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Nr. 156.
Erstes Blatt
Mittwoch, den 9. Juli 1902.
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Abonuementspreis : in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in'S HauS gebracht 60 Psg., durch die Post bezogen vierteljährlich Mk. 150.
(Gratisbeilagen : Cberbefftf^e gfamUteNzettu.g (täglich) Qberhesfische Zeitschrift für ^"dwtrtschaft, Cbfbnnb (Gartenbau, sowie die (Gießener Seifenblasen wöchentlich). DaS Blatt erscheint an alle« Werktagen nachmittags.
Gießener
11. Jahrgang.
IusertiovSvrelS : Die einspaltige Petit,eile für Gießen wie, ganz Oberbtssen. die .Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklame« die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3032.
Redaktion und Expeditton: Gießen, iNeuenweg 28.
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Deiteke Hkachrichlen
(Gießener Dagevtatt)
Zlnaöhängige Tageszeitung
(Gießener Aeitung)
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für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
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Druck und Verlag der Gießener VerlagSdruckerl-i, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei, (gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gieße
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Was bieten die „Giessener neueste Nachrichten ' ihren Lesern?
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Die „Gießener Neueste Nachrichten" wollen zur politischen Aufklärung Jedermann beitragen und die Interessen aller Stände, vornehmlich die Interessen des gesamten Bürgerstandes und der wirtschaftlich Schwachen vertreten. Die „Neuesten Nachrichten" dienen keiner ausgesprochen politischen Partei, aber weniger dem Interesse eines Einzelnen.
Die „Gießener Neueste Nachrichten besprechen in zahlreichen Original-Leitartikeln und einer sorgfältig ausgearbeiteten politischen Rundschau die spolitischen und wirtschaftlichen Tages- und Zeitfragen in unabhängigem Sinne und Geiste.
Täglich werden der Redaktion die wichtigsten Nachrichten aus aller Welt durch eins der größten Depeschen-Bureaus auf dem sichersten und schnellsten Wege übermittelt.
Zahlreiche Korrespondenten aus dem gesamten Uerbreitungsgebiete unseres Blattes teilen alles Wissenswerte in volkstümlicher und kerniger Form mit, decken vorhandene Mißstände auf und geben so ein interessantes und treues Spiegelbild des ländlichen Lebens. —
Im lokalen teil werden die Tagesneuigkeiten zur Kenntnis gebracht, kommunale Fragen und Wünsche besprochen, die Erscheinungen des Vereinslebens registcirt, über die Stadtoerordnetenfitzungen unterrichtet. Das künstlerische Leben unserer Stadt: Theater, Konzert 2c. wird in eingehenden Besprechungen verfolgt.
Vorzügliche Romane, Feuilletons aus allen Gebieten, praktische Mitteilungen verschiedenster Art, juristischer Fragekasten, allgemeiner Briefkasten bieten des Unterhaltenden und Belehrenden eine Fülle. — In den Beilagen:
Oberbesfifcbe 'Familienzeitung (täglich) kommen vorzügliche Romane zum Abdruck, dabei ist für unsere Kleinen eine Rätselecke mit eingefügt. Packende Gedichte werden die Leser ebenfalls darin finden. Die Giessener Seifenblasen (wöchentlich) sorgen für den nötigen Witz und Humor und in der Oberbesfifcben Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau (wöchentlich) finden unsere Landwirte und Gartenbesitzer reiche Anleitungen und Belehrungen für die Bewirtschaftung ihrer Ländereien und für die Haltung aller nützlichen Haustiere; den schädlichen Tieren wird zur passenden Zeit ein Wort für deren Vernichtung und Bekämpfung geschrieben.
Unablässig ist die Redaktion der „Gießener Neueste Nachrichten" bemüht, den Kreis des Gebotenen zu erweitern, ausgehend von dem Gedanken, daß für das Bott das Beste gut genug ist.
Man abonnirt für 60 Pfg. pro Monat bei freier Zustellung (incl. der drei Beilagen) bei unsern Trägern, in der Expedition, Gieße«, Neuenweg 28, oder bei der Post.
Die Redaktion der „Giessener neueste Nachrichten".
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Was kann man gegen die Steigerung der Mietpreise thun?
Unser Ill-Mitarbeiter aus Frankfurt schreibt uns: Wie bekannt, werden jetzt im Anschluß an den Erlaß der preußischen Ministerien des Innern und der Finanzen in verschiedenen Städten laut höheren Auftrags Erhebungen über die Mietspreise angestellt. Mit Recht wende» die Behörden dieser wichtigen Frage ihre volle Aufmerksamkeit zu, denn nichts ist seit den siebziger Jahren so sehr im Preise gestiegen, als die Miets- wohnungen. Dabei sind diese nicht etwa in gleichem Verhältnis teurer geworden, wie sich die Durchschnitts- einnahmcn des Staatsbürgers seitdem vermehrt haben. Im Gegenteil! Ehemals wurde von den untersten Erwerbsschichten in dec Regel nicht mehr als ein Sechstel des Einkommens für die Wohnungen aufgewcndet. Heute aber sind die Mietswohnungen so teuer geworden, daß durchschnittlich weitaus mehr zur Bestreitung der Mieten verbraucht wird. Wenn sich manche Familien diese Lasten vielleicht auch durch Weitervermieten er- leichtcrn, so ist das immerhin ein sehr zweifelhafter u?9r?l$' ^enn man lveiß ja, daß das Vermieten an „möblierte Herren" und das großstädtische Schlafburschenwesen große Gefahren für Gesundheit und Sittlichkeit mancher Familien mit sich bringt
Auf die Mietspreise hat der seit einem Menschenalter gesunkene Geldwert, der die Bodenpreise, Zinslasten den Aufwand für Baumaterialien und Löhne erhöhtes einen bedeutenden, abef ganz natürlichen Einfluß ausgeübt. Hierzu kommt noch, daß inzwischen in größeren Gemeinden städtische Gas- und Wasserleitungen eingerichtet wurden, die naturgemäß ebenfalls die Preise erhöhten. Die schlimmste Preiserhöhung hat die Spekulation verschuldet. Das Baugelände und die fertigen Häuser sind eine Waare geworden und gehen von Hand zu Hand. Jeder Käufer will am Wiederverkauf verdienen und so steht manchmal ein Baugrund oder ein Haus in letzter Hand doppelt so hoch im Preise als beim ersten Besitzwechsel. Der Mieter aber ist der Packesel, der alle Lasten tragen muß.
Unter diesen Umständen ist es begreiflich, daß die öffentliche Meinung und die Regierung die Frage aufwerfen, ob nicht gegen eine solche allgemeine Preistreiberei vorgegangen werden muß. In verschiedenen
Städten ist das schon geschehen. In Frankfurt a. M. beispielsweise hat die Stadtverwaltung vor den Thoren ihren Grundbesitz durch Landankäufe erweitert und, sobald ein Teil dieses Besitzes in Baublocks umgewandelt und verkauft war, auch dementsprechend aufs Neue anstoßendes Land angekauft. Neuerdings hat die Stadt in Aussicht genommen, auch unter Anwendung des Erbbaurechts eigene Häuser zu bauen. Das Erbbaurecht ist bekanntlich Errungenschaft des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches und gestattet es, daß man auf einem für 100 Jahre gepachteten Grund und Boden eigene Häuser erbauen kann. Die Miete muß jährlich entrichtet werden; nach 100 Jahren aber fällt das Haus dem Besitzer des Grundes und Bodens zu. Die Stadt macht aber die Bedingung, daß die einzelnen Häuser nur zum Anschaffungspreis weiter verkauft werden dürfen. Dadurch ist mit einem Schlage die Spekulation beseitigt.
Andere Städte, wie Ulm beispielsweise, haben auf eigenem Grund Häuser errichtet und diese an Arbeiter mit der Bedingung, die als sog. Servitut in das Grundbuch eingetragen wurde, verkauft, daß sie die Häuser nur mit Genehmigung der Stadt und nur zu einem bestimmt festgesetzten Preise weiter geben dürfen.
Napoleon der Hl., der in Mühlhausen i. E. für die dortige Fabrikbevölkerung Mietshäuser bauen ließ, hat es versäumt, die Bedingung zu stellen, und siehe da, nach einiger Zeit war die tollste Spekulation wieder flott im Gange. Die Arbeiter wohnten teuerer als zuvor.
Soll eine weitere Steigerung dec Mietspceise verhütet werden, dann ist dreierlei notwendig: Der Baugrund muß billig sein, der Zinsfuß für die Baugelder niedrig und eine bequeme Tilgung der Kaufsumme muß ermöglicht werden. Inwieweit kleinere Städte sich die Wohnungspolitik der größeren Städte zu eigen machen sollen und können, werden wir in einem späteren Artikel darlegen.
Krönungs-Pläne.
Die „Times" kündigt im ersten Leitartikel an, daß der König, wenn nichts Unerwartetes dazwischen komme, im August gekrönt werde. Es spreche sehr viel
dafür, daß der König die Krönung ducchmache, ehe er zur Herstellung seiner Gesundheit sich für längere Zeit von der Arbeit zurückziehe. Wenn die Krönung im August stattfinde, müsse das glänzende Zeremoniell bedeutend verkürzt werden, doch würden dann die Soldaten aus den Kolonien und die indischen Soldaten noch hier sein und bei dem Krönungsaufzuge verwendet werden. — Der „Daily Mail" zufolge spricht man davon, daß die Krönung am 12. oder 19. August stattfinden solle. In den nächsten zwei, drei Tagen werde der König von den Aerzten genau untersucht werden, worauf eine offizielle Ankündigung betreffs der Krönung erfolgen werde. — Der „Standard" bringt eine offenbar von einem Arzte geschriebene Darstellung des gegenwärtigen Zustandes des Königs, worin es heißt: Man könne nicht von einer baldigen Krönung sprechen, wenn die Zeremonie nicht fast ganz privater Art sein solle. Ein Mann mit einer offenen Wunde, die noch immer stark absondere, könne keine öffentliche Zeremonie durchmachen, die anstrengend sei, auch wenn man sie noch so abkürze. Der „Manchester Guardian" schreibt, dem Könige sei sehr darum zu thun, so bald wie möglich gekrönt zu werden. Er könne die Luftveränderung und die Ruhe nicht völlig genießen, ehe die Krönung nicht stattgefunden habe. Der König werde darum, wenn alles gut gehe, gekrönt, ehe sich das Parlament im August vertage.
Politische nachrichten.
Berlin. Der Reichs-Anzeiger veröffentlicht die Verleihung des Kronenordens 1. Klasse an Geheimrat Krupp und die Ernennung des bisherigen außerordentlichen Professors an der Universität Tübingen Dr. Theodor Paul zum Direktor des kaiserlichen Gesundheitsamtes.
* Graf Ballestrem soll fort, nämlich auâ dem Mandate des Kreises Gleiwitz i. O.-S. Die Polen stellen dem Zentrum die Wahl: Entweder erklärt sich das Centrum damit einverstanden, daß im Wahlkreise des Grafen Ballestrem ein polnischer Canditat aufae- stellt wird — oder Zentrum und Polen spalten sich und stellen ihre Sonderkanditatur auf. Darauf er. ^*^™ P*;"?^’ff®, Bif!-": "Söas den HerrnBallestrem sMT^' -r^ee ^ ^ /Sache gar nicht schwierig stellen. Das Centrum w .d in Oberschlesicn thun, was