sich wie alljährlich zur Erholung an den EhieM-See zu begeben.
Wien, 15. Juli. Gestern traf in Krakau zur Gcün- waldfeier an dec Spitze einer tschechischen Abordnung der Reichstagsabgeordnete Klofac ein, den das am Bahnhof versammelte Publikum lärmend empfing. Klofac richtete namens seiner Partei auch an das Lemberger Grünwaldfeier-Komitee ein Schreiben, indem er mir Hinweis auf die Marienburger Kaiserrede die slavische Solidarität gegenüber der gemeinsamen Abwehr des Pangermanismus als notwendig bezeichnete.
Frankreich. Das am 14. Juli, als dem Jahrestage des Bastillensturmes wiederum gefeierte Nationalfest ist überall ohne Zwischenfälle verlaufen, auch in der Haupstadt Paris selbst. Zwar veranstalteten die Mitglieder der Patriotenliga wieder die gewohnte Kundgebung vor den Statuen der Stadt Straßburg und der Jungfrau von Orleans, doch kam es hierbei zu keinerlei Ruhestörungen.
Massenhitzschläge in Paris.
Nach dem Polizeibericht kamen am Montag infolge der Hitze bei der Truppenparade in den Ambulanzen 150 Soldaten, 20 Schutzleute und 300 Privatleute zur Behandlung. Ein Sergeant de- Feuerwehr-Regiments, das an der Parade teilnahm, ist gestorben. Ferner erlitt außer dem Militärgouverneur auch General Perzin, Kabinettchef des Kriegsministers einen Sonnenstich. Von den Kürassieren, die den Wagen Loubets geleiteten, stürzten 18 in der Avenue Merigny, zwei im Hofe des Elyffee vom Pferde. Da muß man sich doch fragen, ist es notwendig, bei großer Hitze Parade abzuhalten.
König Eduard von England ist jetzt wieder soweit hergestellt, daß er am Dienstag von der Viktoria Station nach Portsmouth sich fahren lassen konnte. Die Abfahrt war sehr geheim gehalten. Nur aufmerksame Beobachter merkten, daß Arbeiter den Bahnsteig an der Stelle zu glätten begannen, wo der König zum Salonwagen gerollt werden sollte. Der Bahnsteig war dann kurz vor Eintreffen deS hohen Kranken durch eine hohe Wand von rotem Plüsch unsichtbar gemacht, die gurr über den Bahnsteig gezogen war und ihn ganz absperrte.
Der englische Ministerwechsel.
D,'e r nt u!t e^n g li jch e PremierministerArthur Jame« ®alflout ist am 25. Juli 1848 geboren. Er ist ber Sohn des 1856 verstorbenen JameS Maitland Balfour und der Lady Blanche Gascoigne Steil, einer Schwester Lord Salisburys. Balfour ist unverheitit Als Lord Salisbury in den kritischen Jahren von 1878 bis 1880 dem auswärtigen Amte vorstand, war Balfour Privats-kretär feine« Onkel« und al« solcher nahm er an dem Kongreß in Berlin teil. Der einzige Punkt, in dem Balfour von seinen Kollegen stark abweicht, ist die Währungèfrage. Balfour ist Bime- tallist. Balfour besitzt einen scharsen erfinderischen Geist. Er ist frei von saft allen gewöhnlichen Leidenschaften und Vor- urteilen und fähig, den meisten Problemen ein offenes und empfängliches Gemüt entgegenzubringen. Er besitzt aber nicht die Größe seine« Onkel«, ihm fehlt der weite Ausblick, die große Sachkenntnis, die langjährige Erfahrung in der Welt außerhalb dieser Inseln. Was aber auch immer em-
treten mag, jedenfalls hat England keine Chamberlain- s ch e Premierministerschaft.
Lord Salisbury steht seit mehr als 7 Jahren an der Spitze des Ministeriums. Als am 24. Juni 1895 das liberale Cabinett Rosebery in Folge seiner parlamentarischen Niederlage in der Frage der Armeereform seine Demission einreichen mußte, wurde Lord Salisbury mit der Bildung des Cabinetts betraut, an dessen Spitze er schon zweimal — von Juni 1885 bis Januar 1886 und von August 1886 bis 1892 — als Nachfolger Gladstone'S gestanden hatte. Lord Salisbury, geb. am 3. Febr. 1830, blickt aus eine lange staatsmännische Laufbahn zurück. 1866 wurde er unter Derby zum ersten Male, 1874 unter Disraeli zum zweiten Mal Staatssekretär für Indien.
Siessener Lagesneuigkeiten.
* * Das R egierungsblatt Nr. 38, ausgegeben am 14. Juli enthält: Gesetz, Errichtung einer hessischen Hypothekenbank betreffend.
* * Das Amtsblatt des Ministeriums des Justiz Nr. 19 enthält ein Ausschreiben an die Amtsgerichte, betc. die Veröffentlichungen aus dem Ge noffenschaftsccgistec. — Nr. 20 hat zum Inhalt ein Ausschreiben an die Amtsgerichte, betreffend die Eintrag der Vecsicherungsvereine auf Gegenseitigkeit in das Handelsregister.
* * Unsere Rudergesellschaft hat auf der am Sonntag zu Ems stattgefundenen Kaiserregatta im Akademischen Viererrennen sich den Preis geholt. Ihr Gegner war die Heidelberger Rudergesellschaft.
* * Stenograph isch es Wettschreiben. Bei dem gelegentlich des 23. Stenographentages des Verbandes der Gabelsberger Stenographen des Main- Rheingaues und von Hessen und Nassau am 1. Juni in Wetzlar abgehaltenen Preiswettschreiben entfielen nach Gießen 4 Preise. In der Abteilung von 80 Silben pro Minute erhielt Oswald Ulbricht (Gesellschaft) den 1. und Alex Karnbach und Fritz Kalbfleisch (Verein) je einen 3. Preis, während in dec Abteilung 100 Silben Emil Rau (Gesellschaft) den dritten Preis errang. Stift Heil!
* * Die unkündbare Anstellung der P o st- untcrbeamten hat fortan nach einer Verfügung des Staatssekretärs des Reichspostamis — unabhängig von dem Zeitpunkt der erliess etatsmäßigen Anstellung bei tadelfreier Führung für alle Unterbeamtenklassen gleichmäßig nach einer Gesamtdienstzett von 15 Jahren stattzufinden. Bei Berechnung der Gesamtdienstzeit ist neben dec Dienstzeit als etatmäßig angestellter Unterbeamter jede für die etatsmäßige Anstellung anrechnungsfähige Zivildienstzeit und die ganze nach Vollendung des 18. Lebensjahres im Heere, in der Marine, in der Gendarmerie oder Schutzmannschaft abgeleistete Dienstzeit zu berücksichtigen; mindestens die letzten fünf Jahre müssen jedoch in der Stellung als vollbeschäftigte Post- oder Telegraphenunterbeamte zurückgelegt sein.
* * Eine nachahmenswerte Einrichtung hat der Rektor einer schlesischen Schule getroffen. In Anbetracht des Umstandes, daß in den meisten Kreisen der Bevölkerung eine geradezu überraschende Unkenntnis und Unbeholfenheit im Lesen von Fahrplänen unb Kursbüchern herrscht, hat der Rektor sich an die Eisenbahndirektion mit der Bitte gewandt ihm eine Anzahl alter Fahrpläne für seine Knabenschule zu überlassen. Dieser Wunsch ist erfüllt worden, und künftig werden die Schüler im Lesen von Fahlplänen ilnd im Zusammenstellen von Zugverbindungen unterwiesen werden. Nachahmenswert!
♦ ♦ Obst markt. Nach dem Wochenbericht der Zentralstille für Obstverwertung in Frankfurt a. M. vom 7. bis 12. Juli war der Verlauf der letzten Geschäslswoche im allgemeinen befriedigend. Angebot mb Nachfrage hielten sich in ziemlich gleicher Höh , nur in Sauerkirschen blieb das Angebot zurück Die Ernte in Spälkirchen ist jetzt in vollem Gang; es wurden belangreiche Abschlüsse gemacht. Man erwartet eine knappe Mtttelernte. Ap.rkosen und Pfirsiche sanden auch in dieser Woche starken Absatz, während der Absatz in Beerensrüchten noch zu wünschen übrig läßt. Die Durchschnittspreise betragen: E.dbeeren Mk. 32, KirschcN Mk. 12 bis 20, Stachelbeeren Mk. 12, Johannisbeeren Mk. II1/«, schwarze Mk. 12^2, Aprikosen Mk. 30, Pfirsiche Mk 35, Frühbirnen Mk. 15 bis 20 per Zentner.
o . Launsbach, 15. Juli. Heute Abend wurde Johannes Hobbach von zwei Hunden, welche sich auf einem Hofe herum bissen, so zur Erde geschmissen, daß er dabei einen dopelten Beinbruch erlitt.
vermischtes.
Berlin, 15. Juli. Reichskanzler Graf Bülow richtete an den Bürgermeister von Venedig ein Telegramm aus Nordecney, in dem ec seine Trauer über den Einsturz dec Campanile auf dem Markusplatze Ausdruck giebt. Die Königin Margherita sandte ebenfalls ein Beileidstelegramm. Der Gemeindecat bewilligte in außecordentlichec Sitzung als erste Beihilfe zum Wiederaufbau des Glockenturmes eine halbe Millon Lire Weiter wird zu dem Einsturz gemeldet: Eingestürzt ist der obere Teil des Eampauile in der Höhe von 68 Metern. Dec Pcäfekt von Venedig giebt dec Vermut mg Raum, dec verhängnisvolle Mauerriß, dec die unmittelbare Ursache dec Katastrophe war, sei eine Folge des letzen Erdbebens in Dalmatien gewesen. Architekt Boni, der die Grundmauern des Turmes geprüft hat, erklärte, daß diese allecdiugs auf dem noch unberührten Pfahlcoste ruhen, aber so wenig tief seien, daß sie höchstens eiuen Turm von 30 Mtc. hätten tragen können. Im Volke hält man die in letzter Zeit um den Turm ausgeführten Pflasterarbeiten sowie die Entfernung dec an den Thurm angebaut gewesenen Bottegen als die Ursache des Einsturzes. Thatsache
ist, daß seit Jahren daran gearbeitet wurde, das verwitterte Mauerwerk zu festigen und diese Arbeiten vor vier Monaten eingestellt wurden. Am 9. Juli zeigten sich die ersten Sprünge, die sich stündlich erweiterten. Dec Einsturz erfolgte nach den Berichten von Augenzeugen in der Weise, daß der Thurm ungefähr von dec Mitte abwärts sich erweiterte und die obere Hälfte in sich aufnahm. Das Getöse war so groß, daß selbst in den entferntesten Stadtteilen, wo man gar nicht wußte, was geschehen war, Panik entstand.
* 44 Millionen Mark vernichtet. Der Papierfabrik Staffel zu Witzenhausen wurden vorige Woche von der Reichsdruckerei in Berlin zwei große Wagenladungen alte Postwertzeichen zur Vernichtung übergeben. Der Gesamtwert derselben beziffert sich auf 44 Millionen Mark. Die Vernichtung geschieht unter strengster Aussicht.
* Hannover, 14. Juli. Die Landes-Versicherungsanstalt Hannover hat einen Bauernhof in der Lüneburger Haide auf dreißig Jahre gepachtet, um erholungsbedürftigen Versicherten eine Pflegestätte zu bieten. Der Hof umfaßt 300 Morgen Ackerland und 2400 Morgen Forst. Er kann bewirtschaftet werden ohne Rücksicht darauf, ob Kranke vorhanden sind oder nicht, es ist aber immer hinreichend Arbeit vorhanden, daß 50 bis 60 Pfleglinge beschästigt werden können. In Aussicht genommen ist ihre Beschäftigung mit Gemüsebau, insbesondere Spargelkultur, sowie mit dem Anbau von Früchten für Konservenfabriken. Sollte der Versuch mißglücken, so ist in Aussicht genommen, an der Stelle eine Lungenheilstätte zu errichten.
s . Halle, 14. Juli. Vor einigen Tagen wurde hier der Restaurateur Libau verhaftet. Er zwang seit Monaten seine beiden jetzt 12 und 13 jährigen Töchter zu sträflichem Umgang mit ihm; die armen Kinder, von denen sich eins in anderen Umständen befindet, konnten schließlich die Schande nicht länger ertragen und offenbarten sich den Nachbarinnen, die dann die Verhaftung deS entmenschten Vaters veranlaßten.
* Heiligenstadt, 14. Juli. Dec bekannte „Wundec- doktoc" Aus meier in Günterro de ist am 16. Juli 61 Jahre alt, gestorben. Ausmeier, ein Bauer, der die Kurpfuscherei von seinen Vorfahren übernommen, war nicht nur auf dem Eichsfelde, sondern in ganz Deutschland bekannt. Täglich kamen von weither Leute mit allen möglichen Gebresten, die bei ihm Heilung suchten, auch feine Equipagen hielten sehr häufig vor seinem Hause. „Dr." Ausmeier „beurteilte" ledigl'ch nach dom Harn seiner Patienten deren Krankheiten, schrieb dann sein Rezept und begnügte sich mit einem mäßigen Douceur. Ausmeiec hatte bei seinem kollossalen Kundenkreise ein gutes fëinfommen, ohne indeß so viel Glücksgüter zu erringen wie sein Kollege Schäfer Ast in Radbruch. Viele Leute „schwören" auf Ausmeiecs Heilkunst. Ein Sohn des verstorbenen gedenkt, die „Doktocei" fortzusetzen, wenn ihm das Handwerk nicht behördlich gelegt wird.
* Glauchau, 15. Juli. Der Stattrat Winckler, Inhaber der Papierwacen-Handlung Robert Winckler jr. hat sich gestern nachmittag in seinem Privatkomptoic aus unbekannten Gründen erschossen. Sein Bruder, der der früher Stadtrat in Chemnitz wac, hat sich vor 2 Jahren im Stadtwalde von Chemnitz erhängt.
* Antwerpen, 15. Juli. Einem Diamanthändler aus Rotterdam wurde an der belgisch holländischen Grenze seine Handtasche gestohlen, die für über 100,000 Franks Diamanten enthielt.
* Ncwyork, 15. Juli. Wie hier verlautet, wird König Leopold dec Belgier demnächst der MlllionärS-Famllie Walsch in Ncwyork einen Besuch abstatten und bei dieser Gelegenheit incognlto eine längere Reise durch die Vereinigten Staaten unternehmen.
* Na, na? Im „Thüringer Jahrbuch" erzählt Jemand von der Freundschaft und dec wachsamen Fürsorge einer Katze für einen Staar folgende hübsche Geschichte: Als mein Vatec ein kleiner Knabe war, hatte er einen zahmen Staar, dem man die Flügelknochen gebrochen hatte und der sich, soweit seine Bewegungsorgane das zuließen, nach Gutdünken im Hause umhertreiben durfte. Er war mit der Katze großgezogen worden, und zw.schen ihnen war dicke Freundschaft; sie spielten zusammen, fraßen aus einem Rapse und was dergleichen mehr war. Als die Familie meiner Großeltern eines Tages bei offener Zimmer- lhüre das Mittagbrod verzehrte, packte die Katze plötzlich den Vogel, und alle Anwesenden glaubten, die Raubthlernatuc sei nun doch bei ihr zum Durchbruch gekom nen. Aber nein — die Katze hob den flugunsähigen Staar sorgsam in die Höhe, sprang mit ihm auf den Eßtisch, wo sie ihn niedersetzte, und stürzte zur Thür hinaus. Gleich darauf hörte man das Geräusch eines heftigen Kampfes vom Hausflur hereinschallen. Es stellte sich heraus, daß eine fremde Katze eingedrungen war, d.ren Nahen die feinhörige Freundin deS Vogels vernommen hatte und die sie, nachdem ihr Liebling von ihr in Sicherheit gebracht worden war, angriff und verzagte.
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dt Darmstadt, 15. Juli. (Strafkammer 11.) Wegen Mlls chfälschung wuroe dec Milchhändler Johann Hch. Sehnert von Dietzenbach und dessen Frau zu je 200 Mk. Geldstrafe, eventuell je 40 Tagen Gefängnis verurteilt. S. Hffte Milch als „Vollmilch", also ein verfälschtes Nahrungsmittel unter einer zur Täuschung geeigneten Bezeichnung feilgehalten. Ec behauptete, von dieser mangelhaften Beschaffenheit der Milch nichts gewußt zu haben und suchte den Verdacht der Thäterschaft auf einen seiner Lieferanten zu lenken. Eine Haussuchung förderte recht gewichtiges Beweismaterial gegen beide Angellagten zu Tage, indem obwohl die Sehnerts nur einen geringen Teil ihres GeschäfiSab- satzes als „abgerahmte Milch" bewerkstelligt hatten, sich ein unverhältnismäßig großer Rahmvorrat vorfand. Die damals stark in Verwirrung geratene Ehefrau S. räumte ein, zwei Tage vorher gebattert zu haben; trotzdem waren etwa 20 Llter Rahm vorhanden, ein Quantum, zu dessen Gewinnung
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