des Abends ohne uns auskommen?"

Natürlich, Fanny, wenn Du Dich so schlecht fühlst", versetzte Armitage etwas verdrosfeu.Es ist zwar für drei ru thun, aber da hilfts nichts. Lege Dick nur nieder, wenn Dir so schlecht ist.

Es ist wirklich schlimm, John. Und Hetty ist gant gebrochen." r t _

Das kaun ich begreifen. Ick wundere mich nur, daß überhaupt noch leben kann, wo sie doch weiß, daß ihr die ganze Schuld an dem Unglück in die Schuhe geschoben wird. Die kleine Here, ich könnte sie ohrfeigen"

3a; ich hätte es auch thun mögen", entgegnete ferne Frau. Das arme Kind befindet sich aber in einem höchst jammervollen- Zustande: wenn ick sie nicht schleunigst zu Bett bringe, wird sie uns noch krank. Uno das kostet doch auch wieder Geld und Zeit.

Strenge Dick nur nicht zu sehr an, indem Du etwa gar bei ihr sitzeu bleiost, Fanny, sie ist es wirkliA nicht toert' , rief Armitage seiner Frau noch nach, als sie die Küche verließ.

Einige Augenblicke später trat sie in Hettys Stube welche nur von dem bleichen Licht des Mondes erhellt war. Es war ein kleiner, ziemlich enger Raum mit Schiefen Wanden. Hetty kniete am Neuster und blickte stumm in bie Nacht hinaus Als sie die Thür gehen hörte, erhob sie sich rasch und stürzte auf die ^on^Sckließe die Thür ab, Tante Fanny", flüsterte sie mit heiserer Stimme. . . ,.., _., , ON

Kind Kind, was ist nur auf einmal über Dich gekommen?

''Schließe die Thür ab, Tante Fanny - oder laß mich

* 9hm gut, ich will Dir den Willen thun. Hier ist der Schlüssel, ich will ihn in meine Tasche stecken. Warum hast Du kein Licht angezündet, Hetty?"

Ich will keins der Mond giebt Licht genug. Ich muß Dir ein Geheimnis anvertrauen, Du muht es mit mir tragen, Tante Fanny, Du und ich wir zwei müssen es hüten für jetzt und ewig bis zum Grabe."

Wie tragisch Du redest"

Höre mir zu. Laß mich so zu Deinen Füßen knieen - halte meine Hand fest, ganz fest. Ich war in meinem ganzen Leben noch nicht so von Sinnen vor Entsetzen, wie jetzt" sie ringt verzweifelt die Hände.

So komm doch endlich zur Sache", fiel die Tante w geduldig ein, der schon ganz unheimlich zu Mute war.