Einzelbild herunterladen
 

L«»^ «'. 283 _ ________________ _

!? ^ienfc^^ ^ « ne«t preis : in Küßen, adgebott monatlich ^ Pfg-, • M^ 3«fectto»Svre1S: Die einspaltige Petitteile für Gießen wie

W/Ä QbnAkS gebracht 60 Pig., durch d.e Post bezogen v.eNel- «?nz Oberbesien, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Psg.

Sauds, r ^tllfu) C ’ jährlich Mk. 1.50. ■ Ä^^ < ^K MM WM df gf MW^WM lonst 15 Psg. Reklamen die Peritzeile 30 resp. 40 Pfg

t^V^S^"^ ^ rF^W^v »wä*-

ein? m,lhe t^}. ßIfltt fTf*etnt an «lle« Werktagen nachmittags ' W Redakttov und Expeditton: Gießen, Neuenweg 28.

Itfotbeflnii' ^f »emfvre*.wf*i*6 Wr. »s»

Weuelle Aachrichten ö§^«t «Gießener Hagevratt) Anaöyängig- Tageszeitung (Hietz-ner Zeitun g

sJo^ Oberheffe« und die Kreise Marburg unb Wetzlar: Lokalanzeiger für Girsten ?nd um^img. tS Mn®>Lt allesamt? chen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und solche der Großh. Provinzialdirektion von Oberben . C mosten s-sl.tr L r. ______: —«—■——— i^w^ r

Erstes Glatt

1% SfÄ—------------------- 'A *"■ ein böses Omen.

«Ä^ ^^ 3II der Reichstagssitzung vom Dienstag zersprang erben ’ t® W^Hbewten Grafen Stollberg die Glocke. Wohl man- -m^r r^ bereit«; ber Reichsbote?! mag sich in diesem Augenblicke die 7 hâli, sag; ist oillsgedrängt haben, ob diese zersprungene Glocke, n wird. Die fcJine reinen Klänge mehr ertönen läßt, vielleicht ein n, die einlaufenbpn Bild des Reichstags sei. Einst der^Stolz des und einer N-s^i - ^ das Reichsparlament jetzt zu einer statte der Eltern Ha , ,5'^ Scenen und zu einem Tummelplätze entfesselter id,n e^ . I° Midisten gelvorden. Einst lauschte die gesamte Natron -,..' ^r^tr eink^diturg auf die Worte der Erwählten und heute drängt werden. fall-We schaulustige, neugierige Menge zu den Tribünen, Men. — Beweistir^ 'm alten Rom das Volk die Eingänge zum Amphi- owie Knaben über 1411^ umlagerte. Beifall beim Publikum können die Red- ustalt nicht aufoenn J1 'uehr erheische?? und wer von den Tribünengäften ^lftblid) euern Interesse ben aufregenden Berhand- \9 en folgt, wird gewiß nicht ohne aufrichtiges Bedauern

. A v,.. Mßschlechterung der Sitten und die Verminderung ■ gissen, luvens feststellen. Es fehlt diesem Reichstage jedes • 11 Dom Autorität, Ordnung und Zucht. Der Präsident

■---- tint.ach .niedergeschrieen; seine Anordnungen werden 6tcl und die unter seiner Leitung gefaßten Beschlüsse für ungültig erklärt. Besorgt darf man sich wirklich e bis sen Umständen fragen, wohin das führen soll. 11 ein mal die Grundbedingungen einer geordneten par-

. . Dtarirschen Tätigkeit, die Anerkennung der Autorität na Aepfeiweii>,fcrll]-|Renten beseitigt und die Mehrheit den Ausschrei-

J. Arnold.

Heiner wild gewordenen Minderheit ausgesetzt ist, ^lischt vei dem Anblick derartiger Auftritte allmählich elfe Die Achtung vor einer Ei??richtu??g, die das Palla- ihwr Freiheit und seines Selbstbestimrnungsrechtes Für die Parlamentarier selbst aber giebt es, wenn auf der schiefen Ebe??e stehe??, sein halten und £ Aaston mehr. Tatsächlich habe?? wir ja auch in den

degini? des verzweifelte?? Kampfes um die Aus- WfwMvUH? ber Geschäftsordnung allmählich eine stasfelweise m J pWehen,de Steigerung der Leidenschaften und eine Leiter entwickelte Untergrabung der parlamen- ^istenzbedingungen gesehen. Alles, was kundige haben, ist buchstäblich eingetrofsen, ” voch einige Tage so weiter geht, bann sind Marktplatz» l flniif^Waßnabmen von ungeahnter Tragloeite zu

1 Die Parlamentsminderheit glaubt gegen die ^WD^A^W^ii-'it zu sümpfen, schädigt aber in Wirklichkeit die ton- eziebendurcbjed^^ Regierungssorm. Mögen die Reichsbote?? be- a/iUÄ^ Glocke zerspringen kann, wie die- M ' A^ ^rafibenten und daß eine fommenbe (Generation t$M S^fy^ wWw md)t bansen mirb, wenn dereinst die alte Par p errud)feit der siebziger Jahre versunke?: unb die Q)^»f-eywmiiiincne Glocke nur noch Mißtöne erklinge?? läßt.

für 1 ML in Ml

Deutscher Reichstag. m»f.......Aäl.„«^.......- weiss!"5' «rs â?:Ä^ ^^^E geschasst waren. Tie Verhandlung “^ MC^ m die Länge und es war fast unmöq- Lr ^p sur alle Positionen, über die referiert wirb ^WE^' 7^*f 'f 5arucfnerweiiunn an die Kommission und ^^^.. , 'f h’*, ^9, Ucbcrgaug zur Tagesordnung, ver- .— uU • ?e^ ^"trag auf namentlidye Abst?n?muno §pâEK, 2^,wird Im ganzen sind 38 Referate zu erwarten flislljk v^ . Vsl^â'^^ ! ^^ ^lyung beantragte ?sbg. Sinaer die ^overa^ j'^^ Antrags Kardorfs solange auèzusepen, bis ren Ji*n;.„ht iuJö* -^'fl-'OibnnngefommiDijn darüber befunden habe c .Hafl’flll b< °bg-lehnt wurde Go kam hierbei me^ tejT^St "' zwischen.dem Präsidenten und d!n^S°° ne»z0 ® per P»slelli,ii,™ s^"' btc- °ben>o wie die Mitglieder ber stet ioen a«cb p__Jf P^ x^^"«- '"ehrsach in drohender Haltuuq WMs »= L ssä

j jilL r^

Donnerstag, den 4. Dezember 1902.

Die Politik.

K^ sengerüchte im Reichstag.

) Alte Meldungen über einen geplanten Rücktritt bei Grafe?? Ballestrem sind unzutreffend. Zwar hat bei Reichstagspräsident in der Sitzung vom letzten Tiens tag nur an der Abstimmung über die Zulässigkeit der Antrags Kardorff durch Abgabe eines blauen, auf Stimm- enthaltung lautende?? Zettels teilgenommen und sich danr entfernt — aber lediglich nur zu dem Zwecke, sich ir seinen Präsidialgemächern von den Strapazen der leNter Tage auszuruhen.

Die Pläne der Mehrheit.

7 Die Mehrheit des deutschen Reichstags sucht unter allen Umständen die zweite Lesung des Zolltarifs noch in diesem Monat zu beendigen, um dann Mitte Januar die dritte Lesung vorzunehmen. Wenn aber die stürmi- schen Szenen in der seitherigen Stärke wiederholt wer­den, dann ist an ein Gelingen dieses Planes nicht zu denken.

Jubiläum des Schulschiffes „Stosch".

£ Am Mittwoch blickte das Seekadetten- und Schiffs- jungen-Schulschiff „Stosch" auf eine 25jährige Tätigkeit zurück, seitdem es zum erstenmal die Reickskriegsflagge hißte. Zur Erinnerung an diesen Tag ist an die Jnspektwn des Bildungswesens der Marine folgende Allerhöchste Ka­binettsordre ergangen: „Zum 3. Dezember b. Js., dem Tage, an welchem vor 25 Jahren auf Meinem Schulschiffe „Stosch" zum erstenmal die Flagge und die Kommando- zeicher: gesetzt worden sind, entbiete Ich ben Offizieren und Mannschaften dieses Schiffes Meinen kaiserliche?? Gruß, mit dem Wunsche, daß das bewährte Schiff weiter- hin glücklich fahren und erfolgreich seinen wichtigen Auf­gaben gerecht werden möge. Wilhelm I. R."

Der Etat für die Lehrerkonferenzen.

t Sa in letzter Zeit den an mittleren Schulen ange stellten Lehrern die Vergütung für die Teilnahme an ben Konferenzen aus dem für die Volksschullehrer bestimmten Fonds für Kreislehrerkonferenzen bewilligt wurde, so hat der Kultusminister verfügt, daß dieser Fonds nur für Volksschullehrer verwendet werden soll.

Englisch-italienische Freundschaft.

t In dem italienischen Abgeordnetenhause mürbe das Ministerium über das Verhalte?? Italiens zu dem eng­lische:? Somalifeldzuge gefragt. Der Minister des Aeußern Pri??etti teilte daraufhin mit, daß es England erlaubt worden sei, den Mullah bei seinem etwaigen Uebertritt auf italienisches Gebiet zu verfolgen. Ein höherer ita- linischer Offizier wird die Expedition begleiten. Tie di- plomatischen Beziehungen zwischen England und Italien sind also sehr intim.

England und die Zuckersteuer.

£ Als vor einigen Monaten die Vereinbarungen der Brüsseler Zuckerkonvention bekannt mürben, machten Kenner der Verhältnisse darauf aufmerksam, daß England offenbar die gesamte Zuckerlieferung aus fremden Staaten zurückdrängen und mit künstlichen Mitteln seinen Kolonial- zucker begünstigen wolle. Tie Kolonien gewähre?? Ausfuhr Prämien und England läßt diesen prämiierten Zucker ohne Strafzoll einführen; für den übrigen Prämien z ucker aber tritt der Strafzoll ein. Daß es so geplant ist, wurde dieser Tage im englische?? Unterhause bestätigt, mo von der Regierung erklärt wurde, England brauche auf vrä miierten Zucker aus seinen Kolonien feinen Strafzoll zu legen und werde es auch nicht tun.

Die politischen Zustände in Spanien.

£ Sem spanischen Marineminister wurde, weil er ohne Mammcrgene^migung zwei Kreuzer erbauen ließ, ein Miß trauensvotum erteilt. Infolgedessen ist eine Kabinetts krisis ausgebrochen, die bei den herrschenden Unruhen und der Unbeliebtheit des Königs sehr bedenklich sind. Vielleicht aber wird diese Krisis durch eine Schließung des Par lamentë verhütet. Was nun die Unruhen, namentlich bei Studenten von Barcelona, anlangt, so erregen sie bk höchste Beunruhigung in ben politischen Kreisen — In Orense ist ein gewisser Perez Pulgar verhaftet worden, welcher einen Dolch bei sich trug unb erklärte, er sei ein Arnachist aus Argentinien und nach Spanien ge lammen, um den König zu ermorden. Ta er aber nicht die Mittel gefunden habe, nach Madrid zu gelangen, sei er in Orense geblieben.

Tic Botschaft des Präsidenten Roosevelt.

1 Der Präsident der Vereinigten Staatei? hat in seiner neuesten Botschaft an das Parlament seine persönlichen Anschauungen in temperamentvoller Weise zur Geltung gebracht. Er bekennt sich als einen Vollblutamerikaner, der auf eine moralische und wirtschaftliche Eroberung ausgeht und auch hierfür die Kämpfe nicht scheut. Um IM. diesem Ziele zu gelangen, wünscht er in wirtschaftlicher

11. Jahrgang.

en.

^ms?cht einen geeigneten Zolltarif auf der Grundlage der hohen Sätze des seitherigen Mae Kinley Tarifs unb von Gegenseitigkeit -oerträgen, b. h. Verträge, bei denen bic Zollerleichterun 1 u von ben Vertragsstaaten durch Ge genzugeständnisse iu^eln ettvorben werden müssen. Die große?? Ertverbseeuossenschaften will er unter Staats aufsicht nehme??, aber nur dann bekämpfen, wenn sie eine Monopolstellung mit preistreiberischer Tendenz inne haben. Mit Kuba ivünscht er engere Handelsverbindun gen und zuletzt fordert er als bestes Machtmittel des ^taa?es eine starke Landmacht und namentlich eine mäch tige Seewehr. — Der englische „SaUij Telegraph" bespricht diese Botschaft höchst sympathisch und hebt die Interesse?? gleichheit zwische?? England unb Amerika hervor, die das Band zwischen beiden Nationen immer enger knüpfe.

Kurze politische Nachrichten.

* Berlin, ß. Dezember (H 0 f b e ri ch t.) Die Abreise des Kaisers pon Groß-Strehlitz ??ach Slawentzitz erfolgte Mittwoch nach?nittags 3 Uhr o5 Minuten, nachdem vor her im Groß-Strehlitzer Schlosse ein Abschiedsdiner ftatk gesunden hatte, zu welchen? die fänitlidjeu dort mcilenben Jagdgäste Einladungen erhalten hatten. Der Jagdauf- enthakt des Mo??archen bei bem Fürsten zu Hohenlohe, Herzog von lljest, wird bis Freitag, 5. b. Mts., währen. — Tie Breslauer Arbeiterschaft will bei der An­kunft des Kaisers in der schlesischen Provinzialhauptstadt Spalier bilden, um dadurch ihr Einverständnis zu seinen V??i?erkungen über den Verstorbenen Geheimrat Krupp ^uszudrücken.

* In der Familie des Kronprinze?? Friedrich August Don Sachsen twird für Anfang Mai 1903 einem freudige?? Ereignisse entgegengesehen.

* Die russische?? Zeitungen drücken in den wärmsten und begeistertsten Worte?? ihre Sympathie?? mit der Rede ves Kaisers in Görlitz aus. Die „Deutsche Peters burger Zeitung" bezeichnet sie als eine n?e??schlich schöne Handlung und eine wahrhaft befreiende Tat.

* Die Sozialdemokratie hat eine ganze An­zahl von Tarifabänderungsvorschlägen vorbereitet.

* Die Ausgleichsverhandlungen zwischen Oesterreich und Ungarn werden angesichts der Möglichkeit, daß der deutsche Zolltarif durchgeht, wieder ausgenommen.

* Der ungarische oandesverteidigungsmi^ aister wird wahrscheinlich sein Amt niederlegen.

* In Rußland sind an einem Eisenbahnbau des Tauschen Bezirks Ausstände eingetreten, die infolge der Einmischung der Behörden eine immer größere Ausdeh­nung und schroffere Form annohmen. Zuletzt fam es so­gar zu Ausschreitungen, bei benen mehrere Personen durch einen Jnfanterieangriff getötet bezw. verwundet mürben.

* Die französische Kammer hat beschlossen, nur die Hälfte des von Deutschland ausgesetzten Betrags für die Ausstellung in St. Louis zu bewilligen in Höhe von 150 000 Francs.

* Das englisch-japanische Bündnis wird demnächst durch die Entsendung eines stationären japani­schen Geschwaders in die europäischen Gewässer entspre­chenden Ausdruck finden. Das aus zwei Schlachtschiffen und einigen kleineren Schiffer? bestehende japanische Ge­schwader würde bann dem englischen Geschwader attachiert werden, um englische Manöver und gemeinsames Arbeiten mit der englischen Flotte zu erlernen.

* Da wegen der Seuchengefahr die englischen Häfen mr argent?nisches V?eh gesperrt sind, so nahm der Senat von Argentinien ein Gesetz über verschärfte gesund- polizeiliche Ueberwachungsmaßnahmen an.

Nab und fern.

\x Der Verein fürstlicher Frauen zur FördcrlMg der Sittlichkeit, von dessen Gründung mehrfach berichtet wurde, hat eine neue Kräftigung erhalten. 3 - e ner in Kassel abgehaltenen Versammlung von Damen hoher G burt, unter denen sich die Herzogin Friedrich ^codora zu Schleswig-Holstein, die Fürstin-Witwe Luise zu Wal­deck und die Landgräfin von Hessen Philippsthat befanden, wurde der Anschluß an den Verein beschlossen.

$ Ein furchtbares Familiendrama ereignete sich in Berlin. Die junge, hübsche Frau des Buchhalters Körner vergiftete nach einem boraufgegangenen heftigen Streit mit ihrem Gatten sich und ihren 3hrjährigen Sohn mit Morphium. Tie Eheleute Körner lebten sehr unglücklich zusammen. Ter schwächliche Mann hatte mehrfach Lunge. - blutungen, das letzte Mal vor einigen Wochen. Seitdem bei dem Ehepaar ein junger Arzt als Asiermieter Wohnung genommen hatte, tarnen die Zwistigkeiten immer häufiger vor, da Frau K. mit ihrem Mieter ein intimes Verhältnis unterhalten haben soll.