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Nr. 158. Erstes Vlatt.

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ttZrattSbeilageu : Oberhessische Fam1lte«zettu»g (täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obft und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblase» wöchentlich).

DaS Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

___________Freitag, den 11. Juli 1902,

Gießener

_______________11. Jahrgang.

IusertionSvreis : Die einspaltige Petttzeile für Gießen wie, ganz Oberbessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petttzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktton und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.

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(chietzener Pagevlatt) Unabhängige Hagesjeitung (Hietzener Weitung)

für Oberhefsen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiaer für Gießen und Umgebung.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdrucker, i, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei, (gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gieße

Lslililcde Naebricbten.

* Berlin, 10. Juli. Der Kaiser hat bei seinem letzten Aufenthalte in Bonn, wie das Berliner Tage­blatt erfährt, im engeren Klub der früheren und jetzigen Borussen noch eine für studentische Kreise sehr bedeutungsvolle Rede gegen die studentischen Trink­sitten gehalten. Der Kaiser ermahnte die Jugend, von dem an dem Corps-Wesen nagenden Mißbrauch geistiger Getränke zu lassen. Besonders abfällig sprach er sich dabei über das Zwangstrinken aus.

Berlin, 10. Juli. Kaiser Wilhelm hat, wie nach­träglich bekannt wird, die Besitzer der fünf amerikanischen Dachten, welche der Kieler Woche beiwohnten, einge­laden, die Marienburg zu besichtigen. Demzufolge werben die Dachten morgen im Hafen von Neufahr­wasser vor Anker gehen.

Der Kaiser hat mit der Stellvertretung des Reichskanzlers in den Angelegenheiten der Verwaltung der Reichseisenbahnen den Chef dieser Verwaltung, Staatsminister Budde beauftragt

Wiederum weilt nunmehr Kaiser Wilhelm an denwildromantischen Gestaden Norwegens, wie dies der erlauchte Monarch fast von seiner Thronbesteigung an, allsommerlich für einige Wochen gethan hat. Diese Nordlandsfahrt bildet im Grunde die eigentliche einzige Er­holung des Jahres für unseren Kaiser von seinem rastlosen Herrscherwirken, welche eine etwas längere Dauer aufzu­weisen pflegt, und so wird denn der hohe Herr auch dies­mal ungefähr drei Wochen im skandinavischen Norden zu­bringen. Die Rückreise wird von Drontheim aus erfolgen. Doch wird auch bei der jetzigen Nordlandsreise des Kaisers die Politik keineswegs ganz vernachlässigt, es haben ihn hierbei auch diesmal Vertreter des Auswärtigen Amtes be­gleitet, und befinden sich ferner Hofkouriere in seinem Ge­folge. Das TorpedobootSleipner" ist bekanntlich der Hohenzollern" als Depeschenboot beigegeben, außerdem wird die kaiserliche Dacht von dem kleinen KreuzerNymphe" be­gleitet. Zur Fahrt derHohenzollern" wird übrigens am 9. Juli aus dem dänischen Hafenorte Frederikshaven be­richtet, daß die Dacht mit dem Kaiser an Bord, gefolgt von Nymphe" undSleipner", mittags nach Norwegen in See gegangen sei. Noch am Abend dieses Tages, gegen 7^/4 Uhr, passierte dann dieHohtnzollern" das Cap Lindesnärs an der Südküste Norwegens.

Berlin, 10. Juli. Der Reichskanzler Graf Bülow ist zu einem mehrwöchentlichen Sommeraufenthalt gestern in Norderney eingetroffen. In seiner Begleitung befanden sich mehrere höhere Ministerial-Beamte.

Man wird wohl in weiteren Kreisen nicht ohne Verwunderung erfahren, daß erst durch einen vom Bundesrat in seiner letzten Sitzung gefaßten Beschluß Dresden, die Hauptstadt Sachsens, demnächst eine R e i ch s b a n k h a u p t st e l l e erhalten wird. Im König­reich Sachsen hatte bisher nur die Stadt Leipzig eine Reichsbankhauptstelle. Mit Dresden wird es fortan 18 Reichsbankhauptstellen im Deutschen Reiche geben, nämlich: in Bremen, Breslau, Danzig, Dortmund, Dresden, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Köln, Königsberg i. Pr., Leipzig, Magdeburg, Mannheim, München, Posen, Stettin, Straßburg im Elsaß und «Stuttgart.

Ein neuer kugelsicherer Panzer

Nach einem Telegramm aus Rom fanden in der Villa Dona in Gegenwart des Kriegsministers und der aus­wärtigen Militär-Attaches Schieß-Experimente auf einen von einem gewissen de Benedetti erfundenen angeblich kugelsicheren Panzer statt. Weder die Geschosse des englischen Armee- RevolverS noch bie des italienischen Militär-Gewehrs durch­schlugen den Panzer, dessen geringste Stärke 3 Millimeter beträgt während die Kugeln auf dem Panzer deformirt wurden. Man wandte diesen Panzer bei einem Esel und bei einem Hahn an. Die Tiere schienen nicht einmal den Schlag des Geschosses zu spüren. Alle Anwesenden waren über das Resultat dieses Versuches aufs höchste erstaunt. Der Kriegsminister ordnete weitere Schießproben an. De Benedetti gestattete Niemanden, das Gewebe, welches beliebig verstärkt werden kann, zu untersuchen.

* 55 deutsche Kriegsgefangene, die bislang von den Engländern auf der Insel Ceylon interniert worden waren, sind an Bord des ReichspostdampfersOlden­burg" von dort nach Deutschland abgegangen.

-Was man in China von deutschen ^Zeugnissen nötig hat, darüber giebt der '.Welthandel" (Beiblatt zurDeutschen Export-Revue") Aufschluß. Da werden Konfekt- und Biskuitwaren ge­

wünscht, wobei die Blechdosen mit schönen Bildern ver­siert, eine Hauptrolle spielen, denn die Chinesen kaufen diesen Artikel schon der Dosen zuliebe. Ferner braucht man Hustenbonbons, Maschinen für Zuckerraffinerien, Bruchmühlen, Sägemühlen, Streichholzfabriken, Näh­maschinen, Parfümerien, Schminke, Fahrräder, Droguen und Chemikalien, Bauhölzer und last not least künst­lichen Dünger. Ein Hauptfaktor bei allen Artikeln ist Billigkeit und schöne Aufmachung. Bezüglich der Waren­zeichen, Etiketten und Farbenzusammenstellungen müssen ganz besondere Rücksichten auf den Aberglauben der Chinesen genommen werden. Die Wahl und Farbe der Warenzeichen ist daher überaus wichtig. Ein Chinese wird sehr häufig ein Packet Nadeln, eine Schachtel Zündhölzer, eine Flasche Parfüm, Süßigkeiten, Biskuits u. s. w. ebenso sehr wegen des Warenzeichens und der Etiketten kaufen, wenn er dies als glückverheißend an­sieht, als wegen des Inhalts. Ebenso wird er aber auch von dem Ankauf eines Artikels, den er gerade be­nötigt, abgeschreckt werden, wenn er das aufweist, was er als eine unheilvolle Marke oder Etikette betrachtet. In Farben empfiehlt es sich, reines Weiß, reines Braun und Zusammenstellungen von Blau und Weiß oder Blau und Braun zu vermeiden, da diese für einen Chi­nesen sich mit den Begriffen Tod und Trauer verbinden, somit ein unheilvolles Omen darstellen. Die beliebtesten Farben bei den Chinesen sind Rot und Gelb, von denen sich das erstere mit dem Begriff Freude, das letztere mit dem der Würde verbindet. Die unbekleidete oder nur teilweise bekleidete Menschengestalt sollte vermieden werden. Ueberhaupt ist die Verwendung der mensch­lichen Gestalt bei Warenzeichen und Etiketten, die für China bestimmt sind, gefährlich. Eine uns vollständig harmlos erscheinende Kleinigkeit kann dabei für den Chinesen eine unheilvolle Bedeutung haben. So be­deutet z. B. eine grüne Kappe das größte Unglück, das einem Manne widerfahren kann.

Dresden, 10. Juli. Die königliche Münze in Dresden wird zur Erinnerung an den Sterbetag König Alberts eine Anzahl7silberner 5 Markstücke prägen und in Umlauf setzen.

Hamburg, 11. Juli. Gestern erfolgte die Verhaftung des Direktors des dortigen Werk- und Armenhauses, Morath, wegen bedeutender Unterschlagungen. Der Verhaftete ist Vorsitzender des Vereins hamburgischer Staatsbeamten.

Wien, 11. Juli. Das Berliner Tageblatt meldet aus Budapest: Die unerwartete Reise Coloman Szells und der Ressortminister nach Wien und die Wieder­aufnahme der Ausgleichs-Verhandlungen hat hier sehr überrascht und man sieht hierin eine Bestätigung, daß der Monarch in dem jüngsten Kronrat im Interesse des Zustandekommens des Ausgleichs ein Machtwort ge­sprochen habe. Die hauptsächlichsten Differenzpunkte sind die ungarischen Forderungen nach Schutzzöllen für Rohstoffe und die von Oesterreich geforderte Loyalitäts­Klausel, welche die ungarische Regierung verhindern soll, die ungarische Industrie in der bisherigen Weise zu unterstützen. Voraussichtlich dürfen beide Parteien von ihrem bisherigen scharfen Standpunkte ablassen, da sonst beide Kabinette demissioniren müßten.

Basel, 11. Juli. Ueber einem großen Teile der Schweiz gingen gestern schwere Gewitter nieder, welche an den Kulturen vereinzelten Schaden anrichteten. Bei dem Dorfe GerSlach im badischen Wiesenthal wurden zwei Männer auf offenem Felde vom Blitz erschlagen.

Paris. In den ersten Augusttagen treffen hier die amerikanischen Staatsvertreter Knox, Ruffel und Spooner ein zu entscheidenden Conferenzen in Angelegenheit der Uebernahme aller Rechte am Panamakanal- Unternehmen. Sollten die Unterhandlungen glatt verlaufen, dann würde der Congreß von Columbia vor Jahresende die neuen Concessionen zu erteilen in der Lage sein und die Arbeiten könnten 1903 beginnen.

London, 11. Juli. Bei einem vor wenigen Tagen stattgehabten Diner gratulierte eine Dame dem Herzog von Cambridge zur Reconvalescenz des Königs. Der Herzog antwortete in ernstem Tone: Dem König geyt es gut jetzt, wobei der Herzog besonders das letzte Wort betonte. Es ist durchaus nicht unmöglich, fährt der Korrespondent fort, daß der König sich vielleicht einer zweiten wenn auch weniger gefährlichen Operation unterziehen muß. Die Preß-Affociation bestätigt die Timesmeldung, daß der 9. August für die Krönung in Aussicht genommen ist mit dem Vorbehalt ärztlicher Zustimmung. Es heißt, der König werde zur Erholuug zunächst nach Kingsgate auf der Insel Thanet gehen.

König Eduards Genesung.

Der Zustand des Königs verbleibt zufriedenstellend.

darf sich aber weder bewegen noch setzen. Noch immer sind einige Aerzte ununterbrochen bei ihm. Das British Medical Journal schreibt: Die Besserung des Königs ist rapider als erwartet wurde, die Wunde granulirt gut, dec Eiter-Ausfluß nimmt ab und ist von guter Beschaffenheit. Die Wunde ist aber noch tief und muß von unten herauf verbunden werden, um eine normale Heilung zu erzielen. Der König habe seine vor der Operation sehr durch Schmerzen geschwächten Kräfte fast ganz wiedergewonnen, sei aber noch an sein Lager gebunden. Es könne mit aller Bestimmtheit erklärt werden, daß bei der Operation sich keine Spur einer bösartigen Krankheit gezeigt habe und daß and) keinerlei Vorzeichen einer solchen seitdem eingetreten seien. Die Konstitution des Königs sei vollkommen gesund. Er werde den Buckinghampalast binnen Kurzem behufs Luftwechsels verlassen und das Datum der Krönung werde unmittelbar darauf angekündigt werden.

Aus der Türkei. Behufs Verminderung der zunehmenden Einwanderung rumänischer Juden nach der Türkei hat die Pforte an alle türkischen Hafen-Behörden die vertrauliche Weisung zugehen lassen, fremde Juden, welche keine ausreichende Legitimation besitzen, nicht landen zn lassen.

Giessener Cagesneuigkeiten.

** Ernennung. Karl Stadelmann aus Berlin wurde zum Präparator am zoologischen Institut der Landes- Universität ernannt.

** Darmstädter Schloßfreiheitstotterie. Man schreibt uns aus Darmstadt: Wenn von auswärtigen Kollekteuren trotz bestehender Vertriebs- oder Spielverbote Originallose zugesendet werden, so mag die vollkommene Außerachtlassung solch einer Sendung am Platze sein. Eine andere Behandlung möchten aber Originallosofferten bann verdienen, wenn eS sich um erlaubte Lose handelt. Hier kommt in Betracht 1) daß es sich um einen Zweck handelt, der bei behördlicher Prüfung der Zulassung des Lotterie- unternehmens für gut erkannt worden ist, 2) daß der Lose­vertrieb für zahlreiche Menschen als eine ordnungsmäßige geschäftliche Existenzquelle angesehen werden muß und daß eS eine empfindliche Vermögensschädigung dieser Geschäfts­leute bedeutet, wenn vertrauensvoll übersendete Originallose, die man nicht zu spielen wünscht, anstatt sie unter Benutzung der beiliegenden Freicouverts, dem nächsten Briefkasten an­zuvertrauen, einfach weggeworfen werden.

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Marie, Königin von Belgien.

Königin Marie Henriette von Belgien, eine geborene kaiserliche Prinzessin und Erzherzogin von Oesterreich, steht zur Zeit im 66. Lebensjahre. Im nächsten Jahre kann sie mit ihrem Gemahl Leopold, dem König der Belgier, das Fest der goldenen Hochzeit begehen. Aus ihrer Ehe enb stammen drei Peinzessinnen, die bekannte Prinzeß Luise

Königin Marie Santene von < e-gien (chwer eiitcnd).