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Nr. 193. Zweites Blatt. Donnerstag, den 21. August 1902.

11. Jahrgang.

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Das Blatt erscheint an alle» Wâgen nachmittags.

J»sertto«SpretS: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberhessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklame» die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28.

^er»sprecha«fchl«ß Nr. 368.

Neueste Nachrichten

(chieß-ner Dagevratt) Flnabhängige Tageszeitung (chiehener Zeitung)

für Oberhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, Vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei (gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

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Politische Nachrichten.

- Kriegsminister Göhler will, wie dieTägliche Rundschau" aus sicherer Quelle erfährt, nach dem Manöver zurücktreten. Ueber seinen Nachfolger ist noch nichts bekannt.

Der Verband der kath. Studenten­vereine Deutschlands hält anläßlich dec 49. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Mannheim mehrere Verba n ds -Fest l i ch keite n ab. Göttin gen. Besonders im letzten Semester hatte es sich mehrfach ereignet, daß Studenten um gering­fügiger Differenzen willen diese durch Säbel Mensuren zum Austrag brachten. Dem wollen die akademischen Behörden energisch steuern, wie aus einer Verfügung des Rechtspflegeausschusses hervorgeht. In dem Schrift­stück, dessen Inhalt jedes vernünftigen Menschen Beifall finden muß, heißt es:Es ist wiederholt zu unserer Kenntnis gekommen, daß die grobe Unsitte der Säbel Mensuren auch an unserer Hochschule be­dauerlich im Schwange ist. Wir sind entschlossen, dem Leichtsinn energisch zu wehren, der geringfügige studentische Ehrenhändel der Entscheidung durch schwere Waffen unterwirft, und wir warnen die Herren Studierenden dringend vor den Folgen einer Handlungs­weise, die sich mit der gesunden Ordnung akademischen Lebens nicht vereinigen läßt. Dec Privatdozent Dc. Georg Sultan an dec medizinischen Fakultät ist von dec Regierung durch'.Vecleihung des Titels Professor ausgezeichnet worden. In Freiburg habilitierten sich der Kustos der dortigen Universitätsbibliothek Dr. E. Eckhardt für englische Sprache und der Assistenzarzt an der chirurgischen Klinik Dr. Pertz für Chirurgie. Prof. Dr. D. Schäfer in Heidelberg lehnt die Berufung nach Berlin ab. Als Nachfolger Gerhardts in Berlin nennt dieKreuzztg." Dr. Kraus in Graz. Der Wiener Universitätspcofessor Gruber hat die Berufung auf den Lehrstuhl für Hygiene nach München als Nachfolger Pettenkofecs angenommen.

in dem Heere des Teufels eine furchtbare Wut er­regen und das der Teufel, um seinen Triumph zu hindern, sogar die Welt umzustürzen versuchen würde. Das ist die Wut, die wir heute entfesselt sehen. Niemandem, der noch an das Uebernatücliche glaubt, ist es gestattet, zu verkenneu, daß ein bemerkens­werter Zusammenhang zwischen diesen fceimauecischen Gewaltthaten und dieser Blüte der Hecz-Jesu-Vec- ehrung besteht. Aber wir wissen auch, daß der schließ­liche Sieg dem Herzm Jesu gehört. Wie der Kampf, so ist auch der Triumph von der Jungfrau v. Paray voraussagt worden. Es wird herrschen, sagte sie als Werkzeug dec göttlichen Offenbarung, trotz des Teufels und seiner Helfershelfer."

Nun wissen die bretonischen Bauern, wogegen sie ihre Heugabeln schwingen.

teresse daran haben, seinen inländischen Handel zu Gunsten einer größtenteils ausländischen Aktien-Gesellschast vernichtet zu sehen. Zum Schluß sei darauf hingewiesen, daß seitdem die D.-A. P.-Gesellschast die Konkurrenz der Seeplätze be­seitigt und ihre Tankanlagen in allen zu Schiff erreichbaren größeren Binnenplätzen hat, die Preise für Petroleum trotz vermehrter Produktion nicht billiger, sondern vielmehr teurer geworden sind, womit auch die hohen Dividenden, welche diese Gesellschaft nach den Zeitungsberichten seither verteilt hat, zusamenhängen mögen, während sich der EngroS- und Detailhändler mit einem vielfach recht geringen Nutzen be­gnügen müssen.rr.

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gum Streit der Klerikalen in Frankreich gegen die Regierung.

In Saint-Moen hat die Volksmenge das dem Grafen d' Est o u r n e l l e s gehörige Schloß Ccaans angegriffen. Die Dienerschaft wurde gefesselt und das Innere des Schlosses verwüstet.

Paris, 20. August. Unter Vorsitz von Francois Coppee und der Baronin Neil le fand gestern itn Protestmeeting statt. Am Schluß einer Ansprache forderte Coppèe die zahlreich erschienen Zuhörer auf, die Steuerzahlung zu verweigern. Dec Kabinettschef hat ein Schreiben des Grafen Ozhier erhalten, worin dieser mitteilt, daß er entschlossen sei, keine Steuern mehr zu bezahlen und sich schlimmsten Falls mit der Waffe in der Hand verteidigen werde.

Die wahren Ursachen der gegenwärtigenKirchen- verfolgung in Frankreich sind entdeckt; das ^rgan der klerikalen Republikaner derUnivers" be­weist es klipp und klar, daß Niemand anders hinter chr stecke als - s f f der Teufel.

Wenn man die Ereignisse, die sich vor unsern Augen abspielen, in dem Lichte betrachtet, das von oben kommt, so werden sie alsbald sehr einfach und klar erkennbar. Man entwirrt dann leicht aus ihnen die tiefere Ursache und kann ohne Mühe auch ihren tröstenden Ausgang voraussehen. Das h. Herz wollte, indem es sich Frankreich offenbarte (vor den Augen der selig gesprochenen Marie Alocoque), daß unsere Nation sich ihm ganz hingebe und es in der ganzen Welt verbreite ... Es wäre aber entgegen der Ge- schichte alles religiösen Fortschritts gewesen, wenn diese herrliche Entfaltung (dec nationalen Verehrung des h Herzens in Frankreich) nicht in der Hölle einen Ausbruch wahnsinniger Wut erregt hätte. Jedes Werk der Vorsehung muß, ehe es zum Siege gelangt, seine Feuerprobe bestehen, und der Schöpsec hat voc der, menschlichen Freiheit eine so hohe Achtung, daß er sie manchmal seine eigenen Absichten hemmen läßt. Noch mehr I Es wäre entgegen allen Vocaussag- ungen unseres Herrn Jesus Christus selbst, wenn die von seinem göttlichen Herzen gemachten Eroberungen keinem Hindernis begegneten und keinem Hemmnis unterlägen. Die selige Margarete Marie, seine Botin und sein Apostel, hat es förmlicherweise angekündigt, daß dec Fortschritt der Verehrung des Herzens Jesu

Giessener Cagesneuigkeiten.

** Die abnormen Temperaturverhältnisse dieses Sommers, vor allen hingen die häufigen Niederschläge und die anhaltend niedrige Temperatur sucht der be­kannte Astronom Flammarion in den großen Massen Treibeis im atlantischen Ozean zu erklären. Diese An­sicht wird neuerdings durch dänische Schiffsoffiziere be­stätigt, die während dec Reise über den Ozean unter empfindlicher Kälte zu leiden hatten. Die Ursache dieser Kälte ist in den großen Massen von Polareis zu suchen, das in diesem Sommer weit südwärts in den Atlantischen Ozean hineingetrieben ist.

** Die Zwanzigpsennigstücke aus Nickel wollen noch immer nicht aus dem Verkehr verschwinden. Im nächsten Jahre werden sie außer Kurs gesetzt werden, weshalb dem Publikum empfohlen wird, diese Münzen schon jetzt zu Zahlungen an die Reichs- und Landes­kassen zu verwenden.

Bom Petroleummarkt

wird uns Folgendes geschrieben:

Gegenüber dem von Ihnen unterm 18. August in Ihrer Zeitung gebrachten Artikel betreffend Errichtung von Tank­anlagen der deutsch-amerik. Petroleumgesellschast wird von einer Seite, die sich zurächst zur Wahrung ihrer eigenen Interessen berufen hält, eine der mitgeteilten gerade entgegengesetzte An­schauung geltend gemacht, die den Standpunkt weitererKreise ver­tritt. Wenn in oben erwähntem Artikel gesagt ist, daß die Agitation gegen die Bassin-Anlagen der D.-A. P.-Gesellschaft nur die Wahrung der eigenen Interessen und nicht das All­gemeinwohl im Auge habe, wenn der ehrliche Kampf für die eignen Interessen anerkannt und vom Standpunkt der Ge­schädigten nur bedauert wird, daß der K^.mpf ein unnützer sei, weil nicht gegen eine Person, sondern gegen ein System gerichtet, das System der Ausschaltung des Zwischenhandels und möglichst direkter Versorgung des Konsums, (soll hier zu­nächst des Engroshandels heißen), so läßt sich dagegen doch Vieles einwenden. Zunächst die Frage: Veranlaßt die Deutsch- A.-P.-G. bei ihrem Vorgehen wohl das Allgemeinwohl mehr als das eigene Interesse? Hat die große Aktiengcsell- schast den Kampf mit dem Engroshandel wohl begonnen, um zunächst den Detailhandel und sodann die Konsumenten mit recht billigem Petroleum zu versorgen? Verkauft sie deshalb an Plätzen, wo sie sich einführen will, bei kleinen Wochen- lieserungen billiger, als sie an denselben Plätzen dem Engros­händler bei großen Mengen abgiebt? Hat sie auch das Allgemeinwohl im Auge, wenn sie dem Detailhändler die Gefäße unentgeltlich leiht, aus denen er später nur ihr Petroleum verkaufen darf; der vielen anderen Unkosten nicht zu gedenken die sich die Gesellschaft zur Erreichung ihres Zwecks macht? Will sie etwa hierdurch nur die Konkurrenz russischer, rumänischer, österreichischer, oder auch anderer amerikanischer Oelgesellschaften bekämpfen? Zu diesem Zweck haben bisher gute Ware und reelle Preise genügt. Offen­kundiger ist doch die Absicht, alle in- uud ausländische Kon­kurrenz zunächst durch Unterbietungen zu beseitigen, um für sich ein Monopol zu erwerben, nach dessen Erlangung die zunächst gebrachten Opfer jedenfalls reichlich wieder zurück gewonnen werden sollen. Dies ist ohne Zweifel auch die Anschauung der Handelskammern und Staatsver­waltungen, die sich seither den deutsch-amerikanischen An­schauungen nicht geneigt zeigten. Unverständlich aber ist es, welche Macht und Einfluß der Staat auf die Gesellschaft haben soll, nachdem er derselben sein Gelände überlassen und durch ruhiges Geschehenlassen zur Förderung ihrer Absichten beigetragen hätte. Mit btm Staat dürfte dann di? Gesell­schaft ein leichteres Spiel haben, als mit dem Engroshandel und den Handelskammern. Auch kann der Staat kein In­

Aus stellen und Daebbargebieten.

** Mainz, 19. Aug. Zwölf Arbeiter der Gastell'- scheu Waggonfabrik haben sich dieser Tage zum Besuch dec Ausstellung nach Düsseldorf begeben und zwar auf Kosten der Fabrikbesitzer. Jeder der Arbeiter 18 folgen noch erhält 85 Mk. In einer an­gesehenen Familie wurde dieser Tage die Hochzeit eines Angehörigen gefeiert und dabei wurden auch Pilze aufgetischt. Alle Hochzeitsgäste sind nun nicht un­erheblich erkrankt. Die Aerzte glauben, daß die Pilze daran schuld sind.

* * Mainz, 19. Aug. Die hiesige Strastammer ver­urteilte den Küfer Michael Schmitt von Büdesheim wegen Grabschändung zu 1 Monat Gefängnis. Der Frevler hatte in angetrunkenem Zustande aus dem Grabe eines Bau­meisters einen Rosenstock herausgerissen.

* * Vom Main, 19. Aug. Beim Bau der Wasser­leitung in Untersambach wurde der 20 jährige Installateur I. Mehl staub von einstürzenden Sandmassen ver­schüttet. Der junge Mann wurde als Leiche herauS- gegraben.

* * Weisenau, 19. August. Nach zweijährigem Auf­enthalt in China kehrte endlich dec Jäger zu Pferde Franz Weiß wohlbehalten hierher zurück.

* * Bretzenheim, 17. Aug. Vom 9.16. August kamen hier 62,794 Mäuse und 503 Hamster zur Ab­lieferung. Da aus der Gemeindekasse für eine MauS 1 Pfg. und für einen Hamster 10 Pfg. vergütet wurden, so kamen 678 Mk. 24 Pfg. zur Auszahlung.

* * Obernheim, 19. Aug.Ich schieße dich tot", sagte im Scherz der Landwirt Balz dahier zu seiner Frau und zielte dabei mit einem Revolver auf dieselbe, den er für un­geladen hielt. Da krachte ein Schuß, und in'S Herz ge­troffen brach die Frau tot zusammen. Erst am Sonntag hatte das Ehepaar das Tauffest seines ersten SprößlingS gefeiert.

* * Gau-Obernheim, 19. August. Die Ehefrau des Bahnarbeiters Balz, seit 8 Wochen verheiratet, hantierte gestern mit einer geladenen Pistole. Plötzlich krachte ein Schuß und die Frau sank ins Herz getroffen zu­sammen. Sie war nach einigen Augenblicken eine Leiche.

* * Bingen. Die Hebungsarbeiten an dem bei AßmannS- hausen gesunkenen Schleppkahn,Gertrud Sybilli' sind miß­lungen. Der Dampfer wird gesprengt. In verschiedenen Weinbergen der hiesigen Gemarkung ist der Sauerwurm auf­getaucht.

* Koblenz, 15. August. Ueber den schon gemeldeten Radfahrer-Unfall bei Koblenz berichtet dec Koblenzer General-Anzeigec":Ein fremder Radfahrer fuhr in größter Geschwindigkeit den steilen Hayecweg hinunter. Oberhalb der Häuser, an der ersten Kreuz­wegstation, verlor er die Herrschaft über sein Rad, schlug links gegen die Mauer, flog dann gegen den dort be­findlichen Gartenzaun, wo er sich die Schädeldecke ein­stieß und gleichzeitig das Genick brach. Ern Mann von hier sprang sofort herbei, um ihm Hilfe zu leisten. Dr. Käufer, dec ebenfalls sofort zur Stelle war, konnte nur noch den inzwischen schon eingetretenen Tod feststellen. Bei Durchsicht dec Sachen stellte man fest, daß der Ver- unglückte aus Münster in Westfalen stammt und zur Zeit mit seiner Fcau in Pfaffendorf zur Sommerftische weilt. Ec hatte einen Geldbetrag von etwa 400 Mark bei sich. Gegen 2 Uhc traf seine Frau, die man tele­graphisch benachrichtigt hatte, hier ein. Das Wieder­sehen dec Frau mit ihrem leblosen Manne, der sie heute Morgen noch gesund und munter verlassen hatte, um einen Bekannten in Rübenach zu besuchen, war ein Herz­zerreißendes. Dr. Käufer brachte die bedauernswerte Frau ins Hotel Zillien und nahm auf ihren Wunsch eine Jnstanosetzung der Leiche vor. Der Name des Ver­unglückten ist Kciegsgerichtssekretär Wiese.

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