Am 20. August waren es 100 Jahre, daß der letzte Kurfürst von Hessen das Licht der Welt erblickte. Seinem Andenken ist ein Aufsatz der Zeitschrift Hessenland gewidmet, deren neueste Nr. 16 auch ein Bildnis bringt nebst einem Gedicht auf den 100jährigen Gedenktag. Dieselbe Nr. enthält auch einen für Münzfreunde interessanten Aufsatz über „Namen von Münzmeistern und Stempelschneidern auf hessischen Geldstücken. Dem „ersten Sänger des Schwalmthales" Kurt Nuhn wird anläßlich selnes Todes ein herzlicher Nachruf gewidmet. Schön ist auch der 1. Teil dec Novellete „An der Werra" von M. v. Ekeusten.
Hus dem bericbissaal.
Strafkammersitzung.
Gießen, 2. September.
Um 8 Uhr eröffnet Landgerichtsdirektor Dr. Günge- rich die Sitzung. — Zunächst kommt nochmals die Sache gegen Konrad Weller aus Maar zur Verhandlung. Er hat, wie schon neulich milgeteilt, ein Mädchen durch Wurf mit einem Stück Holz am Auge sehr erheblich beschädigt. Er erhält 1 Monat Gesängnis. — Der Kurt Störzer von Gut „Neuhof" bei Leihgestern, oftmals wegen Diebstahl, Betrug re vorbestraft, und der GeorgHäuser ebendaher und wegen Körperverletzung vorbestraft, sind heute der Körperverletzung gefährlicher Art beschuldigt. Auf der Leihgesterner Kirmes gerieten die Beiden aneinander, an
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scheinend wegen eines Mädchens, wobei sich H. mit dem Messer zur Wehr setzte, und seinem Gegner eine große Wunde beibrachte. Das Urteil lautet gegen H. auf drei Wochen, gegen Störzer aus 10Tage Gefängnis. Py ilipp Gabel aus Rechtenbach ist der Urkundenfälschung in Ideal- konkurrenz mit Betrug, sowie des Betrugs für sich in mehreren Fällen angeklagt. Er hat, was ec auch zugiebt, die Unterschrift seiner ehemaligen Herrschaft gefälscht, um sich Geld im Betrage von 11 Mk. zu verschaffen. Außerdem hat er verschiedenen Geschäftsleuten, unter der falschen Angabe, die Sachen seien für seine Herrin, Kaffee, Zucker rc. abgeschwindelt. Er erhält 6 Monate Gefängnis. — Der interessanteste Fall des Tages war der des Heinrich Wißner aus Dannenrod, der der Wilddieberei angeklagt ist. Es sind insgesamt 16 Zeugen geladen, die auch alle erschienen sind. Wißner, der früher 'als Jagdgehilfe beim Freiherrn von Schenk zu Schweinsberg war, ist schon einmal wegen Wilderei bestraft worden. Die heutige Anklage gründet sich auf folgenden Thatbestand : dem Forstassesfor Strack, der seit einiger Zeit die Dienste eines Privatoberförsters beim Frhrn. v. Schenck versieht, wurde eines Tages gemeldet, in den ihm unterstehenden Waldungen werde gewildert. Wißner bestreitet, gewildert zu haben, die Zeugen belasten ihn aber sehr. Nur einer spricht zu Gunsten des Angeklagten. Er ist ein noch sehr junger Mensch, der behauptet, die aus dem Gerichtstisch liegende Büchse sei in der That nicht dem Wißner, sondern ihm selber. Er habe vor einigen Jahren die Büchse von einem jetzt verstorbenen Manne gekauft, sie aus Furcht vor feinem Vater aber im Walde ver-
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steckt, um sie gelegentlich zu probiren. Darin sei er jedoch stets gestört worden und deßhalb habe er die Büchse liegen lassen. — Mit diesen Aussagen stimmen jedoch die Gutachten der Forstbeamten nicht überein; diese erklären, es sei nicht denkbar, daß im Laufe einiger Jahre ein der Witterung ausgesetztes Gewehr so wenig verrostet sei und daß die darin vorgefundenen Patronen nicht verschimmelt sein sollten. — Der fragt. Zeuge wird nicht beeidigt, da er, wie der Vorsitzende verkündet, der Beihilfe verdächtig sei. — Der Staatsanwalt beantragt 1 Jahr Gefängnis. — Rechtsanwalt Jung, der Verteidiger Wißners, weist in einer sehr geschickten Rede darauf hin, daß Wißner als früherer Forstbeamtec botenlos dumm — und dumm sei er nicht — gehandelt haben müsse, wenn das ihm zur Last Gelegte wahr sei. Ec beantragt schließlich Freisprechung. Im Falle jedoch das Gericht zu einem verurteilenden Erkenntnis kommen solle, so ersuche er die Frage wegen Gewerbsmäßigkeit zu verneinen. Das Urteil lautet auf 6 Monate Gefängnis. — Der letzte Fall ist der des Konrad Koch aus Münzrnberg. Er war vom Schöffengericht in Butzbach wegen Beleidigung des Münzenberger Bürgermeisters zu 25 Mark Geldstrafe verurteilt worden. In einem Briefe an das Kreisamt Friedberg hatte er gesagt, der Bürgermeister, mit dem er nicht ganz hold ist, habe gelegentlich der Versteigerung von Hospitalgelände in Münzenberg zu seinem, des Kochs Nachteil gelogen. Der Verteidiger des Angeklagten beantragt Freisprechung, allein der Gerichtshof erkennt auf Verwerfung der Berufung, da die gehörige Form nicht gewahrt sei, wenn der Inhalt der inkriminirten Schrift auch stimme.
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