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Nr. 288 ZweltesBlatt

Mittwoch, den 10. Dezember 1902.

11. Jahrgang

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Postzeitungsliste No 3269.

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** Marburg, 5. Dez. In einem Neubau des Süd- Viertels wurde haute morgen dec Taglöhner Ott cr= flöten aufgefunden.

** Marburg, 3 Dez. En polizeilicher Miß­griff w rd d r „H ff. L n^es t^ " mitg'te lt. Ja Gladen­bach wuide in der Nacht vom 29 auf den 30 Oktober d. J.

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) Wolf, Felda,

I dulch Einbiuch en Uhrendiebstahl v mbt. U ter dem Ver­dacht, d es»S Ve' brech n beganqtn m haben, wurden nun in Marienburg im W ftera alb drei Handwerksburschen, Buchd'uckr 'aus U igarn, verhaftet und trotz ih,er Angabe, daß sie in der fraglichen Nal t gar nicht in Gladenbach ge. vs n ( un. sondern in H^iborn übernachtet hatten, biS zum 25. November in Haft behalten. E st an di s m T ge wurden dnselben wieder freigelass^n; es hatte also an» nah rnd vier Wochen bedurft, um den Al bibeweis der drei jungen Leute, welche allerdings „nur" Handwerk-burschen waren, aus pine R cht'gkeit zu p üfen. Die so lange um schuld g Ging»spürten können nun einen schönen Beweis von

Iber Glündlicht it dru scher Sistig mit in ihre Heimat nehmen. Kirchhain. Hier geht man mit dem Gedanken um ■■■wivi ▼■ ^ben der bestehenden Pflichtfeuerwehr eine freiwill'ge Feuer

âE ^ a ]L tvchr in'S Leben zu rufen. Der Gedanke findet lebhaften

Beifall.

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** AuS Noffau, 7. Dez. (Ein teures Vergnügen.) Um 1436 Mark hat sich fürd’dj ein Herr aus Köln die God­dert r Jagd g pachtet.

Dieser Tage veranstaltete er ein einem Hws n und einen Fuchs das

8ro§^ Treihjagen, das L ben kostete.

* Nitdcrlahnstrin, wu d n g st"rn Morg n

7 D z. Auf der Hi,fi^en Station

ein m Maurer aas Steinbach bei Lim urg, als er zu früh aus d^m eirnahrenden Zage sp anq, beide Heine abgefahren. Der Verunglückt. bat e den Sommer über in W stphalen gearbeitet und befand sich auf der Rück­reise zu seiner Fam l e.

** Limhn g, 15. Dez. Im benachbarten N eder Erbach stürzten laut „N ssauer Buten" auf der Schlesergrube zwe' ju end.'che Ardnler mit dem Förderwagen in einen 25 Meter tiefen Schacht und blieben sofort tot

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Dr. Rumseys Patient.

Roman von Dr. Halifax und T. L. Meade. Autorisierte Bearbeitung von C. Weßner.

(Nachdruck verboten.)

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er mit einem . „Hast Du

„Fühlst Du Dich auch wirklich wohl?" fragte i |ä t tneu Klang ui seiner rauhen Männerstimme ivi b r Seilenschmerzen?'

„Hellte nicht. Ich fühle mich ganz wohl."

„Na, das freut mich",, sagte er erleichtert. „Jetzt sieh mich mal so lange an, solange ich mit Dir rede. Also: ich habe die Tage gezählt; an jedem habe ich mir im Pferdestall an der Thür einen Kreidestrich gemacht - und es sind vierzig Tage her, seit Tu mir den letzten Knß gegeben hast. Dtöchtest Du mir nicht jetzt einen geben?

Hettn bot ihm langsam die Lippen zum Kuß, doch ihr Bögern tonute ihm nicht entgehen und eine heiße Blutwelle färbte sein Gesicht dunfelrot

„Nein, so nichts versetzte er mürrisch, indem er seinen Arm tvegzoa und einen schritt zurücktrat. „Ich bin nicht ärgerlich; beim id) habe keine Berechtigung dazu; Du warst ja ehrlich genug, mir vor unserer Hochzeit zu sagen, daß Tu mich nicht liebtest. Ich hoffte jedoch immer, das würde sich ändern. Daß es aber nicht anders geworden Ut, Hetty, das drückt mir manchmal das Herz ab; denn ich liebe Dich mit jedem Tage mehr."

„Georg, ich weiß, Du bist der beste Mann von der Welt", entgegnete Hetty, „und ich habe Dich auch wirklich sehr gern. Und ich will nur auch immer Mühe geben, Dir eine recht gute Frau zu sein, Georg, wahrhaftig, ich will mir große Mühe geben.

,,Du hältst wohl mächtig viel auf den Baron, unseren gnädigen Herrn?"

„Ja, ich halte sehr viel ans ihn."

„Ist es nicht ein Jammer, daß sie den herzigen flehten Jungen verlieren mußten?"

„Ja, ich glaube wohl."

„Dn bitt doch ein merkwürdiges Geschöpf, Hetty, daß Du io gleichgiltig gegen kleine Kinder bist."

„Je nun, das kommt vielleicht daher, weil ich selber keine yabe", gab sie leichthin zurück.

Der Pächter holte tief Atem, dann lachte er frisch auf.

„Ich wünsche von Herzen, Gott schenkte uns ein Kind. Vielleicht würbest Du das Lieben — und um seinetwillen auch den Lât"

K sLeicht zu erfahren s Ein Berliner Arzt erzählt in der „Lägt. Rundschau" folgendes Vorkommnis in einer dortigen Apotheke. Herein tritt ein ein etwa achtjähriger Junge. Apotheker: „Na, w-as willst du denn haben?" — Junge: „Ick will det abholen." -~ A.: „Was denn?" — „Wat ick vorhin gebracht habe." — A.: „Ja, was ist denn das? Ein Rezept?" — I.: „Jawoll!" — A.: „Für wen soll es denn sein?" — I.: For uns." — A.: „Ja, mein Gott, wie heißt Ihr denn?" — I.: „Na, det steht doch druff!"

* sWcnn man wie ein Anarchist aussieht.j Mr. Keir Hardie, der englische Parlamentarier, der bekanntlich in Brüssel infolge des Attentats auf den König verhaftet wurde, hat diese Verhaftung, wie jetzt mitgeteilt wird, seinem eigentümlichen Aeußcrn zuzuschreiben. Keir Hardie trägt stets eine Leinenkappe, di? er sehr nachlässig und ohne Rücksicht, wo der Schirm der Mütze sitzt, auf den Kopf stülpt. Sein übriger Anzug ist entsprechend. Denkt man sich nun noch einen starken, ziemlich wild wachsenden Bart hinzu, so kann man freilich verstehen, daß die Po­lizei in ihm eine gefährliche Person vermutete. Auch in England hat dieses Kostüm übrigens Keir Hardie schon einmal die Beachtung eines Polizisten zugezogen. Als der Abgeordnete, so erzählt man, nämlid) eines Ta­ges ins Parlament kam, wo gerade am Dach gearbeitet wurde, hielt ihn ein Polizist an und fragte ihn: „Ar­beiten Sie hier, Kamerad?" — „Jawohl," lautete die Antwort Keir Hardies. — „Aus dem Dach?" — „Nein, auf dem Boden." Der Polizist, der auf diese Antwort hin eine genauere Erklärung verlangte, soll sehr ver­dutzt gewesen sein.

$ sAnsmusterung im pers schen HaremI Aus Teheran berichtet man den russischen Blättern, daß der Schah von Persien eine Reform durchgeführt hat, welche man allgemein für unmöglich gehalten hatte, indem er seinen Harem auf beinahe den dreißigster! Teil seines früheren Bestandes reduzierte. Als der Schah nach seinem Vater Nasr-Eddin den Thron bestieg, fand er im Harem 1700 Frauen und 200 Söhne und Töchter vor. Nach der gegen­wärtig durchgeführten radikalen Reduktion besitzt der Schah in seinem Harem „blos" 60 Frauen und 30 Kin­der. Es soll in Teheran nicht an Höflingen fehlen, welche unter schlauem Augenzwinkern zu verstehen geben, daß die Reduktion des Harem nicht allzu ernst genommen werden dürfe und daß es dem Schah mehr um eine — Ausmusterung, als um eine Reduktion zu tun gewesen sei, um Raum für jüngere und schönere Frauen zu ge­winnen.

A sAllcrlci Erbauliches aus BenczuelaJ gegen das wir augenblicklich eine Flottenaktion unternommen haben, erzählt Dr. Ernst Henrici im Sonntagsblatt der „N.-I. Staats-Zeitung". Als Herr Crespo, ein Mischling von Neger, Indianer und Spanier, am Anfang der 80er Jahre

Mit schwerem Seufzer wandte er sich dann ab und ging davon.

Kaum hatte er die Milchkammer verlassen, da kam Betvegung in Hetty. Sie flog auf die Thur zu und drehte schnell den Schlüssel im Schloß herum. Dann blieb sie tiefaufatmend in der Mitte des tadellos sauberen Raumes stehen und preßte in wilder Erregung beide Hände gegen die Stirn.

„Er ist wieder da", murmelte sie. „Er bleibt hier. Heute noch kann ich ihn sehen. Er soll völlig gesund geworden sein! Wie nur die Leute das meinen mögen? Wenn er ganz gesund ist, ob er sich dann auch an alles erinnert? Und wenn er sich erinnert — o mein Gott, ich verliere den Verstand, wenn ich noch lange über die grausige Geschichte nachdenke. Der Baratt znrück — und ich in seiner Nähe mit dem fürchterlichen Geheimnis auf der Seele — und Tante Fanny, die anch alles weiß! Ich muß beute noch zu ihr und mit ihr sprechen! Ach, mir ist ganz schwindelig, mein Kopf glüht wie im Fener. Ach, und die gräßlichen Schmerzen in der Seite. Ich hatte mir zwar fest vorgenommen, die Medizin nicht mehr zu nehmen, aber ich muß, cs hilft mir ja nichts anderes."

Furchtsain um sich schauend, ob auch niemand sie beobachten könne, öffnete Hetty ein in Die Wand eingemauertes Schränkchen. — Diesem entnahm sie ein kleines, etwa halb volles Fläschchen, welches eine dunkle Flüssigkeit enthielt. Dann nahm sie einen Theelöffel, goß einige Tropfen hinein, füllte den Löffel vollends mit Wasser und nahm diese 9)(iidmng ein. Dann verbarg ne das Fläschchen wieder, schloß das Schränkchen zu und steckte den Schlüssel in ihre Tasche.

„dtoch eine Pinnte, dann beginnt es zn wirken, dann kommen die Träume, und ich fühle mich wie nengeboren", murmelte sie. „Wenn ich ein paar von diesen Tropfen eingenommen habe, dann ist mir, als könnte ich der ganzen Welt trogen. Das Zeug ist viel besser, als der Likör, den ich früher trank, und ich nehme ja auch nie zuviel. Gleich nach dem Essen will ich zu Taute gehen. Doch jetzt muß ich eilen, damit das Mittagbrot reuig ist, wenn Georg kommt."

Sie lief eiligst in die Küche, um ihren verschiedenen Pflichten nachzugehen. Sie war fröhlich und guter Dinge, der buttere Blick tiefer Serftminiung war ans ihren Bügen verschwunden, ans ihren Augen leuchteten Heiterkeit und Glück. Während sie geschäftig in ihrer Küche (mutierte, Fener auzüudete, Kohlen» nachlegte, die verschiedenen Töpfe mit Wasser und anderen rur das Mittagessen nötigen Substanzen füllte, glänzten ibu kleinen weißen Zähne durch die leicht geöffneten Lippen, und cu\ ftoyev Lächeln Tag um ihren Mnâ

(Hießener Zeitung)

von Gnzrnun Blanco in die Präsidentschaft gefdjoben tuurb^, tonnte er noch nicht lesen und schreiben, so daß er geschwind erst lernte, seine Namensunterschrist zu malen. Madame Crespo, etwas dunkler schattiert als ihr Okitte, hatte die garte Gewohnhen, ich morgens ans Fenster der Präsi deiiten-AmtswohniNig, am elegantesten Platz von Caracas, zu stellen und dort sich die wolligen Haare zu kämmen, o rechte Hand in Finanzsachen war der Italiener ^rst Mondello. <öse Zungen behaupteten, daß er gar nicht so hieß, sondern aus bringenden Gründen seinen Namen gewechselt hatte, nachdeni er von Italien fortgegangen ivar. Dr. Henricis Freund Buscalio,ii, auch ein Italiener, hoch begabter Mathematiker und Direktor der Sternwarte, patte während der üblichen Revolution, die Crespo mchte, kein Gehalt bezogen und war mit Frau und Kindern dem Ber hungern nahe, so daß er Kräuter sammelte und sie, wie Spinat zubereitet, mit den Deinigen genoß. Dann kam die Erlösungsstunde. Crespo zog in Caracas ein und Bu" calionis Freund Munoz Tebar wurde Minister. Er ver fügte sofort für Buscalioni ein gutes Monatsgehalt von 800 Franken, und da BuScalioni krank darnieder lag so ging seine Frau hinunter in die Stadt, um das erste Gehalt zu erheben. Orsi Monbello, das Finanzgeme, empfing sie ließ sich von ihr eine Quittung über 800 Franken geben und zahlte ihr nur 400. Als Präsident Crespo von der Geschichte hörte, wollte er sich halb tot lachen über das Genie des Finanzmannes, der das schier unmögliche Kunst­stück fertig gebracht hatte, ein noch größerer Spitzbube zu sein als der Präsident selbst.

Kurzes Allerlei. Die neuesten Gletschermessungen in Graubünden haben ergeben, daß die Gletscher des Ober­engadins sich noch immer in einer Periode des Schwin dens befinden. Ein durchschnittliches Zurückgehen von 24,3 Mtr. wurde beim Roseggletscher festgestellt, beim Morteratschgletscher ein solches von 13,3 Mtr., der Pali gletscher ist um 14,6 Mir., der Fornogtetscher um 14,2 Meter zurückgegangen.

Hus dem Gericbtdsaal.

§ Die Affäre der Anglo-Oefterrcichischen Bank. ^n dem Prozesse gegen den früheren Direktor der Anglo Ocslerreichischen Bank, Eugen Viricenz Krämer, der ivcgen großer Veruntreuungen vor dem Wiener Schwurgericht fianb, bejahten die Geschworenen einstimmig die Schuld frage auf Betrug, sprachen jedoch den Angeklagten frei, da ihm jede Absicht einer Schädigung ferngelegen habe. Große Bewegung riefen die Ausführungen des Präsidenten und der Generalräte der Anglobank hervor, welche Krämer das glänzendste Zeugnis ausstellten und seine Stellung für eine ganz exzeptionelle erklärten. Er habe in den zehn Jahren der Bank einen Nutzen von circa 2% Millionen Kronen zugewendet und in dieser Zeit an Gehältern und Spesen über 3^2 Millionen Kronen ausbezahlt. ____

Wenn ich bedenke, mas Tante Fannys Zahnschmerzentniktur für Wunder wirkt", lachte sie heiter in sich fywin- .Tante nimmt einige Tropfen auf W-ttte, steckt diese m ben fransen Hahn, und die Schmerzen sind weg. Und id) - ich schlucke ein paar Tropfen von dem Zena hinunter, und mewe Schmerzen sind auch weg. Xante wundert sich, wo ihre Zahlttropfen hm sind'. Haha! Na, ich werde es ihr nicht sagen! Ich weiß von nichts Aber ich bin dock glücklich, daß ich auf diese famo'e Ide:

m. Xante

Na, ich t

gekommen bin." .

Hetty war eine sehr nichtig« Hausfrau. In ihrer m>»e herrschte grösste Ordnung und Sauberleit. Taè verführerisch bHft nbe und also den Appetit reizende Essen stand schon mit den, Tisch, als der Pächter Pincent um zwölf Uhr nach Hanse kam. Es aab gekochten Schinken mit grünen Bohnen, nnchhei Pliiin- vnddiug. Der Pächter sprach dem Essen nichtig ,«, und Helt» füllte ihm immer wieder von neuem den Teller, sobald dieser 'W "iber Schatz, Du ißt ja wie ein Sperling" sagte er, eine ihrer kleinen Hände haltend und sie zärtlich streichelnd.

„Ich habe keinen Hunger, Georg."

Iha, die Antiliist der Herrschaft hat Dich aufgeregt, nt»; ^U ja, das vielleicht auch mit Du hast doch nichts biegen, wenn ich nachher zur Tante gehe?"

Gott bewahre! Ueberhaupt, wenn Du mich so Lied an lachst, dann" kann ich Dir schon garnute abschlagen. Weißt Du, Grifsitbs, der Venvatter, wird heute im Schlosse eme Theater­vorstellung geben, die Bauern wollen alle bmgeben. Später slleti es für alle Abendbrot und Bier in den Scheunen, der Baron

angeordnet. Was meinst Du, wenn wir zwei, Du unv fdL heute nachmittag in die ^anptallee gehen, nns die Ankunft der Herrschaft anzuseben?" „

„Ach ja, Georg, das wäre tchon!

„Na, und niötelt Du nur für die schöne Idee mcht eniea Kuß "geben ?"^

Sie sprang behende auf. trat hinter feinen Stuhl, schlang die Arme um seinen Hals und küßte ihn auf die Wange.

„Nein, das gilt nicht", sagte er. „Wenn Du ihn mir nickt auf den Mund giebst gehe ich nicht mit."

Sie küßte ihn flüchtig wie ein scheues Böjelein auf den Mund. Er aber umschlang sie fest mit seinen starken Armen, preßte sie an sich und bedeckte ihr Antlitz «tt ^cifcw, leidenschaft­lichen Süfioi.