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Nr. 141.
Erstes Blatt
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llöo»»eme«tspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., ns Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertcl- jährlich Mk. 150.
«.»«isb-tlagc»: Ob-rhessische F-m«,t.«z'ttu»g «täglich, 5b«h-snsch. Zeitschrift für L.,dw.e. chaft, cbft- u.d igartenbau, sowie die Gießener Irifenblafe« (wöchentlich >. Da« Blatt erscheint an alle» Werktagen nachmittag«.
Meileke Machrichten
(chießener Tageblatt)
Unabhängige Iageszeitung
(chiekener Zeitung)
für Oberhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei. vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei (gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.
Das Kaiserpaar im Rheinland.
Mörs, 20. Juni. Das Kaiserpar traf um 9 Uhr 120 Min Vormittags hier ein. Nach dem Eintreffen da- 'selbst erfolgte die Enthüllung des Denkmals König seinen Postämtern Friedrichs I Um 10'/, Uhr reifte das Kaiserpaar nach UebermitMm,,. (Kiefeld ab. In Krefeld angekommen, besuchte der Kaiser ( . , ^ ,"" und die Kaiserin nach der Begrüßung das Museum und
J Jn“ wir nicht d^g Standbild Kaiser Wilhelm 1., sowie die Ausstellung le Erneuerung bei der Kreselder Seiden- und Samtindustrie. Hierauf wurden hung zu her^inbern im Oberlichtsaal die Stadtverordneten vorgestellt und dem Kaiser ein Ehrentrunk angeboten, worauf dec Kaiser eine
Ansprache hielt, in welcher er u. A. sagte: Sie, die Sie doch eine Handelsstadt sich nennen, begreifen, daß außer dem Heer noch andere Dinge notwendig sind, und das ist unsere Flotte. Sie haben empfunden im Laufe Ihrer Entwicklung, was es heißen will, wenn mit einem Male an fremden Gestaden die deutsche Flagge entfaltet wird und der Respekt vor den deutschen Kriegsschiffen bei
der Bevölkerung der berührten Länder erwacht. Für Sie ist es eine Notwendigkeit, daß eine starke, mächtige Flotte
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Kil bitter. ! die Handelsflagge beschirmt, damit Sie in Ruhe Ihre Er- ,«l«m«>m«« i'ugnisse überall absetzen können.
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lastheabierhmdlitiiz Heinrich Jost Saflauägaffe 10 - offeitrt
fr^tkn^rnuKti
mit
Gießen, dell, drückn,
bessiseder Landtag.
Darmstadt, 20. Juni.
Spezialdebatte über die W a h l r e ch t è v o r l a g e.
Artikel 5 «Stimmrecht für die Erste Kammer) wird allen gegen die sozialdemokratischen Stimmen ange-
iioitimen.
gL Gegen Artikel 6 wendet sich Abg. Dr. David, da er
h (613 jbie dreijährige Staatszugehörigkeit fordert, sowie bie Steuer« * zpgehörigtcit fordert, sowie bie Steuerrückstandsklausel ent- dält, die nicht so sehr den Arbeiter, als vielmehr den kleinen ------■ jyauetn treffe, zumal wenn sie auch, wie der Artikel wolle, chhackmaschinen auf bie Gemeindesteuer ausgedehnt wird. Redner verteidigt »cikckiinell leinen Standpunkt, daß für das wahlfähige Alter das «Seinen I21 Lebensjahr festgesetzt werbe. Ebenso sei die Staatszu- !rpUtzM«IG : ^Hörigkeit nicht nötig, die ja auch bei den Kommunalwahlen Maschine« ........ ....... - - -
ManM aM'chiacn , ,
?„</»iiaâwaaae« '«»ei Verfassung ohne gewisse Voraussetzungen gegeben.
® Der Entwurf halte am 25. Lebensjahre fest unb daher an
innen ' dem,' was bisher war und woran auch das ReichstaqSwahl-
nicht gefordert würde, woraus ersichtlich, daß es auch ohne
- dnè gehe.
Staatsminister Rothe: Das direkte Wahlrecht werde in
dem,' was bisher war und woran auch das ReichètagSwahl- "cht festhalte. Auch die Forderung des dreijährigen Wohn- foei? im Lande sei schon früher gewesen, also keine neue
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Geerteerd.
Novelle von E. V e l y.
(Nachdruck verboten.)
6.
ein Festtag für die Insel, dieser erste Noveniber-
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Es ist
sonntag. Mit einem Extraboot ist der Psarrer herüber geholt und ganz besonders ruhiges Wetter hat der Himmel für die Fahrt beä würdigen, alten Herrn geschenkt, der solch eine gr ' e fingst vor der Seekrankheit hat. Er bekvuuut genug zu thun an bem einen Tag — die taufbaren Kinder werden in das geihijche Kirchlein getragen und für zwei Paare klingen die Hochzeitsglocken über das gelbe Eiland hin.
. °'e s'nö fu rasch hier sür's Leben verbunden, wie auf dem -eepland aber daß das Leben selber für den Seefahrer ein nocß leichter verlierbares Gut ist, das vergißt der weißhaarige ecellorger nie wehmüthig zu betonen.
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Nur wenig Personen sind Ijciite nicht Hochzeit-- ober uind- taufëgäfte — Manicl Hay sitzt bei bem fröhlichen Zwillingsvätcr unb crzähli dort seine haarstcäubendcn Secgcschichte», denen ein andächtiger Kreis lauscht und dazu trinkt.
Geerteerd hat Edo Finnink versprochen, zu seinem Fest zu lammen, wenn sie aber in der Freude überhaupt nicht das ■ schwarzhaarige Mädchen vergessen haben, so haben sic ,- oer- H grblich erwartet. Manicl Hay's Einzige hat wie an einem ! Werktag im Hause geschafft unb nicht darauf geachtet, daß von Ijiiben unb drüben die Gäste hcrau-gctrctcu sind 511111 Kirch-
È gang. Als baun die Glockcnstimmc sich erhebt, eilt sie an's I. Meer, hart am Strande setzt sie sich nieder unb blickt mit starren I -lugen auf bie*graue Wasscrinasse. All die Zeit her hat jic's I blatt getragen, das Weh, das Gefühl von Schmach — kein Mensch I l|at gewähren können, wü's in ihr war, keiner hat darüber lachen lullen, daß Geerteerd Hay eine Verschmähte ist. Sie hat keine Thräne gehabt und keinen Seufzer — nur ein Brennen im Herzen, e in Wichlen.
: Die Wellen kommen und gehen, sie sieht bem bekannten
Samstag, den 21. Juni 1902.
Gießener
Bedingung Was die dreijährige Staatszugehörigkeit anlange, so solle sie eben die Garantie geben, daß der Wähler sich der Bedeutung des Rechts bewußt ist, das er ausübt. Mau müsse dabei auch bedenken, daß Derjenige, der wählt, auch gewählt werden könne. Diese Forderung sei also nicht nur mit Rücksicht auf das aktive, sondern auch auf das passive Wahlrecht geboten. Bei den Landtagen handle es sich doch hauptsächlich um wirtschaftliche Dinge Wer da mitraten wolle, der müsse eine längere Zeit in bem betreffenden Lande wohnen. Man könne also die Bedingung betreffs der Staatsangehörigkeit sehr wohl stellen. — Wer ferner feine Steuer zahle, der solle auch nicht mitraten. Neu fei nur, daß die Steuerrückftandsklaufel auf die Gemeindewahlen ausgedehnt wird. Das entspreche nur der Gerechtigkeit. Auch fei die Steuerrückstandsklausel nicht gegen die Armen gerichtet. Er glaube, daß die Kautelen ber Vorlage solche seien, von denen man sagen könne, daß sie von der Regierung verlangt werden dürfen.
Artikel 5 wird darauf einstimmig angenommen, gemäß dem Ausschußantrag, der nur ein einjähriges, nicht ein dreijähriges Wohnen in Hessen zur Voraussetzung des Wahlrechts macht.
Zu Artikel 7 hat Abg. Dr. David beantragt, daß das Stimmrecht nicht beschränkt werde durch die Acmeu- untecstützungsklausel. Plan redet so viel vom christlichen Staat. Wenn man damit ernst machen wolle, so solle man die Armen auch als gleichberechtigte Bürger auerkennen. — Diese Klausel sei so unmotiviert und unglücklich, daß sie fallen müsse, wenn sie auch auf die Wahl selbst nicht von großetii Einfluß sei.
Abg. Leun ivendet sich gegen die Steuerrückstandsklausel, soweit sie sich auf die Gemeindesteuern bezieht, mit Rücksicht auf die Landbewohner und ivüi-scht, daß man an Stelle des zweimonatlichen Rückstandes nur den Rückstand des vorhergehenden Jahres anerkenne.
Abg. Reinhardt hat einen dahingehenden Antrag eingebracht, weil er die Wahlpflicht ivünsche.
Ministerialrat Becker wendet sich gegen den Vorschlag des Abg. Leun, der identisch ist mit dem Antrag des Abg. Reinhardt, weil das sonderbare Zustände Hervorrufen würde, was er näher darthut.
Abg. Ulrich erklärt, seine Partei würde nötigenfalls für den Antrag Reinhart unb Leun stimmen. Er wendet sich dann gegen die Positionen 5, 6 und 7 dieses Artikels wegen der Verschärfung, die er enthält, indem er das Wahlrecht von Beamten^ aller Art und von Rechtsanwälten beschränkt, ivozu jede rechtliche Basis sehle. . , . c -
Spiele zu; sie braucht nichts zu thun, als nur auf bem Platze zu bleiben, den sie jetzt inne hat, uni in ein paar Stunden sanft wie von weichen Armen sorigeiragen zu werden. Und da- graue Wasser wird genug fein, das Brennen in ihrem Herzen zu löschen.
Nein! so nicht. Sie spricht die Worte mit sprödem Ton in das Glockenläuten hinein. An bem Tage, wo sie auf Jo'è Kommen
ist etwas
Mit sagt sich
hat sie auch in die Wellen hinein gesprochen, das von „büßen" gewesen.
einem herben Lachen sieht sie an sich hinunter. Das leicht — sie ist ja aber nichts, als ein Weissvild
— hat sie's hindern können, daß Jo sein Spiel mit ihr getrieben, daß er am selben Tag, wo sie seiner geharrt voll Liebe unb Vertrauen, einer Andern seine Werbung gebracht hat? Kann sie jetzt die Töne da oben in der Lust verstummen machen? Die Kirchgänger aus ihrem Wege anshalten, die blonde Meerie von Jo's Seile reißen?
Nichts kann sie — nur über sich selber lachen, über Gcer- tecrb mit all ihrem Trotz und Hohn für Andere. Sie beißt die Zahne in die Lippen. Deutlich sicht sie jetzt, wo das Geläut fcßweigt, die Beiden zum Altar gehen — an denselben Platz, wo sie in ihren Gedanken sich unb Jo bereits erblickt hat.
Was sic da Alle geloben wollte — Demuth und Treue —
Nun reckt sie die Rechte nach den Wogen hin und ihre Lippen murmeln einen Fluch und dann sagt sie: Dem Mantel Hay gehör ich zu, was dem geschehen ist, hat er hcimgcgeben.
Dann kauert sie sich still wicber nieder. Sie weiß nicht wie, aber sie fühlt's in sich, daß noch eine Stunde kommen mag, wo sie Vergeltung üben kann.
Ob's schlecht ist? Ist Jo gut mit ihr gewesen? Ob Rache gottlos ist? Sie hat die Liebe für Jo wie vom Hinnnel geschenkt genommen und sich fromm und gut geftihlt und cs sein und bleiben wollen! Wer braucht sie jetzt noch so? Ihr Vater nicht, bet lacht über die Demüthigen und nennt die Guten dumm; TÜv den kommt aus dem Himmel nur Regen oder Sonnenschein, -lucm oder günstiger Wind,
11. Jahrgang.
J»sertto«spr«is > Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberhcsscn, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Ps, sonst 15 Psg.; Reklame» die Pctitzcllc 30 resp 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3032.
Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.
Abg. Weidner will den Antrag Leun auch unterstützen, findet den lvarmen Appell des Abg. David an die Humanität sehr schön und gut, möchte aber nicht die Verschwendungssucht unterstützen und deshalb ist er für Beibehaltung des Voin Abg. David bekämpften Passus in Artikel 7.
Geh. Staatsrat von Krug ivendet sich gegen den Abg. Ulrich. Es handle sich bei Position 5, (’> und 7 nur um Konseguenzen aus richterlichen Urteilen, nicht um kleine Versehen dec Beamten und ihre Folgen, sondern um die allerschwersten Vergehen derselben.
Abg. Ulrich hat einen Antrag eingebracht auf Streichung von Position 5, 6 und 7.
Abg. MoUhan spricht sich gegen diesen Antrag Ulrich aus, wenn er und seine Partei ihre endgültige Stellung zur Vorlage auch nicht von diesen Dingen ab- hängig machen würde.
Abg. Ulrich: Es handle sich namenilich bei Position 6 doch auch um Dienstvergehen und nicht um schwere Verbrechen, die ja schon durch Position 4 getroffen wurden, und deshalb halte er die Position 5, 6 und 7 für bedenklich.
Der Ausschußantrag zu Position 1 bis 4 und 8 bis 10 wird darauf mit allen gegen 6 Stimmen an- gekommen; ebenso Position 5 und 7, Position 6 dagegen nicht. Die Abstimmung über Position 11 (Steuerrückstandsklausel) wird für später ausgesetzt. — Artikel 8 ivird angenommen.
Zu Artikel 9a (Wahlpflicht) spricht Abg. Reinhard, der die Wahlpflicht wünscht.
Abg. Molthan erklärt, im Prinzip sei ja seine Partei für die Wahlpflicht, aber wenn nur die Proportionalwahl eingeführt werde. Da aber die Regierung sich dagegen ausgesprochen, würde er und seine Partei nun im Interesse dec Vorlage gegen die Wahlpflicht stimmen.
Abg. Dr. David: Obgleich die Wahlpflicht gegen seine Partei gerichtet sei, so wolle man doch Großmut walten lassen und der Wahlpflicht seitens seiner Partei juflimmen. Als unbedingte Voraussetzung komme aber für seine Partei hier allerdings in Betracht: 1. die Beseitigung der Steuerrückstandsklausel; 2. müsse die Wahlzeit so gelegt werden, daß jeder Lohnarbeiter wählen könne, ohne einen Lohnausfall zu riskiren und andere Unannehmlichkeiten. 8 é
"Mbg. Korell spricht sich^in ähnlichem Sinne aus. Er wünscht allerdings nicht,F daß bei Einführung der Wahlpflicht„ eine_,®esbstrafe^seintrete für Versäumnis
Und niemand braucht sie sonst auf der Welt — und sie niemanden.
Geerteerd Hay!
Sie schnellt empor — steht vor dem Leuchtthurmwächter, der sie überrascht hat, und guckt ihm fast drohend in's Gesicht, forschend auch, och's sein sann, daß er ihre Einsamkeit deutet. Aber er hat nur das fröhliche Lachen, welches alle Menschen an ihm sonst geliebt haben, das aber den schweigenden Insulanern so ungewohnt ist.
Habe gemeint, außer mir giebt'ë niemand, der heute nicht Hochzeit feiert, sagt er.
Wem der Sinn nicht darnach ist, muß allein bleiben, antwortet das Mädchen.
Er streckt ihr die Hand hin unb sie legt die ihre hinein.
Geerteerd — wenn Du gewollt hättest —
Sie läßt ihn nicht ansredcn, das Läuten beginnt von Neuem. Nun ist ans Meerie Möllers Jo Toben's Frau geworden.
So oft Du mich siehst, Fritz West, sagst Du dasselbe.
Er senkt den Kopf. Heute hörst's zum letzten Mal, ich will darum eintommen, daß sie mich fortthun.
Es ist, als ob's in Geerteerd's Hirn lautet, so pocht es in ißren Schläfen.
Fort willst Du, murmelt sie mechanisch.
Seine Blicke ruhen traurig auf ihr.
Du magst nun einmal keine Fremden —
Eiiier sann sich ändern, sagt sie wie vorhin und denkt, daß sie unter den Glockenklängen nun heimgehen in'è Dorf. Fritz West giebt sich eine Deutung ihrer Worte: Geerteerd — bist Du im Ernst? ,
Sie fährt mit beiden Händen gegen ihr Herz — wenn es einmal still sein wollte, da innen! Und wenn sie sich besser verstanden hätte aus die Falschheit der Männer, so konnte sie heute mit Fritz, West dem Hochzeilszuge vorangehen — Jo zum Trotz — nur darum,
- (Fortsetzung folgt)