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Nr. 142.
Zweites Blatt
»lboooemevtsPretS: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., ,VK Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mk. 1.50.
«rattSbeilage» : Lbeehesfische psamtlienzeitnieg (täglich) ^berhesstsche Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- ond Gartenbau, sowie die Gteßever Seifeoblose, wöchentlich).
DaS Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Deueste Dachrichten
(Gießener Tagevtatt)
Unabhängige Tageszeitung
(Gießener Zeitung)
für Oberhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Druck und Verlag der Gießener VerlagSdrucker-i, borm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei, sgcgr. 1783); für die Redaktion verantwottlich: Albin Kl ein, Gießen.
Ein Mitschüler Bismarcks
Ein Mitarbeiter des „B. L. A." hat mit dem Jubilar an dessen Geburtstag eine Unterredung gehabt, die er wiedec- giebt. Er schreibt: Den neunzigsten Geburtstag beging Samstag ein Senior der evangelischen Geistlichkeit, dec emeritierte Pfarrer Ludwig von Hanstein zu Berlin Der greise Theologe, in vollster körperlicher und geistiger Frische, ist zu Potsdam als Sohn eines Oberpfarrers geboren. Aber seit dem er die Prima des Grauen Klosters bezogen, ist Berlin sein Wohnsitz gewesen. Ec wurde 1851 als Prediger an das Jnvalidenhaus berufen, und dort hat er bi« zum Jahre 1887 seines Amtes gewaltet.
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Die Krönungsfeierlichkeiten in London
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König Eduard »on Saalauu.
Königin Alexandra von England
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Westminster-Abtei, in der die Krönungs- «remonie stattfinden wird und welche wir hier im Bilde borfuhren, ist für das Publikum geschlosst.. —. .... Arbeitern überliefert. Das ganze Gebäude .u^v !"usgeschlagen werden, und zu diesem Zweck müssen von Schiff bis zum Boden der Kathedrale Holzrahmen i^^ch/agen werden, auf welchen dann der Stoff auf- der^^ -ü?^) . ^c Einzelheiten der Ceremonie und kugiöseii Feierlichkeiten werden jetzt geregelt. Bei
Montag, den 23. Juni 1902.
Gießener
Wie klar sind dies: blauen Augen des freundlichen Greises, die ohne Brille so frisch und munter und — wie mich dünken will — ein wenig schalkhaft in die Welt blicken. Ich meinte zunächst, nicht dem Jubilar, den ich mir „älter" gedacht, gegenüber zu stehen. M(t heiterem Lachen macht er indeß meinen Zweifeln ein Ende: „Ja! Ich bin das Geburtstagskind! Es ist wahr," fügte ec hinzu, „Gott hat mir wunderbar seine Gnade erzeigt. Ich schreibe viel, und meine Hand zittert nicht. Ich lese viel und ohne Anstrengung. Ich treibe Musik und spiele noch jetzt Klavier und Harmonium. Früher habe ich mich überhaupt der Musik stark gewidmet. Allerdings! In den Traditionen Mozarts, Haydns, Beethovens und Webers auferzogen, habe ich für Wagner wenig Berständniè — ich meine, den Componiste i der „Nibelungen". „Tannhäuser" und „Lohengrin" weiß ich sehr wohl zu schätzen. Da schwört Wagner noch zur Melodie. Bei seinen späteren Werken aber fällt mir immer das Bonmot ein: „Wenn das die Musik der Zukunft ist, ist, so wird die Zukunft ohne Musik sein!" So plaudert der Greis in fließender Rede. Sein Abiturientenexamen hatte er auf dem Grauen Kloster gemacht. „Mit Bismarck zusammen," fügte ec nicht ohne Stolz hinzu „So habe ich auch zu den sieben Mitschülern gezählt, die dem Reichskanzler bei seinem achtzigsten Geburtstag ihre Glückwünsche darbrachten. Jetzt leben außer mir nur noch zwei: Prediger Weidling von St. Petri und und der Vater unseres Staatssekretär Tirpitz, der Geh Justizrat Tirpitz in Frankfurt a. O. Der ist noch so munter wie ich und dabei älter. Im vorigen Jahre hatten die Klosterianer wieder ihren Kommers. Natürlich war es spät geworden, und Herr von Tirpitz hatte sich eingefunden, um den Vater nach seiner Wohnung zu geleiten und ihn dort übernachten zu lassen. Aber davon wollte der Herr Papa nichts wissen,
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dieser Gelegenheit ist eine merkwürdige Sitte, die mit einem Priester von Westminster und dem Locdkanzler, den Krönungsfeiern der englischen Monarchen verbunden dem es aber doch nach e.ner heroischen Verteidigung ge- ;r+ „V a ^ Hma nitâ hpn .narinpn npS hrthfitffi+lnow Olrl^o«« _a„
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Alle Gegenstände, die bei dieser Gelegenheit in die prächtiges -s-intensaß von ciseliertem Silber zu retten, Kathedrale gebracht werden, gehören rechtmäßig dem I Kapitel von Westminster, das
1831 und 1838 auf diese Weise beträchtliche Summen liche der Abtei als nunmehr ihm gehörig in Anspruch gewonnen hat. Bei der Krönung der Königin Viktoria nahm.
kam es sogar zu einem regelrechten Kampf zwischen I --------
11. Jahrgang.
3uferHo»6»rei8 : Die einspaltige Petitieile für Gießen wie, ganz Dberbefjen. die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Psg sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzcile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3032.
Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.
wissen, und so fuhr er mit dem letzten Zug nach Frankfurt zurück, wo er mitten in der Nacht ankam und gemächlich seine Behausung aufsuchte." — Mit Behagen hatte der alte Herr diese kleine Episode aus dem Leben eines Altcrsge- nossen erzählt und er machte ihm sichtlich Vergnügen, daß auch andere Neunzigjährige noch so jugendsrisch sich fühlen. Herr v. Hanstein selbst ist noch ganz Unternehmungslust! „Ich bin erst vor wenigen Tagen aus Kreuznach gekommen, und nach dem Geburtstag reise ich weiter. Wahrscheinlich gehe ich nach München. Warum sollte ich nicht? Meine Jahre drücken mich nicht," meinte er, und ein Lächeln huschte über das freundliche Antlitz. Einen Wunsch gab der greise Herr mir auf den Weg noch mit: „Grüßen Sie alle Leute, die für mich Teilnahme zeigen sollten, recht herzlich von mir!"
Vermischtes.
Metz, 20. Juni. Generaloberst Graf Häseler stürzte heute früh mit seinem Pferde und erlitt einen Beinbruch.
12 Gefangene entsprungen.
Haag, 21. Juni. Im hiesigen Gefängnis meuterten 12 Gefangene während eines Spazierganges auf dem Gefängnishofe. Sie überfielen zwei Aufseher, fesselten dieselben, bemächtigten sich der Schlüssel und entkamen unbemerkt. Bisher sind erst zwei der Flüchtlinge wieder ergriffen worden.
Auf Station Bilpian der Bozen-Meraner Bahn wirkt seit dem 16. Juni ein Fräulein als erster weiblicher Stationschef.
* Ein ganzer Eisenbahnzug gerettet. Aus New-Uork wird gemeldet: Aus der Süd-Carolina-Eisenbahn brach
lang, aus den Händen des habsüchtigen Priesters ein
I dessen sich die Königin bedient hatte, als sie ein offizielles Schriftstück unterzeichnete, und welches der Geist-