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S A^ahlmiJ Winne! '

Nr. 142.

Erstes Blatt

Montag, den 23. Juni 1902.

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rew.z. 10000 = 200(J

Aßo«»eme»tckpr«iS: in Gießen, abgeholt monatlich öd Psg., in'S Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mk. 150.

«rattSbeilage»: Oberhesfische Familie»zeitu»g <Iäglich) Oberhessische Zeitschrift für Laxdwirt chaft Obst-«»d Martenbau, sowie die Gieße»-» Seif«»bl»se» iwochentlich). D-S Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Gießener

11. Jahrgang.

IusrrtiouSpreiS: Sie einspaltige Petitzeile für Gießen wie «anz Oberhessen, ble Kreise Wetzlar und Marburg 10 Ps sonst 15 Psg.; Reklame» die Pelitzeile 30 resp. 40 Psg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Expedition : Gießen, Neuenweg 28.

Weiieke ^iadjridj len

(Gießener Pagebsatt)

Unabhängige Tageszeitung

(Gießener Zeitung)

für Oberhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung

Druck und Verlag der @ie6ener Verlagsdruckerei, Dorrn. Wilh. Ä-ller'sche Buchdruck-ei (gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Politische Nachrichten.

Das Kaiserpaar ist von seiner Reise in den Rheinlanden Sonntag früh im Palais wieder einqe- troffen.

' Ueber die Kapitulationen der Mann-

schäften hat der Kaiser neue Bestimmungen er- iaffen, aus denen Folgendes hervorzuheben ist: Die rwbsordonnanzen und Burschen der Offiziere vom Hauptmann abwärts dürfen zur Kapitulation zugelassen werden. Mannschaften, die vor oder nach ihrer Ein­stellung wegen Vergehen bestraft worden sind, die einen Mangel an ehrliebender Gesinnung verraten, sind von der Kapitulation auszuschließen. Die Kapitulationen, 60 = 15642) bic in der Regel auf 1 oder 2 volle Jahre zum Weiter-

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Gew.u. 1 Prämie 651M dienen verpflichten, dürfen schon während der Erfüllung ---- der aktiven Dienstpflicht abgeschlossen werden. Mit

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, acker, Wut, gtw«iut 11.

Freiwilligen wird entweder bei der Annahme oder beim Dienstantritt eine Kapitulationsverhandlung aus­genommen, Minderjährige müssen zur Eingehung einer Kapitulation die schriftliche und beglaubigte Zustimmung ihres gesetzlichen Vertreters beibringen, doch wird bei den freiwillig eingetretenen diese Zustimmung durch den Meldeschein für seine Geltungsdauer ersetzt, Die Kapitulation kann vor ihrem Ablauf durch den Regi­mentskommandeur aufgehoben werden, sobald der Kapitulant in die zweite Klasse des Soldatcnstandes

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1 versetzt oder degradiert wird, ferner wenn er wegen eines Vergehens, das einen Mangel an ehrliebender Gesinnung bekundet, mit Strafe belegt, oder wenn er mit einer Freiheitsstrafe von mindestens 6 Wochen be­straft wird, auch wenn sich herausstellt, daß er eine ihn zur Kapitulation ungeeignet machende Bestrafung vor dem Dieusteintritt erlitten, ihre Angabe aber unter­

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lassen hat,

* Die Vereinigung der evangelischen Kirchen ist am Tamstag, als der Kaiser in Wesel weilte, wieder zur Sprache gekommen. Pfarrer Wardenbcrg hielt vämlich beim Besuch der Willibrordikirche eine Ansprache, in der er der Befriedigung darüber Ausdruck gab, daß der Kaiser das große Wort von der Vereinigung dec evangelischen Kirche wiederholte, das zuerst 1538 in der Weseler Synode erklungen sei.

König Eduard

hat sich vor fünf Tagen einer leichten Hals-Operation unterzogen, nach der Krönung soll eine größere Operation fattfinben. Am gestrigen Sonntage, an welchem wm-"-!"wS die Krönungswoche begann, zeigte London ein wesent-

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Geerteerd.

Novelle von E. Vely,

(Nachdruck verboten.)

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Was nicht ist, kann werden, murmelt sie.

Mädchen ganz unsicher kommt e» von feinen Lippen i und scheu tappt er nach ihrer Hand.

Sie deutet nach bem Leuchtthurm.

Oil thatest Du mir leid, da oben allein und unten auch.

Geerteerd, so mach, daß wir zu Zweien sind.

Bleibst Du denn hier? fragt fie.

Wenn s sein soll, lebenslang.

Sie sieht ihn an manche mögen ihn stattlicher finden u^r^0, r "d d" kann nicht über sie spotten, sie ist keine Ler,chmah,e mehr. Soll er denken, sie grämt sich?

Nun hat Fritz West ihre Hand ergriffen und faßt sie mit - laustem Druck, als wolle et sie immer so halten.

Soll's recht sein zwischen uns, Geerteerd? fragt er leise.

Sie schaudert wenn sie ja sagt, kann sie jetzt noch mit dem Wächter in's Dorf gehen und den Leuten zeigen, daß wo »indtaufe und Hochzeit ist, auch eine Brautschäft sein darf. Dann st sie dem Manne da vor ihr aber zugehörig. Erblaßt blickt le ihn an.

Der Vater sagt sie wie warnend.

Mußte schlecht zugehen, wenn wir den nicht hcrnmbrächtcn. Versuch's zuvor, antwortet sie und entzieht ihm ihre Hand. Geerteerd, das soll ein Wort sein dadrauf bleib ich I ^itr! und wie Jubel klingt's aus seiner Stimme.

Erschreckt, aber auch halb trotzig kommt's bei ihr nach: Ich dritte Dich nicht >-*Dn bist Dein eigener Herr.

Aber Du wehrst mir nicht?

Maniel Hay heißt mein Vater

llnb ich Fritz West und müßte mit dem Teufel zugehn vollendet nicht und versucht sie zu umfassen.

^" tritt sie von ihm zurück. Fritz West dort ist der

lich anderes Gepräge als sonst an Sonntagen. Eine dichte Menschenmenge wogte auf den Straßen. Alle möglichen Wagen folgten sich in dichter Reihe. Der Strom ging hauptsächlich nach der Westminster-Abtei, vor welcher Tausende Neugieriger Halt machten, ohne jedoch etwas zu sehen, da der Einlaß unerreichbar ist.

König Georg von Sachsen

hat int amtlichen Dresdener Journal folgende Kundgebung erlassen: An mein Volk! Tief trauernd stehe ich, stehen wir Alle an der Totenbahre des edelsten besten Fürsten, der nicht blos ein Beispiel für uns im Frieden wie im Kriege war, sondern auch ein Landesvater in des Wortes vollster Bedeutung. Zagend ergreife ich die Zügel der Regierung, denn eines solchen Fürsten Nachfolger zu sein, ist schwer. Zagend, aber auch mit festem Vertrauen auf Gottes Beistand und auf die 2:e6e meiner Sachsen Und wie ich glaube, immer im Sinne und Geiste meines verewigten Bruders meines Amtes zu walten, so bin ich auch der festen Zuver­sicht, daß mein Volk mich erkennt und die Liebe, die eS dem teuren Entschlafenen gewidmet hat, auch aus mich über­tragen wird.

* Darmstadt. Auf der Tagesordnung der morgen Dienstag, den 24. Juni, stattfindenden Sitzung der Zweiten Kammer stehen folgende Bcratungsgegen- stände: Regierungsvorlage, betr. die öffentlichen Sparkassen, betr. Errichtung einer hessischen Pfandbriefbank; Gesetzentwurf, betr. die Woh­nung s f ü r s o r g e für M i n d e r b e m i t t e l t e. Berichterstatter sind die Abgg. Dr. Gutfleisch, Dr. Frenay und Köhler-Darmstadt. Da diese vier Vorlagen in thatsächlichem Zusammenhänge stehen, so ist eine gemeinsame Beratung derselben in Aussicht ge­nommen.

* Darmstadt. Wie in parlamentarischen Kreisen auf das bestimmteste verlautet, wird die Regierung bei der W a h l r e ch t s v o r l a g e auch in den weiteren Beratungen in der zweiten Lesung auf der im Ent­wurf vorgesehenen Vermehrung der städtischen Abge­ordneten und der Steuerklausel unter allen Umständen bestehen, andernfalls der Wahlpflicht sich entschieden widersetzen und wird somit das Schicksal der Vorlage davon abhängen, ob die Kammer auf ihrem ab­weichenden Standpunkt beharrt.

Gewerkschaftskongreß.

* Stuttgart, 21. Juni. In seiner heutigen Schluß- Sitzung erledigte der Gewerkschafts-Kongreß noch eine Reihe von Anträgen zur Organisation und beschloß die Gründ­ung einer PensionS- und Unterstützungkasse

Thurm, in der Stunde, wo ich summe und bei Dir ehüiete, da sollst Du ein Recht an mich haben.

Er lacht, aber er giebt sie gehorsam frei.

Willst Du verkehrte Welt spielen, Mädchen? sagt er. Aber mir ist'» auch recht. Und wenn ich noch warten muß wenn » nur einmal kommt, wie's soll.

Fast traurig blickt sie ihn an.

Du bist ein ehrlicher Mensch!

Will's meinen.

Nun gehen sie nebeneinander, bis Geerteerd wieder stehen bleibt.

Was setzt Du Deine Gedanken aus mich? fragt sie.

Weiß nicht oder doch, erst recht weiß ich's! Weil es so sein soll.

Das Wort trifft fie, geht ihr wie ein Stich in die Brust. Solch ein Gedanke ist immer in ihr für Jo Toben gewesen.

Kannst Bessere kriegen, flüstert sie.

Habe noch keine gesehen, antwortet er.

Wenn es in ihrem Herzen nur nicht so leer wäre, wenn sie

ein

Milleidsgefühl mit ihm haben könnte.

Fritz West blickt fröhlich in die Lust. Ich weiß allerlei, was

ich dem Alten erzähle und mein Bruder kommt, der war weit herum, mit dem kaun er ein Wort sprechen. Was, Geerteerd?

I Tic hat wohl Alle» nicht gehört; nun reicht Hand.

Ich geh um'» Hans, sic sollen nicht sehen, daß

bin und nicht zu ihnen wollte. Er blickt sie bewundernd an. Es

Dir Du bin wie Gold und die sind

Laß! wehrt sic.

Da neigt er sich zu ihrem Ohr hin, wollte ich, cd wäre von mir.

sie ihm die

ich draußen

ist clwa» Anderes in bleiern.

Wenn Du träumst, so

Sie hat keine Antwort darauf, sie weiß cs auch nicht, daß ihre Finger noch immer von den {einigen umfdjloficn sind.

Meine Zeit ist um, seufzt er. Wenn ich wieder da oben sitze, thu ich nichts, als an Dich denken.

für die Gewerkschafts-Beamten und deren Hinterbliebenen sowie Einführung einer Gehalts-Skala für diese Angestellten In seinem Schlußworte gab der Vorsitzende der Freude darüber Ausdruck, daß zu dem Stuttgarter Kongreß erstmals auch Regierungsvertreter delegiert worden seien. Das sei ein Beweis dafür, daß auch in Regierung-kreisen sich die Ueberzeugung Bahn breche, daß man mit der Ge- werkschafr-Bewegung rechnen müsse.

Die Breslauer Handelskammer wendet sich mit der größten Schärfe gegen die Zoll­tarifvorlage und führt u. a. aus: mit besonderer Un­ruhe muß die künftige Gestaltung der Zoll- und Handels- Politik die Handels- und Industrie-Vertretung einer Provinz erfüllen, die mit ihrer geographischen Lage auf den Güteraustausch mit dem Auslande in hervorragen­dem Maße angewiesen ist. Die Beziehungen, die grade zwischen Schlesien und den angrenzenden Gebieten Oester­reich-Ungarn und Rußland bestehen und nicht nur in dem E^ort von Erzeugnissen des Bergbaues und der Industrie, sondern auch in dem Export von Lebens­mitteln und Industrie-Rohstoffen und in einem nam­haften internationalen Zwischenhandel beruhen, sind so vielseitig und innig, daß eine gewaltsame Lösung der­selben ^u den größten Erbitterungen im Wirtschafts­leben führen muß.

** Zur Bekämpfung des Mädchcnhaiidels fand in Hamburg ein Kongreß von Vertretern jüdischer Verbände statt. Aus Antrag von Dr. Nathan-Berlin, der denHülfs- verein deutscher Juden" vertrat, wurde beschlossen, in ganz Deutschland unter den Juden zur Gründung von Organi­sationen gegen den Mâdchenverkaus anzuregen. Aus Vorschlag desIsraelitischen Hülfsvereins" in Frank­furt a. M. beschloß der Kongreß ferner, in Verbindung mit andern jüdischen Verbänden die wirtschaftliche und sitt­liche Fürsorge für ausgewanderte Mädchen in die Wege zu leiten und den Ausbau der Arbeitsnachweise nach Kräften zu betreiben.

* Paris. Dec Kammer ivird demnächst ein Antrag der Zucker-Interessenten zugehen, welcher die Ab­schaffung der Konsumstcuer für die Zucker-Industrie verlangt. Auf diese Weise würden die französischen Zucker-Industriellen mit den deutschen gleich gestellt werden und die Annahme der Beschlüsse der Brüsseler Zucker-Konferenz wäre hiermit gesichert.

* In deutsch- Siidwestasrika ist ein neuer Kultur­fortschritt zu verzeichnen. Der Gleisvorbau der Eisen­bahn Swakopmund-Windhoek hat jetzt Windhoek, den

Wie sic so unbeweglich steht, fügt er hinzu: Sag, daß es Dir recht ist.

Ja ja, doch!

Meine Laterne soll Dich dran erinnern, daß ich da bin.

Sie nickt, dann geht er und sie sieht ihm nach. Die Dämmerung wird freilich bald kommen, er muß seine Laterne anzünden, das ist ein Wahrzeichen für die auf dem Meere, es könnte aber auch eins sein für treue Liebe.

Den Kopf gesenkt, schleicht sie hinein, sie fühlt, daß sie nicht recht handelt gegen den arglosen Burschen, das sollte nicht sein.

Im Zimmer hockt sie sich auf einen niederen Schemel sie mag nicht hinaussehen aus den Fenstern Reick Toben könnte an den Zaun kommen. Nein doch, was soll die noch einen Gedanken an sie haben! Die Töne einer Harmonika klingen herüber vom Hochzeitshause, sie tanzen. Wann» sollen sie nicht? Von jenseit» der Straße erschallt Gesang, das sind die Kindtaufsleute. Warum sollen sie nicht lustig sem? Sie ist es selber einmal gewesen nur, daß es ein lchiielle» Ende genommen hat.

Sie hat plötzlich ein herbes Lachen örip West war ein Thor davon zu gehen; dankbar wäre sie ihm gewesen, wenn er ihr die Einsamkeit verscheucht hätte sie fürchtet sich vor den eigenen Gedanken. Wer kann sagen, was sie ihm bündig versprochen hätte, wäre er jetzt da noch mehr in den Hochzeit»- jubel unb den Taufgesang hinein, al» unter dem Glockenläuten.

Der Narr!

Völlig dunkel ist es nun. Was das für Lieder sind, die sie singen alle traurig, von unglücklicher Siebe und Sterben.

Da lappt brausten eine Hand gegen die Thür, sie fällt mit dumpfem Klang wieder zu. Ist es der Vater? dessen Tritte find schwerer. Kommt Fritz West zurück? *©ie richtet sich halb auf, sie weiß nicht, ob sie's wünscht ober fürchtet.

Nun ist der Fuß vor der Stube, die Klinke giebt einen schrillen Ton

Geerteerd! Scheu, flüsternd spricht es ein Mund, der sonst anders zu reden gewußt hat. Geerteerd! (Forts, folgt.)