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* Der oberste preußische Gerichtshof hatte sich kürzlich mit der Frage zu beschäftigen, ob Kahlköpfigkeit als Krankheit anzusehen sei. Ein Herr hatte gegen Kahlköpfigkeit und Haarausfall ein Mittel angekündigt und war von der Strafkammer zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil ec ein Heilmittel gegen eine Krankheit angekündigt habe. In seiner Revision stellte er in Abrede, daß Kahlköpfigkeit eine Krankheit sei. Der Strafsenat des Kammergerichts erkannte auch auf Freisprechung des Angeklagten. Kahlköpfigkeit könne allerdings als Folge einer Erkrankung des Haarbodens angesehen werden, Kahlköpfigkeit selber sei aber keine Krankheit, sondern ein Schönheitsfi fehler.
♦ Von einem bayerischen Sonderling, dem Lindinger Franzl, Bauer in Beutelsbach, weiß die „Pass. Ztg." zu berichten: Wer dessen Gehöft sieht, glaubt, einen Bauernhof, dem der Krieg arg zugesetzt, vor sich zu haben. Die Dächer der Gebäulichkeiten sind total zerfallen, teilweise auch die Giebelseiten. Das Ganze droht stets den Verfall. Regen und Wind finden überall Zutritt. Und darin haust mit aller Gemütsruhe der „Franzl" mit seiner Köchin, seiner Kuh und seinen etwa 20 Hunden. Treibt es ihm das Unwetter gar zu arg, so flüchtet er mit den Seinen in den noch erhaltenen Backofen. Größtes Mißtrauen bringt der alte, 70jährige Junggeselle den ihn besuch, nden Fremden entgegen und stets hat ec einige scharfgeladene Pistolen in der Nähe. Ec selbst sucht nie Gesellschaft auf. Größte Pflege läßt ec seinen Hunden angedeihen und der Too eines derselben versetzt ihn in große Betrübnis. Arm ist unser Franz nicht, nennt er doch unter anderem eine Waldung von fast 100 000 Mk. Wert sein Eigentum. Schuld an seinem eigentümlichen Wesen soll unglückliche Jugendliebe lein, infolge welcher der einst so lebenslustige Bursche zum Einsiedler wurde.
* Wie stiehlt man einen Kassenschrank? Man läßt einen Mitarbeiter abends in das zu bestehlende Bureau einschließen; dieser bereitet alles vor und öffnet gegen das Morgengrauen, wenn jedermann glaubt, die lange Nacht sei nun herum, das Hofthor von innen. Hierauf lassen die außenstehenden Mitarbeiter einen Wagen in den Hof fahren, laden den Kassenschrank mir 13 000 Francs Inhalt hinein und fahren ab. Dem ^Pförtner, der unter dem Thorweg den Kopf aus seiner Zelle steckt und fragt: was los sei? antwortet man: Wir fahren nach dem Bahnhof, und dann fiLrt man selbstredend schleunigst nach einer anderen Richtung. Bis^ der verschlafene Pförtner seine fünf Sinne gesammelt, Verdacht geschöpft, sich angekleidet und das Fehlen des Kassenschranks bemerkt hat, ist die Diebsbande in Sicherheit. So geschehen und erprobt im Morgengrauen des 5. Oktober im Palast des Fürsten Colonna zu Rom, hundert Schritt vom Hauptpolizel- amt entfernt.
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Giessener Cagesneuigkeiten.
** Der Großherzog hat am 24. September dem bisherigen Hospitalboten Andreas Geßner aus Crumstadt das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift . „Für 50jährige treue Dienste" verliehen. — Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren erhielt das Dèitglied dec freiwilligen Feuerwehr zu Kleiu-Steinheim Peter Bohländer. — Ernannt wurde dec Gefangenwäctec an dec Zellenstrafanstalt Butzbach Otto Winkler zum Gefangenaufseher an dieser Anstalt mit Wirkung vom 7. November d. Js.
** Nack) Beschluß der Sladioeror^neten-V^sammlung ist in der hiesigen Volksschule insofern eine Aenderung d.r Verwaltung eingetreten, als an Stelle der Obererer, je einer für die Knaben- und die Mädchenschule, ein Rektor tritt. Mit diesem Amte wurde der bisherige Oberlehrer der Knabenschule, Hahn, betraut. Zu Leitern der beiden Schulen wurden die Herren Lehrer Knauß für die Knaben-, Lehrer Schaaf für die Mädchenschule mit dem Amtstitel Haupt- lkh er ernannt. Rektor und Hauptlebrer wurden heute Vormittag 11 Uhr, nachdem ihre Verpflichtung auf dem Kreis- amte stattgesunden, in Gegenwart sämtlicher Lehrer und Lehrerinnen in ihre Aemter durch Herrn Kreièschulinspektor Professor Dr. Lucius und Bürgermeister Mecum eingesührt. Ansprachen hielten die Herren KceiSschulrnspektor Professor Lucius, Bürgermeister Mecum, Hauptlehrer Schaaf und Knauß und Pfarrer Dr. Naumann.
^Versammlung hessischer Notare Gestern tagte in Mamz im Casino „Hoszum Guv nberg" zum ersten Male le gkfetzlich vorgeschrieb.ne ordentliche General-Versammlung Jr. polare des Großherzogtams. Zum Vorsitzenden der ckcotarSkammer wurde Justizrat Wolf-Main; gewählt. Als tgluber wurden gewählt die Notare Justizrat §^/^Darmstadt von Brentano Offenbach. Justizrat Jöckel- p-fL/^ Metz-Gletzen, Justizrat Köhler- Osthosin und Hubert^ Oppenheim.
^ Vürgecmeisters zu Bersrod £ § vom Kreisamt nicht bestätigt worden. ^le 8olge, so hat nunmehr das Kreisamt be- chloffen - werden alle Wahlen, bei welchen mit Bier ^ sonstigen Gegenständen traktiert wird, für ungiltig kE^^^^^3u^ec^Zrovmz^tarkenburg^a^ im Ver-
Bekanntmachung.
“ Ä».Ä .-Ä ^»,£ ÄfÄ‘sÄUKr.Ä^ Te^nnbCr a“ff*rift bi8 »um 25 b. Mts bei uns ein4u=
Gießen, am 16. Oktober 1902.
Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum.
gangenen Jahre ein gleicher Fall vor. Die aufsichtsführende Behörde verfügte damals ebenfalls wie jetzt das Gi ßener Kreisamt. Und das mit Recht! Wo soll das hinausfühcen, wenn Bier und dergleichen eines reichen aber vielleicht unfähigen Mannes zu Aemtern verhelfen soll, die Allgemeinheit aber nach dem Rausch die Zeche bezahlen muß.
** Wiederum flattern Millionen von Aufforderungen zur Beteiligung an der Ungarischen Klassenlotterie in alle deutschen Gaue. Da in der That^ leider im Allgemeinen das Glück im Leben eine größere Rolle spielt, als persönliche Tüchtigkeit, so wird man es Niemand verdenken können, daß er dem Glücke, sei es nun fortlaufend gewissermaßen immer den kleinen Finger, sei es auch nur dann und wann durch eine größere Beteiligung die Hand bietet. Bietet in der That die genannte auswärtige, im deutschen Reiche bei besonders hoher Strafe verbotene Lotterie die ihr angerühmten besten Gewinnaussichten? Es ist dies mindestens nicht im Verhältnis zu allen deutschen Staatslottecien dec Fall. Selbst die kleinsten deutschen Staatslotterien, wie die nur halbe Loose ausgebende Lübeckische Lotterie und die Mecklenburgische Lotterie, die wegen ihrer hohen Gewinnabzüge wenig beliebt sind und im Allgemeinen recht wenig wirkliche Gewinne bieten (übrigens wie alle anderen nachgenannten Lotterien außer der Hessisch- Thüringischen bei uns ebenfalls verboten sind), gewähren, wenigstens bezüglich dec Gewinne von 40 000 Mk. und mehr bessere Gewinnaussichten als die ungarische. — Noch auf breiterer Basis vorteilhaft stellt sich aber dec Vergleich für unsere Landeslotterie:
Es können nämlich nach den neuesten für die nächste Lotterie geltenden Plänen entfallen:
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Wer also spiel.n^ will, hat nicht nötig, sicb der Gefahr einer hohen Strafe wegen Reichsstempelsteuerhinterziehung auszusetzen, sondern ec kann aussichts- reichec in dec heimischen Lottecie spielen. Uebrigens ist die Ungarische Lottecie nicht einmal ein Staatsunternehmen, sondern eine Lotterie, die für Rechnung einer Aktiengesellschaft betrieben wird. Der Abzug vonLOpEt. von allen Gewinnen derselben kommt indirekt einem dein Deutschen nichts weniger als freundlich gesinnten Volkstum zu statten!
Bus stellen und Nacbbargebieten.
□ Lollar, 16. Okt. Der hiesige Turnverein, hatte am Mittwoch Abend im Vereinslokale ebenfalls eine Gedächtnis- I feier der 50. Wiederkehr des Todestages des Turnvater
Robert Riegler
Londorf.
W" Sonntag, den 19. er. âWF
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Jahn veranstaltet. Der erste Vorsitzende des Vereins H. Schmidt begrüßte die Anwesenden und schilderte daS Leben und Wirken Jahn'S, von der Wiege bis zum Grabe. Vom Schöpfer des deutschen Volksturnen, dem Turnvater Fried. Lud. Jahn, der seinem Volke im deutschen Volks- turnen ein so gewaltiges Erziehungsmittel gegeben hat und ein so leuchtendes Vorbild der Begeisterung und vorauS- blickender Arbeit für .ein freies einiges Vaterland gewesen ist und für alle Zeiten sein wird. Die ganze Feier naym einen würdigen Verlauf.
** Butzbach. Die hier ansässige Landwirtschaftliche Maschinenfabrik A. I. Tröster hat am Mittwoch eine Saemaschine nach Südafrika und zwar nach Johannesburg versandt. Dieser Auftrag ist gewiß ein beredtes Zeugnis, daß die genannte Firma gute Maschinen zu liefern im Stande ist.
** Frankfurter Obstamrkt. Wie in der Vorwoche war das Geschäft, so heißt eS in dem Bericht der Zentralstelle für Obstverwertung, auch in der Woche vom 6. bis 11. Oktober wieder recht lebhaft. Es wurden enorme Abschlüsse in allen vorkommenden Obstsorten gemacht. Nur in Zwetschen waren bei großem Angebot die Preise etwas ge- dlückt, alle anderen Obstsorten konnten die vorwöchentlichen Preise behaupten. Die Durchschnittspreise waren: Pfirsiche Mk. 30, Tafeläpfel Mk. 10 bis 18, Kochäpfel Mk. 8 bis 11, Taselbirnen Mk. 10 bis 18, Kochbirnen Mk. 6 bls 8, Zwetschen Mk. 6 bis 8, Mostäpfel Mk. 4,60 per Zentner.
** Frankfurt a. M., 16. Okt. (OberkriegSgericht des 18. Armeekorps.) Am Samstag den 19. Juli, Den Vorabend des Feuerwehrfestes in Bad-Nauheim, saß dort m der Wirtschaft „Zum Adler" eine Anzahl Sol. daten, ote sich aus Urlaub befanden. Sie sangen Schnadahüpfl aus die Nauheimer Mädchen. Besonders that sich da- bel der Kanonier Stoll von der 3. Batt. 61. Feldartillerie. Regiments Darmstadt hervor. „Der Sonntags sind sie stolz, des Mittwochs geht's in's Holz!" kam eS spöttisch von seinen L'ppen. Als die Spottverse des Stoll über die Jungfrauen Nauheim's immer saftiger wurden, ward der ortseingesessene Schuhmachermeister Mänk, der am andern Tische in Feucrwehrunisorm hinter dem Schoppen saß, ärgerlich und er rief : „Dabei hat der Kerl nicht einmal Eine von Nauheim gekriegt!" Der Kanonier war nämlich bereits verheiratet, hatte sich aber seine Frau von auswärts geholt, während er selbst geborener Nauheimer ist. Er replizierte mt BankerottskrämerI" — eine „zarte" An- sp elung darauf, daß der Schuhmachermeister einmal „umge- fallen" ist. AlS der Letztere nach zirka 1 Stunde nach Hause ging, verfolgte ihn Stoll, riß ihn von hinten nieder und haute ihn mit den Säbel verschiedene auf den Kops, so daß eine 5 Zentimeter lange Wunde entstand. DaS Kriegsgericht der 25. Division in Darmstadt hat den Stoll wegen Körperverletzung mittels gesährlichen Werkzeugs unter rechtswidrigem Gebrauch der Waffe und hinterlistigem Ueber- fall 3 Monate Gefängnis zudiktiert. Die Berufung des damaligen Kanoniers, jetzigen Weißbindergeselle gegen daS 'Urteil wird verworfen.
** Aus dem Vogelsberg wird uns berichtet: Auch hier wird zur bevorstehenden Landtagswahl gerüstet, und sind verschiedene Kandidaten (in Vorschlag gebracht worden: für den Walbezick Herbstein: Bürgermeister Schmalbach in Creinfeld; für Schotten dürften wohl die Aussichten des Bürgermeisters Weidner in Herchen- hain nicht besonders hoffnungsreich sein, dagegen für den Bürgermeister Viehl in Rainrod bei Schotten um so aussichtsvoller. Wenn auch derselbe als Redner nicht besonders disponiert ist, so ist ec doch als ein äußerst charaktervoller, wahrheitsliebender, materiell gut situierter Mann bekannt.
** Niederwald, 15. Okt. Herr Lehrer Fuchs, der krankheitshalber in den Ruhestand treten mußte, ist nach Wetter übergesiedelt. Wie die „Oberh. Ztg." berichtet, sei Herr Mergenthal -Wismar zu seinem Nachfolger bestimmt. Wie wir aus sicherer Quelle wissen, ist das noch nicht sicher Vielmehr steht dec genannte Herr noch in Unterhandlung mit der Regierung. Es ist der Wunsch der Gemeinde, daß Herrn Groß, der seit dem 1. Dezember v. I. die Stelle verwaltet, dieselbe übertragen werde.
** Aus Homberg a. d. Efze wird uns geschrieben: Ein sonderbarer Heiliger, dec Gutsbesitzer aus dec Nähe, dec 10 fette Schweine nicht los werden konnte, „weil sie in Frankfurt keine haben wollten!" Warum hat er sein Borstenvieh nicht hier verkauft? Hier werden sehr hohe Preise bezahlt. Ein hiesiger Schweinemetzger sah sich diese Woche genötigt, seine Kunden mit leeren Händen fortzuschicken. Es war ihm unmöglich gewesen, Schlachtvieh aufzutreiben. Sollten Einsendungen wie die des 10 Schweinemannes nicht den Zweck haben, die Schweinepreise in dec Höhe zu erhalten?
** Roßdorf, 14. Okt. Hier und in Mardorf ist unter den Schulkindern dec Scharlach ansgebrochen. Auch in dem benachbarten Holzhausen treten einige Fälle derselben Krankheit auf.
** Vöhl, 13. Okt. In den letzten Wochen weilten verschiedene Herren aus Berlin im Edecthale, um die Gegend bei Schmittloheim, Asel, Hemfurth, Waldeck zu besichtigen, bezw. zu untersuchen und abzumessen zwecks Erbauung einer Thalsperre. Wozu dieselbe event, bienen soll, ist noch unbekannt.
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