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Nr. 154.

Zweites Blatt

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Aboeme«tspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg, in'S HauS gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mk. 1 50.

Gratisbeilage« : Oberhessische Familteureitu «g (täglich) Oberhesftsche Zeitschrift für Lamdwirtschaft, Obst ««d Garte»bau, sowie die Gteße«er Leisemblase« (wöchentlich).

DaS Blatt erscheint an alle« Werktagen nachmittags.

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Aeuelle Aachrichlen

(chießener Tageblatt)

Unabhängige Tageszeitung

für Oberhefien und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei (gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen

Aus dessen und Nacbbargebieten.

Au- Lberhksstn, 4. Juli Für Heidelbeeren wurden gestern zwölf Pfennig pro Pfund von den Händlern gezahlt; ein Preis, wie er lange nicht erreicht wurde. Die Ernte ist nicht so bedeutend wie in den Vor-

jähren

i. Bad-Nauheim, 5. Juli. Vom Sanitätsamt des 18. Acmeecorps in Frankfurt a. M. ist der Bürger­meisterei hierselbst angezeigt worden, daß die Einricht­ung eines besonderen Militärkurhauses in Bad Nau­heim wünschenswert sei, weil die Zahl der Militärkur­gäste von Jahr zu Jahr zunehme, im Jahre 1894 14 und im Jahre 1901 93 betragen habe. Der hiesige

Gemeinderat wird sich am 7. Juli mit dieser Sache,

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welche für die Stadt und das Bad von einer großen Bedeutung ist beschäftigen.

* Frankfurt Nach einer Verfügung des Justizministers vom 1. Juli d. I. können im Geltungsbereich der Ver­ordnung über die Ortsgerichte in den O b e r l a n d s g e- richten Frankfurt und Kassel vom 20. Dez. 1899 im Falle deS § 2249 des Bürgerlichen Gesetzbuchs Noth­testamente außer vor den Gemeindevorstehern auch vor den Ortsgerichtsvorsteheru, die nicht Gemeindevorsteher sind, errichtet werden. Jnbetteff der Gebühren und der Auslagen gelten für die OrtSgerichtSvorsteher die gleichen Bestimmungen wie für die Gemeindevorsteher.

* Offenbach, 5. Juli. In der photochemischen Fabrik von Dr. G. Krebs wurde heute Vormittag gegen 11 Uhr durch eine Explosion eine Holzbaracke zerstört und ein darin beschäftigter! 22jähriger Arbeiter getödtet.

Darmstadt, 5. Juli. Prinzessin Elisabeth von Hessen ist heute bei ihrer Mutter, dec geschiedenen Großherzogin Viktoria Melitta in Langenschwalbach zum Besuch eingetroffen.

Darmstadt. Die Prüfung für Hochbauaufseher, Damm-Meister und Kreisstraßenmeistec im Spätjahr 1902 findet nicht statt.

Lohr a. M., 4. Juli. In der Nähe von Bischbrunn, wurde in der vergangenen Nacht ein schweres Ver­brechen verübt. Drei Handwerksburschen kampierten die Nacht im Freien. Während der eine schlief, fielen die beiden andern über diesen her, brachten ihm 20 Messerstiche bei. nahmen ihm die Baarschaft von 16 Mk. ab, warfen den tätlich Verletzten in ein Kornfeld und machten sich auf und davon. Die Thäter sind ent­kommen. Der Schwerverletzte, Tapezierer Metzler aus Speyer wurde ins Spital gebracht.

8 Aus Rheinhessen, 2. Juli, Fast die ganze Provinz Rheinhessen ist gegenwärtig von einer fürchter­lichen Mäuseplage heimgesucht. Die Landwirte stehen dieser Plage vollständig ratlos gegenüber. In vielen Gemeindenlist jetzt schon ein Drittel der Haferernte vernichtet.

Mainz, 4. Juli. Zur Mainzer Regatta am 20. Juli haben 21 Vereine mit 63 Booten gemeldet, die stärkste Beteiligung die je für Mainz da war. Gemeldet haben unter anderem: Frankfurt a. M. (Germania, Mder- verein und Ruderklub), Offenbach, Oberrad, sämtliche Rudervereine Mannheims, Ludwigshafen, Speyer, Wetzlar, Hamburg.

Gonsenheim bei Mainz. Der hiesige Gemeinderat hat sich ganz entschieden geweigert, Bestimmungen über den Verkauf von leicht tuberkulösem Fleisch (sog. Freibankfleisch) zu erlassen. In einer Resolution an das Kceisamt heißt es, daß es unmoralisch sei, das Fleisch, welches die Wohlhabenden für ekelhaft und gesundheitsschädlich bezeichnen, für billigeren Preis den Armen zu verkaufen. Bravo.

* WormS, 4. Juni. Da sich bei Gelegenheit des letzten Feuers in der Dampfziegelei von Kärcher und Weiler gezeigt hat, wie unhaltbar die hiesigen Zu­stände im Feuerlöschwesen für unsere Stadt von 40000 Einwohnern sind, so wird jetzt von vielen Seiten ganz energisch die Gründung einer Berufsfeuerwehr angeregt.

r. WormS, 4 Juli. Der Verein fürGesund- heitSp flege hatte für gestern Abend seine Mitglieder einberufen um Herrn Karl Mann, den Sieger im Wett- I marsch Dresden-Berlin, zu begrüßen und reden zu hören. Herr Mann legte an Pfingsten dieses Jahres den 202 Kilometer langen Weg vonDresden nachBerlin in 26 Stunden 58 Min. zu Fuß zurück, ohne Schlafpause, von Radfahrern begleitet. Von 32 Teil­nehmern an diesem Wettmarsch trug er den Preis da­von. Das Wetter war schlecht, es regnete und hagelte

Montag, den 7. Juli 1902.

Gießener

mitunter. Ec ist 28 Jahre alt und schreibt die be­wundernswerte Widerstandskraft seines Körpers seiner naturgemäßen Lebensweise zu, die er in einer fleisch­losen und auch in Gemüsen beschränkten Diät, sowie in einer vernünftigen Leibes zücht übt in einer täglichen, zur Gewohnheit gewordenen Gymnastik, die alle Organe des Körpers bewegt.

Diez, (Lahn). Der Kaiser genehmigte die Er­richtung eines Kaiser Friedrich- und Kriegerdenkmals dahier, dessen Einweihung Anfang September statt­finden soll.

Demission deS Prof. Dr. Better in Bern.

Der derzeitige Rektor der Berner Hochschule, Prof. Dr. Vetter, ist in dem Streit um die Auslegung seiner in Nürnberg gehaltenen Rede nun auch von seinen akademischen Kollegen in Stich gelassen worden. Man hatte gegen ihn eine Art Disziplinarverfahren eingeleitet, dessen AuSgang ist, wie gemeldet, eine Demission. In seiner Rede hatte Professor Dr. Vetter als Abgesandter der deutschen schweize­rischen Universitäten ungefähr folgendes ausgeführt: Er komme auS einem deutschen Land mit allerdings sehr weit­gehenden Reservatrechten. Die Deutschen in der Schweiz seien sich der Zugehörigkeit zur großen deutschen Nation in vollster Weise bewußt. Der deutsche Schweizer vergesse es wohl bisweilen, daß seine Vergangenheit dieselbe sei wie die des Deutschen Reiches, aber geistig sei er deutsch und werde es auch bleiben. Diese Zugehörigkeit bei dem Feste be­sonders zu betonen, deshalb sei er hier erschienen. Und des­halb sei er hier erschienen. Und deshalb rufe er: Heil Nürnberg, Tu alte Stadt der Reichskleinodien und jetzt wieder die Stätte des schönsten Reichskleinods! Heil Ger­manisches Museum, welches immer wachsen und gedeihen möge! Wegen dieser Betonung der geistigen Zu­sammengehörigkeit der deutschen Schweizer mit der d utschen Nation hat sich ein Entrüstungssturm gegen den Gelehrten erhoben, der ihn jetzt znr Einstellung seiner Unterrichtsthätig- genötigt hat.

Prof. Dr. Ferdinand Vetter, Bern Vertreter der Schweiz bei der Jubiläumsfeier des Germanischen Museums in Nürnberg.

Ein Erfolg der deutschen Industrie

Die Konkurrenzfähigkeit der deutschen mit dec englischen Industrie ist gelegentlich des Wettbewerbs um die Lieferung von Lokomotiven für die Ost indische Eisenbahngesellschaft klar zu Tage getreten. Der Staatssekretär für Indien, Lord Hamilton, mußte auf eine Anfrage im Unterhause mitteilen, daß die betreffende Eisenbahngesellschaft die deutsche Offerte der englischen vorzog, weil deutscherseits ein um mehr als 25pZt. billigeres An­gebot bei wesentlich kürzerer Lieferungsfrist fixiert war. Die erforderlichen 32 Lokomotiven seien darauf end- giltig bei der deutschen Firma A. Borsig, Berlin in Auftrag gegeben worden. Ueberraschend schnell hat sich also dec Wunsch erfüllt, den unlängst, bei der Feier dec Fertigstellung der 5000. Bocsig'schen Loko­motive, der frühere preußische Eisenbahnmlmstec v. Thielen äußerte: Daß die Erzeugnisse dlesec Firma den Ruhm der deutschen Arbeit in ferne Lander

11. Jahrgang.

J«sertio«SpreiS, Die einspaltige Petitzelle für Gteßenwie ganz Oberbessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pf. sonst 15 Pfg.; Reklame« die PetttzeUe 30 resp. 40 Pfg.,

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktton und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.

(Gietzener Ieilung)

tragen möchten. Die englischen Industriellen werden es erklärlicherweise besonders schmerzlich empfinden, in ihrer eigenen Kolonie von den Deutschen geschlagen worden zu sein. Das eröffnet aber den Deutschen günstige Aussichten für den Wettbewerb erst recht in nichtenglischen Ländern.

UermikbUs.

* Cassel, 4. Juli. Der 62jährige Bauer Buhl im Dorfe H o h e n r o t hat seine 66jährige Ehefrau in einem Anfall von Geistesstörung mit einem Beil erschlagen.

* In Halle a. d. S. stürzte sich, wie ein Telegramm von dort meldet, der an Typhus schwer erkrankte sozialistische Redakteur Swienti, ein Schwiegersohn Lieb- knechts, aus dem Fenster herab und erlitt einen Schädel­bruch, der seinen Tod zur Folge hatte.

*DaS 14. Deutsche BundeSschießen findet bestimmt vom 5.12. Juli 1903 in Hannover statt.

* Zwickau. Einem Sittlichkeitsverbrechen ist das 11jährige Schulmädchen Ella Fritsche auS Lichtenstein zum Opfer gefallen. DaS Mädchen wurde von einem Unbe­kannten in ein Gebüsch geschleppt und vergewaltigt. Der Verdacht richtet sich jetzt gegen einen Bergarbeiter.

* Zittau, 3. Juli Der Gemeindevorsteher deS be­deutenden JndustrieorteS Großschönau, Max Weichelt, ist nach Unterschlagung von 60000 Mark Gemeindegelder gestern geflüchtet. Er wurde indeß bereits in Breslau ver­haftet. Weichelt spielte überall den großen Mann.

Koburg, 4. Juni. (Der Rat einer Karten­legerin.) Unter dem Verdachte des Giftmordversuches wurde die Ehefrau des Bossierers Franz Geuther aus dem Städtchen Neustadt in das Gerichtsgefängnis zu Koburg eingeliefert. Sie hatte sich, da ihre dreijährige Ehe keine glückliche war, bei einer Kartenlegerin Rat geholt und diese hatte als das beste Mittel empfohlen, den Ehemann durch Gift aus dem Wege zu räumen. Die Kartenlegerin schickte eine giftige Substanz an Frau Geuther; durch Zufall kam jedoch die Sendung einer Namensschwester in Folge einer Adceffenverwechslung in die Hände, wodurch das Verbrechen aufgedeckt wurde. Frau Geuther hat bereits ein Geständnis abgelegt, auch ist die Anstifterin verhaftet.

*Alt-Heidelberg", Du seines! Anläßlich der 150. Aufführung vonAlt-Heidelberg", die dieser Tage im Berliner Theater stattfand, hat Fritz Brentano das folgende launige Festlied (von Paul Lindau zu singen)

verfaßt:

Alt-Heidelberg", Du feines,

Du Stück an Zugkraft reich, An Wirksamkeit kam keines In der Saison Dir gleich.

Stück glänzender Rapporte Und dec Kassierer Lust, Hat man an jedem Orte Zu schätzen Dich gewußt.

Ob Hof-, ob Stadttheater, Ob Schmiere noch so klein, Dich preist der Bühnenvater, Alt'Heidelberg", allein.

Auch mir wurd'stsDu so teuer, Wie eine reiche Braut, Gottlob, daß auf den Meyer- Foerster ich fest vertraut.

Heidi, nun kann ohn' Sorgen Ich wandern in die Welt Was kümmert mich das Morgen, Ist doch mein Haus bestellt.

Wenn bang' die Andern fragen: Was wird im neuen Jahc? Setz' ich Dich ohne Zagen Wieder auf's Repectoic.

* Barmen, 3. Juli. In dem Stadtteil Barmen-RitterS- Hausen explodierte heute Vormittag ein Theerkessel. Drei Personen wurden getötet, zwei schwer verletzt.

* Marienbad, 3 Juli. Heute früh brannte da- Rudolfsheim nieder. Zwei Personen kamen in den Flammen um. Ein junges Mädchen sprang auS dem zweiten Stock­werk herab und wurde lebensgefährlich verletzt.

* Appenrode. Der 21jähr. Sohn des Schneider­meisters Gerlach stach sich mit einer Nähnadel ins Zahn- fleisch, um sich etwas Erleichterung von seinem Zahn­weh zu verschaffen. Nach einer Stunde zeigte sich eine