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auf unbestimmte Zeit beurlaubt und ihm seine Wiederan­stellung zu jeder Zeit garantirt. Seine Arbeitszeit bei denMeckl. Nachrichten" wird ihm auf seine Dienstzeit voll angerechnet." In Mecklenburg scheinen danach die konservativen Blätter als eine Art Staatseinrichtung an­gesehen zu werden. Wir vermuten wenigstens, so schreibt dieFrkf. Ztg.", daß einem liberalen Blatte gegenüber diese Rücksicht^schwerlich geübt sein würde.

Zur Frauenfrage. In Offenburg (Baden) haben Gemeinderat und Bürgerausschuß einem neuen, recht fortschrittlichen Octsstatut für die künftige Städteordnung seine Zustimmung gegeben. In der Schulkommifsion und im Armenrat werden Frauenvertretungen auf dem Rathause zugelassen und zwar mit Sitz- und Stimmrecht. In der ersteren Kommission sind es die Lehrerinnen der Volksschule, denen eine Vertretung ortsstatutarisch gesichert ist; für den Armenrat kommen Frauen aller Gesellschafts­klassen in Betracht. Es wurde unter den 14 Kommissionen auch eine solche für Sozialpolitik geblildet. Die Anregung zu diesen Neuerungen in der Frauenvertretung, die in Baden einzig dasteht, ging von sozialdemokratischer Seite aus und fand die Zustimmung aller auf dem Rathaus vertretenen Parteien. Das letzte Wort spricht allerdings das Ministerium des Innern.

Zum Untergavg desPrimus".

Hamburg, 23. Juli. Die Liste der bei der Dampfer- Katastrophe Vermißten vergrößert sich immer mehr. Bisher sind 35 Leichen geborgen worden. Die Gesammt- zabl der Opfer wurde bis 12 Uhr Mittags auf 109 festgestellt. Das Seeamt hat heute Vormittag die an der Kollision beteiligten Personen verhört. Für morgen Abend ist in der Eilbecker Kirche ein Trauer-Gottesdienst angesetzt worden. Dem Taucher Beckedorf ist es bei Fluth gelungen, denPrimus" 50 Meter elbaufwärts zu schleppen. Da aber das Hebegeschjrc in Unordnung geriet, mußte man das Schiff wieder auf den Grund lassen. Durch einsetzen der Fluth wurde das Wrack nördlich gedrängt. Der Taucher hofft noch heute bei Wiedereintritt der Fluth denPrimus" zu heben. Heute Vormittag war im Hafen das Gerücht verbreitet, Kapitän Petersen von demPrimus" habe Selbstmord begangen. Eine Kontrolle dieses Gerüchts war bis 2 Uhr nicht möglich. Die Polizei hat sofort die nötigen Recherchen eingeleitet. Inzwischen beginnt die Hilfsaktion für die Hinterbliebenen der Opfer der Katastrophe. Das Ensemble des hier gastirenden Berliner Apollo-Theaters veranstaltet morgen Abmd die erste große Wohlthätigkeits-Vorstellung zu Gunsten der Unglücklichen.

Die bayrische Kammer lehnte am Diens­tag die Mehrforderungen der Regierung für Wissen­schaft und Kunstpflege ab, darunter 400,000 Mk. zur Errichtung eines Museums für Gipsabgüsse von Werken aus christlicher Zeit und 560,000 Mk. zur Errichtung eines Museums plastischer Werke. Gegen­über dem Liberalen Hammerschmidt replizierte im Laufe der Debatte der Zentrumsführer Daller, die Ablehnung erfolge aus Anlaß der politischen Lage (aus Zorn wegen Landmanns Ausscheidung), sowie aus sachlichen Gründen. Das Zentrum behalte sich gegenüber neuen ähnlichen Vorlagen in der nächsten Session volle Aktionsfreiheit vor.

Aus Sachsen. Einer unerhörten Nichtachtung der ge­setzlichen Forschriften über die Unfallverhütung macht sich die sächsische Landwirtschaft schuldig. Fon der land- und forstwirtschaftlich.n Berufsgenossenschaft sind in 83 Ge­meinden 1876 Betriebe auf die Beobachtung dieser Vor­schriften revidirt und in nicht weniger als 1749, also in mehr als 93 pCt, wurden Verstöße fonftatirt.

* London, 23. Juli. Hier wurde ein großer Juwelen-Diebstahl verübt. Ein Angestellter der Firma Gebrüder Jonas war damit beschäftigt, Diamanten im Werte von 4000 Pfund zum Versandt nach Amsterdam zu verpacken, als er ans Telephon gerufen wurde. Bei seiner Rückkehr aus dem Telephonz mmer waren die Dia­manten zu seiner größten Bestürtzung verschwunden.

* London, 23. Juli. Unter den heute in Queenstown gelandeten Passag/eren des DampfersApondale Castle" be­fand sich Oberst Schiel, welcher zwei Jahre als Gefangener auf St. Helena zugebracht hat und sich demnächst nach Deutschland begiebt.

London, 23. Juli. Die englische Regierung hat die Zensur für Briefe von und nach Südafrika und in den süd­

Zur Reise des Kaisers nach Reval. ^'<

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Bestimmtes über die Reise, und wir müssen uns daher bislang auf die vorstehenden Ausführungen beschränken.

afrikanischen Kolonien sowie St. Helena endgültig aufge­hoben.

ZurKrönung des englischen König s. Nach Meldungen aus London wird der König am 6. August in London erwartet, wo er und die Königin noch eine Krönungs­probe abzuhalten haben, wofür der Klerus besonders honorirt wird. Außer ganz nahen Verwandten des Königs werden keine Fürstlichkeiten aus dem Auslande erscheinen. Alle Krönungs-Dekorationen fallen fort. Dagen findet Abends eine große Illumination statt

Rom, 23. Juli. Die Beerdigung des Kardinals Ledochowski findet am Freitag Vormittag auf dem Friedhofe Varanno statt. Das Herz des Verstorbenen wird nach Gorki überführt werden.

Konstantinopel, 23. Juli. Wegen Ausbruchs der Cholera in Obecegypten ordnete der oberste Sanitäts­rat eine siebentägige Quarantäne für Schiffe aus egypti- schen Häfen an und verbot die Einfuhr von Früchten und Gemüse.

Greuelszenen in Südafrika.

Brüssel, 23. Juli. Eine hier wellende Burenfrau er­hielt vom General Botha ein Schreiben, demzufolge ihr Gatte unter schrecklichen Umständen umgekommen sei. Während der Verhandlungen in Vereenigung und nachdem der Waffen­stillstand bereits geschlossen worden, wurde ein Burenlager bei Vryheit Nachts von Zulus überfallen, 56 Buren wurden niedergemetzelt und die Frauen vergewaltigt

Giessener Cagesneuigkeiten.

* * Das Regierungsblatt Nr. 43 vom 22. Juli ent­hält : Gesetz, die Herstellung weiterer Nebenbahnen be­treffend. (Betrifft die demnächstige Ausführung der vollspurigen Nebenbahnlinien Bingen d e s - heim und HetzbachBeerfelden).

** Militärdienst nachrichten. Morneweg, Hauptm. z. D., Bezirksoffifier beim Landw.-Bezirk G eßen, wurde der Charakter als Major verliehen. Pampe, Haupt­mann â la suite des Inf -Regts. Kaiser Wilhelm (2. Gr. Hess.) Nr. 116 und Komp.-Führer an der Unteroff.- schule in Biebrich, als aggregiert zum Jnf.-Regt. Herzog Ferdinand von Braunschweig (8. Westfäl.) Nr. 57 versetzt. Schaaf, U llerarzt brim Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, zum Assistenzarzt befördert. Dr. Römer (Gießen), Dr. Kroemer (Gießen) Assist. -Aerzte der Res.

** Der ober hessische Geschichtsverein hat am vergangenen Sonntag, wie geplant, einen Ausflug nach Weilburg gemacht. Etwa 60 Personen nahmen daran teil.

** Fa m i l i e n t a g. Am nächsten Samstag werden die hessischen und preußischen Lehrerfamilien der Umgegend eine gemütliche Zusammenkunft auf Textors Hardt abhalten. Herr Lehrer Storch-Butzbach wird da­bei einen Vortrag mit Rezitation eigener Gedichte halten.

** Der Deutsche Mechanikertag wird in diesem Jahre zu Halle a. S. am 15. bis 17. August stattfinden. Die Beratungen werden in dec Hauptsache der weiteren Ausgestaltung des (Gehilfen- und Meister-) Prüfungswesens gelten.

** Deutsches Turnfest 1903 in Nürnberg. Prinzregent Luitpold von Bayern hat das P r o t e k t o r a t über das 10. Deusche Turnfest übernommen. Die General­direktion der Königl. Bayerisch n Slaatseisenbabnen hat den Teilnehmern an dem Feste freie Rückfahrt genehmigt, wenn dieselbe innerhalb 14 Tagen ausgesührt wird. Die gleiche Vergünstigung gewährt die Stretton der Pfälzischen Eisen­bahnen.

** Von oberhessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Schm ed^eselle Louis B e ck e r aus Nieder- Ohmen wegen Embcuchsdubstahls von der Staatsanwaltschaft Gießen; Hausbursche Emil Bornträger ans Steinfurth wegen Ü terschl^gung von der Bürgermeisterei Friedberg; Schreiner- g selle Adolf Mecke aus Oedelsheim wegen Diebstahls von der Staatsanwalt Gießen; Arbeiter August Jos Friedrich Mehnert aus Falkenheim w gen Diebstahls vom Amts­anwalt zu Gießen; Arbeiter Guiseppe Montrosor aus V llafranca in Italien wegen Diebstahls vom Polizeiamt Gießen; Müllerbursche Jakob Reichert aus Undenheim wegen Hausfriedensbruchs vom Amtsanwalt zu Gießen; Heinrich Schlitt aus Leusel wegen Meineids von der Staatsanwaltschaft Gießen; Hausbursche Anton Dummert aus Paulusbrunn wegen Diebstahls von der Staatsanwalt­schaft Gießen.

König Victor Emanuel hat Peterhof verlassen und schon rüstet sich ein neuer Gast, den russischen Kaiser zu besuchen, unser Kaiser selbst. Am 30.

d. M. kehrt er von seiner Nord­landreise zurück und besucht Emden, dem er schon vor einem Jahre seinen Besuch zugedacht hatte. Von Emden fährt er noch in der Nacht nach Kiel. Hier nimmt dieHohenzollern" nur Kohlen ein und wird wohl schon am 1., spätestens aber am 2. August mit dem Kaiser die Reise nach Rußland an­treten. Die Reise soll, sieben .Tage währen, davon werden 'zwei auf die Hinreise und zwei [Tage auf die Rückfahrt ge­rechnet. Drei Tage weilt er als Gast des Kaisers Nikolaus ! auf russischem Boden. Leider verlautet zur Zeit noch nichts

Aus Reffen und Nachbargebieten.

s. Laubach, 22. Juli. Kürzlich verstarb hier der Rentier Krieger. Sein Testament zeugte von seiner edlen Menschenliebe: Dem Krankenhause vermachte er 18 000, dec evangelischen Kirche 10 000, dem Armen- Verein 1000 Mk.

Gambach, 23. Juli. Herr Adolf Wiezorek aus Lang­göns errichtete dahier eine Molkerei, welche sich schon jetzt eines guten Geschäftsganges erfreute. Genannter Herr be­absichtigt, sein Etablissement demnächst durch Neubauten zu vergrößern.

Darmstadt, 23. Juli. (Kor.) Die von unserer Stadtver­waltung angeschafften neuen Löschgeräte, welche von der Firma C. D. Magirus in Ulm geliefert wurden, sind heute durch den Branddirektor Fischer den städtischen Behörden vorgeführt worden. Die neuen Löschgeräte bestehen aus einer vier­rädrigen Maglrus Drehleiter aus 20 Meter ausziehbar und einem kompleiten Löschtrain bestehend in einem vierrädrigen Mannschaftswagen für 14 5Rann, mit Schlauchwagen, Schläuchen, Standrohren, Schieb- und Hackenleitern, Kranken­tragen.

Frankfurt a. M., 23. Juli. Nicht um sich dem Dienst, sondern dec ihm zu Teil gewordenen Behand­lung zu entzieben, hat nach seiner Angabe am 29. Juli 1900 dec im 2. halben Jahre dienende Einjähcig-Fcei- Willige Ludwig Arnold von der 4. Komp. 81. Jnf.- Rgts. den Rock mit den schwarzweisen Schnüren aus­gezogen und ist auf und davongegangen hinein in die freie Schweiz. Dort hat sich dec ehemalige stud. chem. mit schriftstellerischen Arbeiten, namentlich für Witzblätter, ernährt und am schönen Züricher See gewartet, bis sich in seiner Kompagnie die von ihm erhofften Chargen- Veränderungen vollziehen würden. Insbesondere wartete ec darauf, daß sein Kompagniechef Hauptmann von Roques aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand treten werde. Das dauerte ihm schließlich zu lange, und am 25. Juni d. I betrat ec wieder deutschen Boden und stellte sich in Karlsruhe den Behörden. Nun, gut ist es dem ehemaligen Studiosus bei seiner Truppe allerdings nicht gegangen. Das beweist schon sein Strafregister. Ec ist aus dem Loch nicht hecausge­kommen, mußte zuc Strafe Putz- und Flickstunden mit­machen. Wie weit ec das feiner eignen Schuld, be­sonders seiner Trunksucht, seiner Unsauberkeit?c. zu ver­danken hat, entzieht sich hier der Erörterung. Ec will nach und nach zur Verzweiflung, indem er einen von seiner Mutter vereitelten Selbstmordversuch machte, getrieben worden sein. In der Verzweiflung habe er sich dann zu den vielen Dummheiten Hinreißen lassen. Nach seiner Ansicht sei Hauptmann von Rouques gegen die Einjährigen voreingenommen, besonders seit der Zeit, da ein Einjähriger der 4. Kompagnie bei einer Felddienstübung tot geblieben sei. Von da ab hätten die Einjährigen dec 4. Kompagnie nichts mehr zu lachen gehabt, und voc ihm sei schon ein Einjähriger fahnenflüchtig geworden. Wenn man die Straflifte nachsehe, werde man finden, daß die Einjährigen dec 4. Kompagnie zusammen mehr Arrest absitzen als die Einjährigen der übrigen 11 Kompagnien zusammen. Als er in einer Alimentationssache vom gegnerischen Rechts­anwalt zu einem Besuch eingeladen wurde, ließ man ihn durch einen Verganten vorführen, worin der Ver­teidiger R.-A. Kilzec einen schweren Eingriff in die privaten Rechte des Angeklagten erblickt. Dieser be­streitet energisch, die Absicht gehabt zu haben, sich dauernd feiner Dienstpflicht zu entziehen. Dies gehe schon da­raus hervor, daß er Jid) s. Z. als Erster nach China gemeldet habe, wo er doch hätte 2 Jahre dienen müssen. Vor der Venehmung des Hercii Hauptmann v. Roques wird die Oeffentlichkeit wegen Gefährdung der Disciplin ausgeschlossen. Dann wird die Sache vertagt, um über die Behauptungen des Angeklagten Beweis zu erheben.

Franksurt a. M., 23. Juli. Die Herbstled erm esse beginnt Montag den 8. September und endigt Freitag den 12. September.

c. Frankfurt a, M., 23. Juli. Beim Spielen am Main ertrank das 5jährige Söhnchen Hugo des Schuhmachers Kolb dahier.

t Aus der Rhön, 23. Juli. Die Heidelbeerernte in den Wäldern der Rhön ist dieses Jahr sehr schlecht ausge­fallen. Es werden fast gar keine versandt. Manchen armen Mann haben die frostigen Mainächte um einen Verdienst gebracht.

Ntainz,23. Juli. Nach längerem schmerzlichen Leiden verstarb in verflossener Nacht im Rochushospital, wo­selbst er sich mehrfachen Operationen unterzog, im Alter von 54 Jahren Herr Architekt Fritz Pricken, Branddirektor und Chef der freiwilligen Feuerwehr, als welcher er sich großer Beliebtheit und Achtung erfreute. Der Verstorbene besuchte von 186568 das Polytechnikum in Stuttgart, hierauf noch ein Jahr die Berliner Bauakademie. 1877 trat Herr Pricken in das städtische Bauamt als Architekt ein, dem er mehrere Jahre, bis zu seiner Wahl als Brand­direktor im Januar 1882, angehörte. Dec Verstorbene hatte den deutsch-französischen Krieg als Vizefeldwebel mitgemacht, als Zugführer nahm er an mehreren Schlachten und Gefechten teil. Er wurde während des Krieges noch zum Offizier befördert uno erhielt das Eiserne Kreuz. Für die freiwillige Feuerwehr hatte er Außerordentliches gethan, ihre Gerätschaften, Uebungs­und Leistungsfähigkeit auf eine Höhe gebracht, die all­gemeine Anerkennung und Bewunderung fand. Die Führer und Mannschaften der Feuerwehr verehrten ihren Chef in hohem Maße und werden ihm für alle Zeiten ein ehrendes Andenken bewahren.

Mainz, 23. Juli. Der hiesige Gastwirteverein zählt, wie in der gestrigen Sitzung festgestellt wurde, 274 Mitglieder.

Lampertheim, 21. Juli. Der gute Ertrag des

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