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Hessischer Landtag.

* Darmstadt, 3. Juni.

Abg. Weidner wendet sich in längeren Ausführungen gegen die Antwort der Regierung auf die Anfrage des Abg. Weil, die Bureaukosten der Bürgermeister betr., sowie des Abg. Weidner, das Diensteinkommen der Bürger, meister betr. Die Regierung meint, von einer Erweiterung des Gebührenbezugsrechts der Bürgermeister sei abzusehen, während Abg. Weidner aussührt, wie nötig eine bessere Bezahlung der Bürgermeister in dieser Hinsicht sei. Er wünscht, daß das Gemeindebesoldungègesetz zur Regelung dieser Angelegenheit nicht erst abgewartet werde, sondern daß den Bürgermeistern jetzt schon die Gebühren zuteil wurden, die ihnen gehören.

Staatsminister Rothe verteidigt die Regierung gegen den Vorwurf des Vorredners und hält weitere Gebühren nicht im Interesse der ehrenamtlichen Stellung der Bürger­meister.

Abg. Ulrich führt die Mißstände zum Teil auf die Zwitterstellung der Landbürgermeister zurück, die einmal eyrenamckiche Funktionäre der Gemeinden seien und ande­rerseits staatliche Beamte. Der Redner wendet sich auch gegen die Mißstände der Bürgermeister, die die Regierung sehr wohl abstellen können, wenn sie einfach keinen Bürgermeister bestätige, bei dessen Wahl irgendwie freies Essen und Trinken eine Rolle gespielt. Er wünscht überhaupt Aushebung der BestätigungèrechtS der Regierung.

Hiergegen sprechen vor Allem nationalliberale Redner. Da die Verhanolungen dieser beiden Anfragen fast den ganzen Vormittag in Anspruch genommen haben, erledigt die Kammer nur noch einige kleinere Jnterpellatio nen, ohne die Berathung größerer Gesetzesvorlagen einzutreten. Bei der Ansragc des Abg. Dreher betreffend die Ueber- schreitung des Züchtigungsrechtes durch den Lehrer Breidenbach in Eberstadt kommt es zu einer lebhaften Deoalte über das Recht der Prügelstrafe in der Schule, in deren Verlauf sich Abg. Wolff (Antls.) für die Prügelstrafe in den Schulen ziemlich begeistert ausspricht und Abg. Backes (»!.) vor HumanilätSdaselei warnt, wogegen ,Abg. Dr. David und Abg. Cramer sich mit guten Gründen wenden.

Nächste Sitzung Mittwoch. Tagesordnung: Main- Neckar vahn -V ertrag.

Giessener Cagesneuigkeiten.

Gießen, 4. Juni.

Das Spiel des Zufalls. Bei der stattgehabten 1. Ziehung der 3. Klaffe der V. Landeslotterie wurden folgende größere Gewinne gezogen und entfielen auf die beigcsetzten Losnummern. 1. Gewinn von 3000 M. auf Nr. 19338 (Franz Harburger in Mainz). Gewinne â 1000 M. auf Nr. 14547 (W. Jttmann in Groß- Umstadt), Nr. 29233 (Jul. Anger in Darmstadt). Ge- winnne a 400 M. auf Nr. 1843, 4128, 23011, 37920. Gewinnegü 300 M. auf Nr. 536, 4142, 17210, 19624, 25497,40123, 45833, 53105. Gewinne â 250 M. auf Nr. 2216, 3731, 43332, 46465, 53260, 54759. Ge­winne ü 200 M. auf Nr. 826, 1074, 2757, 2760, 3513, 5473, 9487, 10173, 10338, 11335, 12328, 13466, 15368, 15559, 15922, 16814, 17384, 19230, 20155, 20630,

22694, 27246, 27738, 29919, 31456, 32559, 34173, 36365, 36729, 37240, 37636, 39300, 48543, 51354, £4597. (Ohne Gewähr.)

* Elscnvahnerdesuch Der Eisenbahnverein Fried­berg unternahm am verflossenen Sonntag seinen ersten diesjährigen Ausflug mit Sonderzug nach Gießen. Gegen 3 Uhr hier angekommen, wurde der Verein von unserem hiesigen Eisenbahnverein in Empfang genommen und unter Musikbegleitung nach dem Textor'schen Etablissement auf der Hardt geleitet. Der Besuch war sehr stark. Der Ausflug verlief auf das Schönste und wurde durch keinen Mißton getrübt. Gegen 10 Uhr führte ein Extrazug die Friedberger Gäste noch ihrer Heimatstadt zurück.

§ PreisauSsieuung. In dem Kürschner- und Pelz- waarengeschäst von Kretzschmar (Marktplatz) sind die beiden Preise, die vom Gießener Radfahrverein auf dem Fahren in Butzbach errungen worden sind, aus­gestellt.

* In LonhS Bierkcllcr kann man sich jetzt allabend­lich beim Gesang dreier Kärntner Sängerinnen und einem frischen Glas Lier nach des Tages Arbeit aus­ruhen. Der Garten liegt still und darum ist ein Besuch nur zu empfehlen. Im klebrigen verweisen wir auf das Jnserar in heutiger Nr.

* Gelegenheit macht Diebe. Die gegenwärtig herr­schende kannibalische Hitze veranlaßt viele Leute, Nachts die Fenster offen zu lassen. In den oberen Stock­werken mag dies ja angängig sein, aber die Bewohner von Parterrestöckcn müssen doch einige Vorsicht an wenden, denn offenstehende Fenster bilden für eine gewisse Sorte Menschen eine willkommene Gelegenheit zum Stehlen.

* Lcichenfuad. Gestern Nachmittag wurde in einer Feldscheuer an der Rodheimerstcaße dahier die Leiche eines Taglöhners aus Frankenbach aufgefunden und in die Leichenhalle verbracht.

* Ausgesunven. Ein hiesiger Taglöhnec, welcher sich gestern Abend in krankhaftem Zustand an dem Eisenbahndamm in der Westanlage niederließ, mußte

in die Klinik verbracht werden, wo er im Laufe der Nacht starb.

* Nächtlicher Unfug. In vergangener Nacht fanden zwischen Studenten am Seltecsthor und am Bahnhof Schlägereien statt; in beiden Fällen sind Anzeigen er­hoben, ebenso wurden wegen verschiedenen Ruhestör­ungen (Klavierspielen bei offenem Fenster pp.) Anzeigen erhoben.

* Gießen, 4. Juni. Im Zeitungszimmer der öffentlichen Lesehalle sind Karten der Um­gegend von Gießen und Touristenführer zur Einsicht dauernd aufgelegt worden. Wiederholt sei darauf hin- gewiesen, daß das Zeitungszimmer an den Werktagen von 610 Uhr abends, Sonntags von 11 Uhr vor­mittags bis 10 Uhr abends jedem Erwachsenen offen steht.

r. Vorsicht beim Baden. Die heiße Zeit ist wieder da, man sucht Kühlung und Erfrischung im kalten Wasser. Wenn man aber in den letzten Tagen die Tageszeitungen gelesen hat, so wird man mit Staunen sehen, wie viele Menschenleben schon beim Baden dahin­gegangen sind. Man sehe sich daher vor. 1. Soll sich keiner in ein Schwimmbassin oder gar freies Wasser wagen, wenn er nicht unter Aufsicht eines Schwimm­lehrers bewiesen hat, daß er mindestens eine Viertel­stunde schwimmen kann. 2. Soll man die wenigen Heller nicht scheuen und in einer Badeanstalt baden, wo der Schwimmmeister sofort bei plötzlichen Anfällen wie Krampf u. dergl. Hilfe leisten kann. 3. Darf man nie ins Wasser gehen, ohne sich etwa 5 Minuten ab­gekühlt und mit kaltem Wasser gewaschen oder getuscht zu haben. Es möge jedem als Warnung vor Augen stehen, wie viele Menschen schon, wenn sie erhitzt plötzlich ins kalte Wasser sprangen, durch Herzschlag u. dergl. ein frühzeitiges Ende gefunden haben. Möchten doch auch Eltern strengstens darüber wachen, daß ihre Kinder nicht leichtsinnig baden.

Im Monat Juni ist Jagdzeit für Schwarzwild, männl. Edel- und Damwild, Rehböcke, alles Raubzeug, wilde Kaninchen, wilde Tauben, alles Wild, welches im Großherzogtum Hessen oder in dessen nächster Um­gebung nicht setzt oder nistet. Heegzeit für weibl. Rehwild, Auer-, Birk- und Fasanen-Hähne, Enten, Schnepfenarten, Brachvögel und Kibitze, Rebhühner und alles übrige Wild.

§ Der Roscnmonat ist mit tropischer Hitze in Er­scheinung getreten; was der Mai gesündigt hat, scheint er doppelt wieder gut machen zu woben. Kaum ist die sommerliche Hitze zur Geltung gelangt, gleich machen sich ihre Folgen bemerkbar. Am Rhein hat eS mehr­fach schwere Gewitter gegeben und eingeschlagen. Bei uns hat es merkwürdigerweise noch nicht geblitzt und gedonnert wir wollen hoffen, daß uns die Wohlthat einer solchen Luftreinigung und Kühlung von oben bald einmal beschieden ist. Uebrigens ist dieGlutwelle", wie die Meteorologen sagen, über ganz Deutschland und Oesterreich gleichmäßig ausgebreitet. In Marienbad waren am Sonntag 33 Grad Celsius im Schatten. So weit haben wir Gießener cs allerdings noch nicht gebracht. In unseren herrlichen Waldungen ist's aber immer hübsch kühl, selbst in den Hundstagen.

Die zulässige Fahrgeschwindigkeit für die Eisenbahnen Deutschlands ist nach einem Erlaß des preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten unter besonders günstigen Verhältnissen von 90 auf 100 Kilometer in der Stunde erhöht worden, um einen etwas größeren Spielraum zwischen der fahrplanmäßigen und der höchsten zulässigen Fahrgeschwindigkeit zu gewinnen, damit die Lokomotivführer nötigenfalls kleine Verspätungen einholen können, ohne in Gefahr zu geraten, die gesetzlich zulässige Fahrgeschwindigkeit zu überschreiten. Ob dieser Betriebsfortschritt nun gerade dazu beitragen wird, die in letzter Zeit sich erschreckend mehrenden Eiseubahnunfälle zu vermindern, ist eine andere Frage.

Hus Reffen und ttacbbargebieten.

* Bou Hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Klaviermacher Adam Fischbach aus Hörde wegen Betrugs von der Staatsanwaltschaft Gießen; Vichschweizer Ernst Christian Rabe aus Langenchursdorf wegen Diebstahls vom Amtsanwalt zu Büdingen; Johann Dietrich Lichtenhan aus Grebenstein wegen Entweichens vom Polizeiamt Gießen; Anstreicher Franz Varwig aus Soest wegen Wider­stands u. f. tu. von der Staatsanwaltschaft Gießen; Dienstknecht Heinrich Drege aus Göttingen wegen Diebstahls von der Staatsanwaltschaft Gießen ; Schuh­macher und Taglöhner Heinrich Fritzaes aus Götzen wegen Betrugs von der Staatsanwaltschaft Gießen; Dienstknecht Peter Hebert aus Haselbach wegen Körper­verletzung vom Amtsanwalt zu Friedberg; Dienstknecht Wilhelm Knöß aus Utphe wegen Betrugs vom Amts­anwalt zu Büdingen; Maurer Konrad Stock aus Schlitz wegen Strafvollstreckung vom Amtsgericht Lau­bach.

* Marburg. Beim Exerzieren auf dem vor der Kaserne gelegenen Kämpfrasen stürzte eine Anzahl Mannschaften des hiesigen Jägerbataillons zusammen.

n. Nidda, 4. Juni. Am 15. Juni findet in unserer Stadt der 5. Kreisfeuerwehrtag des Kreises Büdingen statt. Das Programm lautet: Vorm. 10 Uhr: Delegierten-Versammlung. Mittags 12 Uhr: Ge­meinsames Mittagsmahl. Nachm. 2 Uhr: Aufstellung der verschiedenen Feuerwehren mit anschließeuder Uebung.

Vom Lande. Nicht besser hätte sich der Juni als Nachfolger des diesjährigen traurigen Mai auch für die Bienenzüchter einführen können, als daß ec den lieben Bienlein heißen Sonnenschein brachte. Bei all

der reichen Blütentracht war es den Bienen nicht möglich dieselben auszunutzen, sie mußten in ihren Stöcken harren. Für die Mitglieder des Oberhessischcn Bienen-Vereins wird bei genügender Beteiligung Herr Pfarrer Ellenberger zu Ortenberg vom 29. Juni bis 7. Juli einen Kursus abhalten.

a. Hohensolms. Ein junger Mann aus Altenkirchen, welcher vorigen Samstag einen Wagen Lohe nach Gießen gebracht hatte, erlitt auf dem Heimweg zwischen Hohensolms und seinem Heimatdorf ein Unglück, dar seinen Tod zur Folge hatte. Man fand ihn am Sonntag Morgen als Leiche neben seinem Wagen liegen, der Wagen lag umgestülpt und das Pferd war noch halb angeschirrt und graste bei der Unglücksstätte. Da sich an jener Stelle eine starke Kurve mit starkem Gefälle befindet, so mögen diese wohl die Ursache zu dem Unglück gegeben haben.

d. Bieber b. Rodheim. Das Emporblühen unseres Dörfchens hat auch die Vergrößerung der Schule nach sich gezogen. Das noch ziemlich neue SchulhauS hat einen Anbau erhalten, welcher für die zweite Schul­klasse vorgesehen ist. Derselbe geht soeben seiner inneren Vollendung entgegen, sodaß mit Herbst die zweite Schulstelle eröffnet werden kann. Die Kinder­zahl beträgt weit über 100 Schüler.

- Darmstadt. Prof. Dr. Berghoff-Ising hielt letzten Samstag vor etwa 400 hessischen Volksschul­lehrern einen Vortrag über Volkswirtschaftslehre. Diesem Vortrag sollen an den nächsten fünf aufeinander folgenden Samstagen fünf weitere Vorträge über den­selben Gegenstand folgen. Jeder Teilnehmer entrichtet einen einmaligen Beitrag von 4 Mk. zur Bestreitung der Kosten, der Ueberschuß ist für wohlthätige Zwecke bestimmt. Ein ähnlicher Vortragszyklus soll im Herbst stattfinden, wobei ein Professor aus Straßburg über Pädagoik sprechen wird. Für beide Vortragszyklen haben sich zetzt schon 600 Lehrer gemeldet.

In Bingen scheint es sehr gebildete Studierende" zu geben. DemM. A". wird aus Bingen geschrieben: Samstag Nacht wurde das Fuhrwerk eines hiesigen Wirtes von mehreren jedenfalls an­geheiterten Studierenden des Rhein. Technikums an­gehalten. Der Wagenführer erhielt mehrere Messer­stiche in den Kopf.

Bingen, 2. Juni. Heute ertrank in der Nähe der 19 Jahre alte Küfergeselle Ernst Caspary von Enkirch bei Traben a. d. Mosel. Er war zum Baden gegangen und ist, trotzdem er schwimmen konnte, ertrunken. Jedenfalls bekam er einen Krampfanfall.

Bei Ippesheim ertrank in der Nahe beim Baden der 20 jährige Sohn des Schrcinermeisters Wirth von Biebelsheim. Der Ertrunkene war der einzige Sohn.

Aus dem GericbtsfaaL

Koburg. Das Schwurg ericht verurteilte den 57 Jahre alten Steueramtsrcndanten Rat Frank aus Sonneberg wegen Urkundenfälschung und Unterschlagung zu 5 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrver lust. Frank hatte, nachdem er das ca. 125,000 Mk. betragende Vermögen seiner Frau durchgebracht hatte, Amtsgelder im Betrage von 37 348 Mk., sowie die ihm anvertraute Kaution eines Mühlenbesitzers Namens Gumpert aus Mupperg unterschlagen, sowie die verwittwete Frau Realschul­direktor Martin von hier um 10000 Mk. gebracht. Der Staatsanwalt hatte 7 Jahre Zuchthaus beantragt.

neueste Nachrichten.

* London, 4. Juni. Der Kaiser von Japan, sowie der Minister des Aeußern sandten anläßlich des Friedens­schlusses Glückwunsch-Telegramme an die englische Regierung.

London, 4. Juni. Man glaubt, daß die englische Regierung dem Präsidenten Krüger und seinen Rat­gebern mit Ausnahme des Dr. Leyds freies Geleit nach Südafrika geben wird. Die Bedingungen, welche Krüger gestellt werden sollen, gehen nur dahin, daß Krüger sich auf seiner Farm aufhalten soll. Wenn die Buren hiermit einverstanden seien, werde Krüger und den übrigen Burenvertretern ein Kreuzer zur Ver­fügung gestellt werden.

Aus St. Helcaa wird gemeldet: Die Nachricht vom Friedensschluß wurde von den gefangenen Buren mit großer Freude entgegen genommen. Viele glauben noch immer, daß der Friede auf der Basis der Unabhängig­keit abgeschlossen sei.

* Barcelona, 4. Juni. 12000 Arbeiter sind aus­ständig und nehmen eine sehr erregte Haltung an. Die Polizei verhaftete mehrere Anarchisten. Weitere Vor­sichtsmaßregeln zur Aufrechterhaltung dec Ruhe werden von den Behörden getroffen.

Briefkasten.

R. R. i« G Sobald bie Punktationcn des FriedenSvertrag« in Kraft getreten sind, ist der freie Zuzug nach Ostafrika wieder gestattet. Es ist jedoch ratsam, mit eventueller Einwanderung noch einige Monate zu warten, da sich die Verhältnisse in Transvaal erst noch klären müssen. Während des UebergangSstadiumS können allerlei unvorhergesehene Scherereien erwachsen.

Was in der Stadt und aus dem Lande vorgeht

melde man denGießener Neueste Nachrichten."

Berichterstatter in allen Orten der Kreise Gießen, Butzbach, Friedberg, Wetzlar und Marburg erwünscht

Siegener Neueste Nachrichten".