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Mk. bi»6,50Mk. Pro Hektoliter. Ein Antrag Wurm (Soz.) will den £43 gänzlich streichen.

Ein Antrag Pachnicke freis. Ver.) will die Brenn­steuer erst von einer Jahres-Mindest-Produktion von 300 Hektol. beginnen lassen und zwar in Abstufungen von 2 bis 6 Mk. Nach kurzer Debatte wird der die Brcnnsteuerskala enthaltende Absatz in der Kommissions- faffung angenommen, desgleichen der Absatz, nach welchem Brennereien die Roggen, Weizen, Gerste, Hafer bearbeiten, die Vergünstigung erhalten, daß die Äcenn- steuer überhaupt erst von 300 Hektol. Jahres-Produktion ab und bei einer Erzeugung von 300 bis 600 Hektol. nur zur Hälfte der im Absatz 1 verzeichneten Sätze er­hoben wird. Absatz 3 setzt die Brennsteuer auf 4/5 der normalen Sätze herab für solche landwirtschaftliche Genossenschaftsbrennereien, welche schon vom April 1895 bestanden haben. Der Absatz wird in dieser Fassung angenommen. Nach dem Beschluß der Kommission sollen die Bestimmungen über die Brenn­steuer bis 1. September 1912 in Kraft bleiben. Zwei Anträge Wurm und Müller-Sagan wollen die Bccnn- steuer schon 1908 resp. 1905 außer Kraft setzen. Abg. Mülle r-Sagan meint, je kürzer die Frist sei, desto größer sei das Compelle für die Regierung, der vor- geschlagenen Resolution entsprechend, dem Hause eine Gesetzes-Vorlage zu machen behufs' Revision der Branntweinsteuer-Gesetzgebung unter gänzlicher Auf­hebung der Maischbottich-Steuer. Die Gültigkeits­dauer der Brennsteuer wird hierauf gemäß dem Kommissions-Vorschlage angenommen. Damit ist die dritte Lesung dec Branntweinsteuer-Novelle beendet. Die Gesamt-Abstimmung wird ausgesetzt. Es gelangt noch die vorerwähnte Resolution der Kommission zur Annahme, ebenso eine zweite Resolution zu Gunsten eines Verbots des Mischens der Hefe mit Stärkemehl Kartoffelmehl und Bierhefe. Morgen 1 Uhr Vogel­schutz-Konvention und dritte Lesung des Toleranz- Antcages. Dann Petitionen.

Parlamentarisches.

Hessischer Landtag

* Darmstadt, 4. Juni.

(Zweite Kammer.)

Zur Beratung steht die Main-Neckarbahn- Vorlage.

Finanzminister Gnauth erklärt, der vorliegende Staatsvertrag ist eine einfache Folge des Vertrages von 1896. Hiernach sind schon die Anteile Hessens und Preußens an der Main-Neckarbahn hinsichtlich ihres Betriebsüberschusses seit 1. April 1897 in die Finanz­gemeinschaft ausgenommen, aber nicht in die Betriebs­gemeinschaft. Hervorgehoben wissen will er, daß die Ab­änderung, wie sie der vorliegende Vertrag zeigt, gegenüber dem 1896er, das äußerste Maß dessen darstelle, was seitens Hessens zu erreichen war.

Staatèminister Rothe: Auch er stehe fest auf dem 1896er Staatsvertrag. Den neuen Vertrag ablehnen, hieße politische Fehler begehen und sei unloyal.

Abg. Schmidt (Ctr.) ist der Ueberzeugung, wenn die Kammer die Neuvorlage so acceptiere, wie sie vor­liege, ohne näheres Eingehen auf den 1896er Vertrag, s0 habe Hessen für alle Zeit auf alles in Eisenbahnfragen verzichtet. Wenn man die

Frau in rosa Trikot und buntfarbigem Shawl:

^Nun! wie geht's?"

Die Frau antwortete nickst; aber beredter als alle Worte waren der kummervolle Blick der Augen, der schmerzliche Zug um den Mund und das Gesicht, auf dem unzählige Thränen die Schminke in breiten Streifen abgewaschen hatten . . .

Grotesk genug sah das Gesicht aus, aber Niemand hätte wohl darüber auch nur das leiseste Lächeln gehabt, denn übergroße Seeleupein war darin ausgesprochen. Ach! wie wahr ist es doch, daß die Augen der Spiegel der Seele sind, und daß es nicht der Worte bedarf, um selbst den tiefsten Kummer auszudrücken.

Der Seiltänzer verstand die stumme Sprache; auf den Zehenspitzen schlich er an ein kleines Bett und neigte sich darüber ... da lag ein ganz blasses Geschöpfchen mit geschlossenen dunkel umränderten Augen. Die farb­losen Lippen des kleinen Mündchens waren halb geöffnet, und pfeifend kam und ging der fieberheiße Athem.

Das arme Kind hatte ein Händchen schlaff herab­hängen lassen; der Vater ergriff und streichelte es; thränenden Auges drückte er heiße Küsse darauf und vorsichtig wie einen zerbrechlichen Gegenstand legte er es auf die Decke zurück.

Ach! welche Wandlung war mit dem Seiltänzer von vorhin vor sich gegangen! als wenn ein Zauberschlag ihn verändert hätte . . .

Lange betrachtete er starren Blickes, mit gespanntem Gesichtsausdruck den Kleinen, das mit Kreide beschmierte Gesicht nah, ganz nah dem blassen kleinen Kinderantlitz, so daß ihn der Hauch des Kindes streifte . . . endlich hob er den Kopf und wandte sich sragend au seine Frau:

Hat er geweint?"

Stein, er kann nicht mehr!" . . . antwortete schluch­zend die unglückliche Blutter.

Nun, nun Marie, nun, sorg' Dich doch nicht so! ... wir bekommen Geld . . heut Abend kaufen wir ihm 'was Gutes . . . wart nur! heut geht's ihm wieder besser . . . alle Plätze sind besetzt . . . Ach! ich habe ihnen ordentlich 'was vorgemacht, um sie anzulocken! . . . Wir können aber nicht beide fortbleiben; geh' Du jetzt hinaus, Du kannst ihnen ja einen Flambard tanzen! . . . ich werde hier bleiben, ich passe auf Georget auf . . . schick' mir nur Griguar, wenn die Vorstellung anfängt."

,,Ja", antwortete die Frau,Du hast recht! .'. . Es ist besser, das macht immer Eindruck, ich werde tanzen."

Gegner des 1896er Vertrages auf die Erfolge desselben für Hessen Hinweise, so sei in Betracht zu ziehen, daß man 1896 noch bessere Bedingungen hätte erreichen können. Redner ist auch jetzt noch dec Ueberzeugung, daß das damals möglich gewesen sei und deshalb be­deute der 96er Vertrag eine schwere Schädigung Hessens, weil man damals nicht das erreicht habe, was man hätte erreichen können. Durch die Annahme des 96er Vertrages sei Hessen jährlich um Millionen geschädigt worden. Der Redner bittet um eine Er­klärung, woran der Unterstützungsfonds dec zu 42 Prozent Ei gen tu m Hessens ist, in die Betriebs­gemeinschaft übernommen werden muß. Ec wendet sich gegen die G ü t e r u m l e i t u n g e n wie sie stattgefunden haben.

In der badischen ersten und zweiten Kammer, sowie in der badischen Regierung sei man darin einig, daß Baden durch Güterumleitung bei der Main-Neckar- Bahn einen Ausfall von ungefähr 600000 Mk. erlitten habe. Im Jahre 1899 seien an Frachten über P/2 Million entzogen worden. Für den Vertrag könne nur das Interesse des Landes maßgebend sein. Der Redner hält eine Revision der Teilungsziffer für nötig, da ganz andere Verhältnisse ein getreten wären. Das hessische Volk sei mit dem 96er Vertrag nicht einver­standen ; das beweise der Ausfall der Wahlen. Die hessischen Steuerzahler würden schon ein hartes Urteil fällen bei den Neuwahlen, wenn man diesem Vertrag zustimm?.

Abg. David: Seine Partei sei prinzipiell für eine Reichseisenbahngemeinschaft. Der preußische Partikula- rismus aber verhindere das gerade. Man müsse deshalb zu dieser Vorlage Nein sagen.

Abg. Dr. Gut fleisch (frs.) muß sagen, daß man in zahlreichen Fällen Grund habe, sich über die Art und Weise Preußens zu erregen. Aber Hessen, das müsse man anerkennen, sei schon lange in Schwierig­keiten in seinen Eisenbahnverhältnissen, was mit dem Verkauf der Main-Neckar-Bahn seinen Anfang genommen habe. Davon sehe man jetzt das Ende. Nun man aber einmal A gesagt, müsse man auch B sagen. Er stimme dem Finanzminister zu, es sei Pflicht, Verträge zu halten, nur deshalb würde er für die Vorlage stimmen.

Finanzministec Gnauth verwahrt sich ausdrücklich gegen den Vorwurf des Abg. David.

Preussischer Landtag.

Der Gesetzentwurf betr. die Neuregelung der Vertragsverhältn.isse der Main-Neckar- Bahn wurde heute in zweiter Lesung debattelos an­genommen. Desgleichen debattelos wurden Resolutionen genehmigt, welche die Hebung des Handwerks betrafen. Es folgte die Interpellation Pappenheim wegen Ein­bringung eines Gesetzentwurfes gegen den Kontrakt­bruch in Arbeitsverhältnissen. Bei Besprechung der Interpellation erklärte der Landwirtschaftsminister von Podbielsky, daß er bemüht sei, gegen den Kontrakt­bruch Maßnahmen zu treffen, namentlich gegen die Arbeitgeber, welche Arbeiter zum Kontraktbruch ver­leiten und kontraktbrüchige Arbeiter beschäftigen und gegen Vermittler, die hierbei in Frage kommen. Er hoffe einen entsprechenden Gesetzentwurf dem Hause in der nächsten Session borlegen zu können. Auf der

Sie stand auf, wischte sich die Augen, zog ihr Trikot zurecht und wandte sich der Thür zu; ihr Mann hielt sie zurück:

Wart' doch!" sagte er,so kannst Du doch nicht gehen . . . auf Deinem Gesicht ist Alles ineinander gelaufen . . . komm her, ich will Dich wieder in Ord­nung bringen . . ." Mit der Ecke eines Handtuchs wischte er ihr erst die Backen ab und dann schminkte er sie mit viel Roth von Neuem.

So! nun geh", sagte erund mach' sie ordentlich wild! . . . Sag' auch Bilboquette, sie soll den großen Wirbel schlagen . . . Ach! heut muß es gut gehen! . . . der Kleine soll heut Abend 'was Feines bekommen, dafür stehe ich ein!"

Und als er dann allein war, setzte der Mann ,sich neben das Nettchen und beugte sich von Neuem darüber.

Einige Minuten lag das Kind ganz, ganz still und unbeweglich; doch plötzlich zuckte es zusammen und schlug die Augenlider langsam auf.

Der Vater sprach mit zärtlich flüsternder Stimme:

Was fehlt Dir, mein Liebling? . . . sag, ... wo hast Du denn Wehweh? . . ."

In 'bem Moment machte das Kind eine etwas leb­haftere Bewegung, und ein Seufzer, einer stummen Klage gleich, hob den kleinen Körper.

Der arme Vater beugte sich noch mehr über das kleine Bettcheu; er fühlte nach dem Puls und fuhr schmeichelnd über Stirn und Wangen des Kindes; dann griff er nach einer Medizinflajehe, goß einige Tropfen in einen Löffel und versuchte diese dem Knaben einzuflößen, indem er fortwährend mit ihm sprach:Sag, hast Du noch Wehweh? . . . trink ein Bischen, mein Herzblatt. . . trink. . ."

Er versuchte den Löffel zwischen die Lippen deS Kindes zu schieben, aber es gelang ihm nicht.

Nein! Du ivillst nicht! aber es ist was Schönes, Süßes . . . Schönes, Süßes für das liebe Kind . . ." redete der Vater liebvoll und hob das blonde Köpfchen des Knaben ein wenig, um ihm das Schlucken zu er­leichtern . . .so, nun mein Liebling, nun trink, es schmeckt ja so gut . . ."

Ach! . l. . Ach! . . ." seufzte das Kind, und pfeifend ging jedesmäl der Athem.

Der MaNn legte den Löffel aus der Hand, wischte sich den Thranenschleier von den Augen, und mit ver­änderter Stimme sprach er zu dem Kleinen:

Sag' doch, mein Georget. siebst Du mich nicht?

morgigen Tagesordnung steht die P 0len-V 0 rla g e die Unfall-Fürsorge für Gefangene, und Schlachtviehversicherung.

Zum südafrikanischen Frieden.

So groß der Jubel in L 0 n d 0 n über die Friedens­botschaft ist, ein Wermuthstropfen fällt in den Freuden­kelch: die Wahrnehmung, daß außerhalb des Jnselreichs nirgends eine Stimme sich erhebt, die demSieger" Glück wünscht, ihm den mit ungeheuren, vielleicht un­verhältnismäßig großen Opfern errungenen Erfolg gönnt. Die öffentliche Meinung aller Länder ist nur von dem Gefühl der Befriedigung darüber erfüllt, daß die Grausamkeiten und Greuel dieses ungleichen Kampfes ein Ende gefunden haben. Die Leiden und Entbehr­ungen, denen die Angehörigen der Buren ausgesetzt waren, mahnten immer stärker zum Friedensschluß. Wenn die Buren sogar den harten Preis des Verzichts auf die Unabhängigkeit dem Gegner zahlten, so mag gewiß diese Not den Ausschlag gegeben haben. Mili­tärisch konnten die Buren zweifellos noch eine Reihe von Monaten den Engländern die Spitze bieten. In­sofern giebt es im südafrikanischen Kriege keinen Sieger und keinen Besiegten. Mit Hesonderer Genugthuung begrüßen Handel und Industrie den Friedensschluß. Den südafrikanischen Markt werden sich aller­dings in erster Reihe die Engländer zu sichern wissen. Aber man nimmt an, daß das Wirtschaftsleben im Allgemeinen einen kräftigeren Impuls erhalte.

* London. Hier gilt es als ausgemachte Sache, ; daß Kitchener das Oberkommando in Indien bekommt.

* Berlin, 5. Juni. Wie aus New-Aork depeschiert wird, melden Nachrichten aus Mittel-Amerika, Bolivia und Alaska übereinstimmend vulkanische Ausbrüche. Die Besorgnis wächst und New-Jork soll eben­falls gefährdet sein, denn verschiedene Geologen wollen bei Peekskill 60 km. oberhalb der Stadt, ferner am unteren Hudson und den angrenzenden Höhenzügen vulkanische Spuren gefunden haben. Die abnormen Wetterverhältnisse sind anscheinend durch die Vorgänge im Erdinneren bewirkt.

* Aus Pretoria wird gemeldet: Die hiesigen Blätter berichten, daß das Zugeständnis Englands, die holländische Sprache als Unterrichtssprache in Südafrika beizubehalten, zahlreiche Protestkundgebungen hervor­gerufen hat. Sie stellen außerdem fest, daß die F e in d - seligkeiten in derKapkolonie fortdauern. Die letzte Verlustliste berichtet von 2 Todten und 4 Ver­wundeten.

* Haag. Dr. Lcyds wird ebenso wie Krüger vorläufig nicht nach Südafrika zurückkehcen. Auf eine Anfrage des holländischen Burenvereins antwortete Krüger: Meine Trauer ist unsagbar. Ich habe nichts weiter zu sagen.

* London, 5. Juni. Das Unterhaus nahm mit 216 gegen 49 Stimmen in dritter Lesung das Gesetz betr. die Kriegsanleihe an. Während der Beratung erklärte der Schatzkanzler Hicksbeach, eine der ersten Maßregeln, welche man treffen müsse, sei dieKriegs- st e u e r festzusetzen, welche die Goldgruben in Zukunft zu entrichten haben werden.

London, 5. Juni.Daily Mail" veröffentlicht mehrere Briefe, welche Vorschlägen, eine Subskription

Kennst mich nicht? . . . L-u rennst Deinen Papa nicht? . . . sag' Georget? ... ich bin ja Papa Bibi ... der Dir was «Schönes bringt . . . sieh doch nur . . .^schöne Chokolade für unsern Georget den kleinen Georget von Papa Bibi! . . . aber mach doch die Augen auf! . . . mach Deine Guckaugen auf, mein Herzchen ... Ach mein Gott! . . . mein Gott! was hast Du! . . . Du athmest ja nicht mehr, sprich doch! . . . antworte mir doch Georget . . . mein Liebling . . . antworte! . . . aber! ... Herr Gott ... er athmet nicht mehr! . . . Oh! . . . mein Gott! . . . mein @-tt! . . ."

In dem Moment öffnet sich die kleine Thür und Griguar ruft eilig hinein -

Alles voll besetzt, Meister, ich gebe jetzt das Zeichen zum Anfang."

Ohne zu antworten, mit schreckensstarren Augen, stürzte der Mann aus dem Wagen, und wie ein Wahn­sinniger hinein in den gefüllten Saal. Da stellte er sich vor den noch geschlossenen Vorhang und mit halberstickter Stimme, jedes Wort nur mühsam hervorbringend, sprach er:

Bleine Damen und Herren, es ist keine Vor­stellung . . . mein Kind ist todt ... das Geld wird Ihnen an der Kasse zurückgegeben."

Er sagte das, weiter Nichts; aber mit einem Aus­druck, daß für einen Augenblick tiefe Stille herrschte, dann aber ging ein Bravorusen, ein Lachen und Klatschen an, das gar nicht enden wollte.

Das Publikum glaubte, dies sei eine Nummer des Programms.

Bibi Lolo war währenddessen unbeweglich an demselben Platz stehen geblieben.

Plötzlich brach er in lautes Schluchzen aus und ries: Stein, nein! es ist wahr! ... Es ist wahr! . . . mein Kind ist todt! ... das Geld wird zurückgegebenI. .."

Da endlich wurde die Stenge stutzig, und als die Tänzerin die eben noch einen so leidenschaftlichen Flam­bard anfgesührt, mit einem Schrei wie ein verwundetes Thier davon stürzte, nachdem sie erst schreckensstarr ge­standen, da begriff das Publikum, was passirt war, und still leerte sich nach und nach der Zuschauerraum.

Zwei Tage später wurde das Kind begraben. Das Publikum hatte das Geld nicht zurücknehmen wollen und Dank der Einnahme konnte Bibi Lolo seinem Liebling Blumen aus das kleine Grab legen.