Wr. 164 Erstes Blatt.
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GratiSbeilaaea Qbeehessische rsamllienzeltung ltäglich) ^berkelnscdr Teilschritt für Landwirtschaft, Cbft nnd Warieab.a, lowie di7Gi.ft.°.r Seifenblasen wöchentlich». Das Blatt erscheint an »Cen Werktagen nachmittags.
Freital,, den 18. Juli >902.
Gießener
__11. Jahrgang.
I«sertio»Svre1S: Die einspaltige Petit,eile fürGietzenwie, gan, Qberbtssen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3032.
Redaktion und Expedition: (Hießen, Neuenweg 28. beruft rechanschluft Nr. 368.
Deuelle Nachrichten
tOietzener Tagevtatt» Nnaöhängige Tageszeitung (Hietzener Weitung)
für Oberhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiaer für Gießen und ilmgebttng.
Druck und Verlag der Gießener VerlagSdrucker-i, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdru-kerei, fgegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gieße
Bestand der deutschen Turnerschaft am 1. Januar 1902.
Vom Aurschuß der deutschen Turneischast wird uns darüber geschrieben:
Auch die diesjährige Erhebung deS Bestandes innerhalb der deutschen Turnerschaft (gegründet 1868) zeigt wieder ein Bild freudiger Entwickelung. Das Jahr 1901 hat einen Zuwachs von 162 Vereinen gebracht, sodaß die deutsche Turnerschaft am 1. Januar 1902 6915 Vereine gegen 6753 im Vorjahre, darunter 44 freie Vereine in Oesterreich und 21 im Auslande, zählt. Sie verteilen sich auf 5807 Orte. In 760 Orten sind mehr als 1 Verein. Die Gesamtsumme der über 14 Jahre alten Vereinsangehörigen beträgt, ohne die turnenden' Frauen und Kinder, 692,765. Es bedeutet das gegen 670,484 im Vorjah'e eine Zunahme von 22281 gleich 3,3 pCt. An den Turnübungen nahmen im Berichtsjahre 337,432 Mitglieder oder 16,705 gleich 5,2 pCt. mehr als das Jahr vorher teil. Zöglinge im Alt.r von 14—18 Jahren sind davon 105,814 gegen 98,841 im Vorjahre d. i. 6973 gleich 6 pCt. mehr Frauenabteilungen bestehen 1005 mit 27913 Mitgliedern, gegen 958 mit 26983 Mitgliedern im Jahre 1901. Geturnt wurde im Laufe des verflossenen Jahres in den Männerabteitungen, einschl. der Zöglinge, an 637,162 Abenden von 14.681,690 Turnern gegen 616,386 Abende und 13,896,631 Turnern im Jahre 1900. Es bedeutet dasAein Mehr von 21,776 Abenden, und 785,059 Turnern. In den Frauenabtcilungen sind 845,400 Besuche gegen 785,945 im Vorjahre also 59,455 gleich 7,5 pCt. mehr ausgezeichnet worden. Das Turnen der schulpflichtigen Jugend pflegen insgesamt 591 Vereine mit einer Teilnahme von 33,299 Knaben und 9947Wädchen. Die Leitung der Uebungen in den Männerabteilungen lag in den Händen von 35,088 Vorturnern. Ihre Aus- und Weiterbildung erhielten sie in 54,943 Vorturnerstunden Die Zahl der steuernden Mitglieder ist um 16,857 von 564,338 auf 581,195 gestiegen. Zum Heer einberufen wurden im Berichtsjahre 27,639 Mitglieder, ein Beweis für die hervorragende Bedeutung der deutschen Turnerschaft für die Wehrkraft deS Landes. — 626 Vereine turnen im Winter nicht. Vereinseigene Turnhallen waren 596, Turnplätze 940 vorhanden, Schulturnhallen wurden 1584 von 1405 Vereinen^benutzt. Die Zahl der Gaue ist um 1 auf 282 gestiegen. „Gaulose Vereine^giebt es — abgesehen von den freien Vereinen in Oesterreich und den Auslandsvereinen'—59. Gauturnwartsversammlungen fanden 19, Gau- volturnerstunden 933 mit 11691, Bezirksvorturnerstunden 923 mi£3147 Teilnehmern, Gauturntage 313 statt. Gauturnfeste wurden 194 mit 102,403 und Gauturnfahrten 126 mit 23,423 Teilnehmern veranstaltet.
Alle Befürchtungen, es werde einmal eine Zeit des Stillstandes und dann auch des Rückgangs für die deutsche Turnerschaft kommen, sind bisher noch immer zu Schanden geworden. Immer mehr wird das Turnen zur Volkssache, immer ernster wird die Auffassung von der Turnsache als des besten aller Volkserziehungsmittel, und mit dem Zunehmen der Bildung im deutschen Volke, mit der Verbesserung des Volksschulwesens und seiner Mittel wächst auch die Erkenntnis von der Bedeutung der deutschen Turnerschaft und damit wird auch diese weiter wachsen und blühen, wenn sie nur ihren altbewährten Grundsätzen treu bleibt.
poliMde Nachrichten.
Berlin, 17. Juli. Das Berliner Tageblatt dementirt die in mehrere Blätter lanzirte Meldung eines Krakauer Polenblattes, wonach Graf Bülow und Graf Goluchowsky ein Abkommen getroffen haben sollen in welchem die deutsche Regierung mit allen Mitteln der von Alldeutschen in Oesterreich begonnenen Agitation in Deutschland entgegentritt, während andererseits die österreichische Regierung sich verpflichtet, die unruhigen Elemente unter der polnischen Bevölkerung Oesterreichs zu verhindern, die preußischen Polen zum Widerstände gegen die Maßnahmen der preußischen Behörden zu ermutigen.
Berlin, 17. Juli. Nach einer Petersburger Depesche teilt der italienische Minister des Auswärtigen Prinetti einem Mitarbeiter dec Nowoje Wremja mit, daß er die Frage der Handels-Verträge mit dem russischen Finanzminister Witte in einer Unterredung berührt habe. Indessen könne an den Abschluß eines Handelsvertrages mit andern Ländern schwerlich gedacht werden, solange nicht Deutschland das letzte Wort gesprochen habe.
— Der Vorsitzende des Bundes der Landwirte Abgeordneter Freiherr von Wangenheim hat auf eine Anfrage bestätigt, daß er sich nach Ab
lauf seines Beitrages vollständig von der politischen Thätigkeit zurückzuziehen beabsichtige.
— Der deutsche Fleischer - Verband nahm in seiner gestrigen Schluß-Sitzung noch Stellung zu verschiedenen das Fleischergewerbe betreffenden Fragen. Unter Anderem sprach ec sich dafür aus, daß mit dem Meister-Titel größere Rechte, insbesondere das Recht der ausschließlichen Lebrlings-Ausbildung verbunden werden sollten. Ein Antrag der pfälzischen Innung auf Loslösung von dem badisch-pfälzischen Verbände und Bildung eines eigenen Bezirks-Vereins wurde abgelehnt. Des weiteren nahm der Verbandstag Stellung gegen eine staatliche Schlachtviehversicherung sowie gegen den Viehhandel nach Lebend-Gewicht. -- Der nächste Verbandstag wird in Potsdam abgehalten.
— König VictorEmanuelsoll beabsichtigen, auf der Heimreise von Rußland nach dem in der Nähe der Eisenbahn-Station Toblach gelegenen Misurina zu kommen und in dem dortigen Grand-Hotel Aufenthalt zu nehmen. Dort sei eine Zusammenkunft des Königs von Italien mit dem Kaiser Franz Josef zwischen dem 25. und 27. ds. M. geplant. Bestimmtes darüber ist aber noch nicht bekannt.
— Präsident Steijn ist erkrankt, diese trau-, rige Meldung wird auch bei dessen Gegner unerwartet kommen. Steijn ist bekanntlich nach Europa abgereist und über seine Einschiffung in Kapstadt liegt folgende Meldung vor: Steijn wurde auf einer Tragbahre an Bord des Dampfers „Carisbrook Castle" getragen. Er hat eine Kabine auf dem Promenadendeck. Seine Frau und fünf Kinder, Dr. van Rienau und Kommandant Kampff begleiten ihm nach England. Steijn trägt noch eine Schutzbrille und kann nicht gehen, sonst sieht er aber so stark aus wie vorher. Er ist in einem bedauernswertem Zustande. Seine Arme und Beine sind zum Teil gelähmt und er kann seine Augenlider nicht öffnen.
München, 17. Juli. Kultusminister v. Landmann ist als Regierungspräsident von Niederbayern in Aussicht genommen. Der derzeitige Regierungspräsident von Niederbayern ist schwer leidend.
München, 17. Juli. Es wurde heute offiziös bestätigt, daß Justizminister von Leonrod, der an einem Augenübel leidet, nicht auf seinen Posten zurückkehren wird. An seine Stelle dürfte Baron Podewils treten, während Staatsseccetär von Schraut wahrscheinlich definitiv das Kultusministerium übernehmen dürfte.
London, 17. Juli. Große Aufregung herrsch unter der Bevölkerung des Landes. Dieselbe protestiert gegen den geplanten Dynamitzoll, welcher den Wettbewerb des Handels ausschließt und den ganzen Handel in die Hände der Debeers-Gesellschaft legen würde. Die Grubenbesitzer erklären, das Dynamit-Monopol dec Buren habe ihnen geringeren Schaden zugefügt, als das geplante Monopol der Debeers-Company. Auch die weiße Arbeiterbevölkerung ist mit der englischen Verfügung sehr unzufrieden.
Königs Eduards Befinden.
Die beiden leitenden ärztlichen Fachblätter Lancet und Medical Journal veröffentlichen inhaltlich übereinstimmende Notizen, wonach die Wunde des Königs gut heilt und sein Allgemeinbefinden sich durch die Ruhe des Krankenzimmers erfreulich gehoben hat.
Russis ch-Jtalienische Handelsbeziehungen.
Eine Petersburger Depesche an die offiziöse Turiner Stampa bestätigt, daß in den Besprechungen zwischen dem Graten Lambsdorff und Prinetti die Grundlage zu einer Handelsverständigung gelegt sei, die eine concrete Form nach dem Abschluß des Handelsvertrages zwischen Deutschland und Rußland nehmen wird.
Sitzung der Stadtver ordn den.
Gießen, 17. Juli.
Um 41/4 Uhr wird die Sitzung vom Bürgermeister Mecum eröffnet. Außer ihm sind anwesend die Beigeordneten Georgi und Grüneberg, die Stadtverordneten Brück, Euler, Emmelius, Gaffky, Gutfleisch, Hanau, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Heyligenstaedt, Huhn, Jann, Jughardt, Keller, Kirch, Krumm, Löber, Loos, Petri, Pirr, Orbig, Schaffstädt, M-illenfels. Entschuldigt sind die Herren Fuhr, Schäfer, Lchicle.
Mitteilungen.
Der Bürgermeister erwähnt zuerst den Tod des Stadtverordneten Flett. In warmen Worten lobt er des Verstorbenen Verdienste in den stadtlichen Kom- Missionen und weist auf die große Beliebtheit Fletts
auch bei der Bürgerschaft hin. Flett halte noch kurz vor seinem Ende den städtischen Behörden gegenüber den Wunsch ausgesprochen, neben seinem Vater beerdigt zu werden. Die Versammlung hat hiergegen nichts einzuwenden. — Alsdann verlas der Bürgermeister ein Schreiben des Ministeriums, worin dieses seinen Dank für oas Geschenk der Stadt Gießen an Grünberg im Betrage von 7500 Mack ausdrückt. Der Direktor der höheren Mädchenschule wendet sich schriftlich gegen die Angriffe der Stadtverordnetenversammlung auf die Lehrerschaft dieser Schule. Zugleich teilt er mit, daß er die „Gießener Neuesten Nachrichten" wegen ihrer Angriffe verklagen werde. — Der evangelische Arbeiterverein lädt die Stadtverordneten zu seinem 11. mittel- rheinischen Verbandsfest, das am 27. Juli hier stattfindet, ein.
Theater und Konzerte.
Schon vor längerer Zeit war in Anregung gebracht worden, ein Städtebundtheater für Marburg, Gießen, Friedberg, Nauheim zu gründen. Die Verhandlungen sind noch nicht zum Abschluß gekommen. Der Bürgermeister verspricht jedoch, für eine stetige Verbesserung der Theater- und Konzertverhältnisse sorgen zu wollen.
Töff-Töff.
Stadtv. Hanau beschwert sich über die rasenden Automobilisten, die Menschen und Vieh geführten. Der Bürgermeister will die Polizei darauf hinweisen.
M B a u g e s u ch e.
Der Firma Kaufmann u. Co. wird aus mancherlei Gründen nun doch noch eine Frist zur Aufführung eines Vorderhauses am Schiffenbergerws^ gewährt. Doch muß der Bau spätestens am 1. April 1904 begonnen und am 1. Oktober desselben Jahres fertiggestellt sein. — August Schepvelmann erhält auf Vorschlag der Baudeputation die Erlaubnis zur Anlage eines Vorgartens am großen Steinweg. — Auch das Gesuch des Fabrikanten Oskar Gutmann um Dispenz bei Vergrößerung seiner Fabrikanlage findet Befürwortung und Annahme. — Dagegen stößt das Gesuch des Apothekers Schwieder, der bekanntlich nur unter der Bedingung, daß ihm Ausnahmen zugestanden werden, auf Widerspruch und wird auch ohne weitere Debatte verworfen. Allein der Wittwe Keil soll, falls Schwieder einen Neubau nicht errichtet, erlaubt sein, in der jetzigen Baufluchtlinie einen Neubau aufzuführen. — Auch das Gesuch der Johann Georg Weber Erben zur Anlegung eines Vorgartens in ihrem Hause Neuenbäue 20 wird ohne Widerspruch abgelehnt. — Die übrigen Bauangelegenheiten werden bis zum nächsten Male zurückgestellt.
Die verlängerte Bismarck st raße befindet sich in einem keineswegs schönen Zustande. Herr Schmidt, Weißbindermeister, hat deshalb eine Eingabe an die Stadtverordneten gerichtet, worin er um Anlegung eines ordentlichen, trockenen Trottoirs mit Rinnstein bittet ^amit soll jedoch nach dem Beschluß der Versammlung bis zur Fertigstellung der neuen Universitätsbibliothek gewartet werden. Immerhin will dec Bürgermeister darauf sehen, daß der Fußweg fortan in besserem Zustand gehalten wird.
Vergebung von städtischen Arbeiten.
Der Firma Gail wird die Lieferung von Pflaster- klinkern zum Ausbau der Bürgersteige in der Plockstraße übertragen. Sie liefert 1000 Stück für 25 Mk. — dem Schlossermeister Wiegand wird die Herstellung eines Kandelabers, einer Laterne und eines Wand- arms auf dem neuen Friedhof zu 140, 60 und 120 Mark zugesprochen. — Da das Angebot zweier hnsiger Gärtner, Georg und Moser Wittwe, bedeutend hoher ist als das schon neulich erwähnte von Becker — dieser forderte zur Herstellung der Blumenbeete auf dem neuen Friedhof eine einmalige Zahlung von 375 Mk. und eine jährliche von 310 Mk., jene aber eine einmalige von 386 Mk. und eine jährliche von 375 Mk. — so erhält Becker den Zuschlag auf 3 Jahre. — Die Unterhaltungsbauten an der Mädchenschule wurden dem Weißbindecmeister Eugen Groos übergeben, ebenso die der Stadtknabenschule. — Den äußeren Anstrich der Realschule soll Louis Petri II. ausführen, die Dachdeckerarbeiten an demselben- Gebäude Kröck und Müller. — Bemerkenswert ist, daß diese sämtlichen Arbeiten nicht dem Mindestbietenden, sondern dem Zweitmeistbietenden überlassen wurden.
Für die Kanalisation ist ein Drehkrahn erforderlich. Die Versammlung be-