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Nr. 143.

Zweites Blatt

Dienstag, den 24. Juni 1902.

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Gießener

11. Jahrgang.

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Druck und Verlag her Gießener BerlagSdruckerei, Bonn. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei, (grgr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein. Gießen

!g 22.

Zur Seisktzung König Alberts.

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Am Sonntag und Montag wurde die Lerche öffentlich ausgestellt.

Tausende von "Menschen pil­gerten nach der Hofkirche, um ihren geliebten Fürsten noch einmal zu sehen. Feierliche Stille erfüllte ben Raum, in dem Offiziere, Pagen und Soldaten die Leibwache hielten. Gestern, Montag, Abend 9 Uhr begaben sich König Georg, Kaiser Wilhelm, Kaiser Franz Joseph und die übrigen Fürstlichkeiten in die

scheu Pil-

'der Immatrikulation am

Iswaldsgarten durch die Seltersweg, Südanlage, 'wigsplalz, Grünberger- mit Konzert und Tanz, frohen Festtage teilzu-

nd und ausschliesslich ib gegen Einzeichnung rot) und 1 Mk. für unbeschränkten Genuss Schluss der Listen bei n. Aut dem Festplatil

Kirche, worauf die Beisetzung erfolgte. Fast sämtliche Fürsten des deutschen Reichs waren persönlich vertreten. Als Vertreter des Reichstages >var Präsident Ballcstrcm erschienen. Eine Schilder­ung von der Aufbahrung der Leiche und dem Vorbeidefilicrcn der Menge entwirft das folgende Telegramm:

Dresden, 22. Juni Das Innere dec Hofkirchc ist schwarz ausgelcklagen, an den Säulen, die das Schiff von den Vorräumen trennen, wallen schwarze Tuch-Enbleme mit weißen Rändern her­ab. Vor dem Hochaltar, umgeben von unzähligen brennenden Kerzen unb über­ragt von einem mit Straußenfeder­büscheln geschmückten schwarzen Balda­chin, steht der Katafalk, auf dem bei' Sarg des verblichenen Monarchen ruht. Riesenkränze, aus den kostbarsten Blumen geflochten, bedecken ringsum den Boden; zu Füßen des Sarges der Kranz der Königin-Witwe. Die In­schriftdem einziggeliebten Mann e" giebt Kunde von dem un­tröstlichen Schmerz der hohen Frau. Zu beiden Seiten haben je zwei Generale und Kamnierherren Aufstellung ge­nommen, daneben je vier Pagen aus den edelsten Geschlechtern des Landes. Die Schwerter des Königs ruhen am ! Fußende des Sarges auf teppichbe- schlagenem Boden; rotgoldene Sockel |

5tUlin Aibert Vuii Lachsen auf dem Totenbette

tragen die kostbaren Insignen des Königs.

Auf weiß­

seidenen Kissen ruhen das Herz und die übrigen edlen Teile des Toden, die bei der Sektion zum Zwecke der Konservierung des Körpers entfernt worden waren.

Zur Rechten des Katafalkes sind zehn Schwestern auf ihrem Betpulte in tiefe Andacht versunken. Das Ganze

macht

einen ergreifenden' Eindruck. Um zwölf Uhr wurde 1 purpurnen Kissen liegen Helm, Degen, Marschallstab und " * ------ * ----- die zahlreichen Orden, Sterne und Ordensbänder, mit denen

die Souveraine des gesamten Kontinents dem König ge-

der Sarg geöffnet. Das^Gesicht des Toten ist wachsbleich, die rechte Hand auf der Brust In die große Generals­uniform gekleidet, mit den Orden seines Hauses und mit dem Rautenbande geschmückt, liegt er, das Haupt leicht nach rechts geneigt, mit zufriedener, freundlicher Miene da. Auf

huldigt hatten.

Vermischtes

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* Bei der Automobil-Touristen fahrt .Pariè-Wien ereigneten sich in Bern mehrere Unglücks- sâlle, durch die ein Mädchen verletzt und Schmiedemeister Baumann von Bern schwer verwundet wurde. Leicht ver­letzt ist der Pariser Brandfen Das Automobil Nr 36 ge­riet infolge Explosion des Motors in Luzern in Brand und wurde teilweise zerstört. Die Insassen, eine Dame und ein Herr, blieben unverletzt. .

* Durch einen Hahn getötet Aus Seinlin wird ge­meldet. Das zweijährige Töchterchen des Gutsbesitzers Brakovics spielte aus dem Hühnerhofe des väterlichen Gutes, als plötzlich ein großer Hahn aus das Kind losstürzte und wüthend auf das kleine Mädchen loshackte. Er pickte ihm schließlich die Gehirnschale durch, so daß der Schnabel des Tieres in das Gehirn eindrang, wodurch der Tod des Mädchens sofort herbeigeführt wurde.

Wieviel Schritte macht ein Infanterist während der Hebung ? Diese Frage hat ein Reserveoffizier nach einer 42 tägigen Uebung mit Hilfe eines Schrittzählers beant­wortet. Danach machte sein Träger in 42 Tagen 1 238 508 Schritte, und zwar während des Regimentsexerzierens 170 002 und im Brigade- und Divisionsmanöver 435 870 Schritte. Im Dienste wurden 887 945 außer Dienst 350 563 Schritte gemacht. Es treffen also, wenn man die mun Sonntage und die Rasttage abzieht, auf jeden der W Uebungstage 26 907dienstliche Schritte", während auf Ileden der 42 Einberusungstage 8346außerdienstliche Witte fallen. Rechnet man tausend Schritte gleich ,B. tlH ;ulullH um«« 1 B itn n, so wurden im ganzen 990 Kilometer zurück I die Sicherheit des Lebens.

gelegt, und zwar im Dienst 710, außer Dienst 280 Durch­schnittlich mußten demnach im Dienst täglich 22 Kilometir und außer Dienst 6,6 Kilometer zurückgelegt werden. Nimmt man die Schrittgeschwindigkeit zu 112 Schritt in der Minute an, so erfordert das Zurucklegen von 1 238 508 Schritten eine Zeit von 11058 Minuten oder 184 Stunden, es war also täglich ein Marsch von rund 4*/2 Stunden erforderlich. Höchste Marschleistungen waren 55 926 Schritte, also 44,7 Kilometer, die nächsthöchsten Zahlen von im Dienst ge­machten Schritten sind 52 828, 46 506, 47 136, 44 440, 42 508,37 732. Zwischen 30 000 und 36 000 Schritte wurden an 6, zwischen 20 000 und 30 000 Schritte an 11, zwischen 10 000 und 20 000 Schritte an 9 Tagen zurück-

gelegt.

= Bestrasling einer Wirtin wegen tätlichen Ausganges einer in ihrem Gasthause abgeschlossenen Triukwettte. Ju Jnsbruck wettete ein Großfuhrmann mit einem Maler, er werde ebenso viele große Weingläser Cagnac trinken, als dieserStamperln" (kleine Schnapsgläser). Die Wette wurde im Gasthause abgeschlossen und beide Männer machten sich sofort ans Trinken. Rach dem 8. Weinglase voll Cognac, das die Wirtin dem Fuhr- mann verabreicht hatte, erklärte sich der Maler jur besiegt der Fuhrmann brach aber nach einer Stunde zusammen und starb. Das Gericht verurteilte nicht nur den Maler, der die Wette veranstaltet und einen Spediteur, der sie bezahlt hatte, sondern auch die Gastwirtin, welche erklärt hatte, sie habe eben nur ba» Bestellte verabfolgt und könne nicht beurteilen, wieviel Cognac ein Mann vertrage, wegen Vergehens gegen

* Allerlei Lebenszusällc. Ein merkwürdiges Zu- I sammentreffen hat der Zufall gefügt. In dem Hause Kreuzgasse 68 in Währing bei Wien, fanden am Sonntag fast zur selben Stunde eine Klndtaufe, eine Trauung und ein L e l ch e n b eg a n g n > statt Während die Familie des in diesem Hause ver­storbenen Eisengießers -Albert Hruizek in tiefer Trauer von ihrem Ernährer Abschied nahm, beging der dort wohnende Tischlergehilfe Anton Schütz mit seiner Braut das Hochzeitsfest unb zur selben Stunde feierte das Arbeiter Ehepaaar Cihak die Taufe seines lungst- geborenen Töchterchens Gabriele durch einen fröhlichen Taufschmaus. Taufe, Hochzeit, Grab der Zufall hatte sie in ein Haus zusammengefuhrt. In Tur- nitz bei St. Pölten, so berichtet das Neue Wiener Tageblatt, begehen am W. d. drei Geschwister, zwei Schwestern und ein Bruder, das Fest der g ol­de n e n H o ch z e i t. Die Jubelpaare, die Vor funztg Fahren an einem und demselben Tage ihre Hochzeit feierten sind Herr und Frau Schrittwieser, Herr und Frau Daxböck, Herr und Frau Varebaum. Gleichzeitig mit der goldenen Hochzeit dieser drei Geschwister feiert auch der Enkel eines dieser Paare seine Hochzeit.

Die Geheimräte und die Leutnants. Plan berichtet ans Krefeld: Bei seinem Besuche in Kre­feld war der Kaiser in ersichtlich guter Stimmung. Das kam auch in mancherlei charakteristischen Aeußerungen zum Ausdruck. Oberbürgermeister Küper hatte in seiner Ansprache auf die großen Hafcnbauten hingewiesen, die eine Lebensfrage für die künftige Entlvicklung der Stadt bildeten. Bevor der Kaiser das Museum verließ, in dem