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Nr. 130. Zweites Blatt.

Montag, den 9. Juni 1902.

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Abo»em««tspreis: in Lichen, ab,choll monatlich 50 Sfg , in'6 Hau« gebracht 60 Pfg , durch die Post bezogen viertel­jährlich Mk. 1.50.

«r-ti«b-il-gr»: Oberh.sfisch« rt.milt-«zkttu«,<i<iglick- Q Hertz«, fische Zeitschrift für 8e«»»trtf*aft, Cbfb »«b Sarteabau, sowie die ®ie8**er Seifenblasen lwochentlich). Da« Blatt erscheint an« Werktagen nachmittag«.

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________________11. Jahrgang.

J»sertio»SPr«iS - Die einspaltige Petitzeile für Sieben Wie ganz Oberhessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pf., sonst 15 Psg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Psg.

Postzeitun, «liste No. 3032.

Redaktion und Expedition : Sieben, Neuenweg 28.

Wusste Nachrichten

(Kießener Uag-Vtatt) Unabhängige Tageszeitung (Gießener Zeitung)

für Oberhessen unb die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Metzen und Umgebung.

Druck und Verlag der Siebener VcrlagSbruckerci, vorm. Wilh. Keller'schc Buchdruckerei (gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich^ Albin Klein, Sieben.

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DieGießener Neueste Nachrichten" wollen zur politischen Aufklärung Jedermann beitragen und die Interessen aller Stände, vornehmlich die In- teressen des gesamten Bürgerstandes und der wirtschaftlich Schwachen vertreten. DieNeuesten Nachrichten" dienen keiner ausgesprochen politischen Partei, aber weniger dem Interesse eines Einzelnen.

DieGießener Neueste Nachrichten besprechen in zahlreichen OrlginabEeltartikeln und einer sorgfältig ausgeacbeiteten politischen Rundschau die politischen und wirtschaftlichen Tages- und Zeitfragen in unabhängigem Sinne und Geiste.

T äglich werden der Redaktion die wichtigsten Nachrichten aus aller Welt durch eins der größten Depeschen-Bureaus auf dem sichersten und schnellsten Wege übermittelt.

Zahlreiche Korrespondent« aus dem gesamten Verbreitungsgebiete unseres Blattes teilen alles Wissenswerte in volkstümlicher und kerniger Form mit, decken vorhandene Mißstände auf und geben so ein interessantes und treues Spiegelbild des ländlichen Lebens. ,

Im lokalen Cell werden die Tagesneuigkeiten zur Kenntnis gebracht, kommunale Fragen und Wünsche besprochen, die Erscheinungen des Vereins­lebens registrirt, über die Stadtoerordneteusltzungen unterrichtet. Das künstlerische Leben unserer Stadt: Theater, Konzert re. wird in eingehenden Besprechungen verfolgt.

Vorzügliche Romane, Feuilletons aus allen Gebieten, praktische Mitteilungen verschiedenster Art, juristischer Fragekasten, allgemeiner Briefkasten bieten des Unterhaltenden und Belehrenden eine Fülle. In den Beilagen:

OberhesHfche familienzeitung (täglich) kommen vorzügliche Romane zum Abdruck, dabei ist für unsere Kleinen eine Rätselecke mit eingefügt. Packende Gedichte werden die Leser ebenfalls darin finden. Die fliessener Seifenblasen (wöchentlich) sorgen für den nötigen Witz und Humor und in der OberheHlscben Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau (wöchentlich) finden unsere Landwirte und Gartenbesitzer reiche Anleitungen und Be. lehrungen für die Bewirtschaftung ihrer Ländereien und für die Haltung aller n ü tzlichen Haustiere; den s chä blichen Tieren wird zur passenden Zeit ein Wort für deren Vernichtung und Bekämpfung geschrieben.

Unablässig ist die Redaktion derGießener Neueste Nachrichten" bemüht, den Kreis des Gebotenen zu erweitern, ausgehend von dem Gedanken, daß

für das Volk das Beste gut genug ist

Man abonnirt für 60 Psg. pro Monat bei freier Zustellung (incl. der drei Beilagen) bei Unsern Trägern, in der Expedition, Gieße«, Neuen­weg 28, oder bei der Post.

Die Kedaktion derGiessener neueste naebriebten.

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Der deutsch-amerikanische Petroleumring und die Dehörden Gießens.

Bekanntlich sind die Gemüter der Gießener «olonialwarenhändlec durch das Vorgehen des deutsch-amerikanischen Petroleumringes nicht wenig erregt und ohne Zweifel mit Recht. Als es in Gießen besannt wurde, daß die das Petroleummonopol er- I webende Gesellschaft sich auch hier niederlassen wolle und von der Stadt einen an der Margarethenhütte ge­legenen Lagerplatz zu pachten beabsichtige, begab sich Herr Nowack jr. zum Bürgermeister, um ihn zu er­suchen, den Platz ihm, dem Gießener, nicht aber ben fremden Unternehmern zu überlassen. Der Bürger­meister verhielt sich anfangs ablehnend. Das Ergebnis seines Gesuchs teilte Herr Nowack in einer vom hiesigen Detaillistcnverein einberufenen, die ganze Petroleum- angelegenheit diskutierenden Versammlung mit. Die Versammlung nahm damals einstimmig, eS waren etwa 80 Interessenten der Kolonialwarenbranche am toesenb, eine Resolution an, worin u. a. die Hoffnung ausgesprochen war, daß die Behörden Gießens ihr Vorgehen thatkräftig untersti'rtzten solle. Die Resolution Bipg zugleich mit der Abschrift eines Berichts der yiiestener ®anbel3tammer an das Ministerium, worin ein persisches Vorgehen der Regierung gegen den Standard-Oil-Trust empfohlen war, an die Bürger- meijterel ab. Eine in derselben Versammlung gewählte Deputation, bestehend aus den Herren Nassauer, Noll, Nowack, Tribus begab sich Ende Mai zuerst auf das Kreisamt, um auch hier vorstellig zu werden. Sie fand von Seiten des Provinzialdirektors und der Herrn RegierungSratS Wagner das beste Entgegenkommen. Auch der Herr Bürgermeister hat der Baudeputation dann später empfohlen, das Gesuch des Petroleumtrusts abzulehnen. Damit ist die Angelegenheit erledigt. Natürlich kann dec Trust nun Privatgelände mieten. Es ist aber zweifelhaft, ob er das thun wird, denn die hiesigen Grossisten kommen durch Trankwagen und alle sonstigen weiteren Bequem­lichkeiten ihren Arbeitern soweit entgegen, daß eine fremde Gesellschaft nur sehr schwer Boden gewinnen kann. Und wir Detaillisten und Konsumenten Gießens können uns nur solidarisch mit diesem Vorgehen ver­stehen. Mag hoffentlich einmal die Zeit kommen, wo man dem kleinen Beamten, Handwerker und armen

Mannc mit solchen die soziale Lebensunterstellung des Einzelnen schwer schädigenden ausländischen Machi­nationen verschonen muß. Das Geld gerade, welches wir für Petroleum, eines unserer täglichen Bedürfnisse ausgeben, würde in die Taschen der reichen Ameri­kaner wenden, wenn das Volk sich nicht zur Selbsthilfe aufrafft. Dies zur Aufklärung.

Hus Hessen und Nacdbargebieten.

Staufenberg. Kommenden 22. und 23. Juni, feiert der hiesige Kriegerverein fein 25. Stif­tungsfest. Die dem Verein vom Kaiser verliehene Fahnenschleife und eine Ehrentafel von der Krieger­kameradschaftHassia" werden damit dem Verein feierlichst überreicht werden.

* * Grüuingeu, 7. Juni. Gestern war hier Bürger- mei st erwähl. Neben unserem alten seit nunmehr achtzehn Jahren im Amte befindlichen Bürgermeister Wilhelm Gilbert hatten dessen Gegner einen besonderen Kandidaten und zwar den Landwirt Adam Marsteller, aufgestellt. Das Ergebnis war für G. 92 und für M. 62 Stimmen. Die Wahl verlief in etwas animierter Weise.

* Wetzlar, 9 Juni. Für das neue Seminar ist bereits Seminarlehrer Pa dderatz hier eingetroffen. Die Seminaristen, zunächst etwa 1820 an der Zahl, dürften heute ankommen.

§ Wetzlar. Die einzelnen Klaffen der vereinigten Realschule und des Realgymnasiums unternahmen am gestrigen Tage unter Leitung ihrer Herrn Lehrer den gewohnten Jahresausflug. Nach allen Richtungen, an die Lahn, die Wetterau, Taunus und Vogelsberg brachten die Eisenbahnzüge die jungen Ausflügler. Ueberall wurden die bekannten Höhepunkte erklommen und die schönen Städte besucht. Die Witterung war äußerst günstig, nur auf dem Heimweg wurden manche noch vom Regen überrascht.

o. AuS dem Kreise Wetzlar Es erwies sich als notwendig, die Kreisobstbaumschule zu Wetzlar zu ver­größern und mit der Anzucht von Obstbäumen schneller und in größerem Umfange vorzugehen. Durch die Zusammenlegung der Gründstücke vieler Gemeinden wird sich der Bedarf an Obstbäumen für die nächsten Jahre erheblich steigern. Die Spezialkommission hat festgestellt, daß sie innerhalb der nächsten 5 Jahre allein 19000 Obstbäume gebrauchen werde. Der Kreistag hat

aus diesem Anlaß die Erweiterung der Kreisobstbaum- schulc genehmigt und 2 Grundstücke von 1 ha 31 ar 76 qm zu einer Jahrespacht von 200 Mk auf die Dauer von 18 Jahren genehmigt.

v. Butzbach, 7. Juni. Am 15. März hatte der hiesige Schulverein zur Er Haltung des Deutschtums i m Auslande einenDeutschen Abend" veranstaltet, bei dem sich ein Ueberschuß von etwa 650 Mk. ergab. 200 Mk. davon wurden dec deutschen Schule in Konstanza in Rumänien über- wiesen, wo der aus hiesiger Gegend stammende Pfarrer Theodor Graf thätig ist. Für die Spende lief be­reits ein warmes Dankschreiben ein. Für die übrigen 450 Mk. wurde im Einvernehmen mit der Hauptleitung in Berlin der Ort Poppersch in der Steiermark vorgeschlagen, wo die unter dec Leitung eines echt deutsch gesinnten Lehrers stehende Schule ein Bollwerk gegen die das Deutschtum aufs heftigste befehdenden Slovenen bildet.

V. Bad-Nauheim, 6. Juni. Die Vorbereitungen zu der Feier des 19. hessischen Fcu e r w eh rtag e s am 19. Juli sind im vollsten Gange. Als Festplatz dient ein nahe am Hochwald gelegener Platz, der von der Stadt in drei Minuten zu erreichen ist. Die Kapelle des Garde- Dragoner-Regiments Nr. 23-Darmstadt ist für die drei Festtage gewonnen, auch bringen mehrere Wehren ihre eigenen Musikkapellen mit. Das Festprogramm ist sehr reichhaltig. Feuerwehrleute in Uniform haben zu allen Veranstaltungen, auch Samstag, den 19. Juli zum Konzert auf der KurhauS- terrasse freien Zutritt.

** Gedern. Lehrer Roth, der schon eine Reihe von Jahren an der hiesigen Schule wirkt, feiert am 19. Juni sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum. Der Bezilkslehrerverein Gedern wird den Jubilar besonders ehren.

n. Brauusels, 8. Juni. Dem fürstlich Solms- Braunfels'schen Obeckammerrat Stephan zu Braun­fels wurde vom Kaiser die Erlaubnis zur Anlegung des ihm verliehenen Ritterkreuzes 1. Klasse des Ver­dienstordens Philipps des Großmütigen erteilt.

m. Büdingen. Am Donnerstag ist hier Herr Kreis- rat Heinrich Jrle verstorben. Der Verstorbene stand seit dem 1. November 1898 an der Spitze der Ver- waltung des Kreises Büdingen. In dieser Zeit hat er sid) um bte SBohsfahrt be8 Kreises und seiner Bewohner grosse Verdienste erworben Seinen Untergebenen war jLia lwbevoller Vorgesetzter, seiner Familie ein uner­setzlicher Fürsorger.