Lösung harrte. Generalmajor z. D. Paul v. Schmidt ist gegenwärtig an der Ausarbeitung eines solchen Werkes, wozu die historische Abteilung des Großen Generalstabes in jüngster Zeit die ersten Bausteine zu solchem Monumentalbau geliefert hat Sie wird auch vor allem berufen sein, ein derartiges, streng wissenschaftliches Werk herauszugeben, das aus Grund amtlicher und archivalischer Quellen alle Seiten der geschichtlichen Entwickelung unseres Heeres in Betracht zieht: Aufbringung, Organisation, Formation, Bekleidung, Ausrüstung, Bewaffnung, Unterhaltung, Disziplin, Osfiziertum, Erziehung, militärischen Geist, Ausbildung, reglementarische Schulung, Fechtart, Führung und noch viele andere wichtige Faktoren, die sich nicht alle aufzählen lassen. In dieser Geschichte werden unwillkürlich zwei Grundgedanken zum Ausdruck kommen müssen: der maßgebende Einfluß unserer Herrscher auf die Gestaltung des Heerwesen- und das immer mehr sich durchringende nationale Wehrtum, das endlich in der allgemeinen Dienstpflicht Gestalt gewinnt, und nicht nur für Deutschland, sondern auch für fast alle anderen europäischen Staaten zum Borbild wird. Das Unheil von 1806 und 1807 wird mit sittlicher Entrüstung lediglich der Entartung des Osfizierkorps, dem Gamaschendienst und der Unfähigkeit der Führung zugeschrieben, ohne zu bedenken, daß die ganze Nation mitschuldig war und daß Verhältnisse und Verhängnisse mitsprachen, die keinem Menschen zur Last gelegt werden können. Hand in Hand mit der allzu harten Verurteilung des Heeres von 1806 geht die Ueberschätzung der Landwehr von 1813 und die Unkenntnis ihrer Entstehung und ihrer Leistungsfähigkeit. Dieselbe Unkenntnis findet sich dann bei den Gegnern und fanatischen Tadlern der Reorganisation von 1859—61, die ohne von der geschichtlichen Entwickelung eine Ahnung zu haben, die Landwehr von 1813 mit der von 1859 in einen Topf werfen und gleichzeitig für Miliz und Volksbewaffnung schwärmen. Gerade die beiden großartigen Reorganisationen von 1808 und von 1859—61 in großen Zügen zutreffend zu schildern und ihre Art und Bedeutung in das rechte Licht zu setzen, war dem Verfasser eine besonders wichtige Aufgabe. Für die Neugestaltung des Heerwesens durch König Wilhelm I boten die 1897 veröffentlichten militärischen Schriften des unvergeßlichen Herrschers ein unschätzbares, reiches Material. Das Königlich Preußische Kriegsmmisterium hat in dankenswerter Weise aus seinen Archiven dem Verfasser die sämtlichen Reglements seit dem J'hre 1726 zur Verfügung gestellt, die — mit Ausnahme des Reglements von 1788 — auf anderem Wege überhaupt nicht zu beschaffen sind. Ueberall ist Herr General v. Schmidt unter Benutzung der besten, oft schwer zugänglichen Quellen bemüht gewesen, den überreichen Stoff so zu sichten und zu verarbeiten, daß ein übersichtliches, für Jedermann verständliches und anschauliches Bild der betreffenden Entwickelungsperiode zu stande kam. Neben der Betonung des Wirkens unserer Herrscher und der nationalen Eigenart unseres Heeres wurde die Ausbildung und Erziehung der Soldaten, bie Entwickelung und das Wesen des Osfiziertums, sowie die Fechtweise besonders berücksichtigt, während manches, was für eine vollständige und erschöpfende Heeresgeschichte unerläßlich sein würde, teils nur flüchtig berührt, teils ganz ausgeschieden wurde. Dem sachkundigen Offizier sollte nicht zu wenig, dem größeren Lesepublikum nicht zu viel gegeben werden. Jedem Offizier der Preußischen und Deutschen Armee, überhaupt jedem Deutschen, der sich für die Entwickelung unseres Heerwesens interniert, wird das Buch, welches im Verlag von Karl Herman Düms, Berlin W. 57 erscheint, hochwillkommen sein.
* Fortschritte der Lebensversicherung in Deutschland. Nach der statistischen Abhandlung über „Zustand und Fortschritte der deutschen Lebensversichecungsaustalten", ist der Zugang an Lebensversicherungssummen bei den deutschen Gesellschaften im vorigen Jahre wiederum größer als in allen Vorjahren gewesen. Es wurden im Jahre 1901 insgesamt 119 005 neue Lebensversicher-
1854)
1830)
1857) „
1861) „
ungen über 561 248168 Mk. abgeschlossen. Der Zugang überstieg den Abgang um 57294 Policen und 293 093 143 Mk. Summe. Hieran waren die bedeutendsten Anstalten mit folgenden Summen beteiligt: Gotha .... (gegr. 1827) mit 807 747 200 Mk. Stuttgart . . . ( „ 1854) „ 605 448 782 Alte Leipziger . ( „ 1830) „ 593 551 950 Stettiner Germania ( „ 1857) „ 574 708 285 Viktoria . . . ( „ 1861) „ 515 118 583 Karlsruhe . . . ( „ 1864) „ 474 092 361
. ( „ 1864) „
Summa 3 570 667 161 Mk.
Auf diese sechs Anstalten entfiel demnach die gute Hälfte (53,3 Pcoz.) des gesamten Lebensvecsicherungs- bestandes dec 45 Gesellschaften.
* Der Erfluder der Postkarte. Ministerialrat Prof, a. D. Dr. Emanuel Herrmann ist in Wien 63 Jahre alt gestorben. Er war 1839 zu Klagenfurt geboren. Durch ungefähr 30 Jahre war ec Pcofessoc der Volkswirtschaft. Prof. Herrmann's Erfindung, die Korrespondenzkarte, trat von Oesterreich ihren Siegeszug durch alle Länder an. Im Jahre 1869 veröffentlichte Herrmann in der „Neuen Freien Pcesse" einen Artikel: „Ueber eine neue Art des Korcespondenzmittels dec Post". Ec regte an, daß alle geschriebenen oder durch Kopiermaschinen oder mittelst Ducchdcuckens erzeugten Karten im Formate eines gewöhnlichen Brief- kouvects offen mit einer Zweikceuzecmacke durch die Post versendet werden dürfen. Dec damalige östec- reichische Generalpostdicektor, Sektionschef Ritter von Maly griff den Gedanken auf.
* Achumg! Saure Gurken! Die tote Saison mit ihrem schrick nsvollen Mangel an Neuigkeiten bereitet den Pariser Blättern schwere Sorgcn. Man kann jetzt die abenteuerlichsten Dinge in französischen Blättern lesen. Zum Lustigsten in dieser Art zählt eine Meldung, welche der Pariser „Figaro" ganz ernsthaft seinen Lesern austischt. Nach biejer Meldung seien die Stationsvorsteher an sämtlichen deutschen Bahnhöfen angew.esen worden, Papageien anzuschaffen, welche den Namen der Station, zu der sie gehören, ausrufen, um die Schaffner dieser Mühewaltung zu entheben. Natürlich dürfen diese Stationspapageien sonst keinerlei anderen Sprachunterricht genießen. Um ja keinen Z Deisel zu lassen, daß das Blatt diese „Meldung" für ernst nimmt, wird die „witzige" Bemerkung hinzugefügt, „es sei noch nicht entschieden, ob diese Papageien Mützen oder Helme zu tragen haben." In Paris giebt es jetzt allerdings Hundstagèhitze. — Eine nicht minder hochsommerliche Geschichte — die übrigens mit auffälliger Regelmäßigkeit um diese Zeit „erscheint" — wird durch die „Allg. Ztg." aus dem kleinen Flecken Petit-Moulin in Belgien berichtet: Seit einiger Zeit fühlte ein junges Mädchen, Am lie Piretto, schnell ihre Kräfte schwinden, während ihr Magen in anormaler Weise zunahm. Die Aerzte wußten sich ihr Leiden nicht zu erklären, bis sie eines Tages auf die Idee kamen, sie mit X-Strahlen zu durchleuchten. Da machten sie die überraschende Entdeckung, daß das junge Mädchen eine große Eidechse im Magen hatte. Sie erklärten es sich so, daß das Mädchen Quellwasser getrunken und ein junges Tier verschlungen hatte, das nun in seinem Körper wuchs. Eine Operation erwies sich als unmöglich, das unglückliche Mädchen starb nach furchtbaren Qualen vor einigen Tagen.
*Graf Pückler hat wieder geredet. Gestern Abend sprach Gcaf Pück'lec-Klein-Tschicne in den Concordia-Sälen in Berlin über das Thema „Licht und Schatten". Das „herrliche" Licht, so führte er aus, repräjentirten die blonden Germanen, dec Schatten seien einzig unb allein die Juden und ihre Gefolgschaft. Die Theater, Tingeltangel ulid Spielhöllen seien in den Händen dec Juden. Dec Materialismus werde dem ideal veranlagten Germanen durch die Juden eingeimpft. Die Zeit des Mittelalters, als man noch das Ghetto hatte, sei licht gewesen, aber das Licht sei zurückgegangen
— Die Gegenwart sei die Finsterniß. Und daran seien __ die Juden schuld, die mit eisernen Besen ausgekehrt werden müßten aus dem Lande der Germanen. Land- ^^ gcaf werde hart! (Beifall, Pfeifen — der Vorsitzende f111 ' läßt unter Hallo und Protestcufen einen Besucher aus dem Saale führen). Dann beginnt der Redner, nachdem ec noch bemerkt, daß er Offizier sei, die bekannte Rede des Generalobersten v. £oë zu kritifiren. Was wolle v. Loë mit dem Lobe der tapferen jüdischen Soldaten sagen? Sei es ein Wunder, wenn unter hunderttausend Juden sich ein Beherzter finde?! Und dec Herr Graf fährt sehr erregt fort: „Will denn Herr v. Loë jüdische Offiziere? Dann gewinnen wir keim Schlacht! Loë hat seinem Kciegeccuf geschadet! Das Kapital, für das unsere Väter kämpften, gehört den Deutschen! Als der Redner dann „die Herren Sozialisten" auffordert, königstreu zu sein und die Juden zu be- kämpfen, entsteht große Unruhe. Der Vorsitzende vertagt die Versammlung und läßt inzwischen zwei weitere Besucher hinausführen. Graf Pückler fordert endlich besonders die Berliner auf, „Männer des Lichts" zu werden und den „heiligen Geist" zu empfangen, und schließt mit dem Gedicht: „Der Gott dec Eisen wachsen ließ...? Beifallsläcm folgt dec Rede; dec Vorsitzende legt diese Kundgebung als Freude darüber aus, daß man den „Herrn Grafen" zu Ende sprechen hören konnte. — Bei dec noch folgenden Rede des Heccn Bruhn über „Deutschlands wirtschaftlichen und nationalen Niedergang" leert sich dec Saal echeblich — ein Beweis dafür, daß nur Neugiec das Gros dec Besuchec hecbeigefühct hat. Auf dec Straße wurde Graf Pückler von einer nach Hunderten zählenden Menge mit Zurufen empfangen, die nur vom geringem Wohlwollen für seine Person zeugten. (B. B.-Cr)
* Munweiler. (Konton Ensisheim), 15. Juli. Ein entsetz iches, wahrhaft schaudererregendes Verbrechen, mie es glücklicherweise zu den Seltenhelten in der Verbrechergeschichte gehört, wurde in dem Dorfe Munweiler Samstag Abend verübt. Seit 7 Uhr Abends vermißte die Familie Zohasseck ihr vierjähriges Töchterchen. Die noch während der Nacht bei Laternenscheiu angestellten Nachforschungen blieben erfolglos, bis heute früh 5 Uhr kurz oberhalb des Dorfes das Kind als Lerche ausgesunden wurde. Die Leiche lag versteckt in dem Gebüsche, mit dem das eine Ufer des zur Zeit vollständig auSgetrockneten Bettes des Thurbaches bewachsen ist, und sie war oberflächlich bebtest mit Erde von dem angrenzenden Acker und mit Holzteilen aus Zwergen Den Nachforschungen des Amtsrichters gelang es alsbald, dw Thäter zu ermitteln in der Person des erst dreizehnjährigen, noch schulpflichtigen Alphons Siffert. Der junge WüstUng gestand die grauenhafte That ein. Von Reue soll der jugendliche Verbrecher kerne Spur
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Die Sejec Betriebener Neueste Nachrichten sollten dadurch mit unsere Zeitung in engere Verbindung treten, daß sie interessante Vorfälle, Mißstände aller A-t, kurz alles für einen größeren K.eis Wissenswerte der Redaktion mitteilen. Wahrheitsgemäße Korrespondenzen über interessante Vorfälle werden honoriert, Mißstände werden durch öffentliche Besprechung zur Kenntnis der berufenen Stellen gebracht und so deren Abstellung eingeleitet. V e r ei n s n a ch r ich t e n, Berichte über Generalversammlungen, Festlichkeilen wollen uns, wenn kein Berichtergatter der „Neueste Nachrichten" anwesend ist, die Herren Schriftführer einsenden, wir werden sie alsdann gern zum Abdruck bringen. Ein jeder zieht aus solchem Verfahren Vorteil: erweck das Interesse für den Verein, trägt zur Abstellung eines Uebelstandes bei, ein Verein wird in weiteren Kreisen bekannt, was der Ge
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winnung neuer Mitglieder förderlich ist usw. Also bei jeder passen- den Gelegenheit muß die Parole sein: bad schreibe ich bet 5 5 W
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Brennholz-Verkauf.
In der Königlichen Oberförsters Elbrighausen bei Batttnberg sollen aus dem Einschlag des Wirlschasts- jahres 1901/02 folgende Holzmengen im Wege des schlist- lichen Aufgebots verkauft werden:
Loos: 1. Distr. 98399 = 21 rm Buchen-Scheit, 176 rm Buchen Knüppel, 9 rm Weichholz-Kuüppel und 1 rm Nadelholz-Knüppel.
Loos: II. Distr. 123a, 125, 129 ----- 61 rm Buchen- Scheit, 120 rm Buchen-Knüppel.
Loos: III. Distr. 123a, 156 rm Buchen-Knüppel.
Loos: IV. Distr. 131 = 97 rm Nadeiholz-Ki.üppel 2,5 m und 1,2 m lang, sämtlich trocken und 157 rm Nadel - Holz-Reiser III. Kl
Die Gebote sind für jedes Loos getrennt pro rm Scheit, Knüppel und Reiser abzugeben. Das in den einzelnen Schlägen sitzende Holz wird auf Verlangen durch Herrn Förster Usinger zu Pfütze vorgezeigt.
Die schriftlichen Gebote sind unter verschloss'nem Umschlag mit der Aufschrift: „Submission auf Brennholz" an die Oberförster ei Elbrighauseu zu Battenberg so zeitig av- zusenden, daß solche zu der
am Montag, den 21 Juli d I., vormittags 10 NH im Geschäftszimmer der Oberförstern in Gegenwart etwa erschienener Bieter statlfindende Eröffnung der Gebote in die Hände des Forstmeisters gelangt sind. Mit Abgabe des Gebotes unterwirft sich Bieter bedingungslos den Verkausèbe- dingungen, welche gegen Abschriftgebühren von hier bezogen werden können.
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von Otto Fritz akad. Kunstmaler. Unterricht. Goethestrasse 46, Atelierhaus. Farbiges Panorama von Giessen 45X^5 zu 5 Mk,
Vergebung von Sauarbeiten.
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Die Ausfü^rungsbeolngungen unb Arbeusvejchreibuugen liegen in unserem Amtslotal zur Einsicht offen, und sönnen letztere, mit Vordruck zu 0tm bezüglichen Augebols-Vermert versehen» daselost zum Selbstkostenpreis in Emp;ang genommen werden.
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Maeulatur-Papier
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abzugeben.
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