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Nr. 131.

Zweites Blatt

4lbo«ueme»tspr«is: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Psg., in's Haus gebracht 60 Psg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mk. k b0.

Gratisbeilagen : Oberhessische ll-mistenzettu-g stäglick.) Dberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obft^ Gartenbau, sowie die Gießener Leiseublaseu (wöchentlich). Das Blatt erscheint an asten Werktagen nachmittags.

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Keuche Kuchrichlen

(Gießener Uagevtatt)

Unabhängige Tageszeitung

(Gießener Bettung)

für Oberhefferr und die âeise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Druck und Verlag der (Siebener Verlagsdruckerei, Dorrn. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei igegr. 1783); für die Redaktion verantwortlichAlbin Klein, Gießen.

fies Reffen und nachbargebieten

0 Krofdorf Die Holzfuhren aus den ausgedehnten Waldungen der Oberförsterei Krofdorf bringen allfahr- sich regen Verkehr nach unserem Dorfe. Da neulich / , " - na'' rr. < 1 „ Offif^t »4-rt« hrtt-firtlrtH hirtror» in

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Ate infolge der Nässe die Abfahrten verboten waren, so

haben sich dieselben für dieses Jahr etwas in die Länge mA l iclogen. Für die Bewohner der Ortschaften Kleinlinden, * vütielinben, Dudenhofen, welche größtenteils in den Ä1Ä hiesigen Waldungen ihren Holzbedarf decken, nimmt eine W m 50 u Zou $ wiche Waldfahrt einen vollen Tag m Anspruch.

■ - - - w Wißmar. Die Gemeinde Wißmar hat auf der

Ausstellung zu Mannheim auf ihren ausgestellten Bullen Vogelsberger Rasse einen 1. Preis erhalten. Von Äogelsberger Tieren waren im ganzen nur 20 Stück

Aw, ÜJ . aa, gestellt, davon 6 aus dem Kreise Wetzlar, die übrigen -----—_______- aus dem Hinterlandkreis Biedenkopf. Die geringe Be

ikiligung aus hiesiger Gegend ist darauf zurückzuführen, daß die hessischen Kreise diesmal ganz unvertrcte waren. Durch die^ eifrige Thätigkeit des Herrn Land- wis o. Heimburg zu Biedenkopf sind mehrere Preise dortigen Ausstellern zugefallen.

8 Vom Lande. Der Witterungsumschlag begünstigt ahr das Anpflanzen der Dickwurzpflanzen. Uebecall liefst man die Landleute eifrig bei dieser Arbeit, nur hört man häufig die Klage, daß es allgemein an Dick- murzpflanzen mangelt. Der Klee ist außerordentlich gewachsen, der zweite Schnitt wächst rasch heran, sodaß ei den Landlenten an Grünfutter nicht mangelt.

* Darmstadt. Zum provisorischen Nachfolger des in Ruhestand getretenen Kabinetsbibliothekars Dr. L e n n e r t ist Reallehrer und Schriftsteller W. H o l z a m e r aus Heppenheim bestimmt worden.

** Darmstadt, 8. Juni. Der Großherzog hat am

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t- Md Ein™»eW® j 4. Juni den Oberkammerherrn Karl Freiherrn Schenck j u Schweinsberg auf sein Nachsu.hen von den Funktionen des Oberkammerherrn enthoben und ihm ben Titel und Rang eines Oberstkammerherrn verliehen. Darmstadt, 8. Juni. Der Großhcrzog wohnte heute vormittag den Besichtigungen des Garde-Dragoner- Regiments Nr. 23 und der 2. Abteilung des Groß- herzoglichen Artillerie-Corps durch den kommandieren­den General aus dem Truppenübungsplatz bei.

* Ordensverleihungen. Der Großherzog erteilte am 31. Mai dem Oberfinanzrat Dr. Ferdinand Rohde und dem Geheimen Finanzrat Dr. Paul Götz die Er-

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laubnis zur Annahme und zum Tragen des ihnen von dem Regenten der Herzogtümer Sachsen-Coburg

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und Gotha verliehenen Ritterkreuzes I. Klasse des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens.

Darmstadt, 9. Juni. Der Verein hessischer Lehrerinnen hielt am Samstag nachmittag im hiesigen Rathaussaal unter dem Vorsitz der Frau Lili W o l f s k e h l seine diesjährige Generalversammlung ab, die sehr gut besucht war. Die Großherzogin hat das Protektorat über den Verein niedergelegt; die Vor­sitzende bat, sich zum Zeichen der Anerkennung Vonden Litzen zu erheben. Fräulein S. Wider erstattete den Kassenbericht. Danach betrugen die Einnahmen ins­gesamt 8915.60 Mk., die Ausgaben 8513,47 Mk., wovon 15316 Mk., bezw. 4625,95 Mk. auf den Betrieb des Lehrerinnenheims entfallen. Nach dem Jahresbericht betrug die Zahl der ordentlichen Mitglieder 117 mit 1190 Mk. Beiträgen, die der außerordentlichen Mit­glieder 258 mit 2245 Mk. Beiträgen; die Mitglieder- :ahl hat eine kleine Verminderung erfahren. Das Ferienheim in Auerbach, zu dem der Großherzog wieder die Räumlichkeiten zur Verfügung stellte, war vom 25. Mai bis 9. Oktober von 8 Lehrerinnen in 80 Tagen besucht. Das Lehrerinnenheim hatte 5 Insassen mit 2156 Mk. Einnahme und 27 Passantinnen mit mit 1411,10 Mk. Einnahme: Oberregierungsrat Weber machte hierauf Mitteilungen über die beabsichtigte und im vorigen Jahre bereits prinzipiell genehmigte !Errichtung eines neuen, größeren Ge­bäudes für das Heim. Die Versammlung er­warte sich für die A u s f ü h r u n g eines Projektes in der Höhe des Kostenvoranschlags von 114000 Mk

* Mainz, 9. Juni. Ein eigenartiger Unfall er eignete sich gestern Abend im Centralbahnhof beim A innlaufen eines von Bingen kommenden Zuges. In einem Wagen 4. Klaffe fiel der glühende Zigarren- st«mpfen eines darin befindlichen Turners einem anderen in den Halskragen und rollte den Rücken hinab. Dieser Hrie nun wie wahnsinnig vor Schmerz und stürzte in

Dienstag, den 10. Juni 1902.

Gießener

wilder Flucht aus dem Wagen hinaus, wobei er zu Fall kam und in größter Gefahr schwebte, von dem noch nicht stille stehenden Zuge überfahren zu werden. Als man dem sich vor Schmerz am Boden Wälzenden endlich den Rock auszog, zeigte sich eine große Brand­wunde im Rücken.

* Mainz, 9. Juni In der vergangenen Nacht wurde der Lackirer Friedrich Rech von dem 44jährigen Hausburschen Johann Keller auf der Straße durch einen Messerstich in das Herz getötet. Der Erstochene hatte mit der Ehefrau Keller schon seit mehreren Jahren ein Verhältnis. Der Thäter wurde in seiner Wohnung verhaftet.

* Mainz, 9. Juni. Der Lackierer Friedrich Rech, welcher mit der Ehefrau des Hausburschen Johann Keller schon seit längerer Zeit ein Verhältnis unter­hielt, wurde heute Nacht von Keller nach vorher­gegangenem Wortwechsel erstochen. Der Getötete ist Vater von 6 Kindern. Keller und seine Frau wurden verhaftet.

* Was ein Häkchen werden will. Der „M. A." er­zählt aus dem Leben eines Taugesnichts: Zu einem hiesigen katholischen Pfarrer kam ein 9jähriger Knabe eines Taglöhners, behauptete seine Mutter sei krank und er habe keine Schuhe anzuziehen. Der Geistliche gab dem Knaben 2 Mark, welches Geld er alsbald ver­jubelte. Vorgestern kam er wieder zu dem Geistlichen und erklärrte, seine Mutter liege am Sterben, er möge sie doch mit den Sterbesakramenten versehen. Die ganzen Angaben des Knaben stellten sich als unwahr heraus, auch hatte er eine falsche Adresse über die Wohnung seiner Eltern angegeben.

m Wabern, 9. Juni. Das gestrige Sängerfest hat leider einen traurigen Ausgang genommen. Zwei Burschen, einer aus Lemdorf und der andere von hier, warben beide um die Gunst eines Mädchens. Der Neid und die Mißgunst brachte schließlich den von hier gebürtigen Burschen so in Jähzorn, daß er seinem Nebenbuhler ein Messer in den Leib stach. Die Därme traten aus dem Leibe hervor. Der Schwer­verletzte wurde nach Marburg transportiert, gab aber bereits unterwegs seinen Geist auf. Der Ver­storbene ist 24 Jahre alt und erfreute sich des besten Rufes.

br. Neu-Ulrichstein, (Oberhessen) 9. Juni. Dem Monats-Bericht der hiesigen Arbeiter-Kolonie zufolge befanden sich Ende Mai auf der Kolonie stellen- resp, arbeitslos 56 Mann. Von diesen kommen nach der Geburt auf Hessen 7. Seit Bestehen der Anstalt wurden 4333 Mann ausgenommen.

Uermifcbks.

* Einjährig-freiwillige Lehrer. Von den zum 1 April und 1. Oktober des Jahres 1901 zum Militärdienst einge­zogenen Volkèschnllehrern haben als Einjährig-Fceiwillige ge­dient in der Rheinprovinz (mit Ausschluß von Trier und Cleve) 41 unter 205 gleich 20 pCt., in Westfalen 17 unter 70 gleich 24,28 pCt., in Hannover 67 unter 143 gleich 44,06 pCt., in Schlesien 55 unter 183 gleich 30,05 pCi., in Brandenburg 16 unter 109 gleich 25,74 pCt., im König­reich Sachsen 43 unter 167 gleich 25,75 pCt. und in Bayern 137 unter 165 gleich 83 pCt. der Gesamtsumme Den größten Prozentsatz weist nach vorstehenden statistischen Mitteilungen das Königreich Bayern auf.

Heidelberg. Der Universitäts-Oberbibliothekar Hof­rat Professor Dr. Karl Zangemeister, der geschätzte Epigraphiker und klassische Philologe, ist am Sonntag, 65 Jahre alt, gestorben.

* Hamburg. Pastor Frenssen aus Hemme, der Verfasser von „Jörn Uhl", wird zum Herbst sein Pfarramt niederlegen, um sich vorläufig ganz der Schriftstellerei zu widmen.

Berlin, 10. Juni. Heute sind es 50 Jahre, daß Paul Heyse an der Berliner Universität zum Doktor der Philosophie promovirt wurde.

München, 9. Juni. Ein hiesiger Buchbinder hat heute Nacht augenscheinlich im Irrsinn feinem sechs­jährigen Söhnchen mit einem Rasiermesser den H a t s ducchgeschnitten und sich dann selbst schwere Schnittwunden beigebracht.

h. München, 6. Juni. Heute abend 3/<7 Uhr lauerte der 33jährige Friseur Konstantin Kentros aus Patras in Griechenland der 18jährigen, in der Schweiz ge­borenen und nach Hofheini bei Höchst am Main zu-

Jus«rtio«Spreiö : Die einspaltige Petit, eile für Eichen wie ganz Oberhessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Ps, sonst 15 Pfg.,- Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

RedaMon und Expedition: Eichen, Neuenweg 28.

ständigen Buchhalterin Therese Heinrich, mit einem Revolver auf und schoß des Mädchen nach kurzer Unterredung mitten in das Herz. Der Tod trat sofort ein. Dec Thater wollte sich hierauf selbst erschießen, brachte sich jedoch nur eine ungefährliche Wunde in der Magengegend bei.

Aus Bayern. Die „Münchener Post" hat in dem klerikalen „Straubinger Tagblatt" folgendes Inserat aufgegabelt:

„Bekanntmachung. Am Sonntag den 8. Juni c. Nachm. 2 Uhr werden in Mariaposching KW"-Kost - kinder öffentlich an die Mindestbietenden versteigert. Gemeindeverwaltung Maria­posching."

Die Gemeindeverwaltung Mariaposching steht nicht vereinzelt da. In den meisten bayrischen Landgemein­den wird es nicht anders gemacht.

Augsburg, 6. Juni. Vorgestern Abend erloschen in Landsb er g a. L. plötzlich alle elektrischen Lampen und die ganze Stadt lag buchstäblich im Dunkeln. Und die Ursache? Die Betriebskraft des Elektrizitätswerkes liefert der Mühlbach und in diesen war ein Pferd ge= stür tzt. Um eS lebend herauszubringen, mußte das Wasser abgelaffen werden und dadurch kam das Werk einige Zeit zum Stillstand. Die Bürger fanden das zwar nicht ganz in Ordnung, beruhigten sich aber, als sie hörten, daß der Gaul dem Bräuer gehörte, der zur Zeit das beste Bier hat.

* Hannover, 6. Juni. Die That einer Wahn - finnigen versetzte gestern Abend die Bewohner des Hauses Marktstraße 21 in große Aufregung. Im bezeichneten Hause wohnt die Witwe eines Lehrers bei den Eheleuten Iser­mann. Gegen 9 Uhr bat die Lehrerswitwe, die sich an­geblich unwohl fühlte, um ein Glas Wasser, welches ihr Frau Isermann auch besorgte. Als Letztere dann in dem Zimmer der Lehrerèwitwe war, ersuchte diese die Frau Isermann auch noch, doch das Bett zu machen. Während Frau Isermann auch das that, verriegelte die Lehrerswitwe plötzlich die Thür, ergriff ein bereitgestelltes Beil und hieb damit auf Frau Isermann ein unter dem Rufe: „Ich will geköpft werden und muß deshalb einen Mord begehen!" Auf das Hilfegeschrei der so hinterlistig Ueberfallenen brachen die Hausbewohner die Thür auf und befreiten als­dann die bereits arg zugerichtete Frau Isermann aus den Händen der Wahnsinnigen, die darauf nach der Bult ge­schafft wurde. Der Zustand der Mißhandelten soll bedenk­lich sein.

London, 9. Juni. Im Stadtteile Lambeth wurde von zwei Arbeitern eine zerstückelte Frauen- leiche gefunden. Die Leiche war in zehn Stücke zer­sägt und zerschnitten. Der Kopf war zum Teile ge­kocht, das Rückgrat war an zwei bis drei Stellen ge­brochen und der Rumpf anscheinend auch gekocht. Die Arme und Beine waren geröstet worden, die Hände und Füße fehlten. Vom Thäter fehlt jede Spur.

* Paris. Die preußische Rettungs-Medaille hat am Samstag der deutsche Kaiser an einen französischen Soldaten von der 7. Komp, des 39. Jnf.-Reg. ver­liehen. Der brave Soldat hatte, als er sich kürzlich in Deutschland aushielt, ein Kind aus der Nähe vom Tode des Ertrinkens gerettet.

* „Haben Sie nicht den kleinen Cohn gesehen? Dieses geflügelte Wort, welches lange Zeit die gesell­schaftliche Unterhaltung der Reichshauptstadt ebenso beherrschte, wie früher die nicht minder geistreiche „Holzauktion im Grunewald", das bis zu uns ge­drungene schöne Lied vom „Bienenhaus" u. a., wird nun wohl bald außer Kurs gesetzt werden; denn im „Berliner Tageblatt" findet sich soeben folgende Epoche machende Bekanntmachung: „Der kleine Cohn ist da! Dies zeigen hocherfreut an Willy Cohn und Frau Else geb. Wolff. Schöneberg, 31. Mai 1902, Maxstraße 25."

Was in der Stadt und auf dem Lande vorgeht

melde man den „Gießener Neueste Nachrichten."

Berichterstatter in allen Orten der Kreise Gießen, Butzbach, Friedberg, Wetzlar und Marburg erwünscht

„©ie^ttter Neueste Nachrichten".