den im Jahre 1904 zu eröffnenden Stuttgarter Rats-
$an. plöylich erblindet ist in Elberfeld am Sonnabend-Abend im Hotel Korbuch ein dort beschäftigter Kellner, während er mehrere Gaste bediente. In der Augenklinik erhielt er den niederschmetternden Bescheid, daß sein Augenlicht unwiederbringlich ver- loren sei.
* Gemütliche Konkurrenz. Einen in seiner Eigentümlichkeit wohl einzig dastehenden Gastwirtschaftsbetrleb findet man in dem Dorfe Kunzendorf im Kreise Sagan. Es giebt dort zwei Gasthäuser, aber nicht so viele Gäste, daß beide Wirte auch ein Geschäft machen könnten. Die Gasthausbesitzer sind daher überemge- kommen, daß abwechselnd jeder ein Jahr, von April zu April die Wirtschaft betreibt, während der andere so lange das Lokal schließt,
• Schreckliche Folgen der Hebammenpsuscherei wurden am 6. Juli in der Sitzung der Strafkammer in Insterburg zu Tage gefördert, in welcher gegen die 66 Jahre Altsitzerfrau Anna Schliepat aus Berschkallen wegen fahrlässiger Tödtung und Uebertretung der Polizeiverordnung verhandelt wurde. Am 17. Februar wurde die Angeklagte, welche seit vielen Jahren die Hebammen- Pfuscheret gewerbsmäßig betreibt, von dem Losmann Urbigkeit zu dessen Frau abgeholt. Erst vier Tage später ist Letztere entbunden worden. Dabei traten sehr starke Blutungen ein, welche immer mehr und mehr zunahmen. Niemand kam auf den Gedanken, nach einem Arzt oder einer Hebamme zu schicken, dagegen wurde der Wöchnerin, auf Veranlassung der Schliepat Kartoffelmehl mit Milch, Kaffee und Siegellack eingegeben. Da die erwünschte Wendung zum Besseren nicht eintrat, wurde Nachts nach einer Hebamme geschickt, doch starb die Wöchnerin, bevor die Frau eintraf. Nach dem Gutachten des Medizinalrats Dr. Liedtke ist dec Tod der Frau Urbigkeit in Folge Verblutung eingetreten, welche auf ein Verschulden der Schliepat zurückzusühren ist. Das Urteil lautete, mit Rücksicht auf das hohe Alter der Schliepat und ihre Unbescholtenheit auf drei Monate Gefängnis.
* Eine Steuer aus Katzen. Mit der Frage der Einführung einer Katzensteuer in Berlin wird sich in seiner nächsten Sitzung der Vorstand des Deutschen Tierschutz-Vereins beschäftigen, nachdem die Anregung hierzu von einer Anzahl Mitgliedern deè Vereins ausschließlich Katzenfreunden, gegeben worden ist. Die Kaße genießt im Gegensatz zum Hund zumeist eine recht mangelhafte Pflege. Das intelligente, von Natur aus treue und zutrauliche Tier wird in den Haushalten wenig beachtet und bleibt oft bei den Umzügen deS Besitzers in der alten Wohnung zurück, um von dem neuen Mieter dann auf die Straße gejagt zu werden. Die herrenlos gewordene Katze treibt sich auf den Höfen, den Dächern, in ten Gärten und Parkanlagen umher, sie verwildert, und unter der Einwirkung ihrer Raubgelüste wird sie zum Schrecken der Singvögel. Die Katzen verschaffen sich hierdurch immer neue Feinde, werden verfolgt, mißhandelt und arg gequält, und von
Sielbau Gießen.
Zum Sielbau der Provinzialhauptstadt Gießen sind Arbeiten undLieserungen für daSHauptabflußsiel, denHaupt- sammler A* und den Regensammler W. 2. losweise getrennt oder insgesamt zu vergeben.
Die Ausschreibung umfaßt:
Los 1.
Die Arbeiten und Lieferung der nicht bauseilig beschafften Materialienssür das Hauptabflußsiel, den Haupisammler A. die Unterführung bei der Eiseubahnbrücke, den Dücker unter der Wieseck, insgesamt etwa
1300 m Mauersiel Profil 50/75 bis 156/195 824 m Tbonrohrkanäle von 25-40 cm Durchmesser einschließlich aller besonderen Bauwerke, Spül- und Einsteigschächte.
Los 2.
Die Arbeiten und Lieferung der nicht bauseitig beschafften Materialien für den Negensammler W. 2 insgesamt etwa
500 m Cemeutrohrkanälc von 20 bis 90 cm Durchmesser einschließlich der Spül- und Einsteigschächte.
Bedingungen und Angebotsormulare ausschließlich der Zeichnungen können gegen Porto- und bestellgeldfreie Einsendung von 1.60 Mk. für das LoS durch das Sielbauamt Großh Bürgermeisterei Gießen Zimmer Nr. 6 bezogen werden. Ebendaselbst liegen sowohl die Zeichnungen wie sonstige Verdingungsunterlagen während der Dienststunden zur Einsicht auf. Auskunft erteilt außerdem Herr Oberhaurat Schmick Darmstadt, Mühlstraße 60.
Die Angebote sind versiegelt und mit der Aufschrift:
„Angebot auf Herstellung von Sielbauten" bis zum 24. Juli d. I. nachmittags 3 Uhr bei dem Siel bauamt einzureichen, woselbst die Eröffnung der eingelaufenen Angebote im Beisein etwa erschienener Bewerber am genannten Termine erfolgt.
Die Angebote können auf die einzelnen Lose sowie auf die Gesamtleistung erfolgen.
Zuschlagsfrist 4 Wochen.
Gießen, am 5. Juli 1902.
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
1370 Mecum.
In dem früher Lindenstruth'schen Hause Tiefenweg 13, sind aus 1. August zu vermieten:
1. eine größere Wohnung von 3 Zimmern, Küche, Kammer, Speicher, Keller, Werkstätte und gedecktes Holzlagerplätzchen,
2 eine kleinere Wohnung von 2 Zimmern und Küche,
3. ein mehrstöckiges Lagerhaus im hinteren Hof. Gießen, 3. Juli 1902.
Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum.
den bei den hiesigen Gerichten zur Verhandlung kommenden Prozessen wegen Tierquälerei ist ein hoher Prozentsatz auf die oft bestialische Mißhandlung von Katzen zurückzuführen. Die Zahl der herrenlosen verwilderten Katzen in Berlin wird auf etwa 30000 geschätzt. Dem obengenannten Uebelstande entgegenzu- treten, um den Tieren einen größeren Schutz zu gewährleisten und ihren Wert zu erhöhen, soll der Deutsche Tierschutz-Verein sich bemühen, bei dem Magistrat für die Einführung der Katzensteuer zu wirken. Daß diese durchführbar ist und dem Stadtsäckel ein nicht unbedeutendes Sümmchen zuführen würde, zeigt die Einführung der Katzensteuer in dec Stadt Augustusburg im Erzgebirge, wo eine solche Steuer mit progressiver Steigerung seit einigen Jahren mit bestem Erfolge erhoben wird. Dort beträgt die Steuer für eine Katze eine Mark, während für eine zweite in demselben Hanshalt befindliche Katze drei Mark gezahlt werden müssen. Mit der Quittung der Steuer erhält der Besitzer auch eine Marke eingehändigt, die das versteuerte Tier zu tragen hat. Wie bereits ein Straßen-Polizei-Neglement existiert, durch welches das Aussetzen von Hunden verboten und strafbar ist, so müßte dieses Reglement auch auf Katzen erweitert werden.
* Die „tieftrauernden Hinterbliebenen". In einem, nicht sehr weit von Kassel belegenen kleinen Ackerstädtchen sollte ein Fest gefeiert werden, auf welches Jung und Alt sich seit Wochen freute. Dies geschah auch in der Familie eines Ackerbürgers, welcher mehrere tanzlustige Töchter, zugleich aber auch einen schwerkranken Großvater besaß, der am Vorabend des Festes starb. Was thun? Würde der Todesfall bekannt, so dürfte man doch unmöglich an dem Feste teilnehmen. Was würden die Leute dazu sagen? Man beratschlagte und fand endlich auch den helfenden Ausweg. Das Ableben des Großvaters wurde verschwiegen und die Leiche desselben zur Nachtzeit in den Keller gebracht. In den nächsten Tagen aber genossen die Familienmitglieder die Festesfreude in vollen Zügen. Erst als am 4. Döst 5. Tage das Fest sein Ende erreichte, brachte man die Leiche wieder aus dem Keller heraus und droben im Auszügerstübchen ins Bette, der Nachbarschaft mit Thränen in den Augen das eben erfolgte Ableben des Alten verkündend. Aber der die Todtenschau ausübende Arzt erkannte aus mehreren untrüglichen Merkmalen, daß der Tod schon vor mehreren Tagen eingetreten sein müsse Er nahm die „trauernden Hinterbliebenen" ins Verhör und erfuhr so endlich den Sachverhalt.
* * „Pastor" und „Küster" aufdemMask e n- B al l. Wegen Beschimpfung kirchliche Einrichtungen halten sich die Arbeiter.Schadewitz und Bläsing vor dem Landgericht zu verantworten. Die beiden Angeklagten besuchten am 8. Februar einen Maskenball. Schadewitz ging als Pastor, tm Talar und weiße Bäffchm, und trug ein Barett Bläsing dagegen markirte den „Küster", ging stets in den Fußtapsew des „Pastors" und trug diesem eine Bibel nach. Ab und zu blieb der „Pastor" stehen und neigte sich um zum Beten. Sofort reichte ihm der Küster die Bibel hin, der Pastor schlug sie auf, und da faßte sich heraus, daß
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Schnelle Entscheidung in nur zwei Klassen. Alle Gewinne undä Prinien kommen abzugsfrei zur Auszahlung.
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Ziehung am 15 Juli 1902.
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Ziehung v. 18.-22. Sept 1902
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1 Prämie 150000 1 Gewinn zu lOOOOu 1 - 50000 1 » 20000
2 Gew. z. 10000 = 20000 ’ 3 „ „ 5000 = 15000
5 „ „ 3000 ~ 15000 10 „ „ 2000= 20000 20 „ „ 1000= 20000 50 „ „ 500 = 25000 100 „ „ 200= 20000 400 „ „ 100 = 40000 2607 „ „ 60 = 156420
32ÖÖ Gew. u. 1 Prämie 651420
Darmstädter
Schlossfreiheits-Loose qnd zu haben bei 1156
Richard Buchacker,
goUeMur der Hess. Kandes'Zotterie, Gießen, Yeuen-Kaue 11.
die Bibel eine Attrape war, die in amerikanisch- temperen;, lischer Art eine Schvapsflasche war, aus welcher Pastor und Küster einander zutranken. Taran hat nun ein anwesender Polizeibeamter Aergerniß genommen, und die weitere Folge war die Anklage. Die Angeklagten müssen ihren Scherz, der „Pastor" mit drei Wochen, der „Küster" mit einer Woche Gefängnis, büßen.
* Der französischeSchiffsleutnantTadie, hat eine Vorrichtung für drahtlose Telegraphie erfunden, welche die Unterseeboote in den Stand setzt, in einer Tiefe von 15 Metern mit einer an Bord eines Schiffes oder an der Küste befindlichen Station für drahtlose Telegraphie zu korrespondieren.
Das
* Im Alter von 105 Jahren gestorben ist das Fräulein de Lisle du Fies zu Pacis. Die Matrone, welche im April 1798 geboren war, war ehedem Hof. dame der Herzogin von Berry. Die Verstorbene schrieb bis zur allerletzten Zeit ohne Augenglas. Sie hinterläßt Gedichte, welche sie als Hundertjährige verfaßte. „ ,
Ein großes Erdbeben hat in den letzten Tagen in und um Saloniki gewütet. Ein Berichterstatter, der die heimgesuchten Dörfer bereiste, erzählt, der Mittelpunkt des Erdbebens sei Guvesuo gewesen, wo man die ersten nicht beachteten Erdstöße am 22. Juni spürte, denen dann stärkere am
23. und 28. folgten. Seither ist dort der Boden nicht zur Ruhe gekommen. Weil die Bevölkerung aber durch das Vorhecgegangeue auf der Hut war, forderten die unerhört stacken Stöße vom vorigen Sonnabend keine Opfer an Menschenleben. Risse von 25 Zentimeter Tiefe sind heute noch zu sehen. Die Bevölkerung kampiert weiter unter Zelten. Auch in Saloniki dauert diè- Bewegung fort
* Saloniki, 10. Juli. Infolge erneuter heftiger Erdstöße herrschte hier große Ausregung. Alles kam-i piert im Freien.
* Die Cholera-Epidemie aus den Philippinen ist im steten Wachsen begriffen. Nach einem vom 4. Juli aus Manila gekabelten Bericht waren bis! dahin in den Provinzen schon 10332 Cholerafälle vor-! gekommen. Von diesen endeten 7713 mit dem Tode.l Dazu kamen in der Stadt Manila 1530 Erkrankungen! und 8949 Todesfälle. Die Zahl der Todesfälle in! Manila selbst ist im Wachsen begriffen, erreicht aber; erst die Ziffer von 15 bis 20 täglich, während bei her| großen Cholera-Epidemie im Jahre 1882 die Zahl der! Todesfälle bis auf 1000 täglich stieg. Die Bekämpfung der Epidemie wird erschwert durch den passiven Widerstand der Eigeborenen, die ihre Kranken entweder aussetzen oder ertränken, unb der Soldaten, die den An-- Ordnungen nicht immer Folge leisten.
üochlchuinacbrkbttn.
Breslau, 10. Jult. Der Direktor der technischen Hoch-i schule zu Braunschweig, Professor Dr. Heinrich Beckuctè, hat den an ihn ergangenen Ruf als Direktor des pharinff ceutischen Instituts der Universität Breslau als Nachfolger des Geheimrats Poleck abgelehnt.
Bekanntmachung.
Zur diesjährigen Aussührung^der Gbel-Stiftttttg werden u. A. erfordernd) und sollen auf dem Subnussionswege bezogen werden:
ca. 25 fertige Anzüge für Knaben (Joppe und Beinkleid ohv< Weste),
ca. 50 Meter Stoff zu Winterkleidern für Mädchen,
ca. 80 Meter Baumwollflanell bezw. Halbleinen zu Hemden.
Ferner soll die Anfertigung von ca. 20 Mädchenkleidm und von ca. 45 Knaben- und Mädchenhemden vergebt werden.
Angebote aus Lieferung der Anzüge und Stoffe jo© Anfertigung der Mädchenkleider und Hemden sind bis späteste Montag, den 14. Juli 1902 bei dem Armenamte di zureichen.
Für die Knabenanzüge sind Muster in Loden und A racher Tuch vorzulegen.
Gießen, 3. Juli 1902.
Die Armen-Deputation.
Mecum.
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Ein Führer zum Wohlstand für Jedermann
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= der praktischen Erwerbslehre. ;
^ Unter Mitwirkung hervorragender Fachmänner von i
Reinhold Fröbel. 3. Auflage.
Preis geheftet 6 Mark, gebunden 6 Mark 60 Pfg.
*—1 Die Wiener „Presse“ urteilte über das Werk :
^ „Das Fröbel’sche Buch ist ein Volksbuch, ein praktischer I . Führer durch die Wirrsale des Erwerbslebens, ein Vade
^ mecum für Jedermann. Es zeigt durch verständige An- Weisung und praktisches Beispiel dem kleinen Mann wie
►—x dem grossen Capitalisten, dem Handwerker wie Beamten, "^ dem Kaufmann wie Landwirt, kurz allen Ständen und ■ ' Berufsarten die Mittel und‘Wege, wie der materielle Wohlstand zu begründen und zu erhalten,rwie die ganze — Erwerbsthätigkeit praktisch u. erfolgreich zu gestalten ist.
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~ Leipzig. Fröbel’sche Verlagshandlung.
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Maenlatur-Papier
abzugeben.
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