'h, Französisch
Nr. 212
Zweites Blatt
Freitag, den 12. September 1902.
L^^«eme«t Preis: in Gießen, abgeholt monatlich 50W,
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Weiteste Wachrichlen
(Gießener Uagevtatt) Unabhängige Tageszeitung (Gießener Weitung)
für Qberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Druck uUrlag der Gießener LerlagSdruckerri, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei. sgegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich : Al b i n K l ein . G i tltnT
Italienisch, Portugiesisch, ch, Dänisch, ch, Polnisch, oder Böhmisch sprechen ler- in wollon. u. franko zu ien durch die haPscheVerlagj- ng in Leipzig.
Kaisermanöver.
(Von unsrem Spezia l - B eri chterst atter.)
IL
Frankfurt a. O-, 9. September.
Unsere gestrigen Vermutungen über Anlage und Verlauf der Manöver haben sich im allgemeinen bestätigt; wir sind nun hinreichend aufgeklärt und können, ohne unS tum Vorwurf, militärische Geheimnisse verraten zu haben, ouszusetzen, mitteilen, daß nach der allgemeinen Kriegslage ein blaues Armeekorps sich bei Frankfurt a. O. gesammelt hatte, aber auch ein rotes von Rogasen im Anmarsch war, während auch aus Schlesien über Sagan feindliche Jnva- x sion droht.
DaS 3. (blaue) KorpS erreichte im Laufe des 8. die vorgksteckten Marschziele, die 5 Division Reppen und Umgegend, die 6. Drossen; die Kavallerie-Divlsion A machte bei Neudorf und Umgebung Halt, ihre Fühler in Gestalt beweglicher Patrouillen aus flinken Pferden weit voraus auf die vermutlichen Anmarschwege des Gegners sendend, der seinerseits mit seinen schwarzen Husaren noch im Laufe des Tages bie erwünschte Fühlung mit dem Feinde bei Reppen aufnahm. Die 1 Garde-Jnfanterie-Diwsion war bei Landsberg auègeschiffl und hatte ihre Vorposten an den Ostrand des KönigSwaldec Forst vorgeschoben und über Blejen mit der Kavallerie-Divlsion Verbindung ausgenommen.
Das nach der Annahme über Rogasen vorgegangene 5. (rote) KorpS nahm am 8. mit der 41. Division Quartier in Betsche und Umgegend, mit der 10. in Schierzig, mit der 9. bei Lagowitz, mit dem Hauptquartier in Bauchwitz; die Kavallerie-Division war dem Korps weit voraus geeilt und hatte das Defilee bei Lagow in Besitz genommen. Die Dislozierung der beiden Korps ist durch die beigefügte Skizze veranschaulicht.
Für den 9. September hatten beide Korps sich, dieselben Marschziele, ober wenigstens so nahe aneinander liegende gesteckt, daß eS ohne Kampf kaum abgehen konnte.
Das 3. Korps beabsichtigte mit der 5. und 6. Division bis in die Linie Grunow—Lagow—WaldauSgänge westlich Langenpfuhl vorzurücken, während die Garde die Linie Neudorf—Gamzig erreichen sollte. Die Kavallerie- Division des Generals von Winterfeld war über Weißensee, Obergörzig gegen Mefer^tz vorgegangen und unter dem Schutze deS Nebels so dicht an eine auf der Mesecitzer Chaussee marschierende Kolonne Infanterie und Artillerie herangekommen, daß sie mit guter Wlrkuug die Maschinengewehre dagegen mS Feuer bringen konnte. Sie war dann wieder
In eigener Sache Richter. ^ H
Roman von L. Haidhei m.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetz,ing.)
Lenette sank schon in einen Sessel und sah unbeschreiblich fassungslos und verwirrt aus.
»Also „Fran Konißkv?" Meine Gnädige, das schadet ja mcht. der Name in für Sie vielleicht kaum von Bedeutung, den wechseln die Damen vom Theater —
Sordegni, keine Beleidigung! 3a, habe den - ^a^e leit Jahren gekannt, kenne ihn noch heute sehr Brucheiseu schützend und ritterlich vor die Frau, icyon her 4,oii Sordegnis, wie er dachte, beleidigte.
ein Aurick -i ^d Der Gatte dieser Frau lebt? Es war wie ein w Burkard ansttien.
immer "schien ^Erstehe garnicht -", wollte Brncheiseu sie noch immer ichutzen Er ut em achtbarer Mann."
schob ihn beV^e â nut impulsiver Hastigkeit und er lebt her Äcn S", es nützt nichts mehr! Ja - er lebt, der ~eiire wenn er doch läug,t tot wäre!"
ußlecht^wie Du"deukll ^ überstürzenden Worten: nllteml. n ie ^u deutn, bin ich hoch nicht" rief sie fehibHrh -D-r V-n Gras dort drmuki, hat iitich bmden wâ - Doch einerlei! - ich hielt mich doch ;„ gut, mich sauren : lassen >,m bie iunoe Dame, die Du h°lra,eii wollW v°u 'hr r L -b- fL Dich zu kurieren , nne berverr Stase« nannte. Sei es drum ja. — Du bist fiei. ^ch kann Dich nicht halten' Aber eins - eins sollst Dn nicht denken, daß mich der Eigen
an Dir fefhubaften. Geliebt hab’ ich Dich ehrlich, Burkart m all' meinem Leben voll Wirren und Wust, da bist Du__i“ Sie weinte. Herr Brucheisen stand ganz zerknirscht — Sordegni wmkte ihm, Lenette hinaus zu führen und dieser verstand.
. , So viel wurde ihm doch klar, daß sie Burkard irgendwie durch das Verhehlen ihrer Heirat furchtbar betrogen.
Betrogen! Ja! Burkard Frohberg konnte weder Mitleid, noch trgenb ein anderes weiches Gefühl für sie haben in der grenzenlosen Demütigung dieser Stunde.
.. .-Acht einmal freuen konnte er sich, daß er frei war. Nur die tiefste Bescyamung, daß er so vor sich selbst stand--.
.. -ä^rbegni war zurückgekehrt, nachdem er Brucheisen draußen rugenuftert, man werde Lenette schon zu trösten wissen, er solle verlamm ^ vereinbaren und sie bestimmen, Wien sofort zu
nordwärts über Weißensee auf Gamzig auSgebogen und hier in eine BereitschaftSstellung gegangen, nachdem sie zeitweise auch in dos Feuer der westlich Karzig aufgefahrenen Artillerie der 41. Infanterie-Division geraten war. Die gegnerische Kavallerie-Division unter General von Hennigs hatte um 7.30 den Sammelpunkt bei Selchow verlassen, um ihrem Auftrage gemäß, sich an die Spitze der auf Tempel-Langenpfuhl und Schönow in Anmarsch befindlichen Spitzen der Infanterie-Divisionen zu setzen. Sie ritt die Front des Korps entlang bis nördlich Pieèke, von hier aus nach längerem Halt über Tempel auf Grochow. Das Erscheinen blauer Artillerie am Waldrande westlich Tempel veranlaßte die reitende Abteilung und die Maschinengewehre, südwestlich in Stellung zu gehen und daS Feuer gegen den Wald zu eröffnen.
Das nun sich entspinnende Artilleriegesecht war nur von kurzer Dauer, denn die blaue Artillerie verschwand und machte den 3. Jägern Platz, die den Waldrand mit Schützen besetzten. Zu einem ernstlichen Gefechte kam es auch hier nicht, die Situation war sichtlich noch zu wenig aufgeklärt, um ein Unternehmen begründen zu können; außerdem mußte das Erscheinen der Garde-Infanterie in der rechten Flanke zur Vorsicht nahmen. Von Lagow herübertönender Kanonendonner zeigte an, daß auch hier das 3. KorpS sein Marschziel erreicht hatte, während daS 5. Korps allem Anscheine nach seine Quartiere etwas weiter rückwärts, wie anfangs geplant, suchte; beiden Teilen schien am entscheidenden Gefecht wenig zu liegen; noch war die Frucht nicht reif zur Ernte.
So kam es, daß gegen 12,30 Nachmittags die Feindseligkeiten abgebrochen wurden, zumal der Signalballon das Zeichen zum Einstellen der Bewegungen gab.
Der Kaiser in der roten Atilla seiner Leib-Garde- husaren war mit dem Kronprinzen schon gegen 8 Uhr von Wildpark kommend in Tempo zu Pferde gestiegen und hatte sich nach dem linken Flügel von Blau begeben, um die Oberleitung des Manövers zu übernehmen. Bald zeigt der Signalballon seinen Standort und seinen weiteren Ritt von Karzig dem Anmärsche der Garde entgegen. Den fechtenden Truppen entstieg bald ein Ballon nach dem anderen, teilweise als Freiballon mit Korb den Standort der Beobachtung angebend, bald als kleinerer Drachenballon als Station der Funkentelegraphie, dem Melde- und Nachrichtendienst indirekt dienend. Derartige Ballons für Funkentelegraphie führt die Leitung, das Generalkommando des 5. Armeekorps und das Kommando der Kavallerie B. Sie haben es hier mit einer verhältnismäßig neuen Einrichtung zu thun, mit einer Erfindung unter SiemenS'scher Beteiligung, die die bisherigen
Er schlug Burkard, bei sehr verstimmt am Feuster stand, aus die Schulter: „In solchen Fällen der Betrogene zu sein, ist feine untilgbare Unclire, Barou, freiten wir uns dieser wuuderbaren Fügung! Und null überlassen Sie mir den Majoratsherru da drinnen, es taugt nicht, daß Sie einander zu nahe in die Augen sehen. Geben Sie, ich treffe Sie morgen bei der Beerdigung und — wenn alles vorüber ist — alles in ein paar Monaten — dann —! Und nun, adieu! Auf morgen." , .
Burkard von Frohberg ging. Ihm war wie im Traum — aber freuen konnte er sich trotz allein noch nicht.
Aber die Freude kam — zu Lischas Hochzeitsseier. .
In der schönsten Rosenblüte stand sie in der kleinen Dorf» kirche mit den, geliebten Kolonie am Altare und in dem beicheidenen Schlößchen ihrer Mutter, das so lange ihre traute Heimat gewesen, fand die kleine, aber auserlesene Gesellschaft Raum, die sich um die Hochzeitstafel reihte. ,
Mutter und Tochter wollten es nicht anders; .aus dem Elternhaus, so klein es war, sollte Kolouitz sich sein innges Weib in seine so inienblidj glänzenden Verhältnisse boten.
So fanden sie es auch alle taktvoll und ihren Genihlen entsprechend. Der Name des Grafen Ebern und .de- Daron Frohberg war im letzteii Jahre so ost und i>i w pemuch^ Beziehungen genannt worden, baß i.edes noch w ehrelwolle Hervortreten derselben am liebsten vermieden wurde. Wieviel schöner hätte sich sonst das stolze Klaino zu diesem -veste geeignet.
8 Aber was dasi-lb- io an Glanz und Luxus v-ruust-, das hatten Burkard und seine heißgeliebte Mana der schonen âaur an verschwenderischer Blnmeupracht in einer leiten ’cbpi en — bieten gewußt. Roieu, frische Roieu, wohin bas Auge sah ftiiiiltier- hände hatten in einer unglaublich kurzer Zeit alle dreie schlichten großen und kleinen Zimmer zu einem Feenpalast vm^ Musselinstoffen und Rosen umgeschanen. Es war wie ein March - schloß geworden, das bescheidene Heim der Srohvera-, i Schwestern des Grafen Kolouitz mit ihren Galten konnten Ende finben des Entzückens über Liichas Elteinoan^- ..
Während Burkard und Maria d.-'e- nach Lr^ lichkeit umbildeten, euipüngcn die neuen ^eiioanbt ^un den Eindruck, die eutzuckeude junge Braut hatte in biemii Heim garnicht anders werden können, aL ne gemii . roslrcn e§
Frohberg war selbst hiugetem, B* Die -otdegur- und Mar a in
11. Jahrgang.
J«f^tto«SvretS : Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Cberbeffen. die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3032.
Redaktion und Expedition : Gießen. Neuenweg 28.
Ferusprecha«schl»ß Nr. 368.
Apparate für Funkentelegraphie weit zu übertreffen die Ab- ficht zu haben scheint. Zu der überaus wichtigen Beschleunigung der Gefechts- und Meldungsübermittelung wird kein von der Neuzeit dargeboteneS Mittel ungeprüft und, wenn es für militärtauglich befunden wird, unbenutzt gelassen. Außer diesen beweglichen Stationen befinden sich noch feste Auffangstationen auf dem Kirchturm Sonnenburg und in Scherweisel, letztere hauptsächlich zur Verbindung der Manöverleitung mit dem 3. Korps. Die Verbindung der Oberleitung mit den Unterorganen ist außerdem durch einen auf 230 Kilometer Länge ausgespannten, teils mit Kabel, teils mit Stangenleitung gezogenen Draht hergestellt, dessen Netz das Dreieck Sonnenburg-Meseritz-SchwiebuS nach allen Seiten bin umspannt. Auch sonst ist eine gewisse Vorsicht und Umsicht der Manöverleitung nicht zu verkennen. Der Verkehr ist durch Aübringen von Tafeln und Wegweisern erleichtert, es sind abyssinische Brunnen angelegt, bestehende Brunnen sind mit Tränkvorrichtungen versehen, im Felde liegende Gräbern und Abhänge sind mit roten Fähnchen zur Warnung kenntlich gemacht. Zahlreiche Gendarmeriepatrouillen schützen die Fluren vor böswilligen Beschädigungen und leiten das zuschauende Publikum.
Die zum Manöver erschienenen Fürstlichkeiten und deren Gefolge, sowie die Schiedsrichter und die Presse waren im Sonderzug von Berlin bis Tempel gefahren und dort zu Pferde gestiegen; ihnen schlossen sich die -fremdherrlichen Offiziere an; um 1 Uhr brachte der Zug dieselben Gäste wieder nach Frankfurt zurück; im Zuge wurde ein einfaches Frühstück eingenommen. Für den in Trossen übernachtenden Chef des Generalstabes ist ein besonderer Zug bereitgestellt. Bei Weißensee erhebt sich ein prächtiges Zelt für den Kaiser, in dem er seine Gäste zu bewirten pflegt, in dem ec aber auch vom 10. zum 11. zu biwuakiren gedenkt; an letztgenanntem Tage wird er aller Voraussicht nach auch das Kommando über das Kavalleciekorps übernehmen und die Oberleitung an Prinz Albrecht ab- geben.
Für den morgenden Tag steht ein Gefecht um die Defileen am Lagower See bevor; die Bechenseen in Verbindung mit dem Lagower See und ihre Umgebung bilden entschieden den reizvollsten Teil dec Mark.
Prächtige, hochbestandene Buchenwälder umgeben die glitzernden krebsreichen Seen, an lauschiger Stelle ladet die Buchmühle zu erquickendem Aufenthalte ein und eine Fahrt über den eine Stunde langen Lagower See, die dunkelgrünen Wälder entlang, deren Spiegelung 1 dem Wasser ebenfalls die tiefdunkle Färbung verleiht,
ihr Haus zu holen: um keinen Preis sollten die lieben Meirichen von ihrem Pflegekiude getrennt werden und btejenige, welche ernst hochmütig auf diese „Seidenfabrikantenlente",l^^ unb ihnen großmütig die Kundschaft ihrer Kreise ,atte versprechen wollen, sie war heute die stillste in dem vornehmen Kreise und wußte nicht, wie sie Frau Sordegni zeigen sollte, daß sie ihr so von ganzem Herzen dankbar war. Denn w,e Wejaab ra, Grasin von Ebern, sich im tienten Herzen auch gebemuttgt tupfte, so konnte sie £>o(h nicht hinweg über die angeborene und lebenslang angewöhnte äußerliche Herbheit und Hoffart; ia, ihr eigenstes Wesen erschwerte ihr so schnierzlich die Kundgebnng ihrer wahren jetzigen Gefühle, daß sie weinend zu Frau Sordegm sagte.
1 y Sie hat Gott begnadigt tnt Voraus für all bie Liebe, die Ihr Herz giebt, er verlieh Ihnen, sie zeigen zu können. Ich möchte sie geben und habe sein Geschick dazu,
Ach — sie war unaussprechlich gebemuttgt.
Der ganze hohe Adel des Landes hatte sich gegen ihren Gemahl, den Majoratsherrn, gestellt. Sein Vergehen wurde tgnt nicht verziehen; es geschah ihm nichts - keinerlei DenionsiraNon kehrte sich gegen ihn, man beschrankte sich daraus, seine giften» vollkommen zu ignorieren. ,
Der -Afrikaner" lachte höhnisch dazu.. Aber daß er lachte, daß war für Alexandra der letzte Tropsen m beni iiberllleßenden Wermutbecher ihrer zweiten Ehe. Sie hatte ihren Gatten verlassen und wohnte jetzt in Krapolno, sich wieder mit ihren Kinoern geiacbt. Er unb feine M * ®en M ohne bie Gräfin Al-r°ndr- wirklich bebeiiienb AÄ^^h^ spricht man nicht, wenigstens nicht laut Sein Bekenntnis konnte nicht unterdrückt werden, aber selbst der Afrikaner" war doch bereit gewesen, um der Schonung der Familie willen dieser Veröffentlichung eine Form zu geben, die jeden Zweifel ausschloß. — Vergessen ist der Unglückliche nicht, sein Grab nicht ungepflegt und mit Bedauert: und Mitleid nur nennen sie seinen Namen.
Klaino wurde seit Monaten schmi der Tummelplatz der Architekteii und Dekorateure. Burkard will aus dem nur für die Repräsentation erbauten Schlosse ein behagliches und seinem Mange und Reichtum entsprechend künstlerisches schönes Heimwesen machen, und wenn im Herbste, wie er hofft, alles fertig ist, bann führt er endlich seine Geliebte als Herrin dort ein.
— Ende. — ______