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Nr. 192.
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Aeuelle Nachrichten
(chießener Uagcvtatt) Unabhängige Tageszeitung (Gießener Peilung)
für Oberhesien und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei, (gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen
Politische Dacbricbten.
Drr kalke, in Howbur,.
Homburg 19. August. In Anwesenheit des Kmscrpaarcs fand heute Vormittag um elf Uhr die Einweihung des Kaiserin Friedrich-Denkmal!- statt Auster dem Kaiserpaar waren anwesend der Kronprinz, Prinz Joachim und Prinzessin Viktoria Louise. ' Der Kaiser in der Uniform der sogenannten Totcnkopf-Husarcn schritt die Front der von dem 80. Infanterie-Regiment gestellten Ehren-Compagme ab. Bekanntlich war die Kaiserin Friedrich Chef dieses Re- giments. Dec übrige Teil des Regiments wac hinter dem Denkmal aufgestellt. Nach Abschceiten dec Front begab sich dec Kaiser mit dem Gefolge nach dem Kaiserzelt, in welchem als Ehrengäste noch der Feier beiwohnten: Der Erbprinz und die Erbprinzessin von Meiningen, der Prinz und die Prinzessin von Schaum- burg-Lippe, der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland, der Prinz und die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, sowie auch der Herzog von Cambridge. Hierauf wurde der Kaiser durch den Vorsitzenden des Denkmals-Ausschusses, Herrn Dr. Rüdiger begrüßt. Nach der Ansprache desselben fiel die Hülle, des Denkmals unter dem Präsentieren des versammelten Militärs. Nun ergriff der Kaiser das Wort, in dem er in längerer Rede ein Lebens- und Charakterbild seiner verstorbenen Mutter entwarf. Hierauf trug ein Schülerchor ein von Direktor Schultze verfaßte Weihelied vor, worauf der Bürgermeister von Homburg, Dr. Ritter von Marx, ein Hoch auf den Kaiser ausbrachte. Der Kaiser ließ nach der Weihe verschiedene Herrschaften zu sich bitten, von welchen folgende Herren ausgezeichnet wurden: Dec Landrat des Kreises Homburg, von Meister, erhielt den Hohenzollerschen Hausorden, dec Bürgermeister Dr. Ritter von Marx wurde zum Oberbürgermeister ernannt, dec Bildhauec Uphues, der Schöpfer des Denkmals, erhielt den K r o n e n or d e n dritter Klasse und der Vorsitzende des Denkmal-Ausschusses, Dr. R ü d i g den Roten Adler- Orden vierter Klasse. Kurz vor 1 Uhr war die Feier beendet. Es folgte dann ein Vorbeimarsch des gesamten 80. Infanterie-Regiments vor dem Kaiser. Um 2 Uhr fand im Königlichen Schloße eine Frühstückstafel zu oO Gedecken statt, zu welcher die Spitzen der Civil- und Militär-Behörden, sowie auch die Herren vom Denkmal-Ausschuß geladen waren.
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In eigener Sache Richter.
Roman von L. Haid heim.
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(Fortsetzung.)
„In Klaino, Graf, das ganze Schloß ist ein Lazarett."
„O, diese Folter hierher, von Trautenau", stöhnte er.
„Trauteiiau?" Seitdem liegen Sie schon — ?" e
„Nein, nein, vorgestern Nacht - zweites Gefecht - schrecklich - stockfinster - sie sagen, ich sei allem Anschein nach von einer Granate so furchtbar zerrissen -. Ach, Maria, mit mir ist's aus —. Er flüsterte fast unverständlich.
• "Joseph! Vetter! Sie haben wenigstens als Soldat -." was! Als Soldat wollten sie mich nicht; Schlachten- h H wenigstens hier und da den Leuten Munition
' p oa — m der Nacht — ich weiß nur noch, es waren S^^en — das verwünschte — ach, nein — iniii h ' U- ftÄ unterschied nicht Freund und Feind von uHQiuti fürchterlich — aus den Hautern, den Fenstern, von t-en zachern warten ire s und auf die Köpfe und dann weiß ich mchts mehr, mir ut, als war alles Feuer - Feuerb J Sie netzte seine brennenden Lippen mit Eiswasser
„„ Er lag in tödlicher Ermattung, aber er hielt sie mU den Augen fest, bewachte sie angstvoll.
Eine Weile schlummerte er ein. Plötzlich war er wieder ganz wach.
»Ist Burkard hier auch?" fragte er sie.
»Nein! Ist er - verwundet?" — Sie konnte vor Herz- tlopfen kaum einen Laut hervorbringen.
"Königgrätz — Bein ab —. Wissen Sie's nicht?"
Sie verneinte stumm. Mit höchster Anstrengung erstickte sie einen lauten Schrei.
»Lenette ist bei ihm", sagte er.
«Lischa? Lischa und Tante Cäcilie! Gottlob!*
* »Unsinn! Lenette! seine Lenette!"
„Welche - Le - nette -?"
âSL?ltl"^°"" Seine Freundin I Wer daS weiß do»
„Wer ist sie denn? LischaS — ?" e
.Soubrette, pflegt ihn schon seit Königgrätz.«
Erstes Blatt
Mittwoch, den 20. August 1902.
11. Jahrgang.
— Das Ergebnis des Reichshaushaltes für 1901 wird vom Reichsanzeiger veröffentlicht. Im Ganzen sind an ordentlichen Einnahmen, soweit sie dem Reiche verbleiben, 27,393,413 Mk. weniger eingegangen. Da die Mehrausgaben 21,029,317 Mk. betrugen, so ec- giebt das Rechnungsjahr 1901 einen Fehlbetrag V o n 48,422,783 Mark.
— Zum Ableben -es sächsischen Kriegsministers v. d. Planitz wird den „Dr. R." noch aus Hosteritz gemeldet, daß der Tod sanft und ohne jeden Todeskampf erfolgte. Dec Zustand des Ministers war in den letzten Tagen stationär geblieben, weder eine Besserung noch eine Verschlimmerung war ein- getreten. Dienstag Vormittag 11 Uhr traf König Georg in Begleitung des Grafen Pillnitz zu Fuß in Hosteritz ein, um den Hinterbliebenen des Ministers seine Beileidsvisite abzustatten. Der König, welcher vor der Villa von der Tochter des Verstorbenen empfangen wurde, sprach unbedeckten Hauptes in kurzen Worten sein Beileid aus und verblieb alsdann noch ca. 20 Minuten in der Villa.
— Als Nachfolger des verstorbenen Kriegsministers von der Planitz wird der Militärattachee Vitzthum, sowie der kommandierende General T r e i s ch k e genannt.
Rotterdam, 19. Juli. Die Buren-Generale Botha, Dewet und Delarey wurden bei ihrer Ankunft von einer tausendköpfigen Menge enthusiastisch begrüßt. Mittags reisten die Generale nach dem Haag und besuchten Steijn in Scheveningen. Morgen statten sie Krüger einen Besuch in Utrecht ab. — Die Generale erklären in einem Schreiben an die Blätter, daß sie in Holland keine Besuche machen dürften, bevor sie Krüger gesprochen und Steijn einen Besuch abgestattet hätten. Sie beabsichtigen sobald als möglich nach London zu- rückzukehren. Zahlreiche Einladungen und Glückwunschtelegramme sind ihnen zugegangen
Brüssel, 19. Aug. Der König begiebt sich nächsten Mittwoch nach Spaa, um der Königin einen Besuch abzustatten.
Row, 19. Aug. Der Chef des Generalstabes der italienischen Armee, Graf Saletta wird den Herbst- manövern der deutschen Armee beiwohnen.
„Und Tan^ Cäcilie — ?"
„Sie suchte ihn; ich habe ihr aber nichts gesagt."
Maria ging ein furchtbares Licht auf.
Jetzt wollte — mußte sie alles wissen.
. „Er liebt diese — diese — Pers—?" fragte sie mit ruhiger Stimme.
„Natürlich! Sie will ihn heiraten, sagt man! Sie läßt ihn nicht los--. Ah? — was ist Maria?"
Was war's groß? Eine junge Pflegerin war schwach fieworden. Nicht ohnmächtig, o nein! Nur eine kurze Ruhe und ie war wieder ganz frisch. Mit bleichen Lippen ganz aufrecht tehend und mit einem allerdings erzwungenen Lächeln nahm sie es an, daß man sie ablöste.
Und dann — dann — einen einzigen Moment allein! Dann sank sie auf das Bett, das man ihr angewiesen wie tot.
Lenette hieß sie! Lenette Mertoni — Soubrette! Und sie wollte ihn heiraten —! — O, darum war sie ihm so gleichgülttg? Keine Sekunde schlief sie.
Als sie am anderen Morgen ihren Dienst antrat, sagte der Oberarzt: „Ihre Kräfte reichen nicht aus! Ich beurlaube Sie!"
„Sie reichen! Ich bin stärker als Sie denken, Herr Oberarzt! Lassen Sie mich hier", bat sie mit seltsam festem Willen im Blick.
„Nr. 9 ist ein Verwandter von Ihnen?"
„Ja, ein Vetter zweiten Grades."
„Steht er Ihnen auch sonst noch nahe?"
„Nein, Herr Oberarzt."
„Warum also die Schwäche?"
„Er erzählte mir von einem anderen —."
„Und der ist nicht hier?"
„Nein, Herr Oberarzt."
»Gut, thun Sie Ihre Pflicht wie bisher. Nr 9 ist zur Operation gebracht und bleibt in einem der anderen Sale. Sie gehen nicht hin."
„Wohl, Herr Oberarzt."
Mitte Juli - Ende Juli war gekommen!
x ,3m Parke von Klaino schlichen Genesende. Invaliden die Loch immer nicht aus der ärztlichen Behandlung entlanen werden
I«fevtio»SvreiS: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbesien, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfa. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3032.
Redaktton und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.
Ferusprechanschlnst Nr. 362.
Paris, 19. Aug. In Saint Möen wurden gestern 2 Gendarmen, 2 Soldaten und 1 Polizeikommissär verwundet. Einem Bauern wurde die Nase und 2 Genr- barmen die Rippen eingeschlagen. 5 Männer und 3 Frauen wurden verhaftet, aber nur zwei Verhaftungen aufrecht erhalten. Gegen 1 Hausbesitzer, 1 Journalisten und 1 Priester wurde ein gerichtliches Verfahren wegen Aufreizung zum Widerstand gegen die Staatsgewalt eingeleitet.
— Der Vorsitzende des Grubenarbeiterverbandes des Loire-Beckens ist gestern abend von dem Präsekten empfangen worden. Derselbe erklärte dem Vorsitzenden, die Grubenbesitzer seien entschlossen, die angekündigte Lohnherab- setzung zurückzuziehen.
— Der Privatsekretär des Abgeordneten Nsvauuet hat sich gestern erschossen.
— Herren und nicht Herren. Eine erschreckende Nachricht kommt aus Südafrika nach einem Telegramm des „Daily Expreß" in London. Danach haben die englischen Beamten zwar guten Willen, sie sind aber den wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Südafrika, zumal in JohanniSburg, nicht gewachsen und es droht dort ein wirtschaftliches Chaos auszubrechen. Die Menschenanhäufuna in den Küstenstädten seien beispiellos, die Behörden wissen nicht, was sie anfangen sollen. Das Innere Afrikas sei von sozialen und industriellen Schwierigkeiten überschwemmt. Die mittleren Klassen des Landes bringen ihre Frauen, Töchter und jungen Kinder an die Küste, da das Leben in Johannisburg unerträglich sei.
— Der Zar hat den meisten an den jüngsten Studentenunruhen beteiligt gewesenen Studenten die Strafe erlassen. Durch ein weiteres Dekret des Zaren sind fast sämtliche an den Februarunruhen in Moskau beteiligt gewesenen Studenten begnadigt.
Die 6. Sitzung der hessischen Handwerker- kammer.
(Wegen Raummangel in der gestrigen Nummer erfolgt die Veröffentlichung erst heute.)
Zunächst weist der Vorsitzende I. Falk-Mainz darauf hin, daß man mit den Gesellen-Prüfungen sehr gute Resultate erzielt habe, da man ca. 1500 Prüfungen abgehalten habe; den Ausschüssen gebühre dafür besonderen Dank. Auch die Vorbereitungen zu den Meisterprüfungen lassen gute Erfolge erhoffen.
konnten, zwischen den üppig blühenden Rosen umher; jetzt fast noch Österreicher, denn die Preußen waren, sofern ihre Wm
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“VU/ ^HlVllVlUJtl, Willi VIC VLCUÖCll IVULCll, ivicui lyic Wunden es nicht unmöglich machten, bereits eingewechselt. Sie waren gerne gegangen, denn die Heimat und heimatliches Fühlen lockte lie, noch lieber sah man sie scheiden, denn noch waren die Schmerzen so bitter und heiß für jeden Patrioten, als daß man sie dem siegreichen Feinde so recht hätte vergessen können.
Oesterreichs bestes Blut war in Strömen aeflossem baS mußte erst verwunden werden. Kam doch erst jetzt die Größe des nationalen Unglücks Oesterreichs Söhnen erst ganz und voll zum Bewußtsein.
Dennoch drängte sich das Leben mit seinen Forderungen unwiderstehlich in die gewohnten Bahnen, und wie Gewohnheit und Behagen meist unzertrennlich sind, so strebte bewußt und unbewußt alles in dieselben zurück.
Statt der in der Eile dankbar entgegengenommenen Hülfe der freiwilligen Krankenpfleger hatte man jetzt aus allen Teilen des Reichs geschulte Kräfte herangezogen und konnte die Frauen und Mädchen aller Stände in ihre Heimat entlassen.
Auch Maria von Wazlaw war frei geworden und blieb seit in Klaino nur, weil sie eben nicht recht wußte wohin, benn la Krapolno hatte sich inmitten dieser Kriegszeit alles in einer Weise verändert, die für sie die Rückkehr dahin vorläufig unthunlich machte.
Herr Gürtler kam eines Tages, es mochten nun wohl zwei Wochen her sein, sehr aufgeregt zu ihr nach Klamo. Was sollte er thun — ? Sie war die einzige, welche ihm raten konnte.
Der Kanonendonner von Königgrätz war noch kaum verhallt und ganz Böhmen noch, m Pulverdampf gehüllt, von Schreckens- und Wehgeschrei ermllt, als eines Nachmittags ein großer Reisewagen, ganz mit Konern beladen, vor dem Kravolnoer Schlosse hielt und ein kahlköpfiger, ältlicher Mann, fnoebig und mager, mit harten, groben Zügen ausitieg und nach dem Herrn besteiben fragte. . . , . t
Er sprach em mit viel rrembartigen Ausdrücken gemischtes Deutsch, sah auch in Kleidung und Manieren so frembartig aus daß der Gartner, welcher zufällig der erste war, der ihm entgegen kam, nicht anders dachte, als er gehöre zu den verhaßten Feindm
Und doch - starr und ganz verdutzt schaute er den fremden Herrn an, der nach dem toten Herrn des Schlosses fragte und ähnlichst) ^oten ^ f° ganz merkwürdig — so erschreckend . Dieselbe harte eckige Physiognomie! Der fable Kopf bie
(Fortsetzung folgt).