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(i) Allem Anscheine nach stehen wir im Zeichen der Wetten. Was sollte man auch in diesen lang, welligen Wintermonaten besseres thun, als durch Aus- fuhrung origineller Wetten Abwechslung zu suchen. Eigentümlicherweise wird in den meisten Fällen dem Fußsport die Ehre zu Teil, dieser muß sich immer treten lassen. So teilt man uns mit, daß gestern Mittag 12.15 Uhr Herr Hofkutscher Huhn, laut ver­einbarter Wette mit Herrn Brauereibesitzer A sp r i o n, vom Thorhaus Neuenweg nach Grünberg ab­marschierte, woselbst er in 4 Stunden eintreffen sollte. Laut bescheinigter Ankunft auf Bahnhof Grünberg landete Herr Huhn aber schon 3.34 Uhr und gebrauchte somit nur 3.19 Uhr. Herr ASpriou zahlt als Gegen- stand dec Wette 1 Hektoliter Bier. Wohl bekommS!

Zu der aller Orten herrschenden Arbeitslosigkeit schreibt man unS aus Frankfurt, daß im Monat November der städtische Arbeitsnachweis von 4376 Arbeitsuchenden (gegen 3615 im Vorjahre) in Anspruch genomm-n wurden Auch auS den umliegenden Städten wie Mainz, Wiesbaden u. s- w wird starke Zunahme der Arbeitslosen gemeldet.

** Gegen die Oekonomiehandwerker beim Militär scheint man nun endlich wirkungsvoll vorzugehen. Vergangenen Sommer wurde schon seitens verschiedener Korpsintendanturen namentlich bei Schneiderinnungen angefragt, wie viel Kleidungsstücke 2C. im Falle einer Mobilmachung in einer angegebenen Frist lieferbar feien. Die Vorstände der Innungen, wie auch einzelne hervorragende Firmen gaben, und das mit Recht, ab­lehnende Bescheide mit der Motivierung, ohne ihnen übergebene Probearbeiten ein definitives Urteil nicht abgeben zu können. Damit sollte gewissermaßen die Hcercs-Qekonomie-Verwaltung genötigt werden, ihren Bedarf an Uniformstücken auch im Zivilhandwerk zu decken. Bis dato ist über diese Angelegenheit nichts Wesentliches wieder in die Oeffentlichkeit gedrungen. In dankensloerter Weise haben sich die Handwerks­kammern dieser daS Gewerbe schwer schädigenden Miß­stände angenommen, wie aus einer am Montag in Marburg stattgehabten Versammlung des dortigen Gewerbe-Vereins hecvorgeht: Wie der Vorsitzende, Sattlcrmcistcr Heuser mitteilte, ist seitens der Hand­werkskammer eine Anfrage an den Vorstand des Vereins eingegangen über etwa entstehende Schaden, die dem Handwerk durch Oekonomiehandwerker beim Militär zugefügt würden. Es sei vorgekommen, daß solche Oekonomiehandwerker an Privatpersonen und Zivilisten Arbeiten lieferten und zwar unter Benutzung der ihnen $nr Verfügung gestellten Hilföpersonen. AuS der Versammlung heraus mürbe betont, daß namentlich die Kantinen durch einen förmlichen kaufmännischen Betrieb vielen Geschäfts­leuten Konkurrenz machten. Der Vorstand wurde be­auftragt, die Angelegenheit weiter zu verfolgen und das Schreiben zu beantworten unter Benutzung ihm eventuell zur Verfügung gestellten Materials.

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Aus Hessen und naebbargebieten.

** Grünberg, 8. Dez In Ettingshausen veran­staltete am Donnerstagabend unser Pfarrer Röm Held in der Kirche eine Lutherfeier, wobei er der Gemeinde ca. 20 Lichtbilder au- Luthers Leben und Wirken vorführte, darunter: Luther, Melanchthon, Reichstag zu Worms, Wart­burg, Verbrennung der Bannbulle, Luthers Geburrs- und Sterbehaus usw. Derartige Vorführungen au-der Religions­und Kirchengeschichte sind gew'ß sehr geeignet, das kirchliche Leben in einer Gemeinde zu heben.

V Nouuenroth, 9 Dez. Unser Dors ist mit der Vor­richtung einer Wasserleitung versehen, daS Wasser kommt auS einem nördlich gelegenen Teich. In letzter Zeit ist nun der Teich fast au-getrocknet, so daß derselbe jetzt tiefer ausgegraben werden soll; zirka 900 Kubikmeter Erde wird au-gehoben, wozu 1500 Mk. vorgesehen sind.

O Hrlzheim, 8. Dez. Da unser erster Lthrer Hanstein bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit beurlaubt ist, so wird die hüsige seither dreiklassige Schule vorläufig in eine zwe'klassige verwandelt, voraussichtlich aber nur bis Ostern 1903, da eS zur Zeit an Lehrkräften mangelt. Lehrer Wanst errett die erste, Lehrer Jung die zweite Klaffe.

m. etrebenborf, 8. Dez. AuS unbekannten Gründen hat von SamStag auf Sonntag unser Einwohner Röder in seiner Wohnung durch Erhängen seinem Leben ein Ende gemacht

□ Engelnrsd. Hier hat sich am Montag der Tag. löhner Georg Rahn in seiner Kammer am Kleiderschrank erhängt.

-r. Niederklei», 9. Dez. (Großfeuer.) Gestern Abend gegen 8 Uhr erscholl plötzlich in unserem fast 1000 Einwohner zählenden Ort der Ruf „Feuer". Im Oberdorf war in einem zusammenhängenden Gebäudekomplex zu gleicher Zeit in zwei aneinanderstehenden Scheunen der Landwirte Wieder und Koch ein Brand entstanden, der mit großer Schnelligkeit um sich griff und bis heute Mittag 1 Uhr

»"’f/Ä iSbah"-,, ab !^! .-- *$0^

Theater-Verein, i

4. Vorstellung: Freitag, bett IL De,emker.

Dr. Klaus,

Lustspiel von OArronge.

Lubow-kl: Herr Schmasow vom Königl. HosthLater in Kassel.

«»saus 3 Uhr pünktlich. End- gegen lO^ Uhr.

Tageskarten bei Einst ^bautet und an der Kasse zu Mk. 5, 4. 3, 2 'Mitglieder Pfg. Ermäßigung.- Studentenkatten bei w Cballier Mk. 1.50. an her Kaste Mk. 2

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wâhrtk. In bem Brunnen deS Oberdorfes herrschte Wasser- mangel und so mußte zur Bedienung der Gemeindespritze daS Wasser auS der außerhalb deS OrteS vorbeifließenden zugesrorenen Klein mit unendlicher Mühe herbeigeschafft werden. Das Feuer, daS also schwer zu bekämpfen war, zündete an verschiedenen Stellen und gegen 4 Uhr nachtS bildete der gesamte Gebäudetompftx, in dessen Ruyon der Brand zum AuSbruch gekommen war, einen einzigen Feuer- Herb. Der rote Himmel war weithin sichtbar. Ma i wurde früh genug inne, daß die hiesige Feuerwehr deS rasend n Element- nicht Herr werden konnte und so telegrapdi.rtl man um Hilfe nach Kirchhain, Amöneburg und Schwe.ns- berg. Dem energischen Eingreifen der Wehren dieser Städte gelang eS, durch Einreißen der brennenden Gebäude dem Element Einhalt zu thun. Kurz nachdem diese Orte benach­richtigt waren, wurde durch einen stürzenden G edel die Leitung zerstört. Abgebrannt sind 12 Wohnhäuser, 7 Scheunen und 3 Nebengebäude. Die Abgebrannten sind versichert bis auf einen, jedoch nur in geringem Maße. Die Betroffene« sind n-eiftenS kleine Landwirte und arme Leute. Die obdach­losen Familien wurden bei andern Einwohnern und im neuen GemeindeschulhauS untergebracht.

** Marburg, 9. Dez. Herr v.Geclach spricht. Auf Samstag, 13. Dezember, abends 9 Uhr hat Herr von Gerlach eine Versammlung einberufen, in der er über „Die Vorgänge im Reichstage und die politischen Parteien" sprechen wird.

*~ Frankfurt a. M, 9. Dezember. Im Hauptbahn­hofe blieben heute Morgen die Uhren stehen. Einige, die noch gingen, hinkten 15 Minuten hinter der „Mitteleuropäischen" nach. Bei der fortgesetzten Kälte waren die elektrischen Batterien gesprungen. — Bei Offen­bach und Hanau hat sich das Gis auf dem Main ge- stellt. Bezüglich der 1. Dezemberwoche hat übrigens Falk einmal wieder gründlich „vorbeigeraten". „Die Temperatur steht ungewöhlich hoch über dec normalen." Schneefälle dürften kaum eintreten, prophezeit er. So ein Schäker!

** Frankfurt a M, 9. Dez. Der Streit zwischen den Krankenkassen und Aerzten brtr. Honorarerhöhung ist durch Nachgeben der Kaffen beigelegt worden

** Höchst a. M, 9. Dez. Heute Mittag kurz nach 12 Uhr wurde auf der hiesigen Station von dem Schnell­zuge 52 (Köln-Frankfurt) ein hiesiger Einwohner, der eben mit dem Zuge von Frankfurt gekommen war, überfahren und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Der Körper war total zermalmt. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und 6 Kinder.

** Darmstadt, 9. Dez. Nach dem soeben herausgegebcnen vom 17. November datierten Personal-Berzeich^is der Großh Technischen Hochschule beträgt die Zahl der Studierenden intl Hospitanten im Wintersemester 1902/3 die Zahl von 1948 Studierenden gegen 1740 im Sommer* femefter und 1803 im vorjährigen Wintersemester

** AuS Hessen. Ueber sonderbare Ver- Wendung vonSchulgebäuden weiß der „Schul­bote für Hessen" zu berichten. In Grebenhain wurde im Schulsaale der ersten Volksschulklaffe trotz Einspruch des Lehrers und des Schulvorstandes am 16. November gerichtliche Leichenschau über einen Tags zuvor einem Raubmörder zum Opfer gefallenen Mann gehalten. Den betr. Schulsaal soll der Bürgermeister, wie eS heißt auf Zureden der Gerichtsherrev, zur Ver­fügung gestellt haben, und auch die die Sektion aus- führenden Aerzte hätten kein Bedenken getragen. Die Kceisschulkommiffon zu Lauterbach hat Beschwerde bei dem Ministerium erhoben. Dec Berichterstatter be­zweifelt, daß eine derartige Amtshandlung im Lehrsaal eines Gymnasiums oder einer Realschule vorgeschlagen worden wäre, so habe eS sich aber um eine Volksschule gehandelt, deren Kinder jedenfalls den Saal wieder mit Grausen betreten. — Aus einem Dorfe im Oden­wald wird berichtet, daß sich die dortigen Gendarmen gegen bic Unterbringung von Gefangenen in den ihnen zur Dienstwohnung überwiesenen Gebäuden verwahrten. In dem Orte wird nun ein neues Schulhaus gebaut und soll nun der Gemeinde angesonnen sein, das Haft- lokal in diesem unterznbringen, „unter Vorbehalt der Genehmigung der Kreisschulkommission". Hoffentlich läßt die Genehmigung recht lange auf fid) warten. — Derartige Verwendung von Schulhäusern muß be­fremden, wenn Verordnungen bestehen, die die Ver­wendung der Schulräume zur Abhaltung von Sing­stunden, Versteigerungen re. an bestimmte Bed ngungen, wie Verbot des Rauchens rc. knüpfen.

** Wetzlar. W^gn, schwerer Mißhandlung seiner eigenen Mutter wurde vor einigen Tagen ein Bursche von HohenselmS Namens Quandt in das hie­sige GerichtSgefängnis eingeliefert. DaS arme Weib ist gestern gestorben. Wie wir hören, soll durch eine gerichts­

Bestellungen auf

I Gratulstionsksrten

3 für den ^shrkswkchsel

nehmen wir schon jetzt entgegen.

Giessener Neueste Nachrichten.

ärztliche Obduktion der Leiche seftgeftkllt w.rden, ob der Tod der Unglücklichen die Folge jener Mißhandlungen ist.

s. Kreuznach, 9. Dez. Beim Eisläufen auf der Nahe brach gestern der 11jährige Gumnasiast Paul Eybisch, Sohn einer Pfarrer-wittwe, ein und fand den Tod in den F luthen.

Bus dem Sericdtrsaal Strafkammer fitzuug.

Gießen, 9. Dezember 1902.

Karl Laug und Wilhelm Weber von Treis ■ Horloff überfielen und schlugen eine- Abend- den Ludwig Koch und den Otto Fritz von dorten. Lang wurde dieserhalb vom Schöffengericht Hungen, unter Einbeziehung einer früher ei kannten Strafe zu 6 Monaten Gefängnis, Weber in eine solche von 2 Monaten und 14 Tagen verurteilt. Ersterer, welcher inzwischen vom hiesigen Schwurgericht wegen Not­zucht mit 12 Jahren Zuchthaus bedacht wurde, beruhigte sich bei dem Urteil. Weber verfolgte Berufung, desgleichen die Staatsanwaltschaft, welche mit Rücksicht auf die vielen in Trei->Horloff vorkommenden Brutalitäten Erhöhung der Strafe beantragt Da- Gericht, welche- auch der Ansicht ist, daß die Straft nicht empfindlich genug ist, erkennt auf 4 Monate Gefängnis — He .irich Stark von Etting-Hausen, welcher gelegentlich einer Kaufet ei da- Mcsj.r zog und dem Ernst Blei 8 unerhebliche ^t^e, sowie miNUr eine- harten Gegenstände- eine groß- Wunde am Hinterlauf beibrachte, wird mit Rücksicht aus tie Gefährlichkeit dcr Handhabung der Messers, sowie wegen der eingetreteneu 17tägigen Arbeitsunfähigkeit des Verletzten zu 9 Monaten Gefängnis Verurteilt. Wegen Fluchtverdacht wird Haftbefehl erlassen.

— GemeinderatSmitglied Adam Marsteller, G uieinderechner Christ.a.1 Leidich u:-ö die Gänsehirtin Karl Schmalz Ehefrau von Grüningen sind wegen Beleidigung de- Bürgermeisters Gilbert von dorten vom Schöffengericht Lich in je 60 Mark Geldstrafe genommen worden, Auf erfolgte Berufung sämtlicher Angeklagten und der Staatsanwaltschaft stand teilte Termin, in welchem der Berufung der Schmalz statt« gegeben und die Strafe aus 20 Mark herabgesetzt wird, unter Verwerfung der Berufung der übrigen.

MfcMliachrklttte.

Marburg, 6. Dez. Unter den 72 Hörern an der hiesigen Universität besinden sich nach dem soeben erschienenen Verzeichnis der Studierenden 19 Damen.

Arbeitsnachweis der Stadt Gießen

GL.t7ustratze Nr. 2 (Bürgermeisterei­

gebäude) Zimmer Rr 14,

Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern (Arbeitern jeglicher Art, Dienstboten und Lehr­lingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln.

An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von

3

bis 6 geöffnet.

Angebot der Arbeitnehmer:

1 1

2

1 Bäcker, 1 Metzke?, 1 Sattler und Polsterer, Schmied, 1 Schuhmacher, 6 Hau-burschen, 3 Knechte, Schneekehrer, 1 Fahrbursche, 2 Kutscher, 5 Taglöhner, Kellner, 1 Lauffrau.

Lehrlinge: 1 Kaufmann.

Nachfrage der Arbeitgeber:

1 Spengler, 11 Hausbursche, 12 Dienstmädchen per sofort, 1 Dienstmädchen auf Weihnachten, 1 Hausmädchen auf Weihnachten, 2 Tu-stmägde per sofort, 1 Lauffrau,

2 Laufmädcher.

Lehrlinge: 2 Bäâ r, 2 Kaufl-ute

Geschäftliches.

Mauers Kouvcrsati°ur-Ltkil°n hat sich sehr rasch za einem unentbehrlichen Nachschlagewerk für alle gebildeten Stände ausgebaut, ^ie gesch. Leser finden in heutiger Nummer einen Prospekt dieser gewaltigen Ganzen; wem es einigermaßen möglich ist, sollte sich ein solches Work deS allgemeinen Wissens zulegcn Die.vof-Buch- Handlung Aug. Frceè hier nimmt gen. Bestellungen entgegen. Da Weihnachten so kurz vor der Thur, wird mancher ein solches gern auf seinem Gabentische mitsehm.^ k^ bet 6e|tc Küchentrakt, ist unentbehrlich in jedem guten, sparsamen Haushalt. Er giebt den schlechtsten Brühen und wässerigsten Gemüsen hervor- ragenden Wohlgeschmack und erhöhten Nährwert, kurz Würze Und Kraft, wie es sein Name besagt. Das rein vegetabilische Produkt ioird von der Wissenschaft als ein vorzüglicher, billiger Ersatz für den teuren Tleischertrakt bestens empfohlen und muß bei der jetzigen Allgemeinen Fleischteuerung jeder Hausfrau besonder, willkommen sein. In allen Geschäften der NahrungS- mittelbranchc zu haben.

Dn.i uns Verlag der Gicbener Serlaa«btW«ri, norm. Mttb. «eller'lcke Buchdruckern (gegr. 178^: für die' Redaktion verantwortlich : Ä I hi » gietn, Vietze».