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Erstes Blatt.

Freitag, den 19. Dezember 1902.

11. Jahrgang

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Da- Blatt erfätint an alle* Werktagen nachmittags.

I«seetio«Spret S, Die einspaltige PetitzeUe für Gießen mit ganz Oberhessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg sonst 15 Pfg., Reklame« die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg

Postzeitungsliste No 3269.

Redaktion und Expedition : Gießen 9? e u e n to e g 2 H. ^er*sprecha«schlnh Nr. 364.

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für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen -

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Die Gefahren der Venezuciakrise.

Amerika hat, wie die Leser wissen, zuerst erklärt, bei einer Kriegserklärung Dentschlands und Englands gegen âuezuela nicht untätiger Zuschauer bleiben zu können. Nun hat der englische Premierminister Balfour im Lon­doner Oberhause erklärt, selbstverständlich setze _ die Blockade der venezolanischen Häfen den Kriegszustand voraus, und auch amerikanische Schiffe würden dem Blockadezwang unterworfen werden. Das klang wie eine ?lrt Herausforderung der Union. Aber es scheint, als habe Balfour sich vorher vergewissert daß man seine Aeußerung in Washington nicht so übel nehmen wird, und in der Tat wird neuerdings von amerikanischer Seite versichert, seitens der Vereinigten Staaten werde sein Bemühen erfolgen, sich einer Kriegsblockade gegen Handelsschiffe zu tvidersetzen. Ja, man tut noch mehr in Washington - Man versichert nenerdings, die Was­hingtoner Regierung sei zu dem Schluß gekommen, eine friedliche Blockade der venezolanischer! Häfen könne, als gegen die Schiffahrt der Vereinigten Staaten ge­richtet, nicht anerkannt werben. Tie Verbündeten dürf­ten die Schiffahrt der Vereinigter! Staaten nur unter­brechen, wenn ein wirklicher Kriegszustand anerkannt sei. Wenn die Verbündeten die amerikanischen Handelsschiffe auszuschließcn wünschten, müßten sie alle Schiffe ein­schließlich ihrer eigenen ausschließen, was die Anerkerr- nung des Kriegszustandes in sich begreifen würde, die der jetzigen regellosen Lage ein Ende machen mürb?. ' Mit dieser Erklärung fordert Amerika die verbündeter! Mäch-ea so; erab'^u uj um iegéerfl rungcu;, na l d rn e§ vorher gejagt hat, bei einer Kriegserklärung müsse die Union tätlich eingreifen. Was bezweckt dieser Schachzug des Washingtoner K^abinets? Nichts anderes, als eine Einmischung Auieritas unter allen Umständen zu ermög- lrchen. Ter britische Premierminister lyat diese Msicht unterftübt, indem er ausdrücklich und im Gegeusatz zu Leutschland, das die Blockade für eine Friedensblockade erklärte, öffentlid) erklärte: Wir sind im Kriege mit Vene zuela.

Mm ivirb f id) über diese defremdliche Taktik des eng lrschen Staatsmannes nicht weiter wundern dürfen, wenn man vergegenwärtigt, daß es ber Wunsch Errglands ist, einmal aus dem üblen venezolanischen Handel so bald als möglich sich herauszuziehen und zum andern Deulsch- alw und die Union in unfreundliche Beziehungen zn treiben. ^obafb England sich aus der Affäre gezogen hat, wirb Jmenfa gegen das deutsche Vorgehen in Vene­zuela offen Front mad)en, und wenn vielleicht die ga bmctte and) nicht allzu hart auf einander fdjlagen werden, ^s.ch^ Union bod) Admiral Tewel) in die venezolanischer! Gewauer geschickt, denselber- Herrn, der vor Manila sich so unmanierlich gegen den deutschen Geschwaderchef benahm, ^re ( robheUen dieses Herrn, für die das Washingtoner Kabinett selbstverständlich nachher auf diplomatischem Wege um Entschuldigung bittet, werden in bie Welt posaunt werben, um das Prestige Deutschlands zu schädig n Unb ^nverdem ist sein Zweifel, daß die Union mit ihrem ewigen Dreinreden in bie Venezuela-Affaire Deutschland schließlich da^u bringen wird, daß wir die Sache ausgehen lassen müssen, wie das Hornberger Schießen. Zweifellos wird das für unser Prestige noch viel schädlicher sein als die sicher zu erwartenben Dreistigkeiten des Herrn Tewev Ans gäbe unserer Politik wird es daher sein, auf England« Winkelzüyc ein scharfes Ange zu haben und die englische Absicht, sich bei der ersten besten Gelegenheit vom Schaw platz der Ereignisse zu drücken, zn verhindern '

Der erste Ei n mtsch nngsvers u ch ber Union liegt bereits vor: Tas Wajhingtoner Staatsdepartement be- absichtigt, auf England und Deutschland wegen einer y

Antwort auf Castros Lchiedsgerichtsvorschlag energisch zu drücken. Staatssekretär Hay hat bereits zweimal beide Regierungen moniert und ist über das Ausbleiben eurer Antwort von beiden Regierungen pein­lich berührt"; das Ausbleiben der Antwort ' wird in Washingtonals Unhöflichkeit empfnnden". Selbstver­ständlich kann Deutschland sich nach allem, was vor­gegangen ist, nicht mehr auf ben Schiedsgerichtsvor- 'chlag einlassen. Das weiß man in Amerika lebt wohl man weiß aber auch, daß England sich in der Lage beendet, ohne Schädigung seines Ansehens sich jetzt noch auf ein Schiedsgericht einzulassen. Mit dem Drängen auf eine Antwort des Schiedsgerichtsvcrschlags scheint die Unron den Briten die Tür öffnen zu wollen, durch die sie sich vom Schauplatz zurückziehen können.

eT. 1° vielen unerfreulichen Aussichten ist es dop­pelt erfreulich, daß der bisherige Verlauf der Aktion den deutjchen Lchisfsbesatzrngcn die von britischer Seite gerneldeten Verluste nicht gebracht hat. Nach amtlicher Meldung ist es falsch, ^ß ein deutscher Offizier getötet ^' auch die deutschen Schiffe sind nicht beschädigt. Die Flottsndemonstration iN vielnieh, ^ne jeden Verlust vsr.

Ueber die inzwischen o

nnene

Blockade

liegen recht widerspruchsvolle Nachrichten vor. Aus La Guayra wird gemeldet, daß die Blockade sich nur gegen venezolanische Schiffe richte. Dagegen ivirb, wie schon erwähnt, vom Londoner Kabinett erklärt, die Blockade fei eine Kriegsblockade, richte jid^alfo gegen die Schiffe aller Nationen. Von deutscher Seite steht übrigens eine Mit teilung an die Mächte bevor, in welcher Weise die Blockade gehandhabt werben soll.

Schließlich sei noch erwähnt, daß nach neueren Rach richten der A u f st a n d in Venezuela tatsächlich wieder ausgebrochen ist. Die venezolanifchen Aufständischen Herr! sich Valencia. Die Bevölkerung in Caracas verlangt dringend Castros Rücktritt; es heißt, daß dieser sich verborgen habe. In Willemstad ist der frühere venezola nische Präsident Andrade ans Kolumbien eingetroffen, der vor Castro dorthin geflohen war. Er wird selbstver­ständlich die Gelegenheit möglichst ausnützen, seinen Wider­sacher Castro zu verjagen und sich selbst zum Präsidenten zn machen.

Nab und fern

Die Politik

Gitte parlamentarische Scheidung.

O Bon einem Austritt der Mitglieder des Bundes der Landwirte im Reichstag und Abgeordnetenhause aus dem konservativen Fraktionsverba nde weiß ein Leipziger- Blatt zu melden. Man nimmt an, daß außer den Herren v. Wangenheim und Rösicke etwa sechs bis acht Mit­glieder aus der Partei austreten werben, und daß diese im Verein mit einer Anzahl von Wilden und einem Teil der unter Führung des Herrn v. Liebermann stehenden Antisemiten zu einer losen Bereinigung sich zusammen- schließen werden.

Spant sche Heeieeireformen.

^ Die Reform des spanischen Heeres, die jetzt die spa- nischen Staatsmänner beschäftigt, soll sich auch auf das Spiel im Heere erstrecken. Das neu? Kabinett Silvela geht ziemlich energisch gegen das Spiellaster der Offiziere vor; der Zivilgouvernenr von Madrid hat jetzt sogar einen Vetter des Küttigs, ben General Franscesco de Bourbon, wegen Glücksspiels verhaften lassen. Nach­täglich hat Silvela zwar den General in Freiheit leben lassen, der Schreckschuß dürfte aber genügen, die Spiel- wut zu beschränken. Uevrigens hat auch der tune spa nische Kriegsminister eine Verordnung erlassen, die ver­bietet, daß Generale als Präsidenten nicht reintnilitä- rischer Vereine fungieren.

Kurze politische Nachrichte»».

* Berti n, 18. Dezember. (Hofberich t.) Der Kai­ser hörte heute die Vorträge des Präses der Artillerie- Prüfungskommission, Generalleutnants Fuchs v. Bim­bach, des Kriegsministers von Goßler, des General-In­spekteurs der Festungen Generalleutnants Wagner und des Chefs des Militärkabinetts Generalleutnants Gra­fen Hülsen-Haeseter.

* Ter jugendliche Herzog von Koburg-Gotha hat am Mittwoch sein Abiturientenexamen in Groß-Lich­terfelde bestanden.

* Dem Reichstag ist ein Abkommen mit Italien und der Schweiz über Patent- und Markenschutz zuge- gangen.

* Außer beut Reichsetat wird dem Reichstage nach Weihnachten auch der Gesetzentwurf über die käuf- mänuischen Schiedsgerichte zugehen. Daneben wird sich der Reichstag noch mit dem Gesetzentwurf betr. die Re­gelung der gewerblichen Kinderarbeit und mit dem Ge-

setze betr. Verhütung der Phosphoimekrose zu tigert haben.

* Ter preußische Landtag wird erst am nuar zusammentreten. Gleich zu Beginn der wird der Etat dem Hause vorgelegt werden.

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13. Ja- Tagung

* Die Errichtung einer landwirtschaftlichen Akademie in Bromberg ist jetzt gesichert. Es sollen fünf landwirtschaftliche wissenschaftliche Institute mit zu­sammen mindestens zehn Professoren errichtet werden. Tie Legierung gibt einen einmaligen Beitrag von 900 000 Mark und eine jährliche taufende Beihilfe von 130000 bis 150 000 Mark.

* Zwischen der österreichischen und der ungarischen Regierung ist nach unendlichem Hin und Her fetzt der neue österreichisch-ungarische Zolltarif und das Han­delsbündnis bis auf wenige Punkte vereinbart.

* Der französische Ministerpräsident verhängte über den Bischof von Nizza die Gehaltssperre, weil dieser öffent* lich erklärt hatte, daß er einer der Urheber der Petition in Sachen der Kongregationen sei und sich deshalb wunbern müsse, daß er nicht gleich den übrigen Bischöfen mit Ge­haltssperre bestraft worden sei.

Del Defraudant Neßler, bei der Bank für Handel ""b Industrie zu Berlin 700 000 Mark unterschlagen hat, scheint seine Spuren recht schlau verwischt zu haben. Man schwebt noch immer völlig im Ungewissen darüber, wohin er sich gewandt hat. Die geschädigte Bank hat auf die Ergreifung des Flüchtigen eine Belohnung von 3000 Mark ausgesetzt. Die Berliner Kriminalpolizei hat die umfassend sten Maßnahmen getroffen und sofort alle auswärtigen Be Hörden mit einer Personenbeschreibung versehen. Vor eini­gen Tagen ist übrigens aud; ein Mas fiter der Bank, namens Gollnow, flüchtig geworden. Es ist möglich, daß die beiden Geflüchteten im Einverständnis miteinander gehandelt haben.

I Cin gefährlicher Patient. In der Klinik des Pro fessors Przibram zu Prag ereignete sich ein aufregen der Vorfall. Ein Mann wurde von der Ausnahmekanzlei des Krankenhauses an die genannte Klinik gewiesen. Die Aerzte untersuchten den Patienten und konstatierten, daß derselbe gar nicht krank, sondern stark angetrunken sei. Diese Diagnose versetzte den Mann in Raserei, er be­drohte jeden, der in seine Nähe kam, mit dem Tode, und selbst vier Krankenwärter waren kaum im staube, ihn zu bewältigen Erst zwei Sicherheirswachleuten, bie man rasch herbeigeholt hatte, gelang es, seiner Herr zu werden, nachdem sie ihm Eisen angelegt hatten. Der gewalttätige Mensch wurde als ein Einbrecher Karl Kopp feftgefteUt, der erst vor kurzem ans einer Strafanstalt entlassen worben war.

1 Cinc ganze Stadt durch Erdbeben zerstört. Wie erinnernd) wurde aus Margellan (Russisch-Turkestan) starkes Erdbeben gemeldet. Jetzl kommt aus Petersburg die Schreckenskunde, daß durch dieses Naturereignis bie Margellan benachbarte Stabt Andischan fast ganz zer stört ist, ebenso alte Stationsgebäude und Eisenbahn­wege. Besonders gelitten hat die Strecke Fedschenko- Ändischan, die vorläufig für den Verkehr geschlossen ist. Von Margellan aus haben sich ein Ingenieur, ein Arzt und ein Vertreter des Kriegsministeriums nach Andischan begeben. Ebenso sind Lebensmittel und warme Kleidungs­stücke dahin abgesandt worden. Die unglückliche Be­völkerung soll sich an dem zerstörten Stationsgebäude- gelagert haben. Ob und wieviel Menschenleben zu be­klagen fi nb, steht noch nicht fest.

Tas boykottierte Brautpaar. Eine originelle Ge »Wichte wird- in französischen Blättern von dem Ge meiuberat einer in der Normandie gelegenen Erndyifl erzählt Im Tezember vorigen Jahres wurde die Be­sitzerin von Thuitanger bei Eteegug ermordet aufgefun beu. Des Mordes verdächtig war ein Dienstmädchen d'r Ermordeten das mit dem Ehemanne ber Besitzerin m Liebesverhältnis gehabt haben soll. Das Mädchen wurde ch Untersüchullgshast genommen, aber bald da- rauf wegen Mangels an Beweisen wiebcu entlassen. Vor einigen Wochen hat sich nun der Gatte der Ermordeten mit dem ehemaligen Dienstmädchen verlobt, und in Du­sen lagen sollte die Hochzeit stattfinden. Tie Mitglieder des Genieinderats weigerten sich aber, bie Hetratsnr- tunbe zu unterzeichnen, und gaben, als ihnen mit den Berichten gedroht wiirbe, sämtlich ihre Demission da sie das Mädchen noch heute für eine Mörderin halten. Angesichts dieser Feindseligkeit des Gemeinderats be­schloß das Brautpaar, sich in (Sanbccbecjrauen zu lassen aber auch das gelang nicht, da die Schlächtergesellen von Candecbec den Brâutleuteu einen wenig freundlichen Empfang in Aussicht gestellt hatten- sie wollten große Spritzen mit Blui füllen und es beut jungen Paare in^ Gesicht spritzen. Das Brautpaar in jetzt aus der Suche nach einem Zufluchtsorte, wo es sich ungestört trauen lassen könnte.

1 Fechtmeister-Zweikämpfe. Die berühmtesten und besten Fechter und Fechttrhrer Italiens und Frankreichs, die Italiener Francesco Pessina und Franco Vega und die Franzosen Lucien Mèrignac unb der berühmte Kirckhoffer Heben in Paris mit blanker Waffe, ohne Stuben unb Ban- baaeii bi« zur Abfuhr gefochten, um die Güte ihrer Schulen 'N beweisen In diesem Kampfe trugen bie Franzosen den -iea davon Der Italiener Pessina würbe von dem Fran­ssen Mörignac an der rechten Hüfte, der Italiener Vega von dem Franzosen Kirchho-scr an der rechten Schulter verwundet. Die Verletzungen beider sind unbedenklich.

^nnte Chronik. Infolge plötzlich eingetretenen Tau­wetters ist die Station Rödelsheim der Frankfiirtèon- f-ornpr Wohn höltia überichwemmt.

Von einem schweren Unwetter wurde Wien Heim- gesucht. Infolge starken Glatteises traten umfangreiche Verkehrsstockungen ein. Ein furchtbarer Sturm tobte durch bie Straßen und warf die Passanten zu Boden.

Aus dem Shannon-Flusse in Irland sank in bet Nähe von Tarbert ein zu dem Schiffe , .Columbia" ge­höriges Boot, in welchem sich der Kapitän, der Steuer­mann, bet erste Ingenieur und zwei Matrosen des ge­nannten Schiffes befanden; alle find ertrunken.

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