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Nr. 209.

Dienstag, den 9. September 1902.

11. Jahrgang.

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«Siebener Tageblatt)

Unabhängige Tageszeitung

(Hießener Weitung)

für Oberheffen und die Kreise Macbucg und Wetzlac; Lokalanzeiger für Gießen unb Umgebung.

Druck unb Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei (gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

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Crgani|ttwn und Ttandeöbetvuhgein im Handwerk

(Nachdruck verboten.)

Man klagt häufig über den Mangel an Gemein- gefühl bei den selbständigen Handwerkern und verweist dabei auf die übrigen Stände, die im allgemeinen in der Oeffcntlichkcit ein entschiedeneres Auftreten zeigen. Fehlt es dem Handwerk etwa an Formen, in denen sich die Handwerksmeister zusammenschließen können? Keineswegs, wenn man sieht, wie vielerlei Ver­einigungen gegenwärtig bestehen.

Die älteste Organisationsform, die Innung, ist noch die häufigste und wird hie und da, von früher her, Zunft, auch Amt oder Gilde genannt. DasHand- wcrksgesetz von 1897 schuf den Unterschied zwischen Zwangs- unb freien Innungen. Beruflich hat es von I jeher reine Fachinnungen, Innungen verwandter Ge­werbe und gemischte Innungen gegeben. Die Innungen können sich nach mehr örtlichen Bedürfnissen zu Znnungsausschüssen vereinigter Innungen, nach zumeist sachlichen zu Jnnungsverbänden zusammenschließen, und aus solchen hat sich dec Centralausschuß vereinigter Jnnungsvecbände in Deutschland gebildet. Biele Hand­werker, die dem Jnnungswcsen abgeneigt sind, haben sich freien Gewerbevereinen oder Handwerkervereinen angeschlossen. Außerdem haben wir freie Handwerker­bünde, meist provinzieller Natur, die Genossenschaften in verschiedenen Arten, dann Arbeitgeberverbände, Ge­sellschaften (z. B. die Gesellschaft für Mechanik und Optik) und die alle organisierten wie Nicht­organisierten Handwerker umfassenden Handwerks­kammern, in Sachsen und den Hansastädten dafür Ge- Werbekammern.

Formen für die Organisation sind also reichlich, viel­leicht zu reichlich vorhanden, sodaß mitunter daraus Reibungen entstehen, bie dem Zusammenhalt des Ganzen nichts w-Niger als förderlich sind. Auch die Beteiligung an diesen Organisationen ist nicht so schwach, daß sich im Vergleich zu den übrigen breiteren Erwerbsständen ein starkes Mißver­hältnis ergibt. Gewiß steht ein großer Teil der Handwerker noch abseits jeder Organisation, gleichgiltig oder gar feind­selig gesinnt, aber bei den Landwirten, Kaufleuten, Arbeitern ist die Zahl der organisirten im Verhältnis zu den nicht- orgamsilten Standesmitgliedern schwerlich viel größer als m Handwerkerstande. Wenn trotzdem der Handwerkerstand heuzutage mehr als jeder andere Stand zurückgedrängt er­

scheint, jo liegt dies weniger an dem Umfang seiner Organi­sation, so dringend notwendig dieselbe auch weiter auszu­bauen ist, als an dem geringen Standesgefühl Trotz der zahlreichen Vereinigungen macht sich das Standesbewußisein im öffentlichen Leben, und zwar sowohl im Verkehr mit dem Standesgenossen, wie mit den Angehörigen der anderen Stände, viel zu wenig geltend. Es kommt eben nicht blos darauf an, Vereinigungen zu begründen, sondern noch viel mehr, diese mit regem Geiste zu erfüllen und in den Mit­gliedern rechtes Standesbewußtsein zu erwecken. Daraus ergibt sich dann ein lebhaftes Gemeingefühl, und daß es mran jetzt nur zu oft gebricht, wer möchte es bezweifeln? Soll man deshalb aber nur klagen oder verzweifeln? Ist es nicht im Gegenteil immerhin anzuerkennen, daß noch ein beträchtlicher Teil der Handwerker sich so viel Interesse für den gemeinsamen Stand erhalten hat, daß man darauf für die Zukunft weiter bauen kann? Man bedenke nur, aus wie vielen Berufsarten sich di ser Stand zusammensetzt, deren Thätigkeit unter einander vielfach so verschieden ist, daß man beinahe zweifeln könnte, ob sie überhaupt einem gemeinsamen Stande angehören, wenn nicht zwischen den weit abstehenden andere die Verbindung herstellten und außerdem eine vielhundertjährige Vergangenheit bis auf den heutigen Tag fortwirkte, trotzdem die Gewerbefreiheit seit einem Menschenalter die früheren Bedingungen für den Zutritt zum Stand aufgehoben hat und auch im übrigen eine mehr oder minder starke Veränderung seiner Grundlage einge- treten ist.

Das gesunkene Standesbewußtsein im Handwerk ju heben, dazu sind alle seine Organisationen berufen, jede nach ihrer Art und nach ihrem Wirkungskreis. Sie können sich vielfältig ergänzen und oftmals gegenseitig fördern, getrennt marschieren und vereint schlagen. Wenn die älteren Organisationen sich beschweren, daß sie an äußerem Ansehen nicht wenig eingebüßt haben namentlich durch die neue Einrichtung der Haudwerks- kammcrn, so mögen ihre Mitglieder doch das Ganze ins Auge fassen und bedenken, daß vordem nur ein Teil dec Standesgenossen verbunden war, während die Kammern in ihrer Gesamtheit eine Standesvertretung sämtlicher Handwerker dacstellen. In weiterem Sinne als dec Begriff derZünftigkeit" in früheren Jahr­hunderten bedeutet jetzt die Zugehörigkeit zur Hand­werkskammer auch die Zugehörigkeit zum Handwerker­stände. Damit ist besonders bm Kammern die Hebung des Standesbewußtseins im Handwerk von selbst als eine der vornehmlichsten Aufgaben zugeteilt; sie können und werden sie umfangreicher durchführen als die

übrigen OrganisationSsormcn, aber indem sie diese nicht zu schwächen, sondern vielmehr zu stärken suchen und dabei stets das Wohl deS Ganzen im Auge behalten.

DerMarkomannia"-Fall.

Ueber die schnelle Erledigung, welche der Marko- manrna-Zwifchenfall durch das Eingreifen deS KanonenbootesPanther" gefunden hat, liegt folgende amtliche Nachricht vor: Der Kommandant deSPanther", Korvettenkapitän Eckermann, hatte den Befehl er­halten, das seeräuberische KanonenbootCrote-ä-Pierrot" aufzubcinaen. Der Dampfer begab sich deshalb von Port au Prince nach GonaiveS, wo ec den-ä. Pierrot" vollkommen überraschte. Es wurde nunmehr von dem deutschen Kommandanten folgendes Ultimatum gestellt:Flagge innerhalb einer Viertel - Stunde streichen, das Schiff räumen und keinerlei Gefechts- Vorbereitungen treffen, sonst erfolgt sofortiger Angriff." Dec ^Panther" hatte schon vorher klar zum Gefecht ge- macht. Die Flagge wurde hierauf innerhalb der ge­gebenen Frist gestrichen undErète-ä-Pierrot" von der Mannschaft verlassen.Panther" hatte die Absicht, den Erete-L-Pierrot" hierauf ins Schlepp zu nehmen, bald jedoch erfolgte, offenbar durch die Mannschaft des Crete-ü-Pieccot" absichtlich hervorgerufen, eine Explo­sion in der Hinteren Pulverkammer, welcher daS Achter, schiff zerstörte und in Brand setzte. Hierauf wurde daS -Jnsschleppnehmen durch denPanther" unmöglich, da eine weitere Explosion nicht ausgeschlossen war. Da aber außerdem hierin ein feindlicher Akt erblickt werden mußte und die vorderen Geschütze noch gebrauchsfähig waren, ließ der Kommandant desPanther" auch oie vordere Pulverkammer und die Kessel durch Granat- feuer zur Explosion bringen. Als dies geschehen war, brach decCrete-ä-Piercot" auseinander und sank. Der Admiral befand sich bei den Rebellen an Bord. Go- naives ist in den Händen dec Rebellen.

Aus dem amtlichen Berichte über das Rencontre geht weiter deutlich hervor, daß es sich dabei nicht um eine politische Aktion, sondern lediglich um die Bestraf­ung einer That gehandelt hat, die sich nach der Auf­fassung dec diplomatischen Vertreter in Port au Prince als Seera ub qualifiziert. DaS deutsche Kanonen­boot wäre sonst nicht nach vollzogener Strafe nach Port au Prince zurückgekehrt. Kriegerische Lorbeeren zu ernten, hat sich dabei keine Gelegenheit gefunden, aber es fehlt nicht an Blättern, die die Exekution im Lichte

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In eigener Sache Richter.

Roman von L. Haid heim.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Der Schweiß stand ihm auf der Stirn -. Gott sei Dank- war irgendwo ius^Freie geraten. Da sonnte er seine Ver- m . - - ------ Jenn sein? Keine Rettung? Keine?

..ann ein Gras Ebern leben nach einem solchen Geständnis wie er es machen mußte? Burkard würde leben würde glücklich Maria - sie hatten Kinder -. *

âKen ihm diese Gedanken aber schon wieder unter n b^lgenen Qual und Not. -

qahr rtpnh1^^ kam er zum Tode ermüdet um zehn E , Mehend, ru Haus.

trieben 5 ^, diesen Stunden der Verzweiflung umherge- voi d?m Se^ Moment stand er in seiner Stube

Pistolen standen ^ hU "^ dem in einem eleganten Kasten seine

er war irgendwo ins Freie g zweiflung austoben. Muß es d Kann ein Graf Ebern leben nc

baraÄ^Ä klugen brannten sich förmlich

., »N"E nicht!" murmelte er.Erst beichten " Dab biefe «eubte unerläßlich, das war a-wiß" und dann - dèr Tad °

War fböt fast schon Mittag am anderen Taae als er erwachte; nicht langsam, sondern mit einem Scklaae

-°, Kli»!°° 2°è-HèS

_ Der Tag war grau; unfreundlich und ränkisck subr baran nieder ^ Irrster und schlug prasselnde Regenschauer

Wie öde und unwirtlich sah die Welt heute aus.

^i Dank! Sonnenschein hätte ihm seine Aufgabe wollte'« Mlibni ^ bei T"g "ur erst hin! Bis zum Abend ^rt gerade jetzt zu sterben, wo ihm sein Leben zum «Uten Mal sonnig und heiter geworden!

Til ^ Nachdenken. Nur nicht schwach werden! In tn7rSUl feinem Willen nicht gewachsen sein

ÄVÄ ^W ^&^ E' l^te

MeÄÄ'n mâW"' Ä ÄÄ liebte mich selbst und als ein frei« Mam", Ute « k einmal

ganz laut, oder vielmehr ein unbezwingliches Etwas zwang ihn, es sich so zu sagen, während er sich doch unausgesetzt Mühe gab, nicht daran zu denken. Frei sterben! Das war ein Trost!

Die Hauswirtin klopfte und brachte ihm den Kaffee die Zeltungen.>

Nach den letzteren griff er mit hastiger Hand. Zuerst fand er lange nicht was er suchte dann eine ganz kurze Notiz:Die Verdachtsmomente gegen den Baron von Frohberg häufen und verdichten sich. Der Cavalierklub, dem er seit einiger Zeit ange­hört, wird Stellung zu der Angelegenheit nehmen müssen."

Nichts weiter. Man konnte es von diesem Blatt, dem Organ der vornehmsten Kreise, auch füglich nicht anders erwarten.

Eine grau-grünliche Blässe zog über sein Gesicht, sprang auf stürzte nach dem Seitentische.

Nein! Nein! Erst! Mit der Schande durfte er Burkard nicht zurücklassen! Erft das Bekenntnis.

O, Gott! und so so gehen zu müssen zu müssen ohne Widerspruch jetzt gerade, wo das Leben ihm so schön erschien so ganz all' seinem Sehnen früherer Jahre entsprach. Gehen zu müssen ganz unbeweint!

Er preßte das Gesicht in die Hände.

Sterben! Sterben müssen! Sterben zur Sühne!

Aber leben? So weiter leben?

Das gab ihm seine Entschlossenheit wieder.

Er hatte sich gestern einen festen Plan gemacht; der war gut, den wollte er einhalten. _

Aus seinem Schreibtisch nahm er das wenige Gew, was er noch von Ungarn zurückgebracht. Es genügte. Burkard würde ihm zum ersten seine Vierteljahrsrate schicken lassen die kam dann zu spät. w

Obenauf in der Schublade lagen ein paar Brieschen von Frauenhand er zerriß sie mechanisch und warf sie gedankenlos auf die Erde. Mn wollte er schreiben. ... . <

Da klopfte es. Brucheisen war es, den er auf btefe Stunde bestellt und an den er noch nicht gedacht hatte.

Nia)t für jetzt. Später erst gegen Aoend.

Aber nun war er da und das gute, alte Gesicht lachte ihm so herzlich und treu entgegen.

Wie ein Retter erschien er ihm -. .

Nun, mein Junge, was -? Willst Du auszlehen? nef der alte Herr vergnügt.

Ja, Onkel Brucheisen - Wohnungswechsel! .

Aber warum?" Es scheint mir ein hübsches em recht hübsches Quartier?"

^iegt mir nicht gelegen! Haben Sie Kaffee getarnten, Onkel Bruchcisen?"

Der Alte lachte, daß ihm der Bauch schüttelte.

So ein Mensch! Ich, Kaffee? Um 7 Uhr pünktlich und dann hinaus ins Freie! Ganz wie sonst!"

Undheute frilhstücken wir zusammen bei Gebrüder Mouiüardl Kommen Sie, wir gehen gleich." , . ,

Es kam Jemand.Ah -? Das - das wird Herr Sordegni sein? Er hatte mich zum Diner bestellt Sie auch! - Jetzt kommt er wegen der Zeitung!" unterbrach fich Graf Joseph erbleichend.

Ja so, freilich! Darnach wollt ich Dich ?"

Graf Josephs Ahnung war richtig gewesen, ganz richtig, wie es Menschen in großer Aufregung begegnet. In der Brusttasche von Sordeguis Ueberzieher steckten die Zeitungen er sah erhitzt und zornig aus.

Ulmin, In der

Sein erster Blick fiel auf die offen am Boden liegende Zeitung Josephs.

Haben Sie es auch gelesen dies Schandblatt?" rief er sofort, nahm es von der Erve, sah den Titel und warf eS wieder hin.Hier hier dies lesen Sie!"

Joseph Ebern nahm es mechanisch und suchte zu lesen; aber die fahle, erschreckende Blässe auf seinem Gesicht fiel jetzt beiden alten Herren auf.

Ihre Blicke begegneten sich.Das begreift ftdk* sagte Sordegni, während Brucheisen nichts begriff und nur voll Schreekm auf Joseph starrte.

Ob der gelesen? - Den Sinn der Worte derstarrten $ Es blieb unklar.

Dies wird sich alles aufklären", sagte er dumpf.

Aber hohe Zeit ist es!" rief Sordegni.Sie kommen doch gleich mit? Und Sie, mein Herr? Ich sah gestern ihre So gruBung und ersuchte den Herrn Grasen gleich"

Gewiß! Gewiß ich sagte Ihnen schon /

Wie geistesabwesend ging Graf Joseph durch das Zimmer, nach der anderen Thur, zu feiner Kammer.

Er hatte sich Alles so gut zurechtgelegt - einen Tag wollte er nog) leben abends bieten beiden alten Männern oekennen rÄte® Ä Tu^-Ä ÜÄÄ SoSÄn'imÄaut8,Onn **M' |(5ortfe&ung*fo(g

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