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Unabhängige Tageszeitung

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Bonnet von hier ein D u e l l statt. Die Veranlassung zu diesem Zweikampf ist eine Zeitungs-Polemik über die von beiden beanspruchte Vaterschaft des ersten Jn-

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Postzeitungsliste No. 3082.

Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28.

J«sertio«SpretS t Die einspaltige Petitzeile für Gießen, wie ganz Oberheffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 16 Pfg.. Reklawe, die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

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Nr. 159. Zweites Blatt

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Gartenbau, sowie die «i-b-ner Seifenblase» lwbch-nUlch». ^ ^ [ 6s

DaS Blatt erscheint an alle» Werktagen nachmittag«.

Musste Mchrichten

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Kietzen und Umgebung

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei (gegr. 1783),- für dieMedaktion verantworlltch : Albin Klein, Gießen

Restlicher Landlag.

Darmstadt, 11. Juli.

Zweite Kammer.

Vor Eintritt in die Tagesordnung berichtet der Abg. Dr Gut fleisch über eine dringliche Regierungsvorlage, die Aenderungen einzelner Bestimmungen der Wahlgesetzes vom 8. November 1872 über die Zusam­mensetzung der beiden Kammern und die Wahl der Abge­ordneten betr. Durch die neue^Steuergesetzgebung sei eine Aenderung der Bestimmungen bedingt. Die Fassung -[bet Gesetzesvorlage sei eine loyale und den Verhältnissen ent­sprechende. Die Beratung des Gegenstandes wird zurückge­stellt und die Dringlichkeit beschlossen.

Zu dem Antrag über den Ausbau der Realschule zu Groß-Umstadt zu einer Ober-Realschule erklärt Geh. Oberschulrat Nodnagel, daß ein Bedürfnis zur Errichtung einer Ober-Realschule in Groß-Umstadt absolut nicht bestehe. Die Beschaffung der Lehrkräfte sei äußerst schwierig. ,

Mehrere ländliche Abgeordnete finden, daß die ländlichen Bezirke in Bezug auf höhere Schulen wesentlich benachteiligt seien. Oberschulrat Nodnagel erklärt, daß die Regierung selbst auf einen zustimmenden Entschluß nicht in der Lage sei, dem Antrag Ohl Folge zu geben. Bei der Abstimmung wird trotzdem der Antrag auf Errichtung einer Oberreal­schule in Groß-Umstadt mit großer Majorität ange­nommen. Eine Vorstellung des Stadtvorstandes zu B u tz- bach um Ausbau der dortigen Realschule zu einer Ober­realschule hat der Ausschuß gleichfalls befürwortet. ; Nach längerer Debatte wird trotz des Widerspruchs der Regierung auch dieser Antrag angenommen.

In der Diskussion über den Entwurf der abgeänderten Wahlgesetze» von 1872 hält Abg. Dr. David (Soz.) diesen überhaupt nicht für nötig. Die Wahlrechtsvorlage mit der biretten Wahl sei von der Zweiten Kammer angenommen und die Erste Kammer möge die Vorlage in Beratung ziehen. Zeit dazu habe sie genug gehabt. Der § 9 des Entwurfs sehe auch hier wieder die Steuerklausel vor. Damit werde^die 4. Steuerklasse zur Wahl bei Wahlmannes ausgeschlossen. Würden auch noch die Steuerstusen erhöht, so schaffe man noch ein größeres Unrecht. Deshalb lehne seine Partei das Gesetz ab. Abg. Ulrich (Soz.) tritt den Ausführungen Davids bei. In der Hand der Ersten Kammer liege eS, die Wahlrechtsvorlage noch unter Dach und'Fach zu bringen. Weil man die Reform aber nicht wolle, sei der Ausschuß garnicht in die Beratung eingetreten.

Nachdem Geh. StaatSrat v. Krug und Ministerialrat Dr. Becker jede Absicht einer Verschleppung durch Regierung oder Erste Kammer.abgelehnt haben, wird der Gesetzentwurf nach dem Ausschußantrag angenommen.

Nächste Sitzung Freitag 10 Uhr.

vermischter.

* Mannheim, 11. Juli. Das^S ch w u c g er i cht ver­urteilte heute den 67 Jahre alten früheren Straßen­arbeiter Rei n h a r dt aus Hohensachsen, welcher am 23. Mai d. J. in einem Weinberg in der Nähe des Dorfes seine im gleichen Alter stehende Ehefrau im Streit er stocken hatte, zu vier Jahren Gefängnis.

* Paris, 9. Juli. Heute oder Morgen findet zwischen dem Arzt Dr. PaSm ette aus-Lille und Dr.

interaevo-, lpreW -- ^vewti wuH^m^«, ^umiujun.

autWuOL Muts zur Bekämpfung der Tuberkulose.

«^L'» der Wissenschaft.)

S 3* &> * P°rir, 10. Juli. Eine furchtbar,

^ lwtm I. ; »«störte gestern einen Teil des Städt

ob ®»"S___ Das Polizeiamt, die Kirche, sowie drei Wohnhäuser und -JS-T^ttfll eine Scheune sind ein Raub der Flammen geworden.

rTitdM^" Sämtliches Kirchenräte, zahlreiches Mobiliar und Waren-

Vorräte sind vernichtet. Der Materialschaden ist sehr ^jMwbedeutend. Da das Feuer gleichzeitig an mehreren ess^nL Stellen ausbrach, vermutet man'Brandstittuna.

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Stellen ausbrach, vermutet man'^Brandstistung.

* Paris, 11. Juli. Aus Cast wird berichtet, daß da­selbst eine furchtbare Hitze herrscht. Man verzeichnet 37 Grad im Schatten. 5 Personen, die auf freiem Felde arbeiteten, sind infolge HitzschlageS gestorben, ebenso 3 Ar­tilleristen. Die Zahl der durch die Hitze umgekommenen Pferde ist sehr groß. M^ ^

* London, 11 Juli. AuS Melbourne wird gemeldet: In der vergangenen Nacht wurde in sämtlichen australischen Städten Freudenseuer anläßlich der^Genesung des Königs angezündet.

Samstag, den 12. Juli 1902.

Nahrungsmittel-Not, da die vorhandenen Kommunika­tionsmittel kaum genügen, um den notwendigsten Ver­kehr aufrecht zu erhalten Die Lebensmittel, wie Milch, Gemüse usw. können nur durch Ackerwagen hereinge­bracht werden. Diese vermögen kaum das Notwendigste herbeizuschaffen. Der Güterverkehr per Schiff und Bahn ist fast vollständig unterbrochen.

Eine große'Grubenexplosion in Amerika.

Pittsburg, 11. Juli. Eine Explosion schlagender Wetter ereignete sich in der Kohlengrube der Gesellschaft Cambria, wobei 600 Grubenarbeiter verschüttet worden sind. Dieselben befinden sich in einer Entfernung von 2 Meilen von der Oeffnung des Schachtes. Zwei Bergleute, die der Gefahr entronnen sind, schätzen die Anzahl der Toten auf 200. Eine weitere Meldung besagt, die Zahl der Opfer betrage mindestens 300.

* Kapstadt. Nachrichten aus Johannesburg und Pretoria warnen wiederholt dringend vor weiterer Zuwanderung, da beide Städte schon mit beschäftigungs­losen Arbeitsuchenden überfüllt seien und Unsicherheit Verbrechen, Gewaltthätigkeiten usw. in Folge dessen schnell zunehmen. Selbst viele frühere Soldaten der Kolonien seien arbeitslos.

* Schmerz und zahnloses Zahnziehen. Die häufigste und dabei nicht am wenigsten gefürchtete aller Opera­tionen, das Zahnziehen, scheint einem neuen Fort­schritt entgegenzugehen. Seitdem der Engländer Horace Wells im Jahre 1844 zum ersten Mal zur Linderung des Schmerzes beim Zahnziehen Aether anwandte, sind unzählige Mittel zu dem gleichen Zweck versucht worden. Die beliebtesten sind heute Lachgas, Cocain, außerdem besonders die Lösung, die von Prof. Schleich gefunden und nach ihm benannt worden ist. Diese Mittel lassen zwar den augenblicklichen Schmerz nicht empfinden, aber sie hindern nicht die für Blutarme schädlichen Blutungen. Der Berliner Zahn­arzt Fritz Möller ist nun auf einen Stoff aufmerksam geworden, der nach den ibisherigen Prüfungen zu weit höheren Erwartungen berechtigt; ec wird aus frischen Nebennieren von Kälbern und Rindern gewonnen. Ueber seine eigentümlichen Eigenschaften hat Professor Rosenberg in der Berliner Lacyngologischen Gesellschaft kürzlich Folgendes gesagt:Auf die Schleimhaut der Nase gebracht, erzeugt der Auszug eine solche Blutleere, daß die Nase vollkommenl weiß erscheint; auf dieser Blutleere beruht wohl auch gleichzeitig die Herabsetzung der^Empfindlichkeit. Zusammen mit Cocain bewirkt er eine in die Tiefe kbis auf den Knochen dringende Un­empfindlichkeit gegen Schmerz.'! Er ist ungefährlich, und es scheint auch keine Gewöhnung an das Mittel einzu­treten." Die Schilderung veranlaßte Möller zu einem Versuch des Mittels beim Zahnziehen, und er konnte feststellen, daß danach die Blutung sofort stand, und der Wundschmerz, der meist nach der Entfernung des Zahns zurückbleibt, unmittelbar und bleibend beseitigt wurde. Möller wendet jetzt eine besondere Mischung an, die in das Zahnfleisch eingespritzt wird, und es bis zur Wurzelspitze gänzlich blutleer und unempfindlich macht. Auch die Heilung der Wunde soll bisher in allen Fällen schnell und ohne jede entzündliche Störung erfolgt sein.

* Ein eigenartiger Kapitän war der Führer der Hamburger SegelbarkEmilie Lassen", welcher im vorigen Jahr sein Schiff von Australien nach Port Natal zu führen hatte. Da er beständig betrunken war, so ergriff die Mannschaft Maßregeln, um ein Zugrundegehen des Schiffes zu verhüten, und übertrug den Oberbefehl des Schiffes dem ersten Steuermann Schuhmacher. Dieser war deshalb der Nötigung des Kapitäns angeklagt, weil er ihn durch Drohungen ver­anlaßt haben sollte, den Oberbefehl des Schiffes nieder­zulegen. Vor Gericht stellte jedoch der eigene Rheder des Schiffes dem Kapitän ein so schlechtes Zeugms aus und außerdem wurde ihm von anderer Seite nachgewiesen, daß er häufig betrunken gewesen war und dabei das Schiff in höchste Gefahr gebracht hatte, daß das Gericht mit Rücksicht hierauf den angeklagten Steuermann freisprach und der Staatskasse auch dre Kosten der Verteidigung auferlegte.

* Praktische Lösung der preußisch-polnischen Frage. Im WarschauerWiek" wird erzählt: Ein Pole auS Russisch-Polen kommt in Posen an und will in einem Gasthofe absteigen. Auf seine polnische Forderung nach einem Zimmer antwortet ihm der Portier:vler wird nur deutsch gesprochen. Aber wenn der Herr ein Hotel wünscht, wo man polnisch spricht, so kann ich

11. Jahrgang

ihm das Haus gerade gegenüber empfehlen." Der Reisende fragt erstaunt:Und Sie selbst schicken mich zum Konkurrenten?" Achselzuckend erwidect'dec Portier: Dar ist schon so in Posen; da giebt'es Hotels, wo man aus schließlich polnisch und solche, wo man aus­schließlich deutsch spricht. Unseres ist deutsch, das gegenüber ist polnisch."Wem gehört denn der Gasthof, gegenüber?" fragte der Reisende.Dem Herrn Funkenstein".Und dieser Gasthof da?" Auch dem Herrn Funkenstein."

* Ein weiblicher Räuber. Auf dem Gute B o x f e l d e an dec unteren Havel, wo auch mehrere Sommergäste aus Berlin wohnen, waren in Abwesenheit derselben Diebstähle verübt worden. In einer Nacht wurde nun von ausgestellten Wachen ein junges Mädchen angehalten, das im Begriff war, durch ein Fenster einzusteigen. Bei der näheren Besichtigung derselben entdeckte man in ihrem Besitz einen scharf geladenen Revolver. . Sie wurde verhaftet und überführt, auf dem Gute und auch anderswo Einbruchsdiebstähle begangen zu haben, von deren Erträgnis sie ihr Leben fristete. Auch den Re­volver hatte sie gestohlen und führte ihn seitdem zu ihrer Verteidigung mit sich. Dieser weiblicheschwelg Junge" ist die 16jährige Tochter ehrbarer Leute ht Sprndau.

* Das Jnseraten-Couto der Vereinigten Staaten. Nach einer möglichst genauen Schätzung werden in den Vereinigten Staaten gegenwärtig für Reklamezwecke rund 6 Millionen Dollars im Jahre ausgegeben. Die Höhe dieser Summe wird erst klar, wenn man bedenkt, daß die Getreideernte der Vereinigten Staaten nur einen Wert von 319 Millionen Dollars, daß die gesamte Roh- veisenproduktion nur einen solchen von 91 Mill. Dollars und das die ganze Geldproduktion nur einen Wert von 210 Mill. Dollars hat.

* Ueber Alter und Familienstand der Reichsbe- völkerung nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 veröffentlicht derReichsanzeiger" eine Zusammenstellung, auS der wir folgendes entnehmen: Von den 56,367,178 gezählten Einwohnern (27,737,247 männlichen und 28,629,931 weiblichen) waren 33,520,123 ledig (17,098,806 männliche und 16,421,317 weibliche), 19,974,955 verheiratet (9,797,924 männliche und 9,794,955 weibliche) 3,162,159 verwitwet (809,238 männliche und 2,352,921 weibliche) und 92,017 geschieden (31,279 männliche und 60,738 weibliche. Im ganzen überwiegt das männliche Geschlecht in den Alters­stufen bis zu 21 Jahren, von da an hat das weibliche Geschlecht die größere Ziffer, zuerst mit einem Plus von 24,000 Personen und dann steigend bis auf ein Mehr von 135,000 in der Altersstufe von 6065 Jahren. Von da an sinkt wieder der Ueberschuß des weiblichen Geschlechts zusammen mit der Abnahme der Gesamtzahl der Bevölkerung in den höheren Altersstufen, wächst aber aber trotzdem rela- tiv. Am Alter von 7075 Jahren giebt es 356,589 männliche und 446,185 weibliche, im Alter von 75 80 Jahren 210,793 männliche und 267^984 weibliche, im Alter von 8090 Jahren 110,726 männliche und 148,122 weib­liche von (90100 Jahren 3635 männliche und 6348 weibliche Personen, 100 und mehr Jahre zählen 9 Männer und 32 Frauen ; unter letzteren waren 2 ledig, 1 verheiratet, 29 verwitwet davon 3 Personen im Alter von 105 und mehr Jahren, während von den über 100 Jahre alten Männern 3 ledig, 1 verheiratet und 5 verwitwet waren. Bei den Ledigen zeigte sich ein ähnliches Verhältni« der Ge. schlechter. Bis zum Alter von 30 bis 35 Jahren über- wiegen die männlichen Ledigen, von da an die weib­lichen, die in deu höheren Altersstufen das Doppelte der gabt der männlichen betragen. Bei den Verheirateten überwiegen umgekehrt aus gleichen Ursachen die Zahl der weiblichen in den jüngeren Altersstufen, während sich vom 35. Jahre an wieder ein Ueberwiegen der männlichen zeigt. DaS entspricht der naturgemäßen Erfahrung, daß die Männer sich in späterem Alter ver­heiraten als die Frauen. Immerhin giebt es 562 männliche Verheiratete im Alter von nur 15 bis 18 Jahren, denen allerdings 4921 weibliche gegenuberstehen. Auch Witwer und Witwen in sehr jugendlichem Alter sind vorhanden; so waren 14 Witwer und 148 Witwen erst 15 bis 18 Jahre, 33 Witwer und 379 Witwen 18 bis 20 Jahre alt. In allen Altersstufen, am meisten aber in den mittleren überwiegen die Witwen. Unter den geschiedenen Personen waren 6 Frauen ebenfalls erst 15 bis 18 Jahre, 16 Männer und 27 Frauen 18 bis 20 Jahre alt. Die Geschiedenen sind am zahlreichsten in der Altersstufe von 40 bis 45 Jahren vertreten.