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manchmal geredet! Man hört jetzt schon die Namen mehrerer Herren nennen, die als Kandidaten für den Wahlkreis auf­gestellt werden sollen, u. a. Sanitätsrat Dr. Vogel in Laubach und Oberförster Dr. Weber in Konrads­dorf. Letztgenannter Herr ist den Vogelsbergern eine be­kannte Persönlichkeit, er hat sich um das Aufforsten von Oedungen große Verdienste erworben, ebenso um die Neu­gestaltung des Sparkassewesens. Seine Wahl würde jeden­falls nur mit Freuden zu begrüßen sein.

** Aus dem Vogelsberge. Einige Ortschaften haben sich zwecks gemeinsamer Wasserversorgung zu einer Wassergenossenschaft zusammengethan, wie Feuerbach und Oberlais. Ein großartiges gemeinsames Projekt kommt gegenwärtig von den Gemeinden Ortenberg, Konradsdorf, Dckartsborn, Wippenbach, Lißberg und Merkenfritz zur Ausführung. Gewaltige Quellen wurden am Oberwald gekauft und die Gesamtanlage dürfte über 20 OOO Mk. kosten.

** Krofdorf. Mit dem 1. Oktober tritt der hiesige Hauptlehrer Herr Weil, nach einer 54jährigen Amts- wirksamkeit und nachdem er vor 4 Jahren unter großer Beteiligung der Gemeinde sein goldenes Amtsjubiläum feiern durfte, in den wohlverdienten Ruhestand. Wir haben hier den gewiß seltenen Fall, daß beinahe ein ganzes Jahrhundert in dieser Gemeinde dec Schuldienst von Gliedern derselben Familie ausgrübt wird. Schon sein Vater war beinahe 50 Jahre Lehrer dortselbst. Nunmehr hat die Negierung zu Koblenz den Schwieger­sohn, Herrn Lehrer Hoffmann l. zu seinem Nachfolger ernannt und ihm die Befugnisse eines Hauptlehrers übertragen. Möge diese Verbindung für die Gemeinde und die Lehrersfamilie zum Segen sein.

o. Lützellinden. Sehr gut besucht war unsere Kirchweih; friedlich und vergnügt tobte sich unsere Jugend aus, und die Alten — sie amüsierten sich nicht weniger. — Flotte Musik sorgte für ein gemütliches Tänzchen und die Wirte auf's Beste für die körperliche Erholung.

** Wetzlar. Herr Katasterlandmessec Hecmann Zöllner in Braunfels ist zum Kataster-Kontcoleur ernannt und ihm für die Zeit vom 1. November d. Js. ab die Verwaltung des bisher von ihm auftragsweise verwalteten Katasteramtes Braunfels definitiv über­tragen worden.

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** Kelterobstmarkt in Frankfurt. Zu dem am 22., 23. und 24. Septbr. in dec Stadthalle, Klostergasse 14, stattfindenden Kelterobstmarkt liegen bei der Zentral­stelle für Obstverwertung zu Frankfurt bereits zahlreiche Angebote und Kaufaufträge vor. Dec Markt verspricht einen guten und lebhaften Verlauf zu nehmen. Aus­drücklich sei bemerkt, daß nur Kelterobst gehandelt werden darf.

** Drei Schildbürgerstückchen erzählen die „Franks. Neuesten Nachr.": Die Abderiten, von denen Wieland so lustig erzählt, die Bürger von Schöppenstädt und Krähwinkel, sind noch nicht ausgestorben und selbst in der alten Kaiserstadt Frankfurt, dec intelligenzreichen Mainmetropole, passieren manchmal Sachen, die man nicht für möglich halten sollte, wenn man bedenkt, daß hierorts vor jetzt nahezu 400 Jahren das berühmte Buch „Dec Grillenvertreiber" herausgegeben wurde, in dem sich dec Vecfassec über allerlei Schildbürgerstückchen weidlich lustig macht. Die weisen Herren in Schilda bauten ein Rathaus und vergaßen die Fenster. Haben es die weisen Herren von Frankfurt schlauer an­gefangen? Man baute ein neues Schauspielhaus und vergaß — die Kassenlokalitäten! Man baute eine Ein­fahrt zu dem neuen Hause und — machte sie zu eng! Kern Wayen konnte durch. Und man machte einen Neubau fürs neueMathaus, um das Tiefbauamt unter- zubringen, und vergaß — die Aborte! Jetzt klebt man m der Barfüßers rasch die doch ziemlich notwendigen Kabinette an den Neubau an. im Theater hat man zwei enge Räume nachträglich für die Kasse eingerichtet u-'d auch die Einfahrt hofft man noch zu kurieren. „Wunder,eltsame Geschichten und Thaten der Leute von Frankfurt."

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.*' Frankfurt a. M., 20. Sept. Aus dem 1. Allqe- """" Deutschen Bankiertag sprach Direktor Thor wart-Frankfurt über Schaffung eine» Checkqe- lC^LU^ ^/"g eine diesbezügliche Resolution vor. In der Dièkuspon sprachen mehrere Bankiers dagegen. Es wurde ^ duser Sache folgende Resolution einstimmig angenommen: Dk' - erste allgemeine Bankiertag erklärt, daß er die Ordnung des Checkverkehrs zwar für eine der Aufgaben hält, deren alaâ^ S ^9?“?9 % âd unterzieh n müssen, allein er glaubt nicht, daß das Eingreifen der Gesetzgebung ein so dung-ndes Bedürfnis sei, um zur Zeit deshalb Anträge an d-e R-ichsregieruag zu stellen. 9

Aankiert^Än ^^ ^ ^' Die Teilnehmer am

" Elsenbahnunsall. In Wächtersbach fuhr gestern früh gegen 6 Uhr der Eilgüterzua 9k 7221 mif einen Güterzug Fünf Wagen entflieg selben, welche mit leicht brennbaren Stoffen beladen waren, gerieten in Brand und wurden bis aufb ©tfenteile eingeafchert. Der Lokomotivführer des auf- ßÄS 3u0eâ tourte leicht verletzt. Weitere Personen sind Nicht zu Schaden gekommen.

** Rheinhessen, 19. Sept. Dec Ectcag in Fcüb- burgundertcauben dürfte, soweit die bis jetzt abgehaltene Lese ersehen laßt, gleich einem Drittel bis einem halben Herbste fern. Für das Viertel werden 2.30—2.80 Mk bezahlt. Das Mostgewicht ist 70—85 Grad (Oechsle)!

r T .Wiesbaden, 19. September. Die im Dambach- U einein Maurermeister bedienstete 17 Jahre alte Elisabeth Hertel aus Niedecolm bei Mainz der verflossenen Nacht einen originellen ®eftmorböerfuSie hängte sich vor dem Fenster ihrer Mansarde auf. Der Strick riß jedoch

und das Mädchen stürzte vier Stock tief auf die Straße. Trotzdem hat sie äußere Verletzungen nicht davonge­tragen. Ihr Zustand läßt jedoch innere Schäden ver­muten. Sie wurde ins städtische Krankenhaus gebracht. Liebeskummer soll das Motiv der That gewesen sein!

* * Wiesbaden, 20. September. Im Aarthal ist das Thermometer vorige Nacht unter Null gefallen so daß viele Gartenfrüchte erfroren sind

* * Niederlahnstein, 19. Sept. In Troisdorf wurde gestern morgen der in Obeclahnstein stationierte Bremser Gerhard tot auf dem Geleis aufgefunden. Der Körver war vollständig m zwei Teile geschnitten. Dec Ver­unglückte hinterläßt eine Wittwe und acht Kinder

* * Koblenz, 12. September. Die diesjähciaen Manöver des 8. Armeekorps unter Leitung des kommandierenden Generals Erbgroßherzog Friedrich von Baden waren gegen die früheren grundverschieden Heuer gab es forcierte Märsche, Gefechte, welche die ganze Nacht andauerten, eine Korpsparade, Brücken­schlag, Eisenbahnverladung dec Truppen an einem Punkte, kurz alles Uebungen, die sonst nicht in solchem Umfange gemacht wurden. Heute ist es bestimmt hier bekannt, was man schon vor einigen Wochen in wissenden Kreisen sich erzählte, daß im nächsten Herbste in unserer Gegend Kaisermanöver im modernen großen Stile abgehalten werden. Dec Kaiser wird während fünf Tagen hier Stadtquactier nehmen und die zahlreichen Gefolge, Stäbe und was dazu ge­hört werden in den hiesigen Hotels untergebracht werden. Für einen mehrtägigen Aufenthalt der Kaiserin wird eines der Fremdenzimmer (neben den sogn. Sultanszimmecn) im hiesigen Schlosse zu einem Boudoir umgebaut. Die Arbeiten haben schon in der verflossenen Woche begonnen. Die Parade des 8. Korps wird vor dem Kaiser wieder auf demselben Gelände — bei Urnitz — abgehalten, wie im Jahre 1897.

** Marburg, 18. Sept. Der erste Preis der Pferdemarkt-Lotterie wurde gestern Nachmittag durch den glücklichen Gewinner K. L e m m e r aus S i ch e r t s - „ausen bei Gastwirt Valentin Zeiß abgeholt. Dem hfeierlichen Akt" der Abholung wohnten ziemlich viel Leute bei. Der Gewinner des vorjährigen ersten Preises, dec aus der Gegend von Homberg a. Efze stammte, ließ es sich etwas kosten, als er den schönen Preis in Empfang nahm. Dec diesjährige Gewinner war in dieser Beziehung etwas „Zäh". Ec machte eine Zeche von 60 Pfg., setzte sich auf seinen „eleganten Zweispänner" und fuhr stolz gen Sichertshausen. Das Publikum, das dem „feierlichen Akt" der Abholung bei­wohnte, war etwas enttäuscht über den „trockenen Ver­lauf" dieses Aktes.

Vermischtes.

* Einen Abfall wie nie zuvor wird die fonfei Dative Partei erleben, wenn die Reichstagsfraktion nicht fest bleiben' sollte,so hat der „Kreuzztg." ein in höherer Stellung im Westen der Monarchie befindlicher einflußreicher Konser­vativer geschrieben. Von den Großindustriellen sei „nichts zu erreichen, wenn ihnen nicht gründlich die Zähne gezeigt und sie am eigenen Geldbeutel gefaßt werden. Aus die neu­liche Resolution des Centralverbandes giebt es nur eine Ant­wort, nämlich eine erhebliche Herabsetzung der Jndustriezölle unter allen Umständen."

* Zum Parteitag der Freisinnigen Volkspartei in Ham­burg haben die Abgg. Fischbeck und Genossen folgenden An­trag zur Arbeiterfrage eingebracht: Der Parteitag der frei­sinnigen Volkspartei erklärt sich nach wie vor entschieden gegen jedes Ausnahmerecht in Bezug auf die Arbeiterverhältnisse. Der Parteitag tritt ein für Sicherung und Verallgemeinerung der Koalitionsfteiheit, für Aufrechterhaltung der Freizügigkeit unter Herabsetzung der Personentarife auf den Eisenbahnen.

. . * Unterschlagungen in der Ocstcrreichischen Länder- bank. Nach Mitteilung dec Länderbank entfernte sich am letzten Donnerstag dec Beamte dec Hauptkasse Edmund Jellinek voc der Kassenrevision. Die Voc- genommene Revision ergab große Unregelmäßigkeiten in dec Chekgebahcung. Bishec wurde ein Abgang in Hohe von 1 259 000 K r o n e n festgestellt. Jellinek, welcher flüchtig gegangen war, wurde verhaftet.

* Paris, 10. Sept. Ein erschütterndes Eifersuchts­drama spielte sich in der Nacht zum Donnerstag in Nantes ab. Die dort wohnhafte 53 jährige Hebamme Bois- robert, die seit einem Monat auf den Tod erkrankt und die ihren Zustand genau kennt, wurde von dem 35 Jahre alten Flklschermeister Amiot, der ein schönes Geschäft besitzt, mit der größten Hingebung gepflegt. Amiot war seit langer Zeit der Liebhaber der älteren Frau, die ihm, wie es heißt, die Mittel gab, sein Geschäft einzurichten, und zeigte sich seiner Geliebten gegenüber von einer großen Anhänglichkeit. Als am Donnerstag früh die Aufwärterin das Zimmer der Kranken betrat, fand sie Amiot blutüberströmt in einem Lehn­stuhle und Frau Boisrobert erzählte ihr mit erlöschender Stimme, sie habe, als Amiot in dem Lehnstuhle einge­schlummert war, alle ihre Kräfte gesammelt und aus einem Revolver zwei Schüsse auf ihn abgeseuert, die den jungen Mann auf der Stelle töteten. Amiot wollte sich nach dem Tode seiner Geliebten, der bald zu gewärtigen ist, verheiraten, allein die Sterbende wollte nicht, daß er einer anderen an­gehörte.

Kus dem Sericbtssaal

Strafkammer sitzung.

Gießen, 18. September.

Landgerichtsdirektor Dr. G ü n g e r i ch 'eröffnet kurz nach 8 Uhr die Sitzung. Vertreter der Anklagebehörde ist Staats­anwalt Hetzel. — Der Andreas Wagner von Hers- brück ist der Unzucht beschuldigt. Die Verhandlung wird

bei geschlossenen Thüren geführt und nach dem Beschluß der Kammer vertagt. — Der Landwirt Heinrich Bletz aus Hochweisel steht unter dem Verdacht, an den Oberförster Schlatterer in Butzbach eine Postkarte geschrieben zu haben, die mit einem fingierten Namen nämlich „Kuchel" unter­schrieben war und die starke Beleidigungen des Gastwirts Ditges in Hochweisel enthielt. Der Angeklagte leugnet die That. Die Sache wird aus den 7. Oktober vertagt. — Der Fruchthändler Markus Grünebaum und der Kaufmann Moses Grünebaum in Groß-Karben hatten wegen an­geblich falscher Angabe ihres Einkommens und ihres Ver­mögens je zwei Strafen erhalten, eine von 1977 Mk. und eine von 100 Mk. Da die Angelegenheit in dieser Sitzung nicht völlig geklärt werden kann, wird auch sie vertagt. — Der Müller M e l ch i o r I o st aus Echzell war wegen Be­drohung vom Schöffengericht Nidda abgeurteilt und dabei freigesprochen worden. Hiergegen hatte der AmtSanwalt Berufung eingelegt. Jost, ein nach dem Zeugnis der Ech° zeller Bürgermeisters braver, harmloser Mann, war von dem Müllec Sohl aus Echzell mit nicht wiederzugebenden ve- leioigungen traktiert worden Daraus soll er nun dem Sohl mit Kehlzudrücken" gedroht haben. Der Jost macht heute selbst nach Ansicht des Staatsanwalts einen sehr guten, der Sohl dagegen einen sehr schlechten Eindruck. Jost wird auf Antrag der Anklagebehör)e wiederum freigesprochen. — In Wetzlar war vor einiger Zeit der Karl Lamprecht aus Schwefe als Gymnasiallehrer angestellt. Als er dort entlassen wurde, verübte er, da er kein Geld hatte, mehrere Schwindeleien. So borgte er auf dem Bahnhof in Fried- berg den Telegraphisten Wilhelm um 10 Mk an unter der offenbar falschen Angabe sein Geld sei ihm auf der Fahrt von Frankfurt nach Friedberg von Unbekannten gestohlen worden. Dem Bürgermeister Leun in Groß en-Li n d e, gab er feine Uhr und erhielt dafür 13 Mk., auch unter der Angabe, sein Geld sei ihm abhanden gekommen. Der An- geklagte, der nicht zu erscheinen braucht, da eine ihm befreun- dete Dame 500 Mk. Kaution für ihn gestellt hat, behauptet,

?a"z zurechnungsfähig zu sein, er leide sehr an Ge­dächtnisschwäche, verliere oft sein Geld rc. Die ärztliche Be- obachtung ergab jedoch für die Behauptungen keinen zwingenden Anhalt. Vom Schöffengericht in Friedberg hatte er wegen der genannten Vergehen 6 Wochen Gefängnis erhalten. Der Angeklagte, der wegen 5 BetrugSfällen schon mit 9 Monaten Gefängnis vorbestraft ist, dringt mit seiner Berufung nicht durch. Es bleibt bei dem Friedberger Erkenntnis. — Der Fabrikarbeiter Wilhelm Bach, der Schuhmacher Ludwig Ruhl und der Taglöhner Ludwig Heck, sämtlich auS Schotten find der schweren Körperverletzung angeklagt. Der wegen ähnlicher Delikte schon sehr oft vorbestrafte Heck machte eines Tages in seiner Wohnung, die sich im selben Hause befindet, wo auch die andern Angeklagten ihr Domizil haben, einen argen Radau. Der Bach und die andern kamen dazu, es entstand eine Keilerei, bei der dem Heck daS rechte Auge ausgeschlagen wurde. Wer zuerst angefangen hat, läßt sich nicht feststellen, da andere Zeugen als die Angeklagten nicht zugegen waren. Wer Recht hat, vermag daS Gericht nicht zu entscheiden; eS erkennt deshalb auf Freisprechung sämtlicher Angeklagten. — Der JohannAnton Kröckel, Dienstknecht bei dem Landwirt Joh. Weiß 111 in Storndorf, hatte vom Schöffen­gericht Alsfeld drei Wochen Gefängnis erhalten, weil er der Mutter seines Dienstherrn bei einem Streite mit einem Stück derart auf den Kopf geschlagen habe, daß eine 2 Zentimeter lange, aber tiefe Wunde entstand, die von dem Angeklagten verfolgte Berufung wird verworfen. — Schlutz der Sitzung 2i/2 Uhr.

neueste Nachrichten.

Berlin, 23. Sept. Nach einem Telegramm dec „Welt am Montag" aus Hamburg ist das deutsche Schiff „Zooland", das in Husum beheimatet ist, mit der ganzen Besatzung untergegangen.

Berlin, 22. Sept. Den Morgenblättern zufolge hat der von Darmstadt im Frühjahr nach Berlin übersiedelte 24jährige Architekt Patriz Huber am SamStag Abend sich in seiner hiesigen Wohnung erschossen. Die Ursache der That soll eine Liebes-Affaire sein.

Leipzig, 23. Sept. Vorletzte Nacht ist der bekannte Theologe und Senior der theologischen Fakultät der Universität Leipzig, Geh. Kicchencat Dr. Luthardt im Alter von 70 Jahren gestorben.

Starkenbach, 22. Sept. In Krolo schnitt die Tage­löhnersfrau Anna Holaczek aus Not sich und ihren drei Kindern die Kehle durch. Alle vier sind tot.

Brüssel, 21. Septbr. Die Leiche dec Königin wird nicht aufgebahrt. Die Verwesung geht so schnell vor sich, daß die Leiche bereits heute früh in den Sarg gelegt wurde. Die Königin hat sich jede Einbalsamirung energisch verbeten. Der König wird somit die Leiche nicht mehr sehen. Die Gräfin Lonyay (Prinzessin Stefanie) hat ein Telegramm gesandt, worin sie ihr Eintreffen ankündigt. Wie es heißt, hat sie sich mit ihrem Vater ausgesöhnt. Daß auch die Prinzessin Louise nach Brüssel kommt, erscheint völlig ausgeschlossen.

— Der französische Kriegsminister Andr^ hat den Redekrieg eröffnet. Zuerst sprach er in Agen, dann in Toulouse und VillefrancS. Ueberall drückte er sich mit mili­tärischer Ungeniertheit auS. In Agen sagte er ungefähr Folgendes: Jetzt, da ich daS 16. und 17. Armeekorps habe manöverieren sehen, finde ich sie ebenso herrlich und ebenso vorzüglich aus den Felddienst vorbereitet, wie die berühmte „eiserne Division". (Die Division an der deutsch-französischen Grenze.) Mit einer solchen Armee hat Frankreich nicht» zu furchten und ich der sie befehligte, werde mich glücklich schätzen, sie zum Siege zu führen.