auSstieß: „Und wenn sie mir den Kopf abmachen ...!" Der Vorgang verursachte keine geringe Aufregung,
* Das verweiblichte Gaudeamus Die „Jugend" erzählt: Eine gymnasiale Mädchenschule macht einen Ausflug. Die Stimmung wird eine immer lustigere, und als es zum Singen von Studentenliedern kommt, sind die jungen Damen darauf bedacht, überall die auf ihre Kollegen vom männlichen Geschlecht bezüglichen Ausdrücke durch andere, das schöne Geschlecht betreffende zu ersetzen. Als nun der Professor, welcher am Biertisch das Präsidium führt, das „Gaudeamus" anstimmt, fällt der ganze Chor lebhaft ein:
„Gaudeamus igitur, Virgines dum sumus etc.“
* Die dicke Stadtarme. Aus dem städtischen Versorgungshause für arme Bürger haben sie dieser Tage die dickste Frau von Wien, denn sie hatte eine Taillenweite von 2 m, zur letzten Ruhestätte hinausgetragen, ein rühmliches Zeugnis für die Reichlichkeit der städtischen Verpflegung unter Dr. Luegers glorreicher Regierung und für die Entwickelungsfähigkeit der Wiener Weiblichkeit. Sechs kräftige Männer konnten nur mit schwerer Mühe den Sarg heben, und zog sich Dabei eine Verletzung zu. Sie wünschten ihr, daß die Erde ihr leichter sein möge, als sie ihnen gewesen. In diesem irdischen Jammerthal hieß die Frau Therese Allert und brachte es auf 66 Jahre und 200 kg.
* Am 11. Juli sind 5 Jahre verflossen, seitdem Andre mit seinem Luftballon von Spitzbergen aus aufstieg, um sich von den südlichen Winden über den Nordpol treiben zu lassen. Merkwürdig ist es, daß zur selben Zeit wieder Gerüchte über das Ende Andree's und seiner Genossen auftauchen. Den „Times" wird von Winipea gemeldet: Mr. Fairies, ein anglikanischer Missionar bei den Eskimos, wiederholt auf daS Bestimmteste das schon früher aufgetauchte Gerücht von der Tödtung Andrèe's und seiner Genossen durch Eingeborene. Als Andree mit seinen Begleitern einer Menge Eskimos ansichtig wurde, gab er auf sie Feuer; diese verfolgten die kühnen Forscher und tödteten sie. Mr. Fairies beschreibt ein Instrument ähnlich einem Teleskop,' das sich nebst anderen Geräten im Besitze der Eingeborenen befand. Dies soll sich 300 Meilen nördlich von Churchill zugetragen haben.
* Heirat durch öffentlichen Anschlag. Bäder als Heiratsmarkt sind eine alte Sache. Daß aber heiratslustige Mädchen sich dort durch öffentlichen Anschlag ausbieten, ist vielleicht neu, jedenfalls ungewöhnlich. In dem mecklenburgischen Ostseebad Brunshaupten bildet jetzt ein Anschlag an der Tafel beim Weg zum Herrenbade das Ergötzen dec Badegäste. Er veröffentlicht folgendes Gedicht:
Junge Damen, hübsch und fein, Möchten gern ein Männchen frei'n.
Da sich bis jetzt noch Niemand fand, Der sich mit uns fest verband,
Versuchen wir's auf diese Art, Für diesen Ort zwar recht apart.
Sollte sich jetzt einer finden, Der sich mit uns wollte binden,
Reich' er schnell Offerte ein, Bei der Post am Buchenhain.
„HeckenröSchen", postlagernd, Brunshaupten.
* Ein franzöfischeS^Urteil über die Düsseldorfer Ausstellung. Im „Echo de Paris" bespricht Oktave Uzanne, welcher allen großen Ausstellungen der
l etzten zwanzig Jahre eingehende Essays gewidmet hat, das Düsseldorfer Unternehmen mit rückhaltloser Anerkennung. Er gesteht offen ein, daß er gleich vielen anderen Franzosen in einem bedauerlichen Irrtum bezüglich des gegenwärtigen Standes der deutschen Architektur befangen war. Was in Düsseldorf entstand, sei etwas absolut Originelles, Ausgezeichnetes. Durch wohlthuende Harmonie und vornehmen Geschmack sei in allen Einzelheiten der denkbar würdigste Rahmen für die Errungenschaften der Künste, des Krieges und des Friedens und für die Bethätigung der hohen Pflichten gesellschaftlicher Solidarität geschaffen worden.
* Ein deutscher Burenkämpfer. Man schreibt uns aus N e w y o r k. Der gestern aus Bermuda hier angelangte Dampfer „Trinidad" hatte als „blinden Passagier" den 36jährigen Deutschen August Albrecht an Bord, der folgende Erzählung seiner Erlebnisse zum Besten gab. Albrecht widmete sich vom Anfang des südafrikanischen Krieges an der Sache der Buren, für welche er die Schlachten von Spionskop, Colenso und Magers- fontein milmachte. Am 24. März 1901 wurde er verwundet und fiel in die Hände dec Engländer. Er mußte zehn Monate lang im Lazareth von Johannesburg zubringen, wurde dann nach Durban, von dort nach Kapstadt und schließlich nach der Insel Darells Island gebracht, welch letztere durch einen fünf Meilen breiten Kanal von Bermuda getrennt ist. Hier weilte er zehn Monate lang. Als den Gefangenen der erfolgte Friedensschluß verkündet wurde und der Kommandeur des Lagers sie aufforderte, dem König von England den Treueid zu leisten, weigerte sich Albrecht mit vielen Anderen, denselben abzulegen. Befürchtend, daß er zu einer schweren Freiheitsstrafe verurteilt werden könnte, beschloß er Zu entfliehen. Am 26. Juni unter nahm er das kühne Wagestück; er wickelte sich in zwei dicke Teppiche, kroch durch den das Lager umgebenden Stacheldrahtzaun und schlich sich an den zahlreichen Schildwachen vorbei zum Ufer. Hier schnürte er seine Kleidung zu einem Bündel zusammen, befestigte dasselbe auf dem Kopfe und stieg in das Wasser. Schwimmend erreichte er eine kleine, etwa eine Meile entfernte Insel und schwamm nach kurzer Rast weiter, Bermuda zu, woselbst er zwei Stunden später völlig erschöpft anlangte. Hier stand ihm die Entdeckung sehr nahe, denn Dutzende von Geheimpolizisten fahndeten auf einen einige Tage vorher in Begleitung eines Knaben entflohenen Deutsch-Amerikaner; allein die Späher hielten ihn für einen Heizer und belästigten ihn nicht weiter, als er mit harmloser Miene an Bord des Dampfers ging. Auf dem'Schiffe versteckte er sich in einem Dampfkessel; er wurde zwar von einigen Ma- trosen entdeckt, diese verrieten ihn aber nicht, sondern versahen ihn mit Lebensmitteln, als er ihnen seine Geschichte erzählt hatte. Einige Stunden später gesellte sich ihm ein zweiter blinder Passagier, ein Irländer, namens Johnson bei; derselbe begab sich nach der Abfahrt des Dampfers zum Kapitän, der ihn im Kohlenraume beschäftigte. Albrecht blieb in seinem Versteck, bis das Laud außer Sicht war, und verließ dasselbe erst, als die Matroßen ihn versicherten, der'jCapitän sei ein Burenfreund und werde ihn den Engländern unter keiner Bedingung ausliefern; dann gab er sich zu erkennen und wurde gut und mit Achtung behandelt. Hier wurden dem Flüchtling, der früher bereits mehrere Jahre in den Vereinigten Staaten geweilt hatte, keine Schwierigkeiten bereitet, zudem der britische Consul, dem die Ankunft des Mannes gemeldet worden war, dessen Auslieferung nicht verlangt hat. Albrecht wurde frei- gegeben und wird in New-Jersey Arbeit finden.
Bocbfchuinachrkbttn.
Wien Der Professor für Dermatologie an der Leipziger Universität, Dr. Gustav Riehl, wurde an Stelle des verstorbenen Professor Kaposi an die Wiener Universität berufen, woselbst er im kommenden Wintersemester seine Lehrtätigkeit beginnen wird.
Standesamt-Nachrichten der Stadt Gießen.
Aufgebote.
Am 3. Juli: Karl Gümbel, Postbote dahier mit Karoline Mandler in Krofdorf. Am 5.: Heinrich Schwöbel, Lehrer mit Johanna Caroline Elisabethe Pfaff; Friedrich Hermann Schnecko, Friseur dahier mit Dorothea Kaiser in Offenbach. Am 6.: Heinrich Konrad Geitz, Hilfswagenmeister dahier mit Anna Johannette Henriette Muth in Battenfeld. Am 7.: August Magel, Taglöhner mit Elisabethe Ortmüller. Am 8.: Wilhelm Gustav Heinzelmann, Monteur in Nürnberg mit Elisabethe Margarethe Gernand dahier; Georg Ludwig Heinrich Beck, Gr. Steueraufseher mit Anna Luise Spies; Daniel Mähler, Schlosser mit Luise Caroline Christiane Michel. Am 9.: Gustav Weiß, Gr. Gerichts- assessessor dahier mit Louise Sander in Darmstadt.
Eheschließungen.
Am 5. Juli: Dr. Heinrich Otto Rösler, technischer Betriebsleiter in Rodach mit Elise Altvater dahier. Am 9.: Heinrich Georg Ludwig Martin Wagner, Lehramtsassessor in Langen mit Wilhelmine Adolfine Mathilde Hahn dahier; Gustav Hugo Dittmar, Fabrikant in Liebenzell mit Elisabethe Stief dahier.
Geborene.
Am 1. Juli: Dem Betriebsleiter der Gießener Omnibus-Gesellschaft Adolph Braun eine Tochter; dem Lokomotivheizer Heinrich Etzelmüller eine Tochter, Marie Lina. Am 4.: Dem Heizer Heinrich Schliffer eine Tochter, Katharine Elisabethe Louise. Am 6.: Dem Schneider Johann Karl Schön ein Sohn, Heinrich Wilhelm; dem Dienstknecht Georg Hartmann eine Tochter, Elisabethe Johanna. Am 7.: Dem Lokomotivheizer Theodor Hebstreit eine Tochter. Am 9.: Dem Kaufmann Emil Weißenberg ein Sohn, Walter.
Gestorbene.
Am 4. Juli: Katharine Möser, geb. Rodenhausen, 74 Jahre alt, Mühlenbesitzerin. Am 6.: Heinrich Meister, 61 Jahre alt, Krankenpfleger; Geheime Rat, ^ermann v. Bechtold, 66 Jahre alt, Gr. Provinzialdirektor. Am 9.: Johannes Feußner, 34 Jahre alt, Schriftsetzer. Sämtlich dahier. '
Arbeitsnachweis der Stadt Gießen
Gartenstratze Rr 2 (Bürgermeistereigebäude) Zimmer Nr 14.
Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern (Arbeitern jeglicher Art, Dienstboten und Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln.
An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 3 bis 6 geöffnet.
Angebot der Arbeitnehmer:
1 Spengler, 1 Schlosser, 1 Fahrbucsche, 1 land- wirtschaftl. Arbeiter, 2 Dienstmädchen, 2 Lauffrauen, 1 Kinderfrau, 1 Bureaudiener oder Kassenbote. Nachfrage der Arbeitgeber:
1 Schlosser, 2 Schneider, 1 Schreiner, 5 Dienstmädchen, 1 Lauffrau, 1 Köchin.
Lehrlinge: 2 Bäcker, 1 Friseur, 1 Schlosser, 1 Schneider, 2 Schuhmacher.
Giessener Verlagsdruckerei vorm. Wilh. Keller’sche Druckerei (gegr. 1783) L Verlag der „Giessener Neueste Nachrichten“ w^w^ Neuenweg 28. «c«««««
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Giessener Neueste Nachrichten
Giessen, Neuen weg 28.
Vergebung von Bauarbeiten.
Die zur Herstellung eines eisernen Thores mit Lung- steinthorpfeilern beim Kesselhaus der neuen Kliniken nötigen Steinhauer- und Schlosser-Arbeiten nebst Materiallieferungen, werden hierdurch unter Hinweis auf den Mini- sterialerlaß vom 16. Juni 1893 zur Vergebung auf dem Submissionsweg ausgeschrieben.
Die Ausführungsbedingungen und Arbeitsbeschreibungen liegen in unserem Amislokal zur Einsicht offen, und können letztere, mit Vordruck zu dem bezüglichen Angebots-Vermerk versehen, daselbst zum Selbstkostenpreis in Empfang genommen werden.
Angebote sind bis zum 25. ö. Mts., vormittags 10 Uhr, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift portofrei an uns abzugeben.
Zuschlagsfrist 2 Wochen. 1443
Gießen, 9. Juli 1902.
Großherzogliches Hochbauamt Gießen. Neuling.
...... , -I, ......
Marianne Wulf, Schiller-Theater, Berlin, schreibt: ] .Eine ganz vorzügliche Selfe ist ,Aok"; sie ist sehr milde I und erhält die empfindlichste Haut zart und welch le I
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