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Nr. 261, Zweites Blatt.

«bo»»'M'«ISV"ts: In Gießen, abgkb.lt monailrckWj; in s HauS gebracht 60 Pfg. durch die Post bezogen viertel. jLbrlich Mk l S0.

«rati-'bkllagen: obeebessische ^amlli-»r-itu»0 <'â^'â

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Due -Man eriwe.ut an allen W-r't-g-n nachmittags.

Samstaq, bett 8. November 1902.

_______________11. Jahrgang.

J»sertto»Sprei ö: Die einspaltige Petitzeile für tieften wie ganz Oberbessen die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Psg. sonst 15 Pfg. - Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und ©rvebition: ©testen Neuenweg 28.

Fernsprechanschlvh Nr. 368.

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(Hießener Dageö^all) Hlnabfmngige Tageszeitung (Hießenev Jeilnng)

für OberUesse» und dir Kreise MarLnrft und Wetzlar; Lokalanzcigcr für Gietzcn und Iiitigcbiitia.

Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großherzog' ichen Bürgermeisterei Gieken.

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Eine vrruMflfüdt' Zaube cerrmonie

Durch daS Entgegenkommen der ^e^log bandlung F. A- B r 0 ck- b«uS in ke'pzig finb wir in ber 9fle schoben Abichnnt auS dem bochint-r ssanten Werke von O b ri ff <5 (b i e l , 2 < J a hre Sturm und Sonnenschein in - ü b a r i f a unsern Lesern zu biete n

Die Freude Dinizulus und dcc Häuptlinge war keine geringe, als ich ihnen die Nachricht von dem 91n= marsch dieser Truppe brachte; denn sie wußten wohl, daß die wiederholten Niederlaaen einen großen Teil ihrer Leute zaghaft gemacht hatten. Da auch die Boten von nfipcbu am selben Abend zmückkamen und dessen Weigerung, die geraubten Weiber und Kinder auszuliefern, überbrachten, beschloß ich die langweiligen Zauberzeremonien der Zulus nicht abzuwarten, sondern mit meinen Federn sofort über die Grenze zu rücken, um durch das Erscheinen einer starken Patrouille Weißer unter dem Feinde womöglich eine Panik hec­vorrufen.

Die Zuluhäuptlinge hatten die Führung der Zulu­truppen, außer den etwa 4000 Mann starken Trans­vaal-Zulus und den Abagulusinregimentern, Umdabuko übertragen. Dinizulu sollte zurückbleiben.

Schon am Mittag des Tages, nachdem wir den Grenzfluß überschritten hatten, stießen wir auf einen größeren Trupp von Usipebus Kriegern, der nach kurzem Gefecht gänzlich versprengt wurde.

Am nächsten Tage kamen wir bis in die Nähe von Usipebus Hauptkraal Banginome, nachdem sich die sämtlichen Bewohner des Landes zurückzuziehen schienen.

Die Kraal der Zulus zeugten von der großen Fruchtbarkeit des Landes. Überall fanden wir große Vorräte an Mais, Kaffernkorn, Kürbissen, Bohnen und Wassermelonen.

Reiter und Pferde litten also keinen Mangel.

Etwa 800 Stück Rindvieh und ebenso viele Schafe und Ziegen fielen in unsere Hände. Die zur Verteidig­ung äußerst günstige Lage von Banginome ließ er­warten, daß Usipebu sich in der Fläche vor dem Berge, auf welchem dec Hauptkraal lag, unserem weiteren Vor­dringen widersetzen und uns angreifen würde.

Etwa zehn Meilen von Banginome entfernt warteten wir die Ankunft des Zuluheeres und von Lukas Meyers Truppe ab.

Am Morgen des 6. Juni stand das ganze Heer der Königspartei am Anfang der sich nach Banginome hinziehenden Ebene aufmaischiert.

lln^r fkncr Trupp Reiter war vorausaeritten,

um in einiger Entfernung von einem Hügel aus die Vorwärtvbl weguna zu beobachten. Lukas Mayer hatte sich mit seinen Reitern auf einen in unserer linken Flanke gelegenen Höhenzug begeben.

Eine geraume Zeit verstrich, und noch immer standen die einzelnen Abteilungen dec Zulus still.

Endlich setzten sie sich in Bewegung, marschierten aber zu meinem Erstaunen nicht vorwärts, sondern formierten sich zu einem ungeheurem Kreise.

Aergerlich über diesen Zeitverlust ritten wir wieder dm Hügel hinunter, um die Ursache zu erfahren. Nun hörte ich, daß man im Begriffe war, wieder eine jener Zauberzeremonien vorzunehmen.

Ich ritt mit meiner Abteilung in den Kreis, in dessen Mitte Umdabuko mit einer Anzahl dec Häupt­linge zu Pferde hielt, und machte ihm Vorwürfe über den Zeuveclust und über diesen Blödsinn unter den Augen des Feindes, dec uns von dec Höhe aus scharf beobachten könne und dem keine unserer Bewegungen und Handlungen entgehe.

Umdabuko suchte mich zu beruhigen.

Wenn die Zulus nicht gezaubert werden", sagte er,wird ihr Herz schwach, und ihre Arme und Knie werden schlapp. Habe noch etwas Geduld, und du sollst sehen, daß sie nachher um so schneller Vorgehen."

Aber ihr habt ja erst vor einigen Tagen gezaubert!" wandte ich ein.

Das war für den ganzen Krieg; heute wird aber für das bevorstehende Gefecht gezaubert!"

Mißmutig fügte ich mich.

Der Obeczaubecer, Hofzauberer oder was der Kerl sonst für einen Titel führte, war grade damit be­schäftigt, in dem großen Kreise die Front abzugehen und mit seinem Plundecbündel die Schilder dec Kcieger zu bestoßen.

Ich besprach eben mit Feldkornett Arnold die In­struktionen für ein zu entsendende Patrouille. Arno d ritt eine kleine, überaus kitzliche Fuchsstute, die bei der geringsten Berührung ausschlug und dabei stets laut aufquiekte. Ich ritt meinen großen Rappen, mein altes Jagd- und Kampagnepferd.

Plötzlich kam dec Zauberer auf uns los und be­rührte mit seinem Bündel Umdabuko und sein Pferd, um sie gegen die feindlichen Kugeln und Affegaie zu feien. Auch mein Pferd berührte er; es war an den Zuluspektakel gewöhnt und schien von dec Geschichte nicht die aertnqfte Notiz zu nehmen.

Als aber dec mit allem möglichen klappernden Zeng behangene^Znuberer sich etwas unvorsichtig schnell nach Arnolds Stute umwandte und ihr mit seiner Violine in die Rippen stieß, quiekte die alte Dame laut auf, feuerte mit dem linken Hinterfuß aus und traf den Zeremonienmeistec so unglücklich auf den Bauch, daß er in den Sand, sein Gerümpel aber in alle Winde flog.

Laut heulendMeimamo, meimamo" (0 weh! 0 weh!) lag er da, sich mit beiden Händen den Bauch haltend.

Ich muß bekennen, daß wir trotz des Jaminer- gcheuls des Halunken alle laut auflachten. Am meisten wunderte ich mich, daß viele der Zulus in unser Ge­lächter einstimmten und den Kerl noch außerdem tüchtig verspotteten; denn obwohl die Zauberer gefürchtet sind, sind sie doch allgemein verhaßt.

Dec Kontrast war aber auch zu köstlich. Eben noch machte dec Träger des Heiligtums andere unver­wundbar, und nun lag ec selbst mit einem Schlag voc den Magen brüllend im Schmutz.

Halte doch das Ding voc den Bauch, dann geht der Schmerz weg!" rief ich ihm zu.

Aber sein Glaube schien zu allen Teufeln zu sein. In gebückter Haltung, die Hände auf dem Leib schlich er weg und ließ sein Gerät liegen, wo es lag.

Das ist ein gutes Zeichen, ihr Männer!" rief ich lautWir Weißen werden euch helfen, den Feind zu schlagen!"

Umdabuko schien sich ebenfalls über den Spaß köstlich zu amüsieren.

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November s

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Dr. Rumseys Patient.

Roman von Dr. Halifax und T. L. Meade. Autorisierte Bearbeitung von E. Weßner.

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n, -^^ fragen Sie, Herr Doktor", erwiderte er, indem er stch mit der rechten Hand durch das Haar fuhr.Uni, so wahr Sie vor nur stehen, so wahr ist es, daß ich der unglücklichste Mensch auf Gottes weiter Welt bin." u

«^b« Frâ-. Worte! Sie vor allen anderen

Eev unterbrach ihn mit hohlem Auflachen.

~ .-Haha, der Schein trugt Herr Doktor, glauben Sie es Aulich, ^-f.1^ und) für einen der glücklichsten Menschen von der Welt. Ich bin reich - ich besitze ein edles stbänes W^b, einen herzigen, hübschen Knaben, wie ein Vater ihn sich [^JJ^11 .^iln. Ich stamme aus einem alten, vornehmen ^ÄV^1^ und trotz aCebem

sich zusammen, er schaute Ecke des Zimmers und

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vier stockte er, seine Gestatt sank in mit einem langen Blick in die dunkle schloß dann die Augen.

"3* bin froh, daß ich heute herkam," versetzte Dr. Rumsey Glauben Sie mir, Ueber Baron, die Symptome, die Sie mA da eben betrieben sind bei Menschen, die in jeder Hinsi-A F^^M^^ *m Leben ernnehmm, keine ungewöhnlichen. Thatsache ist, Sie haben von allem Guten eben zu viel! Sie zU.Mentlich von ihrem ßroßm Ueberstuß euren beträchtlichen §Ä &^Ut ^,mtt 3ur5£bc$nt und geistige, wie körper- ucve ^nsche den Einzug m Ihr Inneres hatten Tunen.^ idtÄS ^" ^ È ^lo'« Augen an und ist afie* vâi, es ist zu spät," murmelte er düster, in lkl* tm. Anfang einen âdermenschücheu Versuch gemacht, ia, dann - je^t habe ich keinen Funken Energie mchr m ^V^? ... ^^ einmal so viel Mut, meinem elenden Leben

zu machen. und das ist mein inbrünstigster, schnkchster ^Â^^^^^a Auvrey, reden Sie nicht so fürchterliches £S2LJF^£ R? <Sf J?? erzählen Sie mir, so gut Sie es vermögen, wie 0« ich suhlen,

Wozu sollte ich das? ' mochte aber, daß

M - kamen

hierher?'

Dr. Rumsey zögerte mit der Antwort. Auf diese Frage hatte er sich nicht vorbereitet. Es widerstrebte ihm, zu lügen.

Ich will aanz offen sein, lieber Audrey," sagte er schließlich. Ihre Frau Gemahlin kam heute zu mir. Sie wünschte nicht, daß Sie von ihrem Besuche bei mir erführen, aber ich hatte es für besser', wenn ich Ihnen nichts verheimliche. Sie lieben Ihre Frau, nicht wahr?"

Gewiß das heißt, wenn ich überhaupt jemanden liebe." Natürlich lieben Sie sie. Seien Sie nicht so unempfindlich. Ihre Gattin kam zu mir, weil ihre Liebe zu Ihnen eine un­begrenzte, überschwängliche ist. Sie hegt Besorgnis um Sie. Sie haben ihr in der letzten Zeit sehr viel Anlaß dazu gegeben, lieber Baron."

Ich davon weiß ich nichts ich habe wirklich nichts gechan"

Das ist es ja eben! Sie haben zu wenig gethan! Ihre Frau befindet sich in größter Herzensangst, ^ie erzählte mir verschiedenes über Ihren Zustand, mit dem ich durchaus nicht zu­frieden bin. Ich bat Ihre Frau Gemahlin, Sie zu nur zu schicken. Sie meinte jedoch. Sie würden das nicht thun, weil Sie sich nicht für krank hielten. So nahm ich mir also vor, selber zu Ihnen zu gehen und hier bin 1^"

Es ist sehr freundlich von Ihnen, Rumsey, aber Sre können mir nicht helfen. Wirklich krank bin ich ja auch nicht. Ich weiß nur, daß irgend etwas was es ist, weiß ich auch nicht meine Seele getötet hat. Sie sind zweifellos ein tüchttger, be­rühmter Arzt, aber lebende Menschen mit toten Seelen die werden Ihnen in Ihrer Praxis noch nicht vorgekommen semi

Da mögen Sie recht haben, Audrey. Ihre Seele ist aber nicht tot eine solche Möglichkeit giebt es garnicht!"

Der Baron blicste Rumsey sonderbar an, sein bisher 10 totenbleiches Gesicht rötete sich ein wenig. ,

So fing und bedeutend Sie sein mögen, lieber Doktor, sagte er,Sre können an mir und meinem Uebel viellercht noch etwas zulernen. Ich bin der merkwürdigste Patient, den Sie bisher unter den Handen hatten. Sie haben mich heute au^ gerüttelt und das ist gut Viellvchl ist meine arme 4-eele doch noch nicht ganz tot - vielleicht kämpft sie blos mit einem bmen Dämon, der sie erwürgen müL"

Zwölftes Kapitel.

Dr. Rumsey schwieg ein Weilchen. Dann sprach er in sehr ruhigem Toner c ,

.Saara Sie mir alles, fetott« Ae Ihr HZ. »AâS an$. Ich bin Lberreugi. daß aichü »o- dem, was Sie am mit-

teilen werden, mich überraschen wird. Wenn es irgend eine Möglichkett giebt, Ihnen zu helfen, so müssen Sie mir Ihre Symptome bis in die winzigsten Details schildern.

Ich habe nur wenig zu schildern/ versetzte Audrey duster, nur das eine weiß ich bestimmt, daß ich von Tag zu Dag gefühlloser werde, daß meine Seele allmählich erstirbt. Ein körperlicher Schmerz ist mir sogar wie eine Erleichterung die seelische Starrheit in mir ist furchtbar. Kennen Sie unsere

mir davon. Es ist eine sehr, sehr ^^ Verhängnis", versetzte Audrey schwer

aufatmend. Und mit solchem über memem Hmwte schwebenden Unheil muß ich leben - 0 mein Gott, warum wurde ich über» Haupt geboren! Warum hat mein Vater geheiratet! Bei einem solchen, sich von Generatton zu Generation forterbenden Fluch« sollte man überhaupt nicht heiraten! Ich fluche mir selber, daß ich so frevelhaft war, eine Ehe zu schließen, em Kind zu erzeugen. Es ist so namenlos schrecklich, zum wahnsinnig^werden!

Das Schicksal, welches Sie stirchten, hat Sie aber noch nicht getroffen," sagte Dr. Mmsey in ernstem Tone.

^Meinen Sie? Ich glaube dennoch -

Me können Sie nur etwas vermuten oder gar als gewiß Indexen, was garnicht der Fall ist!* . .

DHerr Doktor", entgegnete her »aon, einige Schritte auf den tot zutretend,ich bitte mir bad nicht blos ein, ich weiß es! Sehen Sre mich, an! Ich zähle sechsmldzwanzig Jahre. Sehe ich aus, als ob ich" *

Nun, ich gebe zu, Sie sehen alter aus, als Sie fmb , unterbrach ihn Dr. Rumsey. .

Geben Sie, Sie geben es zu! Bettachten Die mein Haar _ es ist bereits von grauen Fäden durchzogen. Fühlen Sie meine kraftlosen, entnervten Hände! Sind das die Hände eines junge» Mannes von secksundzwan-tg Jährens Blicken.Sie in meine kennen - wie matt, wie tot sie und! Smd das ine Augen emeA Mannes in meinem Alter? Nein, nem, uh täusche mich nicht.

es ist bereits von g kraftlosen, entnervten

gegen thun, es ist alles vergeblich! Wie meine Vorstchreu, so werde auch ich dahinsi^en im Nebel dcchingleiten gleiten - ohne der unseligen Gewalt, die mich in den Abgrund Sterns Hatt gebieten, Widersiartt entgegensetz« zu können?

Armer, armer Mann", dachte der Arzt bei sich, /4 steht

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