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Nr. 134. Zweites Blatt

Freitag, den 13. Juni 1902.

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tlbo«»eme«tspreis: in Gießen, abgeholt monatlich SN Pfg., in's HauS gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen vierlel- jährlich Mk. 1 50.

«ratiSbeilage« : Oberhessisch- Familie«z-itu«a (täglich) Ob-rhesslsch- Zeitschrift für L^ndwirtch°ftObft-u«d (Hattenbau, sowie die Gießeuer Seifenblasen (wöchentlich).

Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Gießener

11. Jahrgang.

JnsertioaSpreiö - Die einspatlige Pctitzcile für Eichen wie ganz Oberhessen, die Steife Wetzlar und Marburg 10 Ps., sonst 16 Pfg.; Reklame« die Petitzeile 30 resp. 40 Psg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.

Weueste Nachrichten

(Gießener Tagevtatt)

Unabhängige Tageszeitung

(Gießener Zeitung)

für Obcrhefien und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gictze» und Umgebung.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdrilckcrei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei (gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

bemicber Landtag.

Darmstadt, 12. Juni.

Tagesordnung: Wahlgesetzvorlage.

Abg. Jöckel (natl.) führt aus, er habe auch einmal geschwärmt für das gerechte Wahlrecht wie der Abg. Yjutsleisch, aber die 25 Jahre des direkten allgemeinen Aeichstagswahlrechts hätten ihn eines anderen belehrt, olr sei bewegt, daß die Regierung wenigstens noch uach- itiglid) die Vorteile des direkten Wahlrechts anerkannt. Die meisten deutschen Staaten hätten ja auch indirektes SLahlrecht und Sachsen sei sogar vom direkten zum in­direkten Wahlrecht zurückgekehrt. Die Frage nach dec Einführung des direkten Wahlrechts sei noch nicht spruch­reif. Das politische Leben in Deutschland müsse sich erst noch gewaltig ändern, bis das direkte Wahlrecht unsühcbar wäre. Alle berechtigten Interessen des Staates müßten ihre entsprechende Vertretung finden. Daß Dr. David das Volk in Klaffen zerlegt habe, sei ungehörig; denn alle gehörten zum Volk. Durch die direkte Wahl aber würde ein Teil des Volkes, nämlich

Sofort öerfibtuinben io Heis-rk-it beim A n 5Mi ^lpenbräuterbni ,

eftanbteiie: fRafftnabe2,0. die Arbeiter und der kleine Mann berücksichtigt, nicht 0.4 Mml Bildung und Besitz. Bei diesem Entwurf habe der «imunfl. Me dasselbe zu sagen wie der Reichste, der Unge­

braute man Seberts« di bildetste dasselbe wie der Gebildetste, nötericb ju 50 u. 100 $fj. \

uf bei WI Leader. 31«

(Lachen bei den

Hirai Staber; kb«! $orl;f ämtr, SreuiblnS 11; Mir ifinbofftr.62; gart JeibeQ. eterftr.; ßn>- Wh, Subtil ; (Ctrl gitmanit, Nordach

Schreibarbeiten, tcitragc» aller 8«» rammt Jl'1

Adolf Langer, Jrouffurter^oL

Sozialdemokraten.) Das sei Unvernunft. Man lebe in einem kultivierten Staat. Was die mangelnde Be-

hiligung bei dem indirekten Wahlrecht anlange, so könne man doch den politischen Sinn nicht durch Wahl­agitation und durch direkte Wahl den Leuten beibringen. Die Sozialdemokratie möchte allein im Reichstag sitzen. So dumm würden er und seine Freunde aber nicht sein, dazu mitzuwirken. (Große Heiterkeit.) Die ge­he ime Wahl führe zu den größten Mißständen; denn ein Mann, der irgendwie abhängig sei in wirtschaftlicher Beziehung und deshalb geheim wählen

___, möchte, dem gebühre kein Wahlrecht. (Hört! i hort!) Die geheime Wahl habe Untreue, Unehrlichkeit ' und Feigheit im Gefolge. Eine ganz andere Frage da­

gegen wäre, ein neues Wahlrecht, wie es diese Vorlage

wiesen, daß das Volk in der That das direkte Wahlrecht wünsche. Aus theoretischen Erwägungen lvie sie dec Abg. Jöckel ungeteilt, den Entwurf abzu­lehnen, halte er für ein Unglück. Fast alle Redner hier hätten dem Ausdruck verleihen müssen, daß dieser Ent­wurf dem gegenüber was bestände, jedenfalls erheb­liche Fortschritte zeige. Die Regierung habe nun ihren Wechsel eingelöst; denn sie habe ein Wahlrecht präsentict, das von der Kammer gewünscht wurde. Würde sich in diesem Haus die erforderliche Majorität für den Entwurf nickt finden, so hätte die ablehnende Seite eine unendliche Verantwortlichkeit gegenüber dem hessischen Volke auf sich geladen. Er hoffe, daß die entsprechende deutsche Quittung bei den nächsten Wahlen dafür dann nicht fehlen würde. Ein Landtag aber, der, wie der Abg. Heydenreich wolle, nur noch w irt sch a ft l i ch e Interessen vertrete, sei zu einem Provinzialverein hecabgesunken. Ein Landtag, der nicht mehr ein Spiegelbild dec sozialen und politischen Verhältnisse des Landes sei, gebe sich selbst auf und habe kein Recht mehr auf Existenz. (Sehr richtig). Das deutsche Volk sei über das Alter der Bevormundung hinaus. Die skrupellose Agitation würde durch das direkte Wahlrecht eher be­seitigt als gefördert. Sicherlich habe das direkte Wahl­recht auch seine Schattenseiten. Ein kautelenfreies direktes Wahlrecht sei ihm deshalb zur Zeit völlig un­annehmbar, worin ec dec Regierung zustimme. Der Redner stritt auch für die Heranziehung zu einer ge­wissen Staats- und Gemeindesteuer ein, wenn er sie auch nicht in demselben Maße wünsche, wie es in Preußen der Fall ist. Er hoffe, daß auch die äußerste Linke für dieses direkte Wahlrecht doch noch stimmen würde, zumal auf allen Seiten mit wenigen Ausnahmen man der Meinung sei, das allgemeine Wahl­recht wäre abgestorben. Die Vermehrung der Sätze für städtische Abgeordnete sei für die ländlichen Interessen nur günstig, da ja gerade von ihnen diese Interessen aufs Beste vertreten würden. Von der

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loolle, nun auf einmal einzuführen.

Er wünsche, daß

vermieten. , , zur Zeit der Entwurf abgelehnt werde.

uirchsir«^ Staatsminister Rothe wendet sich gegen die Ein- Stübétlt Mit ldürfe des Abg. Jöckel, als sei die ganze Frage noch

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nicht spruchreif und als enthalte der Entwurf Be- slimmungen, über die keine Einigung möglich wäre. nbs handle sich in dieser Vorlage um ein Stück der

Verfassung, darum könne man nicht vorsichtig puig sein. Ec glaube, daß die Regierung gezeigt habe, daß sie, was die Vorsicht anlange, Alles gethan habe.

Abg. Brentano (Eentc.) wendet sich gegen den Abg. David. Die Verhandlungen in Baden und Bayern be-

Forderung der W a h I p fl i ch t trete seine Partei zurück. Die Frage der Regelung der Wahlkreise sei so schwierig, daß mau an eine gesetzliche “ später denken solle. Er wünsche nicht, Sonntags stattfinde, mit Rücksicht auf Empfindungen weiter Volkskreise. Die sich freimachen von der Furcht, es _______ ...

direkten Wahl dieser oder jener Sitz verloren gehen, und man möge dem Volke nicht länger vorenthalten, was es schon so lange fordert.

Abg. Korell tritt prinzipiell für die direkte Wahl ein, wendet sich aber auch gegen die Vermehrung der städtischen Abgeordneten und bedauert, daß die Re­gierung auch hier wieder einmal auf Seiten der Linken

Regelung erst daß die Wahl die religiösen Kammer solle könne bei der

stehe. Von diesem Punkte würde er seine schließliche Abstimmung abhängig machen.

Staatsminister Rothe erklärt, die Regierung komme mit der Vermehrung der städtischen Sitze in der Kammer ja nur einem Wunsche der Kammer nach. Diese Vermehrung entspreche durchaus der Gerechtigkeit. Es handle sich nicht um ein neues Gesetz, wie er noch­mals betone, sondern um eine Revision.

Abg. Koch (nl.) spricht gegen die Vorlage.

Abg. Kramer (Soz.) führt aus, daß Messungen bei einer Revision des Wahlgesetzes zu Darmstadt käme und Darmstadt dann, was Bevölkerung angehe, neben Mainz raugire. Es gehöre ihm dann gerade so gut ein neuer Sitz im Landtag, wie Mainz und Offenbach. Die ländlichen Abgeordneten sollten wegen dergleichen nicht das Gesetz scheitern lassen.

Abg. Hänsel (nl.) wendet sich gegen die Begünstig­ung dec Städte, verlangt bessere Berücksichtigung des Landes, wovon er seine endgiltige Stellung zur Vor­lage abhängig macht. Abg. Erck (nat.) spricht ebenfalls gegen die Vermehrung der städtischen Sitze, hält das direkte Wahlrecht für das Beste, aber wünscht Wahlpflicht und nicht Vermehrung der städtischen Sitze.

Abg. Ulrich (Soz.) w.ndet sich in längeren Aus­führungen gegen die Verteidigung, die der Abg. Jöckel einem Fall von Verletzung des Wahlgeheimnisses hat angedeihen lassen, wogegen sich Abg. Jöckel durch Zivischenrufe verteidigt. Wenn der Arbeitgeber zu stark sei, fährt Abg. Ulrich fort, so daß der Arbeitnehmer, der auf den Verkauf seiner Arbeitskraft angewiesen ist, gegen seine Ueberzeugung zu wählen gezwungen wird, um des Brodes Willen, so ist die Geheimhaltung her Wahl das einzige Mittel, den wahren Eindruck bon der Meinung des Volkes zu erhalten. Grade durch das ö f f e n t l i ch e W a h l r e ch t z ü ch t e t in a u H e u ch l e r. Seine Partei stehe auf dem Standpunkt, daß eigentlich das ganze Land in annähernd gleiche Wahlkreise cin- zuteilen wäre, aber sie sei auch der Meinung, daß die Städte entsprechend vertreten sein sollten. Das Volk sei geschieden in Besitzende und in Nichtbesitzende. Man verlange seitens seiner Partei nur die völlige Gleichbe­rechtigung der Arbeiter mit Bildung und Besitz. Bild­ung und Besitz zum Maßstabe des Wahlrechts zu machen, sei gar zu veraltet. Nach diesem Maßstabe würde der größte Teil der Bevölkerung zur Zeit über­haupt wahllos werden. Das direkte Wahlrecht werde kommen, ob man sich dagegen sträube oder nicht. Im Prinzip solle man sich wenigstens in Bezug auf die Vorlage einigen und er hoffe, daß man das auch könne. Das Iväre ein großer Fortschritt.

Nächste Sitzung morgen 9 Uhr. Tagesordnung: Wahlrechtsvorlage.

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Schloß, das dem Fürsten von Waldeck, dem Bruder der

ü Lahnthlil, wo sie schon vor ihrer Vermählung gern ge- ( . „ ___ _____ o ________ ___________

und wo sie ihren Gatten näher kennen gelernt hat, Königinmutter von Holland, gehört, wurde 1850 in nur

®öni8'n Wilhelmine von Holland, wie gemeldet, auch in deiner Gothik ausgebaut.

Jahr wieder Sommerausenthalt genommen. Das ----------

Geschäftliches

„Wir bekommen Gäste", telephonirt der Gatte, „sie legen Wert auf eine gute Suppe nach der langen Fahrt. Wirst du auch dafür sorgen können?" — „Ja gewiß' - antwortete lachend die pausfrau, „ich habe ja gestern erst wieder für 55 Pfennige eine Büchse „Wuk" gekauft, damit mache ich die großartigste Suppe, die „Todte wieder lebend" machen kann!" — Was llt »Wuk . werden die noch Uneingeweihten fragen. „Wut ist heute trotz seiner Neuheit schon in den weitesten Kreisen bekannt und empfiehlt sich tagtäglich lawinenartig weiter von Mund zu Mund. „Wuk" ist ungemein billig ; es kostet z. B. eine große Tasse „Wuk"-Bomllon im Wohlgeschmack feinster Hühnerbrühe und nur imt Wafser und einer Messerspitze „Wuk" bereitet 1‘/« Pfennig, ein Teller kräftige Brühe 2 Pfennige. Aus Fleisch hergestellt und gleich kräftig würde dies vier bis fünf Mal mehr kosten. „Wuk" kommt in Steingutbüchsen verschiedener Größe in den Handel; je größer die Büchse, desto billiger ist der Extrakt. Schon für 25 Pfennige erhält man die kleinste Dose, überall in einschlägigen Geschäften zu haben.

Theater und Musik.

Die Bayreuther Ausführungen vom „Ring des Ni­belungen" sind total aurverkauft. Er finden in diesem Festjpieljahre zwei Nibelungeneyklen statt, der erste vom 25. bis 28. Juli und der zweite vom 14. bis 17. August