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Nr. 210.

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Gratisbeilage« : Cberbeffif^e Fam1li-«Leltu«q (lägttch) Oberhrssische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst-o»d Gartenbau, sowie die Mießener Seifenblase« (wöchentlich). DaS Blatt entfeint an alle« Werktagen nachmittags.

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«&a- '^en Serben, 1902,

W* ^ offen uns.

(Lietzener Tagebsatt) Anabhängige Tageszeitung (Lietzener Peilung)

für Oberbeffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiaer für Gießen und Umgebung.

Druck unTVerlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei (gegr. 1783); für die Redattw^v^nitwortltch^ Albin K^In sieben.

ganzen Umkreise auf zwei Kilometer von Insurgenten umlagert wird.

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Ueber die Beerdigung Birchows

wird unS mitgeteilt:

Berlin, 9. Sept. Im Rathause fand heute Vormittag die Trauerfeier für Rudolf Virchow statt. Die Leiche des Dahingeschiedenen ruhte auf einem schwarz verhüllten Kata­falk inmitten eines Lorbeer- und Palmenhaines. Davor hielten Studenten in vollem Wichs mit gezücktem Schläger die Ehrenwacht. Als einer der ersten Trauergäste war der greife Mommsen erschienen. Ferner waren anwesend Minister Dr. Studt, Frhr. von Rheinbaben, Geheimer Rat Conrad als Vertreter deS Reichskanzlers, Staatssekretär Richthosen, Geh. Regierungsrat Freund als Vertreter des Ministers des Innern. Von Parlamentariern bemerkte man d e Abgg. Richter Barth, Schiader, Munckel u. A. Die Mitglieder des Berliner Magistrats und die Stadtverordneten erschienen in Amtstracht. Ein überaus zahlreiches Publikum füllte den Saal und die Gallerie. Um 11 Uhr erschien die Wittwe Virchows am Arme ihres Sohnes Prof. Hans Virchow ge­folgt von den anderen Familien-Mitgliedern. Der Domchor leitete die Feier mit dem Gesang:Das Leben welkt wie Gras" ein. Hierauf ergriff Prediger Dr. Kirms das Wort zu einem tief empfundenen Nachruf, der dem Wirken und Schaffen Virchowè als Mensch, Gelehrter und Politiker galt. Hierauf nahm Geheimrat Professor Waldeyerdas Wort im Namen der Akademie der Wissenschaften, der Uni« velsität Berlin und dec medizinischen Fakultät. Er führte etwa aus: Rudolf Virchow ist tot, was er aber als Vor­arbeiter der Wissenschaft geleistet hat, das stirbt nicht, das bleibt für die Ewigkeit Seine Arbett von nahezu 60 Jahren bedeutet nichts Geringeres, als die Erhöhung der Wlssen- schasl. Abgeordneter Träger feierte sodann Virchow als den Gelehi ten und Politiker, dem die Wissenschaft nicht Selbst­zweck gewesen sei, der thatkräftig mitarverttte an der Hebung des öffentlichen Wohles, der als Gelehrter ebenso wie als Bürger seinem Vaterlande gedient habe. Nun trat Ober­bürgermeister Kirschner an das Rednerpult zu Häupten des Sarges und sprach mit tiefer innerer Erregung seinen Nachruf. Rudolf Virchow, der bahnbrechende Forscher und Lchrer gehöre der gesamten und gebildeten Menschheit. Der große Tote hat aber auch zu einer Zeit, wo er bereits längst als Fürst der Wissenschaft und der ganzen gebildeten Welt anet sannt und gefeiert war, ganz im Geiste der Städteordnung es nicht verschmäht, mit feinen Mitbürgern deren tägliche Sorgen zu teilen und mit dem schlichten und einfachen Manne in Reih und Glied für das Wohl des Gemeinwesens zu arbeiten. Nach der Rede des Oberbürgermeisters traten die anderen Gäste an die

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Herweg ^t

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In eigener Sache Richter.

Roman von L. HaidHei m.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

. r "Fwhberg bat Maria ihren Ning mriiefgeftfieft; er könne ncimlinpst weder allein, noch mit ihr weiterleben; doch werde er rammen bis rur Hoffnungslosigkeit."

..., Burkard! Burkard! Nock nie hatte Joseph Ebem so sehr blt, wie er ihn liebte und hochachtete.

mußte einen Moment allein sein. Ein Entschluß rang

^m empor ein furchtbarer Kampf. Ohne Ent- wsmmmuig, ganz nur unter dem Druck des unerbittlichen Zwanges '«rück »Mganâen, bald darauf kam er ruhiger und entschlossen kurzen Pause hatte Sordegni dem alten ^"i fehr kurz, aber klar den Sachverhalt mitaeteilt. saatc er mir zu einer kurzen Mitteilung folgen?" Mm «L ^ '§ând, die zwar den leichten Ton wohl könnten. - Was waVbaÄ in ®tntlanfl bringen croRe1n>citen&^ folgten ihm.in das ebenso bei eleganten Wohnung bildete^ ^oân"'^^« ^ Mmne feit und entschlossen. Joseph Eberns Schritt war

Ganz überrascht sahen sie über

Zimmer-schmuck hin, mit dem der junge Aristokrat sftb £S! batte - aber schnell vergaßen sie das alles Le^

bellen Antlitz kein Tropfen Blut war ubcr felbcr in

Er hatte zwei Lehnstühle hingeschoben und lud sie ein Blatz âu°n. so sonderbar ernst und. v-ränd-tt und' ; chnell in mehr bSUti W" em NE- b" W iW «ich. . »Ich habe Ihnen in dieser Sache Mitteilungen zu machen, meine Herren, Ihnen, mein väterlicher, teurer, alter Freund und ^hnen Herr Sordegni, bei Sie ein solcher für Maria von .Nern, nein erschrecken Sie nicht mein Herz hat nichts mit der Sache zu schaffen, Herr Sordegni

hockte - eine glühende Röte schoß über das fahle Gesicht. Seine Brust ging keuchend auf und ab.

Ich brauchte Zeugen -", stieß er heraus.

ein $ffi^ ertant starrten sie ihn an. .Sied Zeugen für

Jetzt hatte er sich wieder gefaß *

Mittwoch, den 10. September 1902.

Familie Virchows heran und sprachen insbesondere der Witwe innigste Teilnahme aus. Dann wurde der Sarg zu den in dec Königstraße haltenden Leichenwagen gebracht. Ein nach Tausenden zählendes Publikum faßte den Fahrdamm ein. Der Zug bewegte sich durch ununterbrochenes Menschenspalier nach dem Matthäikirchhofe. Im Leichenzuge befanden sich etwa 50 Banner und Fahnen von studentischen, politischen und anderen Vereinen und Abordnungen. Unter den Klängen von Trauermärschen bewegte sich der Zug nach dem Kirch­hofe, wo die feierliche Beisetzung erfolgte.

Politische Nachrichten.

Kaiser Wilhelm hat dem englischen Kriegs­minister Brodricks das Großkreuz des Roten Adler­ordens, dem General Kelly Kenny und dem General French den Roten Adlerorden 1. Klasse, dein General Hamilton den Kronenorden 1. Klasse, Oberst Slater den Roten Adlerorden 2. Klasse verliehen. Da Roberts schon den Schwarzen Adlerorden besitzt, machte ihm der Kaiser ein Präsent als Andenken an den Besuch.

Laut einer beim Hamburger haitianischen Kon­sulate eingegangenen Benachrichtigung des haitianischen Gesandten in Berlin dekretierte die provisorische Re­gierung infolge der Unruhen auf Haiti die Schließung dec Häfen Gonaives, Saint Marc und Port de Paix für fremde Schiffe. Dec Gesandte macht hiervon im Auftrage des Präsidenten dec provisorischen Regierung Boisrond Canal Mitteilung. Infolgedessen werden für die genannten drei Häfen vorläufig keine Fakturen, Mani­feste und andere Dokumente mehr gezeichnet.

Wien, 9. Sept. Dec Rarodny Listi zufolge werden künftige Woche zwischen Körber und den Vertretern aller Parteien aus Böhmen und Mähren tschechisch­deutsche Verständigungs-Konferenzen beginnen. Die Regierung habe bereits ein Programm mit Vorschlägen zur Lösung der deutsch-böhmischen Frage ausgearbeitet.

Paris 9. September. Nach einer Privatmeldung aus Port of Spain ist die Stadt La Guayra, deren Garnison zu dec RevolutionsrPartei überging, von den Insurgenten hart bedrängt. Die Stadt Higuerote ist Don, der Regierung aufgegeben wocdeo. Präsident Castro ist.unterwegs nach Carracas, das im

Die könnte ich für ein Duell unter meinen Bekannten zu Dutzenden finden! für den heutigen Fall würden sie sich mir versagen!" begann er, ihre Gedanken beantwortend von neuem.

Lassen Sie mich einen Moment; Sie erinnere sich, Brucheisen, an meine unglückselig liebeleere Kindheit! Ohne jede Erziehung wuchs ich auf Sie waren kurze Zeit mein väterlicher Freund Gott lohne es Ihnen! Genug! Dèan sagte mir eine? Tages nach wild durchjubelten kurzen Jahren, ich sei ein Bettler! Tas kümmerte mich nicht; mein Grotzvater war der immens reiche Standeshen' Graf Ebern, von ihm erbte ich Geld genug, wenn er starb. Da entdeckte mir mein Bankier, mein Vater sei von dem seinigen um meiner Mutter willen enterbt und ich somit auch. In der größten Angst reifte ich zu ihm, der mich nie hatte sehen, sich nie um mich kümmern wollen; ich kam in seiner Todesstunde an. Er lebte noch, ich flehte ihn an um Hülfe, um Rettung, er hatte nur Hohn für mich und schnöde Worte und starb vor meinen Augen durch meine Heftigkeit. Es kamen Leute sein anderer Enkel ich war verloren. Rettungslos verloren, denn arbeiten hatte ich nich^gelernt und zu betteln schämte ich mich der richtige verlorene Sohn. eie waren gut zu mir, die Männer, besonders dieser andere Emel, Burkard Frohberg, der mich wie einen willkommenen Verwandten mit sich führte, als man hie Leiche verließ.

In mir aber tobte die Hölle! Der reiche, reiche Mann, mein Großvater, hatte mich enterbt, verstoßen, ehe er mich je gesehen. - Aller Haß, aller Wahnsinn der Angst und Wut rauen in meiner Seele; sie ließen mich zu ihm zurückgehen im hatt'.

^en, er trug Geld auf der Brust und unter dem Vorwand 31

., bestahl ich den Toten nicht meinen Großvater, nur den Mann, der mich, der ihm nie ein Leid gethan, der ich 'm Fleisch und Blut war, ins Elend stieß!---Als ich es,v.u. kam schnell genug die Erkenntnis aber ich war zu du Sünde zu gestehen da vor der Hand niemand den Verlust hc; merkte und auf mich nie ein Verdacht fiel niemals. wollte in der Reue das Geld nie benutzen ich harte mebt* um darbte und lebte als armer Verwandter. Das hält man nicht lange aus. - Der Krieg kam - ich bezahlte meine echur r davon, der Rest ging im Kriege braus und dann, a-s bei meines Namens nicht einmal in seinem Testament Envabn'ma gethan, da triumphierte ich, daß ich ihn um ein paar ^anse. überlistet hatte."

Er sprach immer schneller eiliger zu Ende zu kommeii.

.Von der Großmut Burkards lebe ich, seit er Klam0 erb/ als ein freier sorgenloser Mann; er ist mir ein Brude. m-

_______________11. Jahrgang.

J«sertio«SpreiS, Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie stanz Oberheffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg. - Reklame, die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3062.

Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 23.

Fer»sprecha«schl«ß Nr. 36».

H Haftung der Gemeinden für Unfälle der Feuerwehrleute.

.. Das Reichsgericht hat über die Frage, ob und wieweit die Gemeinde für Unfälle, die den Mitgliedern der Pflicht­feuerwehr bei Ausübung ihrer Thätigkeit zustoßen, in einem Spezialfalle eine bemerkenswerte Entscheidung erlassen. In einer Gemeinde verunglückten zwei Bürger bei einer Uebung der Pflichtfeuerwehr, indem eine Leiter umstürzte, auf die sie al§ Steiger zum Zweck des Wassergebens mit einem Schlauch geschickt worden waren. Der Umsturz der Leiter war durch das Versehen eines Feuerwehrmannes herbeigeführt, der von seiner Spritzenmannschaft den nicht genügend verlängerten Schlauch füllen ließ, sodaß dieser, schräg herunter hängend, infolge seiner Schwere die Leiter umreiten mußte. Die beiden Verletzten, von denen der eine einen schweren Kiefer- bruch und in b°r Folge eine Nervenerkrankung davontrug, beanspruchten Entschädigung durch Klage. DaS Landgericht erklärte ihren Anspruch für berechtigt, da die Mitglieder der Pflichtfeuerwehr zwar keinen besonderen Dienstvertrag mit der Stadt abgeschlossen hätten, aber doch in einem Dienst­verhältnis zu ihr ständen und der den Unfall verschuldende Oberfeuerwehrmann als Vertreter der Stadt zu betrachten H die demnach für die Folgen seiner Fahrlässigkeit haste. Das Oberlandesgericht verwarf dieses Urteil, weil die Pflicht- feuerwehr eine vom Staat bezw. der Polizei öffentlich ge­regelte Einrichtung sei, nicht aber das Feuerlöschwesen als ein Zweig der städtischen Verwaltung anzusehen sei. Aus die eingelegte Revision erkannte indeß das Reichsgericht, daß die Feuerwehr eine städtische Einrichtung sei, wenn auch ein Dienstverhältnis der Teilnehmer gegenüber der Stadt nicht bestehe. Es sei aber die Haftung der Korporationen für die Handlungen ihrer Organe nicht auf BertragSverhältnisse be­schränkt. Zu der Beurteilung der Frage, ob der Ober- seuerwehlman bei Ausübung des WasserfüllenS ein WillenS- organ der Gemeinde gewesen sei, müsse vom OberlandeS- gericht auf Grund weiterer Erhebungen entschieden werden. Hierauf ist schließlich die Gemeinde rechtskräftig zum Schaden­ersatz verurteilt worden.

Giessener cagesneuigkeilen.

** Der Großherzog hat am 6. September den von dem Grafen von Schlitz genannt V on ctz auf die zweite evangelische Pfarrstelle zu Schlitz,

wesen, mehr als einen Bruder liebe ich ihn und hier Mt

die Beweise."

Joseph! Graf Ebern!" - stöhnte Sordegni, indes bereit Brucheisen ganz geknickt in seinem Stuhle hing, das alte Geftcht naß von Thränen. e

Joseph Ebern war mit festen Schritten in das Nebenzimmer zurückgetreten, sie dachten an den Schreibtisch. Nem, sie dachte» nichts in ihrem Entsetzen sie waren verstummt.

Da! Ein Knall! Ein dumpfer Fall.

Vor dem offenen Kasten der auf dem Seitenttschchm stand, lag Graf Joseph Ebern. - Ein dünnes Rauchwöttchen zog durch das Zimmer, als sie aus der sekundenlangen Erstarrung des Schreckens hineinstürzten.

Blitzschnell hatte er sich die tödliche Kugel mitten inS Hm gejagt; um den weichen Mund lag heute eine starke, stolz« Energie. Noch war er warm und rot, wie lebend.

War es denn möglich? War das, was er erzählt, Wahrheit? nicht etwa das Tniggebilde der Phantasie?Bitte hier der Beweis!" hatte er gerufen.

BekennMis und Gericht. Auch er ein Richter m eigener Sache.

Wie gelähmt vor Bestürzuna blieben sie Stächst ganz un- Sund sprachlos, aber eine Minute später schon nahten sich e Schritte:Ist hier der Schub -?

Der kleine Junge, der die Thür so ungestüm aufriß, fa­den Stnbenherrn seiner Mutter an der Erde, das Pfftol in seiner Hand blinken - dieser schon erstarrenden ^Hand - mrd schrie gellend auf:Hier, Mutter, hier!" - Schreiend stürzte die Wirtin herzu -.

Und jetzt wurde das schreckliche erst für sie alle zur Wahr­heit - Wie es gekommen? Mein Gott, wie war es denn möglich, er war ja ganz gewesen wie immer?

Ein Zufall? Ein Unglück? Und in ihrem Beisein?

Ta war schon die Polizei! Gräßlich! Nun sollten sie auS- sagen. - Sie wußten ja nichts! O, doch, doch - hier kam ja alles auf bte Wahrheit an ein Verleumdeter war zu retten, ein Unschuldiger mußte gerechtfertigt werden - darum war der da - der Unglückliche ja gestorben! ---

Aber nicht hier - nicht der Polizei! - Die beiden alten Herren verlangten ihre Auslage vor dem zustehendeu B<zirts« dichter zu machen.

(Fottsetzung im zweiten Blatt.)